Kategorie-Archiv: PC

Revolutionen fangen von unten an…

Magazinen, die sich mit der elektronischen Spielsucht ihrer Konsumenten beschäftigen, geht es schlecht – verdammt schlecht sogar. Allein im aktuellen Quartal büßte die Branche schon wieder zehn Prozent ihrer Auflagenstärke ein. Einstiege Flagschiffe wie die GameStar oder PC Games büßen sogar weitaus mehr an Auflage ein. Gerade die GameStar, früher konstant bei über 300.000 verkauften Exemplaren pro Heft und Monat, rutscht nun gefährlich an den unteren Rand der 200.000er-Grenze. Da, wo sich die PC Games übrigens schon seit mehr als einem Jahr befindet.

Wer ist also Schuld an dieser Misere? Der Kunde vielleicht? Kauft er nicht mehr genug ein? Mitnichten: der Markt für Unterhaltungselektronik und dazu zählen eben auch Videospiele wuchs laut einer Studie des GfK und der gfu im Jahr 2005 um satte 13,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.* Auch die Konjunktur kurbelt sich in diesem Jahr auf wahrscheinlich bis zu 2,0 Prozent hoch.** Am Konsumverhalten der Kunden kann es also kaum liegen, dass eben auch die Videospielmagazine konstant an Auflage verlieren. Oft wird hierbei übrigens der Generationswechsel weg von PS2, Xbox und Gamecube hin zur PS3, Xbox360 und dem Wii als Grund angegeben. Nur, warum verlieren dann alle großen Magazine seit über drei Jahren, also weit bevor sich der Generationswechsel abzeichnete, kontinuierlich an Auflage (siehe Diagramm rechts)?

Hat die komplette Branche vielleicht einfach nur einen Trend verpennt? Ein Trend, der sich, wie das Web 2.0, nur langsam, aber dafür immer deutlicher abzeichnete? Ich nenne ihn der Einfachheit halber an dieser Stelle nun Spielejournalismus 2.0. Eben diesen Journalismus zeichnet genau das aus, was mit kleinen, meist privaten Blogs wie d-frag, antigames und grindthatauthority begann, sich bei kleineren Magazinen wie Rebell oder working title entwickelte und sich langsam auch bei den größeren Online-Magazinen wie 4players bemerkbar macht. Denn wo unsere Printkollegen Spiele immer noch haarklein sezieren als wären sie Trockner, Haarwuchsmittel oder Sonnencreme, da wird auf der anderen Seite, zumindest bei den kleineren Vertretern, mehr auf den subjektiven Eindruck eingegangen. Wertungen werden sekundär: manchmal gibt es sie noch in einer groben Skalierung, meistens fallen sie aber ganz unter den Tisch. Was zählt ist der spielerische Eindruck, das Besondere eines Spiel, nicht etwa ob die Grafikengine nun wirklich über HDR-Effekte verfügt und die neuesten Pixel- und Vertex-Shader-Spielerein nutzt. Klar, unsere Printkollegen stecken hier in einem Dilemma. Jahrelang wurde dem Käufer vorgegaukelt man könne Spiele bis aufs kleinste Prozentpünktchen bewerten. Bestes Beispiel hierfür dürfte das viel gescholtene Bewertungssystem der GameStar sein (wo zehn irrelevante Einzelwertungen die Endnote ergeben). Es ist also schon durchaus löblich, wenn ein Mainstream-Magazin wie die PC PowerPlay hingeht, und zumindest subjetive Bewertungen zulässt. Dass dessen Quersumme dann zu einer angeblich objektiven Bewertung zusammengefasst werden, ist wohl der Kompromiss an den Mainstream.

Trotzdem hat auch die PC PowerPlay ein Problem: sie hat es, wie auch der Großteil der Branche, noch nie gewagt wirklich das zu machen, für was Journalisten eigentlich da sind. Kritische Fragen oder gut recherchierte Reportagen findet man im deutschen Spielejournalismus so gut wie gar nicht. Im Endeffekt unterscheiden sich die vielen PC- und Videospiele-Magazine also kaum voneinander. Weswegen dann also auch verschiedene Magazine kaufen?

Darüber hinaus wird auch gerne ignoriert, dass PC-Spieler älter geworden sind. Warum wird sich mit diesem Thema nicht mal beschäftigt? Warum gibt es keine Tipps, wie man PC- und Videospiele vielleicht zur Erziehung nutzen kann? Müssen das erst die Urgesteine der Branche mit weit weniger kompetenten Artikeln machen? Es ist sowieso ein Wunder, dass sich Magazine wie Spiegel, Stern und Co. mehr mit Randthemen im Videospielebereich beschäftigen, als es die wirklich kompetenten Leute von GameStar und Co. machen. Und damit meine ich nun nicht Reportagen vom Schlage eines „Warum ist in den Spielepackungen immer weniger drin?“. Die Branche macht z. B. seit Jahren einen riesigen Wandel durch. Hat über dieses Thema, genug Potential für einen Bericht ist ja da, überhaupt schon einmal ein Magazin berichtet? Die Antwort auf diese Frage könnte man sich schon fast schenken, denn es gab keinen Bericht darüber, höchstens mal einen Zehnzeiler, der als Kolumne durchgehen sollte.

Aber nun genug mit der Axt im Walde gewütet. Ein Blick in die Leserbriefseiten der aktuellen Ausgaben verrät uns auch, dass ein großer Anteil der Leser von PC Games und Co. eben noch genau diese Art von Jounalismus wünscht. Diesen Teil umzugewöhnen dürfte schwierig werden. Nur: die Gründer des Spielejournalismus 2.0 sind bei weitem alles, aber eben keinen Gelegenheitsspieler. Sie sind die erwachsen gewordenen Klientel, vielleicht auch einfach nur der Teil, der sich sehr viel mit Videospielen befasst. Und sie sind deswegen unzufrieden, weil sie sich einfach nicht mehr in den Magazinen wieder finden – sie ihre Tests auch woanders im Netz in fast der gleichen Qualität finden. Aber eben genau dieser Teil gehört zu den zehn Prozent, die dieses Quartal schon wieder nicht zu aktueller Spielelektüre gegriffen haben. Okay, einige von Ihnen kaufen die GEE, welche aktuelle sogar ein Auflagenplus verbucht, die anderen jedoch, suchen weiter im Web ihr Glück. Vielleicht könnte man sie wiedergewinnen, wenn man weg vom Waschmaschienen-Test und der Spieleverpackungs-Reportage, hin zu etwas mehr journalistischem Engagement geht. Im Endeffekt ist es – und das hat uns die Vergangenheit gelehrt – ja egal wodurch die verkaufte Auflage steigt, Hauptsache sie steigt. Nicht umsonst pappt heutzutage an jedem Magazin eine Vollversion – Mehrwert soll sich angeblich verkaufsfördernd auswirken. Ob das besserer Journalismus vielleicht auch tun würde?

Sauerbraten goes Rollenspiel

Möglicherweise habt ihr schon etwas von Cube oder Cube 2: Sauerbraten gehört – nein, ich hab mich nicht vertippt, es geht um Ego-Shooter, nicht um die Filme.

Die Cube-Engine wurde von Wouter van Oortmerssen entwickelt (seinerzeit hat er für Crytek gearbeitet und bei der Entstehung von FarCry mitgewirkt) und ist unter einer zlib-Lizenz kostenlos herrunterladbar. Seit kurzem werkelt er auch an einem Singleplayer-Rollenspiel mit dem klangvollen Namen EisenStern, welches die selbe Engine nutzt. Der Fokus soll dabei auf einer streng non-linearen Spielweise liegen. Das Spiel wird vorraussichtlich vorerst aus einer einzigen, riesigen Map bestehen. Diese soll ohne Zwischenladevorgänge zwischen 5 und 50 Stunden Spielzeit bereitstellen. Nachdem die Engine ursprünglich als Ego-Shooter-Engine konzipiert war, wird auch die Spielmechanik selbst daran festhalten.

Insbesondere das Userinterface ist sehr interessant, hierbei handelt es sich um ein kontextsensitives Aktionsmenu – jede Entität verfügt über verschiedene Parameter und kann per Maus-Rad ausgewählt und mit der linken Taste bestätigt werden. Etwas verwirrend ist allerdings, dass die Aktionen fürs Angreifen und Sprechen direkt nebeneinander liegen und eventuell sogar versehentlich durchgeführt werden können. In der aktuellen Version ist es zwar noch nicht möglich, irgendetwas anzugreifen, aber ein sehr grundlegendes Dialogsystem zur Demonstration der Kontextmenus ist bereits vorhanden.

Generell hat sich Wouter bei der Interaktion mit NPCs sehr viele Gedanken gemacht. Üblicherweise bekommt man in Rollenspielen von den Nicht-Spieler-Figuren genau die Hinweise, die man braucht und alle sind sofort freundlich oder hilfsbereit – das ist aber irgendwie langweilig. Die Welt soll böse sein, der Spieler selbst ist böse und jeder ist nur auf sein eigenes Wohl aus. Händler die bereitwillig jeden Schrott kaufen: Fehlanzeige! Immer freundlich bleibende NPCs: falsch gedacht!

Zwar sollen die NPCs prinzipiell feindlich gegenüber den Monstern sein, aber ob das dem Spieler letztendlich hilft, ist eine andere Sache, denn jeder dieser Kerle verfügt über ein persönliches Beliebtheitslogbuch. Hier wird jede gute und schlechte Tat des Spielers protokolliert und wenn man es sich zu sehr mit einem NPC verscherzt, gibts keine Hilfe mehr von diesem. Gut, dass es also ein non-linieares Spiel sein wird, jede Aufgabe hat mehrer Lösungswege und auch die Reihenfolge der Erledigung ist absolut irrelevant, man hat die freie Wahl. Die einzige Beschränkung stellt die Stärke der Gegner dar, d.h. man kann zwar theoretisch überall hinlaufen und jeden Quest sofort erledigen, aber die Gegner in manchen Bereichen der Spielwelt werden einfach zu stark sein und dies zu verhindern wissen. Ähnlich wie bei Gothic.

Auch die Wahl der zur Verfügung stehenden Waffen wird die Mobilität in gewisser Weise einzuschränken wissen. Zwar orientiert sich alles nach dem klassischen 1st-/3rd-Person-Shooter-Steuerungsmodell, aber die Waffen werden vorrangig Nahkampfwaffen sein, um die Gegner nicht zu übervorteilen. Fernkampfwaffen kommen natürlich ins Spiel, allerdings nur in begrenztem Maß oder mit einem limitierten Munitionsvorrat.

Ein interessanter Ansatz bei EisenStern ist auch, dass es keinerlei Erfahrungspunkte geben wird. Alles im Spiel wird über Gegenstände, welche die Spielfigur verbessern, geregelt. Equeipment findet man zufällig in der Landschaft, erbeutet es von Gegnern odern stiehlt es jemandem – ganz nach Belieben.

Zum aktuellen Zeitpunkt ist leider noch nicht sehr viel Spielvergnügen möglich, aber Potential steckt durchaus im Spiel – schade nur, dass kein Mehrspieler-Part geplant ist, aber vielleicht überlegen sich das die Entwickler nochmal.

Bin daa, wer noch?

Einige Wissenschaftler sind der festen Überzeugung, dass jede Handlung, die wir in dieser Welt durchführen, auch in tausenden alternativen Realitäten geschieht. Wir wären, wenn wir dieser These glauben schenken, also nur ein kleiner Handlungsstrang in einem Universum unzähliger verschiedener Dimensionen. In einer Dimension könnte vielleicht Hitler noch leben während in einer anderen das römische Reich noch immer Europa beherrschen würde. In wieder einer anderen wären die Dinosaurier noch nicht ausgestorben – doch wie sollten wir jemals eine Möglichkeit finden können, diese anderen Welten zu erkunden?

Wir vielleicht niemals, doch ein genialer Mathematiker namens Jarvis Babbit konnte das Rätsel bereits entschlüsseln und besitzt die nötige Technologie, in eine alternative Realität, kurz ParaWorld, zu gelangen. Er gründete eine Organisation namens Society of Exact Alternative Sciences (SEAS) die den Sinn hatte, das Wissen und die finanziellen Mittel von Wissenschaft und Oligarchie zu bündeln, um die Vorteile dieser ParaWorld optimal zu nutzen. Eine Welt voller Dinosaurier, seltener Ressourcen und exotischer Flora.

Obwohl sich die SEAS bemühte, ihr Treiben vor der Öffentlichkeit zu verbergen, nahm ein Team von drei Forschern bestehend aus Anthony Cole, Béla Andás Benedek und Stina Holmlund aufgrund mehrerer Indizien ebenfalls an, dass es Parallelwelten gäbe. Sie konnten beispielsweise Dinosaurierknochen finden, die noch keine siebzig Jahre alt waren. Auf ihrer Suche nach finanzieller Hilfe landeten sie letztendlich bei Jarvis Babbit und seiner Organisation – nicht wissend, dass dieser bereits seit langem über die nötigen Informationen verfügte. Doch dieser war nicht an ihrer Hilfe interessiert, dafür aber auf jeden Fall daran, dass sie ihr Wissen nicht in die Welt hinausposaunen – zumindest nicht in unsere Welt. So landen die drei jungen Forscher plötzlich in einer anderen Welt, in der ihre primäre Aufmerksamkeit nicht mehr der Forschung, sondern dem Überleben gilt.

Doch wie soll man sich ohne jegliche Vorbereitung in einer unbekannten Situation zurechtfinden? Glücklicherweise landen die drei nicht irgendwo in der neuen Welt, sondern in einem Trainingscamp der SEAS namens Viking Park. Dort werden alle neuen Besucher der ParaWorld auf die aussergewöhnlichen neuen Verhältnisse vorbereitet. Für euch als Spieler bedeutet das, dass ihr ein perfekt ins Geschehen eingebautes Tutorial absolvieren könnt, um euch mit der innovativen Steuerung von ParaWorld vertraut zu machen. Nachdem dieser Level mit einem Mindestmaß an Aufmerksamkeit durchgespielt wurde, dürfte es keinerlei Fragen bezüglich der Kontrolle im Spiel mehr geben. Nur die Hintergründe kommen, trotz ausführlichem Introvideo, ein wenig zu kurz. Die Flut an Informationen, die bereits zu Beginn auf den Spieler einprasselt, ist etwas verwirrend. Hier schafft das Handbuch Abhilfe. Während bereits viele andere Titel ein paar Fetzen Papier mit nutzlosem Textinhalt als Handbuch in der Verpackung enthalten, ist das ParaWorld-Handbuch mit detaillierten Infos zur Story und auch zur Steuerung ausgestattet. Zusätzlich befindet sich noch ein doppelseitig bedrucktes Poster mit Technologiebaum aller spielbaren Rassen und zusammengefasster Steuerungsaufstellung in der Verpackung. Obwohl ParaWorld bereits im Tutorial fast keine Fragen mehr offen lässt, muss ich gestehen, mich zum ersten Mal seit langem mit einem Handbuch ausführlich beschäftigt zu haben, weil es einfach voll mit interessanten Storys zum Spiel und den Spielfiguren ist.

ParaWorld bietet euch drei verschiedene Rassen, die ihr im Laufe der Einzelspielerkampagne kennenlernen könnt. Die Unterschiede bei den Einheiten und Gebäuden sind nicht nur optischer Natur, es spielt sich jede Rasse auch vollkommen anders. Neben den Stämmen, die ihr spielen werdet, sind natürlich auch eure Helden, Anthony, Stina und Bela, mit von der Partie und werden euch mit der einen oder anderen Spezialfähikeit tatkräftig unterstützen.

Zuerst trifft man auf die Nordmänner, die nicht nur über mächtige Axtkrieger verfügen, sondern es auch geschafft haben, aggressive Keiler und riesige Mammuts für ihren Bedarf zu zähmen. Sie eignen sich hervorragend für eine defensivere Spielweise, da sie auch über starke Verteidigungsanlagen verfügen. In unserer Welt wären ihnen die Wikinger im Mittelalter am ähnlichsten gewesen.

Im Gegensatz zu den Nordmännern sind die Wüstenreiter ein wesentlich offensiverer Stamm, der sich eine Reihe von angriffslustigen Sauriern abgerichtet hat. Das geht vom vergleichsweise kleinen Velociraptor bis zum nahezu unbesiegbaren T-Rex-Titanen. Sollten ihnen die Ressourcen an ihrer Lagerstatt ausgehen, können sie ihre Zelte einfach abbrechen und sie an anderer Stelle ohne den Verlust von Ressourcen wieder aufbauen.

Als letztes Volk werdet ihr den Drachenclan kennenlernen. Die Bürger dieses Stammes sind sehr erfinderisch und verfügen über äußerst kuriose Bewaffnungen wie zum Beispiel einen Dampfpanzer oder hölzerne Maschinengewehre. Als einzige können sie auch fiese Fallen aufstellen, die den Gegner schon zusetzen, bevor er überhaupt in Kontakt mit den eigenen Kämpfern kommt.

Drei verschiedene Völker, ein relativ übliches Spielprinzip – wenn auch in einer ungewöhnlichen Umgebung – , was macht ParaWorld anders als den Rest der Strategiespiele? Der größte Unterschied sind sicher die Möglichkeiten, die der Army-Controller bietet. Mit diesem kleinen Tool hat man immer den perfekten Überblick über seine Streitmacht. Das wäre in anderen Spielen ja noch mit dem Erstellen von Gruppen möglich. Was den Army-Controller aber wirklich außergewöhnlich macht, ist, dass man Einheiten im Spielgeschehen mit nur einem Mausklick verbessern kann und bei diesen Verbesserungen keinesfalls wahllos vorgehen sollte.

Insgesamt gibt es fünf verschiedene Stufen, die eine Einheit erreichen kann. In der ersten Stufe kann man noch eine Menge bauen, die fünfte Stufe kann nur noch eine einzige Einheit erreichen. Zusätzlich werden Einheiten durch das Erreichen der nächsten Stufe komplett geheilt und manche haben sogar spezielle Fähigkeiten, die sie mit zunehmender Erfahrung einsetzen können. So ergeben sich natürlich eine Menge interessanter Optionen. Soll man den angeschlagenen Keiler auf Stufe vier bringen um ihn stärker zu machen und zu heilen? Oder sollte man ihn vielleicht doch sterben lassen, da man die Slots in der vierten Stufe für mächtigere Einheiten benötigt? Gerade in den höheren Stufen muss man genau wissen, was man tut, denn auch die Helden, die im Spiel immer mit von der Partie sind, können sich ab dem dritten Level stark verbessern und geben spezielle Eigenschaften, wie zum Beispiel einzigartige Gebäude oder Angriffe, frei.

Gleichzeitig symbolisieren die fünf verschiedenen Erfahrungsstufen im Army-Controller auch die fünf Epochen, die jedes Volk erreichen kann. Ähnlich wie in Age of Empires gilt es, gewisse Ressourcenmengen einzusetzen, um bessere Einheiten und Gebäude zu bekommen. Während Stufe Eins nur relativ schwache Kämpfer ermöglicht, kann man mit Stufe Vier mächtige Titanen bauen, die nur schwer zu stoppen sind, allerdings auch einiges kosten.

Um Einheiten zu verbessern benötigt ihr Schädel – eine Umschreibung für Erfahrungspunkte. Die gibt es immer, wenn ihr irgendwas lebendiges umbringt. Die Wüstenreiter, das offensivste Volk, benötigen Schädel sogar, um in den Epochen fortschreiten zu können.

Optisch ist ParaWorld momentan die Referenzklasse aller Echtzeitstrategiespiele, auch wenn der Stil anfangs durchaus ein wenig Eingewöhnungszeit benötigt und sich irgendwo zwischen Age of Empires 3 und dem etwas überzeichnetem WarCraft 3 einordnen lässt. Im Laufe des Spiels durchwandert ihr vier verschiedene Klimazonen. Urwälder, in denen riesige Pflanzenfresser sich auf der Suche nach Nahrung durch dichtes Unterholz wälzen, oder Wüsten, wo hinter jeder Düne ein mächtiger T-Rex eure Einheiten verspeisen möchte – jeder Aspekt der neuen Welt wurde von den Grafikern mit extremer Sorgfalt gestaltet und sieht auch auf älteren Rechnern unglaublich gut aus. Nur wer ganz nah an die Einheiten heranzoomt, bemerkt, dass Anthony Cole keine Augenbrauen hat – aber vielleicht hat dieser Freak sie sich ja absichtlich abrasiert?

Um das technische Paket rundum zum perfektionieren, wurden die Musikstücke, die bereits vorher schon extrem gut klangen, von einem eigens verpflichtetem Orchester neu eingespielt. Für euch bedeutet das, dass ParaWorld mit einem Soundtrack aufwartet, der euch, gute Boxen vorausgesetzt, vor Ehrfurcht erstarren lassen wird. Aber nicht nur die musikalische Untermalung ist qualitativ unnahbar, auch bei den Sprechern wurde nicht gespart. Jede relevante Spielfigur wurde mit professionellen Stimmen ausgestattet, vermutlich wird euch ein Déjà-Vu nach dem anderen heimsuchen, sobald ihr eine Stimme im Spiel hört, da jede Menge bekannter Synchronstimmen mit von der Partie sind. Nur bei den Soundeffekten darf sich ParaWorld durchschnittlich schimpfen, aber irgendwas muss es ja geben, was die Konkurrenz in absehbarer Zeit noch besser machen könnte.

Obwohl SEK in vielen Interviews und Präsentationen immer betont hatte, dass ParaWorld im Multiplayersektor sehr stark vertreten sein wird, ist das augenscheinlich, zumindest was die Spielermengen betrifft, (noch) nicht der Fall. Es gibt zwar Turniere mit jeder Menge Preisgeld und ein eigenes Paraworld-Portal namens MySkulls, doch um als Multiplayergame erfolgreich zu sein, benötigt es vielleicht etwas mehr. ParaWorld bietet keine Ingame-Chatlobby, keine integrierten Rankings und zur Zeit auch noch keine Masse an Gegnern. Am einfachsten wäre es gewesen, einmal einen Blick auf Blizzards Battle.net zu werfen. So sieht die ideale Multiplayer-Plattform aus. ParaWorld mit powered by Gamespy-Multiplayersupport halte ich für etwas zu dünn für ein Spiel, dass laut Hersteller stark auf genau diesen Aspekt wert gelegt hat. Trotzdem sollte man noch erwähnen, dass MP-Schlachten ziemlich cool sein können, aber das sind sie in anderen Spielen auch. Die Stärke des Spiels liegt eher im Einzelspielerbereich.

ParaWorld ist das erste RTS im Jahre 2006, dem ich eine wirklich gut ausgearbeitete Story kombiniert mit technischer Perfektion attestiere. Vor allem im Einzelspielermodus hatte ich schon lange nicht mehr so viel Spaß. Die super Synchronisation, die genialen eingebauten Videos und Cutscenes motivieren und bieten, kombiniert mit exzellentem Leveldesign, ein Paket, dass jedem Strategiespieler feuchte Träume bescheren wird. Übrigens: Wenn ihr glaubt, 17 Missionen wären wenig, dann kann ich euch beruhigen. Im Schnitt spielt man an jeder Mission eineinhalb Stunden. Wer bietet heutzutage noch eine derartige Fülle an Spielzeit – und das nahezu OHNE Bugs?

Alle werden erwachsen – sogar Link

Die Welt Hyrule ist in Gefahr.

Und so verlässt Link einmal mehr die Beschaulichkeit seines Bauernhofes, um dem Gipfeltreffen beizuwohnen, zu dem er vom Bürgermeister eingeladen wurde. Eine Dunkelheit ist über das Land gekommen, also bleibt Link nichts anderes übrig, als sich ins Abenteuer zu stürzen, um seine Heimat zu retten. Aber er ist nicht allein, denn sowohl sein treues Pferd als auch die geheimnisvolle Midna helfen ihm. Und Hilfe hat Link bitter nötig, denn als er der Dunkelheit begegnet, verwandelt er sich in einen Wolf, und wird daraufhin gefangengenommen. Midna gelingt es, den Jungen zu befreien, und das Abenteuer beginnt.

Denkarbeit für denkende Denker
Während einige Rollenspiele ihr Spielprinzip auf immer gleiches Monster- Erschlagen und Item-Sammeln beschränken, hat Zelda es schon immer verstanden, die Spieler mit Rätseln auf Trab zu halten und dadurch Abwechslung in die zu bewältigenden Abenteuer zu bringen. Diesem Prinzip bleibt auch The Twilight Princess treu. Im Vergleich zu früheren Titeln der Serie setzt der neue Teil auf ein deutlich erwachseneres Auftreten und eine realistische Spielwelt. In den Videos zu den bislang spielbaren Demos wirkt die Umgebung sehr stimmig und durchdacht. Wenn Link von goblinartigen Bogenschützen mit einem Hagel aus Feuerpfeilen eingedeckt wird oder beim Angeln am beschaulichen Teich Enten im glitzernden Wasser schwimmen, kommt Atmosphäre auf.

Die große Innovation des Nintendo Wii, die Steuerung über zwei Controller, welche die Handbewegungen des Spielers erkennen, soll in Twilight Princess eine große Rolle spielen. Schwerter werden per Handbewegung geschwungen, Bögen über ein Zurückziehen des Armes gespannt und beim Fischen, einem Highlight in Sachen Steuerung, wird ein Controller zur Angelrute während mit dem anderen durch Kurbelbewegung die Leine eingeholt wird. Nie wieder endlose Autofahrten zum See, nie mehr nasse Schuhe, Mückenstiche und Sonnenbrand, Nintendo sei dank.

Der Wolf und die Dunkelheit
Twilight Princess bietet neben Hyrule noch eine zweite Spielwelt, die Twilight Zone. Wird diese von Link betreten, verwandelt er sich in einen Wolf. Welche spielerischen Auswirkungen das hat, wird wohl erst beim Release vollständig geklärt werden können. Sicher ist, dass es den Entwicklern Platz schafft, neue Ideen umzusetzen, und die haben sie mit Sicherheit genug. Darum sollte sich niemand wundern, wenn Link im Verlauf des Spiels schon mal mit dem Kopf nach unten an der Decke herumrennt, um sein Abenteuer voran zu treiben.

Zelda: Twilight Princess hält die Zelda-Reihe auch in der x-ten Auskopplung rund um den kleinen Helden Link jung, und soll sowohl für den Gamecube als auch für den Wii erscheinen. Pünktlich zum Verkaufsstart des Wii soll es im Regal stehen, und einen zusätzlichen Kaufanreiz bieten. Werden alle Spiele für den Wii so schön, müssen sich Xbox 360 und PS 3 warm anziehen.

Mietzekatze gegen den Rest der Welt

Standesgemäß kommt mein Artikel zum Relaunch natürlich etwas später. Dafür belohne ich das Warte mit einem der wohl abgedrehtesten Spielideen der letzten 20 Jahren.

Ed ist eigentlich der beste von Freund von Mr. Smoozles. Eigentlich – denn fiese Aliens, namentlich Goragons, verwandelten Mr. Smoozles in einen rachsüchtigen Kampfkater, der seinen ehemals besten Freund am liebsten zu Chappi verarbeitet sehen würde. Nun sind Katzen von Natur aus aber nicht gerade kampfscheu und so schickt sich Ed an, der Retter des einzig wahren Katzen-Universums zu sein. Blöderweisen würden nämlich auch alle eure Freunde gefangen genommen und in Glasvitrinen gesperrt. Und als ob das noch nicht genug wäre, waren die überaus heimtückischen Aliens in ihrer Mittagspause mal eben beim Katzen-IKEA shoppen und bauten gleich alles im Universum um, was nicht niet- und nagelfest war. Getreu dem Motto "Wohnst du noch, oder rettest du schon" macht ihr euch also auf eure zwei Pfoten und versucht zumindest erst einmal eure Freunde zu befreien.

Die Befreiungsaktion gestaltet sich dabei bloß als überaus knifflig. Schließlich ist euch nicht nur die meiste Zeit über euer Freund Mr. Smoozles auf den Fersen, sondern fällt euch auch die Orientierung im umdekorierten Katzen-Staat sehr schwer. Da braucht ihr für ein Tor die weiße, dann die grüne, dann wieder die rote Zugangskarte, oder ihr müsst Passwörter zum Deaktivieren von Mienen finden. Zu tun gibt es immer genug und wer nicht aufpasst wird entweder von Mr. Smoozles Maschinenpistole durchlöchert oder von einem Kampfandroiden geküsst.

Bis hierhin mag sich Mr. Smoozles goes Nutso zwar schon recht abgedreht anhören, doch der Funke springt erst dann über, wenn man sich mit den einzelnen Charakteren unterhält. Der hier zum Tragen kommende britische Humor ist einfach zu köstlich. So trefft ihr in einem kleinen Laden eine menschliche Verkäuferin. Überrascht davon, behauptet ihr felsenfest, menschliche Wesen seien nur ein Mythos, worauf hin die gute Recht erzürnt behauptet, sie gehöre zur herrschenden Schicht auf diesem Planeten. Ich könnte an diese Stelle noch dutzende ähnlicher Andeutungen und Gags aufzählen, aber leider reicht der Platz hier nicht aus und wir wollen ja nicht zu viel verraten.

Gesteuert wird Ed auf seinem Weltenrettungstrip übrigens aus der schon von Pac-Man bekannten Vogelperspektive. Auch sonst gleicht das Spielgefühl gerade in den Anfangsminuten dem Spielhallenklassiker sehr, wird jedoch durch die späteren Rätsel und dauernden Dialoge sehr aufgepeppt. Wie Gray damals schon in seiner Vorschau zum Besten gab, könnte man das Spielgefühl von Mr. Smoozles goes Nutso am besten als Mischung aus Pac-Man und den alten LucasArts-Adventuren vergleichen – ein Arcade-Adventure also.

Schlussendlich setzt die gelungen Comic-Präsentation der Szenerie dann die Krone auf. Sowohl die in den Zwischensequenzen als Comic-Strips erzählte Geschichte als auch die knudellig und detailliert gezeichneten Hintergründe geparrt mit liebevoll animierten Figuren machen insgesamt einen sehr stimmigen Eindruck. Klar, wer auf technisches Geplänkel steht, wird hier nicht glücklich werden – aber Technik ist bei Weitem nicht alles. Zusätzlich zur gelungenen Präsentation weist der Score einen hohen Suchtfaktor auf. Was Josh Winniberg hier mit ein paar vergleichsweise simplen Midi-Beats an Spannung zustande bekommt, gelingt einem Jeremy Soule trotz teurem Orchester in Titeln wie Oblivion nur stellenweise.

Wer von euch also auf abgedrehte Geschichten, witzige Dialoge und innovative Ideen steht, sollte sich Mr. Smoozles goes Nutso unbedingt kaufen. Knappe 17 Euro sind für gut fünf Stunden bester Unterhaltung mehr als gut investierte Kohle. Und wer jetzt immer noch hadert. Prey zum Beispiel ist nur eine gute Stunde länger und kostet fast das Dreifache. Ich seh‘ euch also schon auf den Download-Button klicken …

Kulturschock macht Bock auf mehr

Es war LucasArts Untergang, als man 2004 die Einstellung der Arbeiten an Sam & Max 2 ankündigte. Der endgültige Untergang in meinem Ansehen nämlich. Ganz anders Telltale. Das kleine Team hat sich schon mit Bone in mein Herz entwickelt, und nahm sich nun der großen Aufgabe an, Sam & Max nach 13 Jahren wieder zum Leben zu erwecken. Die erste Episode dieses Experiments erscheint nun am 1. November weltweit per elektronischem Vertrieb. Für umgerechnet 7€, wenn man nur diese kauft, für 28 wenn man sich gleich die ersten sechs Episoden sichert. Diese werden innerhalb von sechs Monaten veröffentlicht, sagt der Plan. Sie ergeben als Ganzes eine Staffel, wie wir es von Fernsehserien kennen, und zeigen somit erstmals, welches Potential in episodischem Internetvertrieb von Spielen wirklich steckt.

Jetzt aber zum Spiel: Ein Schurke namens Brady Culture benutzt ehemalige Kinderstars dazu, hypnotische Videos unters Volk zu jubeln. Sam und Max werden zu Hilfe gerufen, um den Fiesling zu stoppen. Ein Abenteuer voller Gags und Gewalt beginnt.

Das Augenmerk liegt ganz auf Humor und Charakteren. Schon Hund und Hase wissen nicht nur Fans des Vorgängers zu begeistern, auch alle anderen Figuren im Spiel sind liebevoll durchdacht. Gleich am Anfang sind wir etwa mit der erpesserischen Ratte Jimmy Two Teeth konfroniert. Die fantastische (englische) Vertonung tut ihr übriges dazu, dass auch wirklich jeder Gag perfekt sitzt und regelmäßig echtes Gebrüll vorm Monitor ausbrechen kann.

Wie schon Bone ist Sam & Max: Culture Shock vollkommen 3D-modelliert. Dabei hat sich Telltale natürlich keine High-End Engine leisten können, die Sache aber trotzdem toll gemacht. Animationen und Mimik sind vor allem bei den beiden Hauptcharakteren grandios gelungen. Allein für Max hätten sich die 3D-Designer einen Orden verdient. Die Hintergründe sind in liebevoller Kleinarbeit entstanden und sehr schön ausgeleuchtet. Jedem Detail sieht man das durchdachte Grafikkonzept an.

Sam & Max: Culture Shock hat keine echten Mankos. Dennoch: so mancher wird sich an Teilen des Konzepts stören. Zum Beispiel dauert das Spiel für ganz schnelle Gesellen nur etwa zwei Stunden. Außerdem gibt es im Wesentlichen nur sieben Locations. Zwar verlängert sich die Spieldauer, wenn man sich die Zeit nmmt, die Umgebung zu untersuchen und alle Dialoge anzuhören (was sich wirklich lohnt), aufgrund des geringen Umfangs liegen die Lösungen für die kreativen und stets logischen Rätsel aber meist sofort auf der Hand. Wir müssen aus normalem Käse, Schweizer Käse machen? Revolver ausgepackt, Löcher reingeschossen, schon ist die Sache perfekt. Das Gute daran: Die Knobeleinlagen wirken nie so, als hätte man irgendwo noch schnell ein billiges Rätsel einbauen wollen, um die Spielzeit zu strecken. Sie ergeben sich immer aus dem Spielverlauf. Löblich.

Wer sich wegen des Vertriebskonzepts gegen den Kauf entscheidet, ist allerdings selber schuld (um nicht engstirnig oder blöd zu sagen). Der Preis ist mehr als fair. Die Wartezeit auf die nächste Episode ist kurz. Telltale liefert mit Sam & Max: Culture Shock das beste Comic-Adventure seit Jahren ab – und einen Anwärter auf das Spiel des Jahres. Das Spiel ist witzig bis zur letzten Sekunde: Bei welchem anderen Spiel lacht man sogar im Abspann? Hier. Die Entwickler danken einem betrunkenen Kerl aus einer Pizzeria, dass er sie nicht getötet hat.

Ich freue mich auf mehr. Kaufbefehl!

Meine Riesenerbse und ich

In den unendlichen Tiefen des Internets ist es für Stöberer ein Leichtes, heutzutage noch echte Perlen von Garagenentwicklern zu finden. Weil ihr faulen Säcke das nicht tut, und diese Helden des Undergrounds aber nicht abstinken dürfen, gibt es uns. They Came From Hollywood von Octopus Motor ist ein solcher Schatz. Wir haben mit den Entwicklern gesprochen.

Rebell.at: Hallo Sparky! Ihr arbeitet gerade an They Came From Hollywood, was das abgefahrenste Spiel zu sein scheint, was ich seit längerem gesehen habe. Worum geht es?
Sparky: Ist es wirklich so seltsam? Ich meine, du kannst bei uns keine Prostituierte mit dem Baseballschläger verprügeln und ihr Geld stehlen. Du kannst keine große Kugel herumrollen und Kühe und Gebäude aufsammeln (obwohl unsere Riesenerbse beide Dinge zertrümmern kann). Es geht einfach darum in ein riesiges Hollywood-Monster zu sein und Städte zu zerstören, während Menschen dich zu stoppen versuchen. :)

Rebell.at: Wie seid ihr auf diese Idee gekommen? Ist das der kleine Terrorist in dir, der da auszubrechen versucht?
Sparky: Oh nein! Ich mag Riesenmonster einfach. Wer tut das auch nicht (abgesehen von meiner Mutter)? In Filmen feuere ich immer das Monster an und bin traurig wenn es getötet wird. Es macht Spaß all diese winzigen Menschen im Spiel herumrennen oder mit ihren Autos fahren zu sehen – das ist wie eine Ameisenfarm. Wenn du Dinge zerstörst, verbreitet sich ein Feuer, Wasserfontänen spritzen aus den Hydranten und Panzer verfolgen dich … es ist einfach ein blöder Spaß. Ich mag realistische Gewalt in Spielen nicht besonders, auch nicht Spiele die generell zu ernst sind.

Rebell.at: Wie stellt ihr sicher, dass das Gameplay nicht monoton wird? Was für Schwierigkeiten hat man so, wenn man eine Riesenerbse ist (das ist mit Sicherheit mein Lieblingsmonster bisweilen)?
Sparky: Das ist unsere größte Herausforderung. Die Städte sind belebt, detailliert und dynamisch, aber nach einer Weile rennst du einfach nur herum und zerstörst. Wir bauen einige Skripte ein, die den Spielern immer wieder Aufgaben vorgeben, die man nebenbei erledigen muss. Die Spieler können solche Skripts auch selbst ändern. Wir haben auch einen Tanzmatten-Modus, wo sich TCFH ein wenig wie ein Konsolenspiel spielt: "Renn einfach rum und schnapp die Goldmünze um Punkte zu sammeln!" – in unserem Fall ist das halt eine goldene Filmrolle. Mit der Tanzmatte ist das Spiel ganz anders.

Mit einer Riesenerbse zu spielen ist wie Katamari Damacy, nur dass du alles zerstörst statt es aufzusammeln. Weil sie keine Hände hat, kann die Erbse natürlich im Gegensatz zu den anderen Monstern nichts aufheben und herumwerfen, also werden die Dinge schwieriger.

Rebell.at: Wenn wir grade von den Monstern sprechen. Die meisten stammen aus jahrzehntealten Harold Haxton Filmen. Der Regiesseur verschwand allerdings in den späten 60ern spurlos. Versucht ihr ihn aus einem Versteck zu locken, indem ihr einige Copyright-Gesetze verletzt?
Sparky: Das hatte schon etwas damit zu tun, aber hauptächlich wollte ich mit einem Ed Wood-artigen Regiesseur, seiner Geschichte und seinen Filmmonstern herumspielen. Eine gedruckte Biographie von Harold Haxton wird im Handbuch übrigens enthalten sein.

Rebell.at: Wie du weißt, rennen da draußen Leute herum die Videospiel-Entwickler für alles verklagen, was in der Welt so passiert und irgendwie an ein Spiel erinnert. Habt ihr keine Angst, Probleme zu kriegen, wenn die nächste 200 Tonnen-Ameise San Francisco vernichtet?
Sparky: Wenn eine 200 Tonnen Ameise nach San Francisco kommt, werde ich zu beschäftigt sein zu rennen, und über das Spiel und Klagen nicht viel nachdenken. Wir wohnen nur fünf Minuten außerhalb der Stadt. :)

Rebell.at: Wann und wie werden wir They Came From Hollywood kaufen können? Ist der Onlinevertrieb ein Thema?
Sparky: Wann? Ich kann nur "When it’s done" sagen. Das ist zwar eine lahme Antwort, aber mehr hab ich im Moment nicht. Wir werden es über unsere Webseite verkaufen – nicht den direkten Download, sondern den Postversand einer Box-Version. Weil das Spiel ziemlich groß ist (entweder 2 CDs oder eine DVD) und wir ein Handbuch dazugeben wollen. Wir haben über eine Download nachgedacht, aber es ist uns wichtig dem Käufer einen physischen Datenträger und ein Handbuch in die Hand zu drücken. Vielleicht sind wir nur altmodisch, aber wenn ich etwas kaufe, dann hab ich auch gern etwas aufzubehalten anstatt nur Bits und Bytes zu bekommen.

Rebell.at: Du hast mir einmal erzählt, dass dein Ur-Großvater aus Tirol kam. Wie viel Österreicher steckt in dir? Hast du wenigstens mal ein österreisches Bier getrunken?
Sparky: Einige meiner Verwandten besuchen immer wieder die Familie in Tirol, aber ich war (noch) nicht dort. Ich habe einige Trachten, die sie mir mitgebracht haben – und einen Tirolerhut den ich auch trage. :) Welches österreichische Bier würdest du empfehlen?

Rebell.at: Probier mal ein Murauer oder Puntigamer. Unsere Leser empfehlen dir im Forum sicher noch andere, aber ich finde das sind die Besten. ;)

Was war so das Verrückteste was dir in deinem Leben passiert ist?
Sparky: Meinen Ehemann über das Internet kennen zu lernen. Das war 1995 noch etwas Neues, also war das definitiv verrückt. Ich wusste nicht, ob er sich als Axtmörder entpuppt. Es lief aber gut (zumindest habe ich noch keine Äxte hier herumliegen sehen).

Rebell.at: Gibt’s sonst noch etwas, das du unseren Lesern mitteilen möchtest?
Sparky: Klar! Gebt die Hoffnung nicht auf, wir arbeiten immer noch an TCFH!

All praise Ogotai, Eater of Children

Wie lange hab ich jetzt auf Dominions 3 gewartet? Mittlerweile sind etwas über 1 1/2 Jahre seit der Veröffentlichung des Vorgängers verstrichen. Nun, was erwartet man sich vom Nachfolger des wahrscheinlich besten Rundenstrategiespiels nach Heroes of Might and Magic 2? Nun, man erwartet sich mehr Einheiten, mehr Nationen, mehr Zauber, mehr Helden und eine bessere Grafik – fast alles haben die Leute von Illwinter mit diesem Titel erfüllt, immerhin bekommt man Angst, wenn man das Handbuch auch nur aus der Ferne betrachtet.

Den Screenshots nach zu Urteilen hat sich nicht viel getan: Die Farben haben sich verändert und die Grafik sieht schrecklicher aus als zuvor, aber das täuscht. Ok, die Grafik ist wirklich mies, ich kann mir nicht erklären warum, aber irgendwie hat man es bewerkstelligt, eine wirklich grauenhafte Optik (im Vergleich zur teilweise recht ansehnlichen) des Vorgängers zu erstellen. Die Erkläung dafür ist aber sehr einfach – in Dominions 2 waren die Karten vorgefertigt und handgezeichnet, jetzt werden sie zufällig generiert. Die vorgefertigten Szenarien in diesem Spiel sind ebenfalls händisch erstellt und sehen optisch auch ganz brauchbar aus. Soviel dazu, aber worum gehts?

Schon während dem Spielstart fällt auf, dass das Spiel diesmal in drei Zeitspannen eingeteilt ist – während sich die erstere vorrangig mit Magie und nachrangig mit konventionellen Kämpfen beschäfigt, ist es in der dritten Periode genau umgekehrt und die zweite hält die Waage.

Für meinen Geschmack bevorzuge ich die erste Periode, da sie von der Spielmechanik bis auf wenige Ausnahmen stark an den Vorgänger erinnert. Es stehen zu Beginn übrigens einige verschiedene Fraktionen zur Verfügung – die maximale Spielerzahl wurde zugleich von 17 auf 21 erhöht. Die Qual der Wahl ist also noch schlimmer, schon im zweiten Teil ist die Auswahl mit 17 Fraktionen nahezu grenzenlos gewesen – das Interessante ist, dass die Balance trotz der vielen Nationen immer noch recht gut stimmt – grobe Ungleichgewichte gibt es im ersten Zeitalter keine, in den späteren Perioden ist Ermor mit seinen untoten Legionen allerdings ziemlich übervorteilt, nach einem längeren Spiel kommt es schon mal vor, dass man weit über 20.000 (!!!) Einheiten und hunderte Kommandaten gleichzeitig in der selben Streitmacht hat – in einem normalen Spiel sind Armeen mit 500 bis 1000 Einheiten und 10 Kommandern normalerweise schon extrem selten, aber hier hat man sich wohl etwas verschätzt. Es kann ja nicht sein, dass das berechnen eines Kampfes teilweise über 2 Stunden (!!!) dauert – und das bei einem flotten Rechner.

Wenn man sich nun endlich für seine Fraktion entschieden hat, geht es an das Erstellen des Gottes – hier kommen auch wieder viele neue Auswahlmöglichkeiten dazu. Von einfachen Obelisken bishin zu riesigen Tintenfischen oder Drachen ist für jeden etwas dabei.

Eine interessante Neuerung ist der Zeitpunkt des Erwachens der Gottheit. Man kann zwischen einem und drei Jahren Verzögerung für das Erwachen einstellen und erhält dafür einen ordentlichen Batzen Generierungspunkte. Der Gott steht so am Anfang nicht zur Verfügung, man kann also nur gewöhnliche Helden zum Kommandieren der Armee verwenden, aber hat wie gesagt den Vorteil der zusätzlichen Punkte, welche man zB in einen noch mächtigeren Avatar investieren kann.

Los gehts in einem zufällig generierten Spiel mit einer mehr oder weniger gläubigen Provinz (je nach Einstellung des Dominion, immerhin erhält man nicht gerade wenig Generierungspunkte dazu, wenn man sich einen Haufen ungläubiger als Untertanen aussucht), dem Pretender God (sofern er bereits erwacht ist) und einer handvoll Einheiten und im Schnitt zwei Kommandern.

Wirtschaftlich und militärisch gesehen funktioniet Dominions 3 genauso wie sein Vorgänger, also im Grunde sehr simpel. Man produziert Vorräte, welche die Truppen versorgen und erhält Gold in Form von Steuereinahmen. Mit Gold und Vorräten lassen sich Einheiten und Kommandanten rekrutieren. Irgendwo logisch ist natürlich auch: mehr kontrollierte Provinzen gleich mehr Einnahmen, also gilt es natürlich gnadenlos zu expandieren.

Weil das aber alles recht langweilig wäre ist natürlich die Stärke des Glaubens an den Gott entscheidend, diese wird durch Kerzen (weisse für Gläubige und schwarze für Gläubige eines anderen Gottes) dargestellt entscheidend ist hierbei die Anzahl der Kerzen – etwas unübersichtlicher als die unterschiedlich lange Kerze aus dem Vorgänger.

Was man auf den Bildern nicht sehen kann, ist die Vertonung – die Musik selbst ist zwar wieder mittelalterlich und altbekannt, die Qualität ist allerdings um längen besser als im Vorgänger. Man kann die Hintergrundmusik getrost mehrer Stunden am Stück hören, ohne aus den Ohren zu bluten. Aber seien wir uns ehrlich – irgendwann geht die Musik in jedem Spiel auf die Nerven. Insbesondere bei rundenbasierenden Spielen, welche man gut mal über 2 oder 3 Wochen mit Freunden am Abend spielt, tritt dieser "Ich kann die verdammte Hintergrundmusik nicht mehr hören"-Gedanke relativ schnell auf, besonders beim Einschlafen wirds dann interessant: Man hört noch immer das Gedudel, das ist echt nervtötend.

Es wird Zeit, dass man sich hierfür eine Lösung einfallen lässt – schliesslich gibt es ogg audio und mp3 nicht erst seit gestern. Bei den etwa 550 MB, die Dominions 3 auf der CD belegt, hätte man ruhig mal ein bisschen mehr Musik draufpacken können – klar, die muss irgendwer komponieren, aber wer ein fast 300-seitiges Handbuch zu verfassen und 1500 unterschiedliche Icons für Einheiten zu malen und sich dann noch etwa 600 verschiedene Zauber ausdenkt, sollte dafür wohl Zeit haben.

Schade nur, dass der dritte Teil der Reihe auch wieder so enorm Komplex wie sein Vorgänger ist, wie gesagt, die Unterschiede selbst sind nicht sonderlich groß. Der Durchschnittsspieler wird wohl eher Heroes of Might and Magic bevorzugen – vom taktischen Standpunkt ist aber sicher Dominions 3 besser als Heroes 5 – auch wenn man das ganze nicht direkt miteinander vergleichen kann, immerhin kann man bei Dominions 3 schon wieder nicht aktiv in die Kämpfe eingreifen sondern nur vorher einstellen, was die Einheiten tun sollen – es gleicht also mehr Risiko als Heroes.

Zusammenfassend kann man sagen: wer Dominions 2 hat, braucht für Dominons 3 kein Geld auszugeben, zumal mir der Preis mit über 50 Dollar schon ziemlich happig erscheint. Vielleicht wird der vierte Teil (oder ein ganz neues Spiel) etwas weniger kompliziert, immerhin konzentriert sich das Spiel viel zu viel auf taktische Aspekte und zu wenig auf den Kampf selbst – ich will endlich auch bei Dominions in den Kampf eingreifen!

Kleine Kerlchen ganz groß

Eledees? Nie davon gehört, werden einige von euch sagen. Tatsächlich arbeitet Konami gerade an diesem Titel, lässt die Werbetrommel aber bisher nur recht gemächlich anlaufen. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb, scheint dort ein wirklich interessantes Konzept zur Massentauglichkeit reifen. Die Geschichte ist eigentlich recht knapp erzählt: In der Spielwelt leben Menschen und die einzig existierende Energiequelle, die Eledees, friedlich zusammen. Doch selbst diese friedlebenden Wesen lassen sich hin und wieder zu einem kleinen Spaß hinreissen und müssen durch den Spieler eingefangen- und wieder zur Vernunft gebracht werden.

Die Steuerung soll dabei kinderleicht von der Hand gehen, und schnell zu erlernen sein. Wie bei Red Steel werdet ihr die Nunchaku-Einheit zum Laufen und die WiiMote zum Zielen und Abfeuern der Waffe, hier des Lasers, benutzen können. Der Laser stellt übrigens quasi eure virtuelle Hand dar. Mit ihm könnt ihr meistens in Häusern oder Vorgärten nach dem Eledees suchen und Dinge hochheben oder wegwerfen. Gefangen werden sie, indem ihr mit dem Laser ordentlich draufhaltet.

Der Clou dabei ist: Je mehr Eledees ihr bereits gefangen habt, desto mehr Vorteile genießt ihr. Ob es nun ein stärkerer Laser oder wieder funktionierende Haushaltsgeräte sind – beides ist hilfreich beim Fangen der kleinen Kerlchen. Special-Items wie ein Hominglaser oder Stun-Granaten werden euch die Suche noch weiter vereinfachen. Übrigens werdet ihr nicht nur aufrecht laufen dürfen. Das Ducken und Strecken des Halses sind ebenfalls notwendig um eure Suche erfolgreich zu gestalten.

Grafisch baut der Titel nicht auf spektakuläre Landschaften und Texturen, sondern eher auf einen charmanten japano-Stil. Bisher sehen die Screenshots jedoch nicht sonderlich berauschend aus.Obwohl man Progressive Scan und 16:9 unterstützen wird, erscheinen sämtliche Modelle sehr kantig und pixelig. Die Umgebung wirkt mir noch zu verwaschen und texturarm. Klar ist mir allerdings auch, dass, wenn das Konzept greift, die grafische Darstellung schnell zur Nebensache gerät ;)

Wenn man zwischen dem Innovationsgrad der kommenden Wii-Spiele überhaupt unterscheiden kann, schickt sich Eledees mit ziemlicher Sicherheit an, dass innovativste dieser Spiele zu werden. Das Spieprinzip hört sich leicht und zugleich äußerst spaßig an. Der Laser soll Spieler schnell dazu verleiten, Dinge in der Welt willkürlich durcheinander zu würfeln. Ein Fragezeichen steht bisher hinter dem Fangen der Eledees. Hier hoffe ich auf größere Unterschiede der verschiedenen Fangorte und Methoden, damit der Spannungsbogen auch über längere Zeit nicht abfällt. In Puncto Grafik kann dieses Spiel nicht mit aktuellen „Krachern“ mithalten, der japanische Stil lässt aber seinen ganz eigenen Charme spielen. Letztendlich bleibt bis zum Release noch einiges an Zeit. Wir hoffen, dass die Entwickler diese weise nutzen, denn dann könnte Eledees tatsächlich eine richtige Überraschung werden.

Große Welt und kleiner Held

Alle warteten auf Gothic 3. Dabei ist es gut möglich, dass so mancher ein noch vielversprechenderes Spiel übersieht. Denn Two Worlds kommt Ende des Jahres und könnte Oblivion und Gothic 3 ernsthaft Konkurrenz machen.

Die Geschichte von Two Worlds ist genretypisch. Der böse Kriegsgott Aziraal wurde vor Urzeiten nach einer fehlgeschlagenen Machtübernahme von den anderen Göttern verbannt und bis heute ist es seinen Anhängern nicht gelungen, ihn zu finden. Doch wieder einmal haben die Zwerge zu tief gegraben. Anstatt edler Metalle entdeckten sie einen uralten Tempel und das Böse erwacht erneut.

Der Anfang vom Ende?
Erneut ist der Spieler das Zünglein an der Waage, dabei hätte dieser bei Gott andere Probleme. Der will nämlich den Tod seiner Schwester rächen und gerät bei seinem Rachefeldzug zwischen die Fronten von Gut und Böse.

Der Entwicklung und Gestaltung des Helden sollen in Two Worlds kaum Grenzen gesetzt werden, so viel Freiheit wie möglich lautet die Devise. Individuell gestaltbare Heldenklassen und eine dynamische Spielwelt sollen der Phantasie der Spieler jede Verwirklichung erlauben. Ähnlich wie Oblivion setzt Two Worlds auf learning by doing. Wendet der Held also bestimmte Fähigkeiten an, verbessert er diese. Zusätzlich wird er beim Levelaufstieg mit Punkten versorgt, die in seine körperlichen Attribute oder in seine Talente fließen können.

Virtuose Spielwelt
Die Spielwelt von Two Worlds lockt mit über 30 Quadratkilometern Oberfläche und zahlreichen Dungeons. Die Reise des Helden führt in der riesigen Spielwelt durch verschiedene Klimazonen wie Wüsten, Winterlandschaften und Wälder. Detailreiche Schattenanimationen und vorbeiziehende Wolken schaffen Atmosphäre und sollen die Spielwelt noch schöner und lebendiger machen als etwa Tamriel (Oblivion).

Gereist wird klassisch zu Fuß oder hoch zu Ross. Zusätzlich bietet Two Worlds Teleporterpunkte, um sicher und schnell von A nach B zu kommen. Im fortgeschrittenen Spielverlauf darf der Held sogar eigene tragbare Teleporter mit sich führen, die das Planen einer individuellen Reiseroute möglich machen.

In den verschiedenen Teilen der Welt kämpft man neben altbewährten Gegnern wie Orks und verschiedenen Tieren auch gegen einige Neuzugänge wie Angehörige des Echsenvolks oder Groms (eine kluge Variante der Goblins). Ein breites Arsenal an Waffen untersützt dabei. Das Kampfsystem klingt viel versprechend. Jeder Feind hat andere Schwachpunkte, so bekämpft man Skelette am Besten mit Keulen, während man Reiter mit Speeren von ihrem Pferd holt. Zudem kann man Spezialattacken erlernen, etwa dem Gegner mit einem gekonnten Fußtritt Staub ins Auge treten, um ihn zu blenden. Und hat der Spieler doch einmal das Nachsehen, findet er sich an einem Resurrection-Circle wieder. Zwar muss man dann, will man Vergeltung üben, die Strecke zum Kampf erneut zurücklegen, Fähigkeiten und Gold des Helden bleiben aber unangetastet.

Kombilohn
Neu ist, dass sich Waffen und Rüstungen gleicher Art kombinieren lassen. Sie verschmelzen dann zu einer einzigen, dafür aber verbesserten Version. Inventars die überquellen mit stumpfen Schwertern und rostigen Kettenhemden wird man in Two Worlds also vergeblich suchen.
Die Kombination erbeuteter oder erworbener Items kommt auch beim Zaubersystem zum Tragen. Zauber werden durch Karten angewandt, je mehr Karten eines Zaubertyps desto stärker der Zauber. Zudem gibt es spezielle Boni für das komplette Kartenset eines Zaubers.

Um die derzeitige Konkurrenz Oblivion und Gothic 3 zu überflügeln, versuchen der deutsche Entwickler Reality Pump (Earth 2160) und Publisher Zuxxez eine Melange der besten Innovationen und meistbewährten Spielelemente des Genres. Gelingt die Balance, könnte Two Worlds der Überraschungshit des Jahres werden. Das Release ist für Ende 2006 geplant, dann soll auch der viel versprechende Mehrspielermodus fertig sein.

Zum Weinen diese Lacher

Lachen. Wir alle lachen gerne. Aber jemand anderen zum Lachen zu bringen, ist gar nicht so einfach. Vor allem Spiele tun sich so schwer damit, einfach nur lustig zu sein. Vielleicht, weil Comedy gerade nicht gefragt ist. Oder, weil die langweiligen Charaktere einfach nicht mehr hergeben. Der trockene Humor eins John McLane etwa, würde doch perfekt in ein Spiel wie Splinter Cell passen. Aber wenn Sam Fisher sich mal an einem Witz versucht, endet das meistens ziemlich peinlich; häufig mit dem Durchbrechen der vierten Wand. "Wir sind doch hier nicht in einem Videospiel!" Haha… ha… ha …

Wahrscheinlich ist der einzige Ausweg aus diesem Desaster, auf bekannte Charaktere zurückzugreifen. Auf Figuren, die man kennt, von denen man weiß, dass sie witzig sind. Sam & Max sind solche Charaktere – und bezeichnenderweise hat kein Spieldesigner sie erschaffen, sondern der Comiczeichner Steve Purcell. Dennoch sind sie jedem Adventure-Fan ein Begriff: Zum einen von dem Klassiker <bSam & Max: Hit the Road! aus dem Jahre 1993. Zum anderen von LucasArts Selbstverstümmelung aus dem Jahre 2004. Aber ich will euch nicht mit Historik langweilen, also kommen wir direkt zu Sam & Max: Culture Shock Das ist die erste Episode einer sechsteiligen Staffel von Sam & Max, die Telltale Games in dem nächsten halben Jahr für den PC veröffentlichen will.

Und diese erste Episode ist einfach nur zum Weinen – vor Lachen nämlich. Es gibt kein, ich möchte das betonen, kein Spiel in diesem Jahrtausend, das so unverkrampft lustig ist, einen Gag nach dem anderen zündet, wie Sam & Max: Culture Shock: Die Situationskomik. Die trockenen Sprüche von Sam. Die verrückten Ideen von Max. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Das ist doch Käse!
Vielleicht so, wie auch das Spiel anfängt. Sam & Max bekommen zu Beginn der Folge einen Anruf von ihrem Commissioner, der ihnen einen neuen Fall anvertrauen will. Betonung auf „will“, denn eine Ratte, die es sich im Büro der Freelance Police gemütlich macht, hat das Telefon entführt. Zurückgeben will sie es nur im Tausch gegen Käse. Schweizer Käse wohl bemerkt, schließlich hat auch eine Ratte ihren Stolz. Max ist überzeugt, dass er vor kurzem Käse gekauft hat. Aber wo ist der nur abgeblieben?

Peinlich genau suche ich also den Hintergrund ab. Vielleicht befindet sich der Käse ja in einer Schublade des Schreibtisches oder gar im Mülleimer? Ich suche und suche, finde aber nicht. Bis mir schließlich in den Sinn kommt, die Tür zum Wandschrank zu öffnen – eigentlich viel zu offensichtlich für ein Versteck. Doch dahinter befindet sich tatsächlich der Käse, und zwar ein ganzer Stapel. Fehlen nur noch die Löcher. Aber wozu hat Sam denn seine Pistole? Na, also!

So schwungvoll, so lustig und so verrückt der Auftakt ist, so gestaltet sich auch der Rest des Spiels: Sam & Max müssen drei einstige Kinderstars zur Vernunft bringen, die sich wie Vandalen benehmen – offenbar unter dem Einfluss eines ehemaligen Konkurrenten stehend. Sie besuchen alte Bekannte wie Händler Bosco, treffen aber auch neue Charaktere wie die Psychotherapeutin Sybil. Die unterzieht Sam gleich mal einer kompletten Analyse – das beste, weil anspruchsvollste und abgefahrenste Rätsel des ganzen Spiels.

Kaufen!
Selbstredend strotzt Sam & Max: Culture Shock nur so vor Anspielungen. Auf einem Regal in dem Büro der beiden Detektive steht beispielsweise ein Karton, der das Datum "3. März 2004" trägt. Wenn Ihr den anklickt, sagt Sam so etwas wie: "Das sind abgeschlossene Fälle. Daran möchte ich lieber nicht mehr denken." Kein Wunder, schließlich gab LucasArts an diesem Tag die Einstellung der Arbeiten an Sam & Max: Freelance Police bekannt.

Culture Shock ist verrückt und zugleich so unbeschwert, so frech, so lebendig. Wenn man überhaupt irgendetwas an dieser ersten Episode kritisieren kann, dann ist das höchstens der Schwierigkeitsgrad. Ein bisschen zu einfach sind die Rätsel nämlich schon. Vor allem deshalb, weil es nur fünf, sechs Locations gibt und die Anzahl der Gegenstände dadurch ganz einfach beschränkt ist. Wenn Ihr erst einmal alles aufgesammelt habt, was so herumliegt, dann ergibt sich die Lösung durch einen Blick ins Inventar meist ganz von alleine. Ein bisschen mehr geknobelt hätte ich schon gerne.

Das bedeutet aber nicht, dass Sam & Max: Culture Shock zu kurz wäre: Gut drei Stunden dürften die meisten Spieler mit der ersten Folge verbringen. Rechnen wir das auf die komplette Staffel hoch, kommen wir auf fünfzehn bis zwanzig Stunden – zum Preis von 28 oder 43 Euro (abhängig davon, ob Ihr die ganze Staffel oder alle Episoden einzeln kauft). Für alle Kritiker des Episodenmodells: Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist damit besser als bei fast allen Vollpreisspielen. Da bekommt man für 40 Euro schließlich nur ganz selten mehr als zehn Stunden Spielspaß.

Kurz und gut: Sam & Max: Culture Shock ist ein echtes LucasArts-Adventure, auch wenn es gar nicht von LucasArts entwickelt wurde. Aber es ist ein echtes Sam & Max, ein echter zweiter Teil, nur mit dem Unterschied, dass es eben in 3D statt 2D ist – und unterteilt in sechs Episoden auf den Markt kommt. Aber egal, was ihr von diesem Distributionsmodell haltet: Wenn euch auch nur ein bisschen an Adventures oder an Sam & Max liegt, dann müsst ihr Culture Shock kaufen. Es ist das genau Spiel, auf das ihr vielleicht schon seit über zehn Jahren gewartet habt.

Trotz Genialität zum Flopp verdammt?

Jedes Jahr ungefähr erscheint ein Spiel, das etwas richtig Neues versucht, sein Genre einen Schritt voran bringen will. Fast jeder dieser Titel ist kommerziell ein Flopp – und muss dann auch noch Monate oder Jahre später mit ansehen, wie die Konkurrenz die innovative Idee aufgreift und zum Erfolg führt. Okami ist so ein Spiel.

Malen ohne Zahlen
Dabei sieht es eigentlich nur so aus wie eine etwas erwachsenere Version von The Legend of Zelda: The Wind Waker: Ihr steuert eine Göttin in Form eines Wolfes durch eine wunderschöne Zeichentrickwelt, kämpft gegen fiese Monster, löst verschiedenste Quests, helft anderen Menschen, erkundet die Umgebung. Aber weil Amaterasu, so heißt sie, eben eine Göttin ist, kann sie mit der Welt anstellen, was sie will. Nicht einfach so mit simplen Zaubersprüchen, sondern mit Malerei. Okami drückt euch gewissermaßen einen Pinsel in die Hand und lässt euch auf diese Weise jederzeit mit der Umgebung interagieren.

Wenn ihr vor einem reißenden Fluß steht, den ihr überqueren müsst, pausiert ihr das Spiel und malt schnell eine Brücke über das Wasser. Wenn ihr vor dem eingestürzten Eingang einer Höhle steht, macht ihr aus den schweren Felsbrocken mit ein paar schnellen Strichen feinsten Kiesel. Wenn ihr ein zerstörtes Wasserrad seht, zeichnet ihr einen kleinen Bogen und schon ist das Problem beseitigt. Diese Form der Interaktion fühlt sich dank der Comic-Grafik so nahtlos, so natürlich an, dass ihr euch fragt, warum nicht schon andere Spiele viel früher auf diese Idee gekommen sind. Gibt es etwas Logischeres, Verständlicheres, als eine Welt durch das zu verändern, was sie erschaffen hat: Striche und Farben?

Ein Bug
Aber Okami hat noch so viel mehr als dieses faszinierende Feature zu bieten. Vor allem: Humor. Denn während Heldin Amaterasu äußerst schweigsamer Natur ist, kann ihr Begleiter Issun einfach nicht seine Klappe halten – und tanzt ihr wortwörtlich auf der Nase herum. Issun ist nämlich ein hüpfender, kleiner Käfer, auch wenn er dieses Wort ("Bug" im Englischen) überhaupt nicht mag. Er bezeichnet sich lieber als Wanderkünstler. Als solcher ist er von den Fähigkeiten der Göttin so beeindruckt, dass er ihr auf Schritt und Tritt folgt, um auch ja alles zu lernen. Nur ganz wenige Charaktere aus einem Videospiel sind mir so schnell ans Herz gewachsen wie Issun. Der perfekte Sidekick vielleicht, weil er mit seiner frechen und vorlauten Art solch einen Kontrast zu der ruhigen, eher grimmigen Amaterasu darstellt. Denkt an Privatdetektiv Sam: Was wäre der schon ohne seinen durchgeknallten Kumpel Max?

Auch was die künstlerische Seite angeht, wirkt Okami einfach wie aus einem Guss. Ich weiß, "aus einem Guss", das wird oft gebraucht und klingt ziemlich abgedroschen. Aber in diesem Fall passt es, man kann es nicht besser beschreiben. Stellt euch The Wind Waker vor, wenn es nicht wie ein Disney-Film, sondern wie ein japanischer Comic für Leser jenseits des Teenageralters aussehen würde. Besonders geschickt: So lange das Böse über einen Teil der Welt herrscht, ist der Himmel von dunklen Wolken verhangen, das Land ist grau und düster. Erst wenn die Göttin gesiegt, das Böse verjagt hat, wird die Welt hier bunt, richtig schön. Ein absoluter Ansporn zum Weiterspielen: Ich will einfach, dass in dieser Welt wieder alles perfekt aussieht, dass sie strahlt und mich nicht blasstraurig anguckt.

Nur ein Spiel
Trotz allem ist ‚Okami‘ nur ein Spiel – und das merke ich leider ein bisschen zu oft. Die Welt mag noch so schön aussehen, sich noch so gut anfühlen… es gibt einfach Moment, in denen ich merke, dass sie nicht echt ist. Momente, in denen sie sich nicht stimmig anfühlt. Viele Spiele mit vorgegaukelter Freiheit haben dieses Problem. Ich erinnere mich an eine Mission aus GTA: San Andreas, in der ich den Wagen eines Flüchtigen zerstören sollte. Kein Problem, dachte ich, packte die Bazooka aus und knallte ihm eine Rakete ins Heck. Aber es passierte nichts: Die Entwickler wollten, dass ich ihn mit meinem eigenen Auto verfolge und durch ständiges Rammen ausschalte. Das macht die Mission spannender, aber es reißt auch aus dieser Welt, stößt mich fast schon vor den Kopf. Sagt mir, dass ich zuviel erwarte. Okami hat genau diese Momente.

In einer der ersten Quests treffen Amaterasu und Issun auf einen Mann, der einen Pass durchqueren will, aber nicht kann – weil ihm ein riesiger Felsen den Weg versperrt. Kein Problem, denke ich, schließlich habe ich ja gerade gelernt, dass ich den mit einem Strich entzwei reißen kann. Aber als ich es versuche, passiert nichts. Mein Fehler? Nein: Das Spiel will, dass ich einen starken Lehrmeister der Kampfeskunst aufsuche, ihm Sake bringe und ihm die Aufgabe aufschwatze. Hörig, wie ich bin, folge ich also den Anweisungen – und erlebe unterwegs zum ersten Mal den Wechsel von Tag zu Nacht. Als ich den Mann erreiche, schläft er tief und fest. Jetzt bin ich verunsichert: Ist der Einbruch der Nacht Teil des Quests? Muss ich ihn irgendwie aufwecken? Ich versuche, eine Sonne an den Horizont zu zeichnen. Auch das habe ich kurz zuvor gelernt. Auch das funktioniert nicht.

Nach einer Lösung suchend, renne ich die nächsten Minuten ziellos umher, nur um dann feststellen zu müssen, dass es doch automatisch wieder Tag wird. Argh! Aber als wäre das noch nicht genug, stellt sich letztlich heraus, dass der vermeintliche Meisterkämpfer ein absoluter Schwächling ist: Er schafft es nicht einmal, seiner Trainingspuppe einen Hieb zu verpassen. Ich muss das für ihn übernehmen, damit er denkt, er hätte sie getroffen. Und ich muss dann ganz am Ende der Quest auch den Felsen mit meinem Pinsel in zwei Hälften teilen. Für ihn. Obwohl ich genau das schon eine halbe Stunde zuvor versucht hatte.

In Momenten wie diesen habe ich Okami gehasst …

… um dann fünf Minuten später doch wieder zu verzeihen. Es ist eben nur ein Spiel. Dafür aber eines, das sein Genre einen Schritt voran bringt.

Defcon-Review: 2 Millionen, 6 Millionen, 10 Millionen …

Piep, piep, tönt es aus den Lautsprechern. Gebannt starre ich auf den bläulich schimmernden Bildschirm. Da! Eine Rakete. Und noch eine. Und noch eine. Sie fliegen auf kleine Quadrate zu. Meine Städte. Sie wollen sie auslöschen, eine nach der anderen. Diese Raketen… Sie sind so unscheinbar, aber sie können Millionen Menschen töten. Menschen. Was sind schon Menschen? Hier geht es um Zahlen, nackte Zahlen. Kaltblütigen Massenmord, Völkermord, wenn man es genau nimmt. Doch daran denke ich gerade nicht. Ich zittere vielmehr, ob meine Luftabwehr dem Angriff standhält oder ob die ganze Mühe der letzten Stunde umsonst war. Ob ich die Chance zum Gegenschlag bekommen werde oder ob diese Raketen mein Ende bedeuten. Defcon ist grausam.

Nicht was die Darstellung angeht, wohl bemerkt. Länder, U-Boote, Bomber – das sind alles nur ein paar Striche, grell leuchtend immerhin. Aber sie würden nicht einmal einen C64 überfordern. Hier fliegen keine Leichen durch die Gegend, es spritzt kein Blut. Und genau das macht es so grausam. Ich sehe die Menschen nicht, die ich töte. Alles was ich sehe, sind Zahlen: 2 Millionen, 6 Millionen, 10 Millionen. In fünfzehn Minuten lassen locker 100 Millionen Menschen ihr Leben – wenn sich zwei Parteien gegenüberstehen. Bei drei, vier, fünf, sechs Gegnern vervielfacht sich diese Zahl noch. Moderne Kriegsführung nennt sich das wohl: Töten, ohne den Tod zu sehen. Vernichten, ohne das Ausmaß der Zerstörung erleben zu müssen. Es ist kalt, brutal. Und realistisch.

Defcon zelebriert den Tod nicht, es betrachtet ihn nüchtern – wie man das eben heute so macht. Ein Toter, zwei, drei, das kann man sich noch vorstellen. Aber ein paar hundert, tausende oder eben gar Millionen? Wen interessiert das schon. Kollateralschaden kann man das auch nennen, schließlich geht es hier um die Weltherrschaft. Everybody dies. Töten oder getötet werden, das ist nicht die Frage. Bei wem sterben die wenigsten, lautet sie. Nach Defcon gibt es nichts mehr. Die letzte Schlacht der Menschheit.

The Final Countdown
Genau genommen gibt es aber nicht ein Defcon, es gibt fünf. Defcon steht nämlich für Defense Condition, die Verteidigungsstufe eines Landes. Es beginnt mit Defcon 5: Ihr platziert Radaranlagen, Flugfelder, Raketensilos, ein paar Schiffe. Gleichzeitig tickt unbarmherzig die Zeit, Defcon 4 naht. Habt ihr bis Stufe 3 nicht alles platziert, dann Pech gehabt: Ab jetzt wird angegriffen. Wie es sich gehört, allerdings noch nicht mit Atombomben. Erst einmal sind die konventionellen Waffen an der Reihe: Jäger fliegen zur Aufklärung über das Land des Feindes, Flugzeugträger bewegen sich langsam in Richtung seiner Küste, starten selbst erste Flieger, bekämpfen Schiffe des Gegners. Aber das ist nur der Anfang, Geplänkel, Vorbereitung – Einstimmung auf das, was kommen wird.

Defcon 1. Die höchste Stufe. Ist sie erreicht, gibt es kein Zurück mehr. Erst wenn die letzte Rakete abgefeuert wurde, die Menschheit auf ein Minimum reduziert ist, kehrt wieder Ruhe ein. Aber wie fängt es an? Wer zuckt zuerst mit der Wimper? Das ist eine der entscheidenden Fragen. Denn wer zuerst schießt, verrät allen Gegnern die Position seiner Raketensilos. Ein taktischer Vorteil, der den Ausschlag geben kann. Auf der anderen Seite: Wer zu lange wartet, muss unter Umständen mit ansehen, wie sich die anderen Parteien die Köpfe einschlagen und eine uneinholbar in Führung geht. Denn abgerechnet wird in der Regel nicht nur nach den meisten Überlebenden, sondern auch nach den meisten Getöteten. Defcon ist grausam.

Balance of Power
Und unausgeglichen. Vor allem Europa lässt sich besser verteidigen als jede andere Region. Wo die Russen eine riesige Fläche abdecken und die Amerikaner zwei große Künstenlinien schützen müssen, macht es sich der kleine Fleck Europa gemütlich. Der größte Vorteil ist, dass sämtliche Silos, die gleichermaßen als Luftabwehrstellungen dienen, nahezu den ganzen Kontinent abdecken. Fliegt eine Rakete auf Europa zu, kommen also alle Defensiveinrichtungen zum Einsatz. Bei den großen Parteien sind es selten mehr als ein oder zwei. Unfair. Und auch von der Verteilung der Spieler ist zuviel abhängig: Sofern nicht alle sechs Plätze belegt sind, hat immer irgendjemand einen Vorteil. Nicht grausam, aber ärgerlich.

Dennoch ist Defcon ein faszinierendes Spiel. Allein die Idee, Krieg so kühl und berechnend darzustellen, ist großartig – weil sie auch uns, den Spielern, einen Spiegel vorhält: Wer bei Call of Duty noch von der genialen Kriegsatmosphäre geschwärmt hat, wird von Defcon genau mit dem Gegenteil konfrontiert. Gerade weil es so simpel, so kalt, so gewissenlos ist, regt es zum Nachdenken an. Vielleicht wollte Entwickler Introversion das damit erreichen. Vielleicht wollten sie auch nur ein gutes Strategiespiel mit simpler Grafik machen, wie man es aus Wargames kennt. Beides ist ihnen gelungen: Defcon mag simpel aussehen, doch ohne die richtige Taktik geht nichts. Und es ist spannend, weil sich das Blatt innerhalb von Sekunden wenden kann. Ein Spiel mit vielen Facetten.