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Bill Tiller und das Comic-Adventure

In Deutschland das vielleicht mit der größten Spannung erwartete Adventure A Vampyre Story, verspricht es doch, endlich mal wieder ein Abenteuer in der Tradition der LucasArts-Klassiker zu werden. Nachdem Autumn Moon Entertainment mit Crimson Cow jetzt endlich einen Publisher gefunden hat, haben wir ein Gespräch mit Bill Tiller geführt, dem kreativen Kopf hinter A Vampyre Story. Er war bei LucasArts unter anderem an Vollgas, The Dig und Der Fluch von Monkey Island beteiligt.

Bill, erst einmal herzlichen Glückwunsch, dass ihr endlich einen (zuverlässigen) Publisher gefunden habt. Warum war das für A Vampyre Story so schwierig?

Vielen Dank!

Drei Dinge haben es schwierig gemacht, einen Publisher zu finden: Meine Unerfahrenheit mit dem heutigen Adventure-Publishing-Business, das Budget und die Auffassung der großen Publisher, das Adventures kein Geld einbringen.

Um auf den ersten Grund näher einzugehen: Ich habe nur bei großen oder für große Publisher gearbeitet, wie LucasArts, EA und Midway. Und auch viele Freunde, die eigene Unternehmen gegründet haben, hatten nur für große Publisher gearbeitet, und ich habe genau darauf geachtet, wie sie die Dinge angefasst haben und von ihnen gelernt.

Als ich dann also anfing, die Demo zu machen und sie Publishern in Europa vorzustellen, wo alle guten, neuen Adventures herkamen, da hatte ich die falsche Annahme, dass sie genauso arbeiten wie es die großen Publisher in Amerika machen. Kleine Publisher wollen normalerweise ein fertiges Spiel kaufen und auch nur für ihre Territorien und nicht weltweit, wie es Midway und EA machen. Außerdem hatte ich nur einen kleinen Teil des Geldes von meinen Ersparnissen, um das Spiel zu machen. Es gab also keine Möglichkeit, das Spiel fertigzustellen und es dann für jedes Gebiet zu verkaufen, so lange ich keinen Risikokapitalanleger als Investor für die Firma hatte. Doch die meisten Risikokapitalanleger wollen mindestens 5 Millionen US-Dollar investieren und wir brauchten viel weniger. Außerdem hätten sie Anteile an der Firma besitzen wollen, was wir nicht wollten, sofern es nicht unbedingt nötig gewesen wäre.

Das waren alles neue Konzepte für mich. Ich wusste, wie man Spiele macht, aber ich lernte gerade erst, wie man ein Unternehmen führt. Es dauerte also seine Zeit, sich an diese neue Art des Denkens zu gewöhnen. Aber, wie man so schön sagt, man lernt am besten, indem man es tut, weshalb ich mich jetzt wie ein Experte fühle. Des Weiteren bekam ich schließlich viel Unterstützung und Rat von einigen sehr talentierten und professionellen Leuten, die mir geholfen haben, es hinzubekommen.

Ich war außerdem an Budgets von großen Firmen gewöhnt, mit vielen Betriebskosten, großen Büros und großzügigen Bezügen. Ich habe also zu Beginn den Fehler gemacht, mein Budget auf Basis eines LucasArts-Budgets zu berechnen. Aber ich habe schnell verstanden, dass das für 99 Prozent der Publisher viel zu hoch war. Also habe ich noch einmal von vorne begonnen, all meine Berechnungen korrigiert und das Budget so lange überarbeitet, bis es am absoluten Minimum angekommen war – und ich stellte fest, dass man ein Adventure für viel, viel weniger machen kann, als es LucasArts getan hat.

Das letzte Hindernis war die Auffassung, dass Adventures kein Geld einspielen, was ich sehr seltsam fand, denn ich hatte die Verkaufszahlen in den USA gesehen und die waren durchaus ansehnlich. Wenn die Spiele mit einem ordentlichen Budget gemacht würden, wäre es nicht schwierig, einen Profit herausspringen zu lassen, zumal sie sich lange verkaufen und generell gut altern, weil sie sich nicht auf neueste Grafik stützen, die in ein paar Jahren veraltet ist. ‚Der Fluch von Monkey Island‘ etwa sieht auch auf heutigen Computern noch gut aus. Wir bekamen also ein großes Interesse von vielleicht fünf der weltgrößten Publisher – sogar von dem, der dem megareichen Nerd gehört. Aber am Ende hatten sie alle Angst und haben verzichtet.

Ich wusste also, dass das Spielkonzept gut war und sie alle liebten die Demo; es war eben diese Annahme, dass es kein Geld machen würde, die ich bekämpfen musste. Es kam mir, dass meine beste Chance war, bei Publishern zu bleiben, die bereits Geld mit Adventures gewonnen hatten, denn sie wussten, was ich weiß: Dass sie wirklich Geld machen. Es dauerte nur eine Weile, sie zu finden, und dann einen Vertrag auszuarbeiten, der alle glücklich machte. Ich glaube, Tim Schaffer von Double Fine brauchte drei Jahre um endlich die Arbeiten an ‚Psychonauts‘ aufzunehmen, und ich erinnere mich, wie ich dachte, das sei eine lange Zeit. Nun weiß, es war keine.

Zwischen Bad Brain (dem ersten Publisherversuch) und Crimson Cow ist ja über ein Jahr vergangen. Hast du währenddessen jemals die Hoffnung für ‚A Vampyre Story‘ verloren?

Nein, eigentlich nicht. Ich wusste, jeder mochte das Konzept, das Design, die Story und mein Team. Und ich hatte nie irgendein negatives Feedback über etwas davon bekommen. Daher wusste ich, dass wir etwas von Wert hatten, das irgendwann jemand entwickeln und verkaufen wollen würde. Ich wurde definitiv frustriert und wollte, dass sich die Dinge schneller bewegen, weil ich ein energischer Typ bin, der das Warten und Verzögerungen hasst. Ich wollte einfach loslegen und entwickeln. Ich bin am glücklichsten, wenn ich etwas entwickeln kann. Es war also schwierig, aber ich habe die Hoffnung nie aufgegeben.

Die richtige Entwicklung von ‚A Vampyre Story‘ soll ja in Kürze beginnen. Kannst du ein bisschen mehr ins Detail gehen, auch über dein Team und so weiter?

Nun, derzeit haben wir fünf Mitarbeiter, aber das werden in den nächsten Monaten zehn werden. Wir müssen noch zwei Mitarbeiter einstellen und dann wird mein Team komplett sein. Aber jetzt gerade beenden wir erst einmal die Pre-Production, an der wir die letzten zwei Jahre lang gearbeitet haben, nur eben nicht Vollzeit. Jetzt, wo wir Vollzeit arbeiten, bewegen sich die Dinge sehr schnell, fast zu schnell. Ich gewöhne mich noch daran, dass Sachen, die ohne Finanzierung eine Woche brauchten, nun an einem Tag erledigt sind. Ich bin begeistert, aber gleichzeitig bekomme ich fast zuviel. Also verbringe ich morgens einen Großteil meiner Zeit damit, organisiert zu bleiben und den Überblick zu behalten. Und wenn das alles erledigt ist, kann ich mich am Nachmittag endlich um die Grafik und das Spieldesign kümmern – und nachts, wenn die Kinder im Bett sind.

Mein Autor, Dave Harris, und ich beenden also die Spielidee mit dem Input von dem Rest des Teams. Mein Programmierer, Aaron St. John, beginnt gerade mit der Spiel-Engine. Bill Eaken, einer der Grafiker, macht erste Arbeiten an den Hintergründen, entwirft Konzepte und das Design der Charaktere. Mein Charakter-Modeller wird diesen Monat anfangen und an den Charakteren arbeiten, die bereits designt wurden, und Mark Teal, mein Produzent, setzt die Datenbank auf und hilft mir, den Produktionsplan zu schreiben. Wir sind also ein kleines Team im Moment, aber im Herbst wird ein weiterer Programmierer hinzukommen, mein Hauptanimierer wird beginnen und mein Musiker wird anfangen, Musik zu komponieren. Andere werden ebenfalls um die Zeit herum hinzustoßen. Wir sind also recht klein angesichts heutiger Standards, aber das ist okay für mich.

Ich erinnere immer daran, was Tim Burton mir einmal gesagt hat, als er einen Vortrag bei Cal Arts hielt, als ich dort war: “Ich könnte mit den besten Leuten in der Industrie arbeiten, aber wenn wir uns nicht gut kennen, wird das in Konflikten resultieren. Also nehme ich die gleichen Leute wie immer, weil wir Freunde sind und einander verstehen. Das macht den ganzen Film-Prozess so viel einfacher und schneller, so dass man am Ende einen besseren Film bekommt.” Das mag erklären, warum er dauernd Johnny Depp einsetzt – aber ich bin genauso. Ich arbeite gerne mit Leuten, mit denen ich befreundet bin, die ich gut verstehe und die mich gut verstehen sowie meine Vision für ein Spiel. So bin ich herangegangen, mein Team aufzubauen.

Interessanterweise scheint sich die deutsche Adventure-Community auf ‚A Vampyre Story‘ mehr zu freuen, als auf alles andere – obwohl man noch gar nicht so viel über das Spiel bisher weiß. Hast du dafür eine Erklärung?

Nun, ich glaube, es gibt zumindest zwei Dinge, die für ‚A Vampyre Story‘ sprechen: Die Grafik und die Story. Die Grafik erinnert stark an zwei sehr populäre Spiele, welche Adventure-Fans zu lieben scheinen: Steven Spielbergs ‚The Dig‘ und ‚Der Fluch von Monkey Island‘. Und das liegt vor allem daran, dass die beiden Grafiker, welche für diese beiden Spiele verantwortlich waren, jetzt für unser Spiel arbeiten. Es sieht also einfach wie ein traditioneller LucasArts-Titel aus – und das ist eine gute Sache. Es gab so viele talentierte Leute, die bei LucasArts an Adventures gearbeitet haben, die jetzt alle bei größeren Unternehmen, an Filmen oder in ganz anderen Bereichen arbeiten. Diese Spiele hatten also eine ungewöhnliche Anzahl talentierter Leute hinter sich und ich glaube, dass Adventure-Fans das vermissen und mehr davon wollen. Unser Spiel verspricht, ihnen mehr davon zu geben.

Und zum Zweiten dreht es sich um einen Vampir. Wer will nicht ein Vampir sein, ich meine, sie sind doch so cool. All diese Macht zu haben und diese coolen, gruseligen Klamotten zu tragen und in riesigen, einsamen Schlössern zu leben. Wer würde das nicht wollen? Ich zumindest auf jeden Fall.

Das Ironische an unserer Geschichte ist, dass Mona es erst hasst, ein Vampir zu sein und nichts damit zu tun haben will, aber das Leben hat es nun einmal so mit ihr gemeint und nun muss sie damit umgehen. Wir können das alle aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Es gibt da ein bekanntes Zitat von dem schottischen Poeten Robert Burns aus dem 18. Jahrhundert: “The best-laid plans of mice and men often go awry.” Passiert das nicht jedem von uns hin und wieder? Du denkst, du erreichst etwas, planst dafür, steckst dein Herz hinein und dann: Bumm! Das Leben wirft eine Bombe auf deine Pläne ab und du bist auf einmal ganz woanders, als du es dir gedacht hast. Dies ist eine Geschichte darüber, nicht aufzugeben, wenn es passiert, darüber, das Beste aus schlechten Situationen zu machen, sie zu deinem Vorteil zu wenden und standzuhalten. Ich glaube, das spricht auch eine Menge Leute an und hilft, die Popularität des Spiels zu erklären, auch wenn es noch gar nicht veröffentlicht wurde.

Die Geschichte von ‚A Vampyre Story‘ klingt doch aber eigentlich recht traurig: Eine ambitionierte Sängerin verwandelt sich in einen Vampir, verlebt eine schwierige Zeit – ist sie wirklich so tragisch? Denn, ich glaube, von Comic-Adventures erwartet man Humor.

Viele Kömodien haben dramatische oder sogar tragische Geschichten, aber sind trotzdem sehr lustig – wie Dr. Strange Love, Young Frankenstein oder sogar Tim Burtons Batman. (Ich weiß, was ihr jetzt sagt: “Batman ist keine Komödie.” Aber es ist wirklich recht lustig.) In Airplane geht es um einen Flugzeugabsturz, M*A*S*H* handelt von einem Lazarett in Vietnam, The Producers von Schwindlern, die im Gefängnis landen, in Arsenic and Old Lace geht es um zwei alte Frauen, die andere vergiften, aber das sind alles lustige Filme. Das liegt daran, dass sie Spaß aus den absurden Situationen und Charakteren machen. Und das Drama wird auf eine witzige Weise aufgelöst. Ich wäre daher sehr überrascht, wenn das jemand als tragisches oder morbides Spiel ansehen würde. Wir wollen Spaß mit der Premisse haben und sie für alle möglichen absurden Situationen verwenden.

Wie beeinflusst es denn das Gameplay, einen Vampir zu spielen? Hat Mona besondere Fähigkeiten?

Die Prämisse ist, dass Mona vollkommen naiv ist, wenn es um Vampire und schwarze Magie geht. Hinzu kommt, dass ihr Meister Shrowdy sein Bestes getan hat, es so zu lassen, weil er glaubte, das würde sie abhängiger von ihm machen, so dass sie wohl nicht versuchen würde, zu fliehen. Wir wollen also, dass das Wissen über ihre Mächte und Schwächen langsam über den Verlauf der Geschichte zu ihr kommen. Sie wird mehr Vampirmächte bekommen, je weiter man im Spiel ist.

Wir arbeiten noch an den finalen Designs, aber ihre Vampirmächte und -schwächen werden eine sehr zentrale Rolle in den Rätseln spielen, was eine Herausforderung für uns Designer aber zugleich auch viel Spaß bedeutet. Und wir kommen auf lustige Alternativen zu typischen Vampirsituationen, die wir alle in zig Dracula- und Vampirfilmen gesehen haben.

Dass das alles funktioniert und kein Spiel über Monster wird, liegt daran, dass Mona von Natur aus gut ist. Sie hat kein Interesse daran, Macht zu gewinnen, Gewalt auszuüben, oder sonst irgendeine Motivation, die wir sonst mit Vampiren in Verbindung bringen. Sie ist eine zielstrebige, sture sowie emotionale Frau und wird daher keine typischen Vampirdinge tun, um das zu bekommen, was sie will, oder die Meinung anderer zu ändern. Sie ist uns schon recht ähnlich: Wir allen wollen gut ankommen, aber hin und wieder tun wir etwas, worauf wir nicht stolz sind. Mona ist genauso, nur dass sie jetzt Vampirkräfte hat.

Aber Mona muss doch auch Blut saugen und Menschen töten, oder nicht?

Sie tut natürlich, was sie tun muss, aber wie ein Kind, das keine Leber zum Abendbrot essen will, tut sie ihr Bestes, das zu vermeiden. Außerdem denkt sie, dass es gemein und absurd ist, einen vollkommen Fremden in den Nacken zu beißen und sein Blut herauszusaugen – das wird in der guten Gesellschaft in Paris einfach nicht gemacht. Sie blickt wirklich darauf herab: “Eine Dame muss schließlich handeln wie eine Dame”, würde sie sagen.

Dieses Bluttrinken ist eines der Probleme, welches sie bewältigen muss, aber – wie ich schon sagte – sie ist nicht böse. Sie hat jetzt nur böse Kräfte und einen schlimmen Fluch auf sich lasten. Sie verabscheut, was ihr angetan wurde, weshalb sie ihr Bestes gibt, das gleiche Böse nicht auf andere zu übertragen – so lange sie nicht gemein sind oder es verdienen. Dann ist es für sie vollkommen okay, ihr Blut auszusaugen, bis sie bewusstlos werden, aber sie würde niemals jemanden mit Absicht töten. Allerdings passieren Unfälle.

Zu kurz, unsympathische Charaktere, schlechte Rätsel – das sind die üblichen Fehler, welche Adventures in der letzten Zeit machen. Wie wollt ihr sie vermeiden? Lass uns mit der Länge des Spiels anfangen.

Nun, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen mit den Gründen, warum Adventures zwar durchaus gesund und am Leben sind, aber schwierig zu produzieren. Wir werden sicher einer Meinung sein, dass ein Text-Adventure locker so entwickelt werden kann, dass es vierzig bis sechzig Stunden lang ist. Aber sobald man anfängt, Grafik, Animationen, Sound und Musik hinzuzufügen, teilt sich all das Geld, das an den einzelnen Designer ging, auf die anderen kreativen Leute auf. Es ist also ein Kompromiss: Das ganze Drumherum gegenüber Tiefe und Länge.

Ich habe also lange und angestrengt darüber nachgedacht, wie ich das mache, und die beste Lösung, die ich hatte, war, ein qualitativ gutes Spiel gegenüber einem langen Spiel vorzuziehen – aber es gleichzeitig so lang zu machen, dass die Leute das Gefühl haben, dass es sein Geld wert war.

Damit das Spiel in mein Budget passte, musste ich (und muss ich immer noch) etliche Sachen herausstreichen. Aber gleichzeitig versuche ich, Wege zu finden, coole Dinge möglichst unkompliziert und dennoch effektiv im Spiel zu lassen. Das ist das gleiche Problem, das Animationsserien haben: Sie haben ein limitiertes Budget, weshalb sie effektive Tricks und Techniken erlernt haben, die nicht eine lange Zeit zur Produktion brauchen, aber trotzdem sehr gut funktionieren. Es ist also ein Balanceakt, den wir jeden Tag vollführen müssen. Ich bin mir nicht sicher, dass wir es in jeder Situation hinbekommen, aber ich bin überzeugt, wir werden erfolgreich genug sein, um die Leute mit dem Resultat sehr zufriedenzustellen.

Die Wahrheit ist schlicht, dass es nicht einfach ist. Ich erzähle meinen Freunden in der Animationsbranche, die mir sagen, wir schwierig es ist, bei Pixar oder dem Cartoon Network zu arbeiten, dass es nichts im Vergleich zur Spieleentwicklung ist. Sobald man Interaktivität hinzufügt, ist es eine ganz andere Sache und eine schwierige noch dazu.

Ich bin ein 38-jähriger, glatzköpfig werdender Spieleentwickler mit drei Kinder, aber ich ich kann zu Mona problemlos eine Verbindung aufbauen. Wie ich bereits zuvor sagte, will sie das, was wir alle wollen: Sich einen Traum erfüllen. Aber etwas stoppt sie und uns immer, irgendetwas stellt sich immer in den Weg. Wir haben dazu eine Beziehung. Sie macht also, was wir alle machen; wir mühen uns ab, gehen Kompromisse ein und machen das Beste aus dem, was das Leben uns gegeben hat. Das Leben ist schwierig, aber sie steht es genauso wie wir durch, mit Entschlossenheit, Humor und ein wenig Hilfe von unseren Freunden. Wir bekommen nicht immer genau das, was wir wollen, aber wenn wir es ausreichend versuchen, bekommen wir zumindest das, was wir brauchen. Wir kennen das alle, auch wenn wir keine Reißzähne haben und Arien singen.

Ich meine, ich bin wahrlich kein Hobbit, aber ich kann mich mit Frodo Baggins identifizieren, weil das Schicksal eine riesige Verantwortung auf ihn geworfen hat. Er hat darum nicht gebeten, aber es ist passiert und er muss damit umgehen, weil es das Richtige ist. Er bekommt viel Hilfe von seinen Freunden, aber er trägt die unwillkommene Last.

Ich bin kein 18-jähriger High-School-Schüler, der von einer radioaktiven Spinne gebissen wurde und Spinnenkräfte besitzt, aber ich kann mich mit Peter Parker identifizieren, weil er Probleme in der Schule hat und mit einem Mädchen zusammen sein will, das kaum Notiz von ihm nimmt. Und er geht mit seinen neuen Kräften so um, wie wir es alle tun würden. Wieder hat das Schicksal unerwartet Verantwortung abgeladen, was seine Pläne vollkommen zunichte gemacht hat, wie es das Schicksal bei uns allen tut. Er kämpft damit, in Einklang zu bringen, was er machen will und was er machen muss – aber er hat Spaß und behält weiterhin seinen Humor, genau wie es Mona tut.

Ich glaube, worauf ich hinaus will, ist, dass Dramen von Charakteren erzählen, die an der Oberfläche nicht wie wir, darunter uns aber sehr ähnlich sind – welche die gleichen Ängst, Hoffnungen und Bedürfnisse wie wir alle haben. Der wirkliche Unterschied ist, dass wir banale Probleme haben. Sie wurden in viel interessantere und dramatischere Situationen gebracht und müssen viel schlimmere Probleme lösen. Daher glaube ich, dass man keine Probleme haben wird, sich mit Mona und ihrem Kampf um Freiheit und ihren Wunsch, ihre Träume zu erfüllen, zu identifizieren.

Zum Schluss die Rätsel: Vor allem bei einem Comic-Adventure ist es sicher schwierig die richtige Balance zwischen “viel zu einfach” und “Wie hätte ich darauf bloß kommen sollen?” zu finden, oder? Was können wir da erwarten?

Das war ein Problem bei allen Adventures, an denen ich gearbeitet habe, oder besser, bei allen Spielen, an denen ich gearbeitet habe – ob sie nun Shooter oder Adventures waren. Keiner, und ich meine wirklich keiner, hat jemals alle Rätsel für ein Adventure geschrieben und damit jeden zufriedengestellt. Es gibt so wenige einheitliche Beschreibungen, was ein einfachees Rätsel und was ein schwieriges Rätsel ist. Es überrascht mich jedes Mal, woran die Spieler hängengeblieben sind und was sie zu einfach fanden.

Die einzige Möglichkeit, das so weit wie möglich zu entschärfen, ist es, das während der Entwicklung zu testen – indem man Leute holt, sie beim Spielen beobachtet und hoffentlich den richtigen Durchschnitt für den Schwierigkeitsgrad eines Rätsels erahnt. Die Tester helfen dabei auch, aber manchmal kommt ihr Feedback zu spät, um noch etwas zu ändern.

Bei LucasArts hatten wir eine große Party, wo jeder Mitarbeiter des Unternehmens das Spiel spielte, tonnenweise Pizza aß und Feedback in Form von Fragebögen am Ende der Nacht abgab. Wir nannten sie Pizza-Orgien. Wir planen daher, die auch bei uns zu haben, damit wir Feedback früh und regelmäßig bekommen können. Das ist wirklich die einzige Möglichkeit, solche Probleme zu entdecken. Und selbst dann findet man nie alle; ein paar fallen durch’s Sieb und man kann sowieso niemals jeden zufriedenstellen. Manche Spieler sind einfach Rätselgenies und werden das Spiel in ein paar Stunden durchspielen, während andere (wie ich) Wochen brauchen, um etwas herauszufinden.

Bill, vielen Dank für deine Antworten.

GTA, Lemmings und sonstige Untaten

Mike Dailly, das ist ein Name den wenige kennen dürften. Dabei war er in die Entwicklung zweier Serien involviert, die wir alle zu den interessantesten der Spielegeschichte zählen dürfen – oder fast müssen. Mike ist mitverantwortlich für Lemmings und GTA (Teil 1 & 2). Wir haben mit ihm über sein Zockerleben gesprochen.

1989 kam der Schotte in die Spielebranche. Eine Bewerbung bei DMA Designs ermöglichte den Sprung in eine Arbeitswelt, die er zu lieben lernen sollte. Er machte Programme für den C64, Amiga und Konsolen, erstellte Grafiken am PC und seit über einem Jahrzehnt ist mit der Erforschung und Entwicklung neuer Technologien beschäftigt. Schon mit 13 hat er mit dem Programmieren begonnen. Heute arbeitet Mike bei Real Time Worlds, einem Studio das von ehemaligen Psygonis-Mitarbeitern gegründet wurde, und werkelt an einem unangekündigten, GTA-ähnlichen Onlinespiel mit der Unreal Engine 3.

Mike ist jemand, der etwas zu erzählen weiß, ohne abzuheben. Das merkten wir schnell, als er darauf bestand festzuhalten, dass er nicht der eine große Macher von GTA und Lemmings war, sondern nur einer der vielen Leute dahinter.

Was ihm sonst wichtig ist? "Religion, Familie, Gesundheit, Sicherheit… Wie jedem anderen. Wenn du Kinder hast, verändert sich dein ganzes Leben – zum Besseren würde ich sagen!". Das klingt nicht gerade nach einem Teufelskerl, aber Mike will das vermutlich auch gar nicht sein. Seine verrückteste Erfahrung im Leben würde dennoch viele der Härtesten unter der Sonne von den Socken hauen: "Ich musste mein drittes Kind selbst zur Welt bringen, als bei meiner Frauen die Wehen zu früh einsetzten.". Aber er meint das könne jeder: "Die Anweisungen vom Notruf waren Dinge wie ‚Er wird glitschig sein, also lass ihn nicht fallen‘. Ich hätte mich gern gehört. Ich glaube ich habe mich ganz ruhig angehört, aber in Wahrheit war ich sicher völlig hysterisch". Die Kinder aus der zehnjährigen Ehe mit Frau Frances sind heute acht, fünf und ein Jahr alt und kleine Super Mario-Fanboys. Sie können später einmal auf eine römisch-katholische Jugend zurückblicken, denn jeden Sonntag geht es in die Kirche.

Mike war nie ganz oben in der Hierarchie eines Entwicklerteams, darum ist er im Gegensatz zu anderen nicht besonders reich geworden. "Nicht, dass ich in einer kleinen Box in der Mitte der Straße leben müsste, aber wenn du etwas tun darfst das du liebst, dann ist Geld nicht wirklich so wichtig." – Solange man das bezahlt bekommt was man wert ist, merkt er an. "Wie viele Leute springen denn schon in der Früh aus dem Bett weil sie früh an dem weiterarbeiten wollen, was ihnen gestern viel Freude bereitet hat? Wirklich nicht viele."

Man merkt Mike an, dass er an die alten Zeiten in der Branche gern zurück denkt. Heute sei eine Zeit der gigantischen Riskio-Budgets und des enormen Drucks – "Ich denke wenn man den kreativen Drive von DMA Designs wiederbeleben könnte, wäre das jedes Geld wert.". Um all das zu dokumentieren, schreibt er die Geschichte der Firma <a href="http://www.dmadesign.org" target="_blank">im Internet</a> nieder.

Und er ist überzeugt: auch heute können kleine Teams noch große Klassiker erschaffen: "Bei Spielen geht es nicht um "Glanz" und "Realismus" – sie drehen sich um Spaß und Genuss.". Tetris, Lemmings, Geometry Wars – das seien Spiele die heute noch Spaß machen würden und die eine einzelne Person schreiben kann. Millionen Dollar und rieisige Teams könnten nicht unbedingt das erreichen, was eine kleine Gruppe schafft, wenn sie sich darauf konzentiere Spiele rund um eine gute Idee spaßig und spielbar zu halten.

Gerne würde Mike ein modernes Lemmings machen. Viele Dinge seien da noch nicht ausprobiert worden. Den ständigen Portierungen auf neue Systeme fehle etwas völlig Neues – "Das ist Zeitverschwendung.". Er wird seine Pläne wohl nie umsetzen können. Psygonis übernahm die Rechte an der Serie von DMA und verlor sie beim Aufkauf an Sony – dort liegen sie heute noch.

Aber Mike ist kein verträumter Romantiker von gestern der alles Neue verteufelt. Lange Zeit hat er selber Counter-Strike gespielt und hält es für eines der besten Spiele die je veröffentlicht wurden. Mehr Spaß und finanziellen Wert als Half-Life hätte es, und noch immer würde es viele neuere Vertreter seines Genres in einigen Bereichen in die Schranken weisen – so der Schotte.

Dementsprechend gehört es auch zu seinen drei Lieblingsspielen – neben der Monkey Island-Serie, deren ersten Teil er gerade wieder einmal spielt, und Super Mario World auf dem SNES. Unter den Verfolgern finden sich Doom, Ultima Underworld, Day of the Tentacle, Sonic, mehrere Mario-Titel und Sim City 2000. Die Liebe zu Nintendo setzt sich wohl fort. Auf kaum etwas freut er sich mehr als auf den Wii. "Je mehr ich davon sehe, umso mehr klingt es nach Spaß." Und er hat es satt, dass so viele First-Person Shooter und Rennspiele veröffentlicht werden. "Klar mag ich sowas, aber ich will Abwechslung.".

Eine Top 100 Games Liste bewertet Mike nach der Platzierung von Lemmings und Halo – "Ich denke Lemmings sollte dort sein – irgendwo. Halo nicht. Andernfalls glaube ich, dass sich die Leute haben täuschen lassen, denn es gibt bei Halo nichts Neues." Und das sei Voraussetzung um ein Spiel in eine solche Liste zu setzen.

Mike verurteilt es, wenn sich Publisher heute darauf konzentrieren, einfach ein provokantes Spiel zu machen. Bei GTA sei das nie wichtig gewesen. Man wollte kein "Ab 18"-Spiel entwickeln, aber man habe mit der Zeit erkannt, dass es nun einmal ein solches sei und gewisse Elemente brauche. Mit diesem Erfolg rechnete damals niemand.

Wir nehmen Mike das mit dem Verzicht auf Provokation nicht ganz ab und haken zwinkernd nach: Warum musste man schließlich am Ende eines Levels alle übrigen Lemmings sprengen? "Das war Daves (Anm.: David Jones) Idee und ist eigentlich nur drin, weil wir keinen besseren Weg wussten um dem Spieler klar zu machen, dass ein Level beendet ist."

Kurz vor der Fertigstellung des zweiten GTAs verließ er DMA. Wie er die drei Spiele dannach sieht? "Das meiste davon ist gut, obwohl ich nie die Missionen mache. Das Beste an GTA war einfach herumzufahren und Spaß zu haben.". Rockstar habe das Spiel einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sei aber zu sehr darauf bedacht zu provozieren. Obwohl er in der Hot Coffee-Sache ("Hot Coffee ist Tee in Kaffee gerührt") auf der Seite der Entwickler ist.

Die ganze Kontroverse um nackte Pixel in Computerspielen führt er auf mangelndes Verständnis der Welt für den Aufbau von Spielen zurück. Computerspiele seien nunmal wie ein Bild. Unter den Kleidungspixeln können nackte Pixel stecken. "Aber würden diese Idioten-Politiker bei einem Bild fordern, die nackigen Flächen rauszuschneiden?". Was die GTA-Serie wirklich braucht sieht Mike zum Teil wie wir: "Sie dürfen technologisch nicht aufhören sich weiterzuentwickeln. Sie tun da zuletzt zu wenig."

Seine sonstige Zeit vertreibt er sich mit seiner DVD-Sammlung, für die er sich ein nettes Heimkino eingerichtet hat. "Wenn du Kinder hast, hast du sonst keine Chance ein Leben zu führen" – also auch keine Kinobesuche. Mike geht gern spazieren, redet gerne mit Menschen – vor allem über Kunst, Sport und Bücher. Sofern er dazu kommt betreibt er auch selbst Sport und liebt Heimwerker-Arbeiten.

Was hält jemanden, der so lange mit all dem Spiele-Zeug zu tun hat ,eigentlich noch bei der Stange? "Anders als andere Programmierjobs gibt es bei Spielen jeden Tag etwas Neues. Neue Probleme, Spiele und Spielzeuge. Es macht Spaß." – auch wenn nur wenige Spiele ihn so fesseln würde wie einst Super Mario World. Und manche von uns verstehen ihn da sicher ganz gut…

Das neue Getränk aus dem Hause Coca-Cola.

Was dem Fußballfan sein Bier ist, das ist dem Spieler seine Cola. Nur blöd, dass richtige Cola dick macht und Cola light ziemlich ungenießbar ist. Doch es gibt Hoffnung auf Rettung: Coca-Cola Deutschland bringt dieser Tage mit der ‚Coca-Cola zero‘ ein neues Produkt auf den Markt, das guten Geschmack ohne Kalorien verspricht. Wir haben einen näheren Blick auf die Verkaufsversion geworfen.

Der Hintergrund
‚Coca-Cola zero‘ ist gewissermaßen das Sequel zu ‚Coca-Cola light‘, auch wenn der spirituelle Vorgänger weiterhin im Handel erhältlich ist. Entwickler ist die Coca-Cola Company, die vor allem natürlich für ihre ‚Coca-Cola‘, eine koffeinhaltige Limonade, bekannt ist, aber auch schon in anderen Genres Erfahrungen sammeln konnte: Sportfans etwa genießen seit Jahren das isotonische Getränk Powerade, während Anhänger ruhiger Erfrischung zu dem Mineralwasser ‚Bonaqua‘ greifen können. Eine Überraschung gibt es in Hinblick auf den Publisher: Coca-Cola Deutschland kooperiert mit mehreren Unternehmen, die sich den Vertrieb untereinander aufteilen. Die von uns geteste Version stammt von der Firma HM InterDrink.

Die Bedienung
Wer bereits einen Vorgänger von ‚Coca-Cola zero‘ kennt, wird mit der Installation des neuen Produkt keinerlei Probleme haben: Im Handumdrehen (im wahrsten Sinne des Wortes) ist die Flasche geöffnet und der Spieler kann loslegen – sofern er denn über ausreichend Kraft verfügt, denn der Verschluss ist nachwievor eindeutig auf Profis ausgelegt, die über Gamepad-gestählte Muskeln verfügen. Schade auch, dass die Entwickler vergessen haben, ein Glas mit der Flasche mitzuliefern: So muss der Spieler entweder direkt aus der Flasche trinken, was vor allem beim weiblichen Geschlecht hin und wieder für Irritationen sorgen kann, oder auf eine teure Erweiterung zurückgreifen. Immerhin ist ‚Coca-Cola zero‘ zu allen auf dem Markt erhältlichen Gläsern kompatibel.

Die Features
Wie schon bei der ‚Coca-Cola light‘ heben die Entwickler auch bei ‚Coca-Cola zero‘ den niedrigen Kaloriengehalt hervor, was die Zielgruppe aber einschränkt: Spieler mit Gewichtsproblemen werden mit dem Getränk zweifelsohne ihre Freude haben, doch wer sich seine täglichen Kohlenhydrate oral zuführen will, sollte die Finger vom Spin-Off lassen und zur originalen ‚Coca-Cola‘ greifen – ärgerlich nur, dass der Klassiker auch Jahrzehnte nach seiner Markteinführung noch nicht zum Budget-Preis in den Läden steht.

Zudem muss man sich eingestehen, dass ‚Coca-Cola zero‘ nicht gerade vor Innovationen strotz. Die Features (Wasser, Kohlensäure, Farbstoff, Süßstoffe, Aroma und Koffein) gleichen beinahe denen der ‚Coca-Cola light‘ und auch geschmacklich sind nur kleine Unterschiede auszumachen: ‚Coca-Cola zero‘ schmeckt ein wenig süßer und ein kleines bisschen bitterer als sein Vorbild, kommt geschmacklich aber noch immer nicht an die originale ‚Coca-Cola‘ heran. Nach einer so langen Entwicklungszeit ein Armutszeugnis für die Coca-Cola Company.

Des Weiteren fällt der Umfang negativ auf: ‚Coca-Cola zero‘ war zum Zeitpunkt unseres Reviews nur in der 1,0-Liter-Flasche in den Geschäften anzutreffen, was bei einem erfahrenen Spieler eine Trinkzeit von etwa einer Stunde bedeutet. Anfänger mögen etwas länger brauchen, doch da der Wiedertrinkbarkeitswert gegen Null tendiert (oder sehr eklig ist), werden auch sie enttäuscht sein.

Die Technik
Coca-Cola Deutschland hat sich Mühe gegeben, die ‚Coca-Cola zero‘ ansprechend zu gestalten: Die Verpackung nennt dem Spieler alle wichtigen Informationen über das Getränk und fällt mit ihrem leicht düsteren Touch in all den bunten Kiddie-Getränken durchaus positiv auf. Gimmicks wie etwa ein Techtree-Poster aller Coca-Cola-Getränke hat man jedoch vergessen. Immerhin werden durch den Verzicht auf eine Special Edition die Spieler auch nicht in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft unterteilt.

Die Grafik des Getränks an sich gestaltet sich dann jedoch ernüchternd: Ein monotoner Braunton bestimmt das Bild, was wohl realistisch wirken soll, auf Dauer jedoch langweilt. Dafür sind den Entwicklern die Wassereffekte erstaunlich gut gelungen und auch physikalisch verhält sich ‚Coca-Cola zero‘ jederzeit korrekt: Beim Eingießen beispielsweise fließt die Flüssigkeit von oben nach unten. Leider hapert es stellenweise mit der Wegfindung: Passt der Spieler nur für einen kurzen Moment nicht auf, kann es passieren, dass das Getränk auf den Tisch oder das T-Shirt anstatt in Glas oder Mund läuft. Ohnehin ist der Schwierigkeitsgrad unausbalanciert: ‚Coca-Cola zero‘ sprudelt so stark, dass dem Spieler beim Eingießen volle Konzentration abverlangt wird, während das Trinken eindeutig zu einfach geraten ist. Ein paar Wochen zusätzlicher Entwicklungszeit hätten hier Wunder bewirken können.

Auf Sprachausgabe verzichtet ‚Coca-Cola zero‘ übrigens, dafür ist zu Beginn das typische Prickeln zu hören, welches mit der Zeit nachlässt – eine gute Lösung, könnte die Untermalung doch nach einer Weile auf die Nerven fallen.

Das Fazit
„Evolution, nicht Revolution“, so lautete wohl die Devise der Entwickler. Denn ‚Coca-Cola zero‘ baut auf seinen erfolgreichen Vorgängern auf und verändert nur Details, die spielerisch allerdings kaum von Belang sind. Insbesondere in Sachen Grafik und Langzeitmotivation hatte ich mir im Vorfeld mehr erhofft. So bleibt ein fader Nachgeschmack, denn ‚Coca-Cola zero‘ ist nicht schlecht, hätte aber so viel mehr sein können. Genrefans und Freunde der Vorgänger dürfen dennoch zuschlagen, alle anderen sind bei der Konkurrenz besser aufgehoben.

(Vielen Dank an Jan Schneider von <a href="http://www.adventure-treff.de" target="_blank">Adventure-Treff</a> für die Inspiration.)

Wusel, Skidusel, Happydusel

Die Siedler? Da war doch was! Der erste Teil kam im Jahre 1994 in die Läden und sorgte für Schwung im Genre. Ein durchdachtes Bau- und Ressourcensystem und natürlich der unverzichtbare Wuselfaktor waren der Erfolgsgarant für Blue Bytes´ erste große Produktion. Genau zwei Jahre später erschien dann der oben genannte Nachfolger.

Doch was hat das nun mit dem im September erscheindenden Die Siedler 2: Die nächste Generation zu tun? Hierbei handelt es sich ganz einfach um ein Remake des zweiten Teils. In neuem 3D-Gewand soll der alte Charme zu neuem Leben erweckt werden. Seit gestern schwirrt nun die rund 220 Megabyte schwere Demoversion im Netz herum, die ich heute für euch genauer unter die Lupe genommen habe.

Nach der Installation und dem anschließenden Start des Spiels kann zwischen vier verschiedenen Tutorials, die die Grundlagen wie Ressourcenabbau und Militärfuntkionen erklären, und einer Demo-Mission ausgewählt werden. Zeitlich ist der Spass auf 90 Minuten begrenzt, das reicht für ein gründliches Antesten aber allemal aus. Auffallend ist zu erst natürlich die knuddelige Optik. Bei mäßigem Hardwarehunger werden auch die üblichen Features wie Schattenspiel, nette Animationen und Reflektionen geboten. Man hat sich hier offensichtlich auf die "Niedlichkeit" konzentriert. Der letzte Teil Das Erbe der Könige sah trotzdem in keinem Fall schlechter aus, eher im Gegenteil. Was steckt also hinter dieser Fassade?

Spielerisch hat sich, bis auf kleinere Dinge, wenig getan. Die Gebäude, das Weg- und Lagersystem: Alles ist noch vom Klassiker bekannt – kein Wunder bei einem Remake? Immerhin ist es inzwischen möglich Wachgebäude auf die nächsthohe Stufe zu erweitern. Die Anzeige ob ein Gebäude besetzt ist oder nicht fällt bisher unverständlicherweise weg, da wird bis zum September aber sicherlich noch nachgebessert.

Die Demo erlaubt einen recht kleinen Blick auf das Gesamtprodukt und deshalb ist ein frühzeitiges Urteil nicht einfach zu fällen. Fest steht jedenfalls, dass sich an diesem Produkt die Geister scheiden werden. Auf der einen Seite stehen die eingefleischten Die Siedler 2-Fans, die ihre geliebte Spielmechanik und den nach wie vor vorhandenen Wuselfaktor in neuem Gewand bewundern dürfen und auf der anderen Seite die Kritiker, die auf einen komplett neuen Teil der Serie gehofft haben. Für diese Leute dürfte die aktuelle Linie schwer zu schlucken sein, denn welcher Anhänger dieser Gruppe möchte gerne den Vollpreis für ein eigentlich altes Spiel zahlen in dem man, vermutlich absichtlich, mit der Lupe nach Veränderungen und Neuerungen suchen darf? Entscheidet selbst auf welcher Seite ihr steht! Mir hat diese Retrovision jedenfalls sehr gut gefallen und ich freue mich auf die Vollversion, denn wie heisst es doch so schön? Never touch a running system ;)

Rayk Kerstan über das Rollenspiel

Schon seit einiger Zeit verfolgen Spieler und die Fachpresse gespannt die Entwicklung des deutschen Rollenspiels ’Grotesque: Heroes Hunted’ von Silent Dreams. Mittlerweile hat sich die einst als Hobbyprojekt begonnene Entwicklung soweit professionalisiert, dass ein kommerzieller Erfolg angepeilt wird. Höchste Zeit also, dass wir uns einmal ausführlich mit dem Lead Producer Rayk Kerstan über ’Grotesque’ unterhielten. Worum es geht und warum das Spiel sogar verstärkt die holde Weiblichkeit anziehen könnte, lest ihr im folgenden Interview.

Hallo Rayk! Mit eurem ungewöhnlichen Rollenspielprojekt ’Grotesque’ habt ihr das Interesse von Spielern wie der Fachpresse gleichermaßen gehörig geweckt. Wie sieht denn euer Konzept aus und wer ist Silent Dreams?

Hinter Silent Dreams stecken sehr talentierte Personen, die noch ein Fünkchen Idealismus in die Branche bringen wollen, während der Entwicklung aber auch gelernt haben, produktiv und wirtschaftlich zu denken. Irgendwo findet ihr in Düsseldorf einen Geheimgang, der euch zu unserem mysteriösen Büro führen lässt.

Der Erfahrenste unserer engsten Mitarbeiter war damals maßgeblich beteiligt an Spielen wie Siedler 3 und diesem kultigen Alien-Taktik-Spiel Incubation von Bluebyte, die ja ihren Sitz auch in Düsseldorf haben.

Das Entwicklungskonzept besitzt eine utopische Seitenanzahl, aber ich versuche mal für die Nicht–Grotesque-Wissenden zusammenzufassen, dass Grotesque: Heroes Hunted ein episches, klassisches Fantasy-RPG ist mit spielerischen Anleihen zu World of Warcraft und Gothic, mit künstlerischem Esprit eines Final Fantasy. Der kleine Unterschied sind jedoch vor allem groteske Elemente, die gelangweilte Spieler schnell aufhorchen lassen werden.

Kreative Spiele kämpfen nicht selten um den kommerziellen Erfolg. Oder anders gefragt: Will ’Grotesque’ ein kommerzielles Spiel auf dem Markt sein?

Absolut. Nicht umsonst gibt es einige Parallelen zu den weltweit bekanntesten RPGs. Jedoch wollen wir unseren eigenen Weg gehen und es gibt auch ein weiteres interessantes Ziel: Ein kreatives Spiel zu entwickeln, das, kommerziell gesehen, durchaus Erfolg hat.

Vielleicht können wir dazu beitragen, dass die Publisher umdenken und in Zukunft mehr Risiko für neue Ideen eingehen werden. Ich bin absolut fest davon überzeugt, dass Grotesque sich – gemessen an unserem geplanten Budget – absolut gewinnbringend verkaufen wird. Denn diese Mischung aus anerkannten klassischen Game-Elementen und dem eigenen Spielwitz ist eine wirtschaftlich sichere Mischung.

Soll das Rollenspiel über einen Publisher finanziert und vertrieben werden?

Definitiv. Um qualitativ mit den Großen mitzuhalten, aber auch zeitlich irgendwann fertig zu werden. Aktuell ist die Arbeit ohne Publisher nicht gerade einfach. Inzwischen arbeiten wir mit der Firma Schanz International Consultants zusammen, sie übernehmen die Vermittlung und Verhandlung mit den Publishern. Durch ihre große Erfahrung und ihren vielen Kontakten aus aller Welt haben wir es nun sehr viel leichter. Und natürlich auch den Beweis, dass unser Spiel marktauglich ist. Wenn sie überzeugt sind, werden es auch viele Publisher sein.

Verrätst du uns an dieser Stelle, von was die Hintergrundstory handelt?

Der Clue von Grotesque ist, dass ihr als Rollenspieler in einer Fantasy-Welt landet. Besser gesagt Roger Sun tut es, der Hauptcharakter des Spiels. Er ist ein Metal Fan, liebt seine Gitarre, ein Rollenspieler wie du und ich, und er ist genervt von den immer gleichen Geschichten, die sich die RPGs so ausdenken.

Dann spielt er das neue Rollenspiel Grotesque erfährt etwas von den Heeren des Lichts und den Schergen des Bösen. Eine alles entscheidende monumentale Schlacht im Jahre 1333, bla bla…

Eine Geschichte also, wie sie zumeist als unglaublich innovativ angepriesen und von weltberühmten Hollywood-Regisseuren geschrieben wurde. Gerade als Roger sein Meckergesicht aufzieht, um schon einmal komplexe Kritiken für die RPG-Community vorzubereiten, wird er von einer unbekannten Macht in den Schlund des Computers gezogen. Plötzlich befindet er sich in diese Welt und das ohne eine schlecht funktionierende 3D-Brille. Jetzt überschlagen sich die Ereignisse. Er lernt eine zuvor noch nie gesehene, asiatische Priesterin namens Aiko kennen. Diese jedoch sagt, dass sie seine Frau sei und Roger denkt schon über evtl. Alimente nach.

Dann greifen Goblins an. Doch kurz vor dem Ende von Roger und Aiko werden sie von zwei Gothics gerettet. Diese höflichen Personen mit französischen Akzent entpuppen sich aber als Vampire mit Hang zum spielerischen Sadismus. Aiko teleportiert Roger mit letzter Kraft weg. Als Roger wieder zu sich kommt, scheint Aiko verloren. Und dann sprechen plötzlich mysteriöse, weibliche, irgendwie ziemlich erotische Stimmen zu ihm und geben ihm eine wichtige Quest.

Tja…er leidet also unter Amnesie, ist plötzlich ziemlich muskulös und erhält von wildfremden Kreaturen Quests, ohne dass er das überhaupt wollte. Schon jetzt ist Roger klar, er muss ein Auserwählter sein, der irgendwas retten muss. Zum Glück hat er nicht alles in seinem Leben vergessen, die Erfahrungen aus Rollenspielen und Filmen ist mysteriöser Weise geblieben und mit diesen wichtigen Weisheiten versucht er nun zu überleben.

Mittlerweile ist ja bekannt, dass euer Rollenspiel eine große Portion Humor und Ironie mit sich bringen wird. Ist der klassische Rollenspieler eigentlich dazu aufnahmebereit, wenn bekannte und bierernste Titel auf die Schippe genommen werden?

Ich denke, daß gerade die Rollenspieler für Humor offen sind. Nicht umsonst sind Charaktere wie Mud aus ’Gothic’ oder Minsc mit seinem Hamster aus ’Baldur’s Gate’ heutzutage Kult, und das weltweit. Rollenspieler lieben Phantasie und dazu gehören außergewöhnliche Dinge. Rollenspieler sind auch von Natur aus meist etwas anders gestrickt als andere Spielertypen.

Klar wir haben keine Millionenschwere Analyse in Auftrag gegeben, um das zu testen. Aber auch aus der Erfahrung heraus, weil wir alle Rollenspiel Fans sind, wissen wir ungefähr, was RPGler mögen , was sie langweilt und was sie kalt läßt.

Wir wissen schon jetzt, dass es immer Mißtrauen gegenüber Humor geben wird. Aber wenn wir einmal diesen eigenen Weg gegangen sind, dann wird sich später keiner mehr fragen:

“Rollenspieler und Humor, klappt das wirklich?“ Dann werden sie sagen: „…klar klappt das. Da gibt’s doch dieses Grotesque, das Spiel hat das doch gezeigt.“ Vor allem aber auch, weil wir ja eine durchaus ernsthafte Storyline hineinbringen. Das ist vielleicht der Fehler, den man machen könnte, wenn ein humorvolles Spiel entwickelt wird: Die Glaubhaftigkeit geht bei zu viel Albernheit verloren. Aber genau das ist bei uns nicht der Fall. Schon allein deshalb ist unser Grafikstil auch erwachsen.

Im Übrigen glaube ich , daß wir auch viele weibliche Rollenspieler ansprechen, gerade weil ’Grotesque’ nicht nur aus Metzelei besteht. Und unsere niedlichen getigerten Wildhasen werden bestimmt tolle Merchandising Artikel (lacht).

Kommen wir einmal zum Gameplay von ’Grotesque’. Besonders das Kampfsystem erwähnt ihr gerne als in der Form noch nie gesehen. Anleihen an ’World of WarCraft’ oder ’Guild Wars’ gebt ihr bei diesem Thema im gleichen Atemzug zu. Wie dürfen wir uns das denn vorstellen?

Wir wollen nicht mit den üblichen Schlagworten, wie revolutionär etc um uns werfen, aber das Kampfsystem hat, wie eigentlich alles an dem Spiel, einen gewissen eigenen, charmanten Stil. Auf den ersten Blick sieht es dem Kampfsystem von ’World of Warcraft’ verdächtig ähnlich. So als wenn wir auf die glorreiche Idee gekommen wären, ein armes, berühmtes Spiel brutal zu kopieren, daß selbst andere wehrlose Spiele kopiert hat, um damit nun Geld zu machen. Ts ts…

Aber nur mal um ein paar Beispiele zu nennen: Als Roger auf eine Horde Goblins trifft, zückt er sein Schwert und wählt aus seinen Spezialmanövern aus. Hey und da finden sich einige spektakuläre Animationen, wie ein luftiger Sprungschlag mit Doppelschraube im Matrix Style. Solche spektakulären Skills werden mit noch spektakuläreren Kamerafahrten aufgepeppt.

Einer von den Goblins verliert daraufhin sein Leben. Goblins sind ja von Natur aus etwas feige. Und plötzlich flüchtet die ganze Bande. Und da reagiert Roger und meckert: „Ihr dämlichen, feigen Viecher!“ Es kann häufiger vorkommen, dass NPCs oder auch der Spielcharaktere im Kampf Kommentare geben. Also rennt der Spieler den flüchtenden Goblins hinterher und diese schlagen einen Haken an einem großen Felsen vorbei. Als der hinterher preschende Spieler alias Roger ankommt, stehen die Goblins in einer Gruppe da und machen provokante Witze über den dummen Menschen. Was folgt ist ein riesiger Oger mit einer gigantischen Keule, der von den Goblins kommandiert wird. Jetzt wird’s brenzlig…

Das ist nur ein Beispiel von vielen. Wir wollen einfach den Monstern ebenfalls eine gewisse Persönlichkeit geben. In Grotesque hackt und slayed sich der Spieler nicht nur einfach durch Monsterhorden durch. Die Kämpfe werden häufig aufgelockert durch Storyereignisse, oder irgendwelchen Ideen, die den Kampf nicht nur strategisch, taktisch erscheinen läßt, sondern auch ganz schön spannend.

Wie sieht es mit der Charakter-Entwicklung aus? Was kann der angehende Held werden?

’Grotesque: Heroes Hunted’ bietet drei Berufskarrieren. Also eine kleine Anleihe zu ’Gothic’…

Schon relativ am Anfang des Spiels lernt ihr Personen kennen, die euch gerne als Lehrling aufnehmen. Da gibt es z.B. den etwas arroganten Elf Lego-Lars. Er befindet sich gerade in Wishes Wind auf Durchreise und hat seine Waffenträger irgendwie verloren und läßt Roger auf die Suche gehen. Später stellt sich heraus, dass ziemlich niedliche, aber furchtbar gefräßige Wildhasen die Waffenträger verschlungen haben. Roger würde natürlich liebend gerne ein Held werden und nimmt die Aufgabe als Waffenträger an. Tja, das Dumme ist nur: er muss dann tatsächlich einen ganzen Haufen Waffen durch die Gegend schleppen. Was jedoch noch schlimmer ist: listige Goblin Gauner haben diesen riesigen Waffenstapel schon aus der Ferne bemerkt und jetzt erst beginnt das Problem. Entscheidet sich der Spieler jedoch für einen anderen Beruf, verläuft die Story teilweise anders. Dann kann es sein, daß Personen, die eigentlich auf der Seite Rogers waren, durch seine Taten nicht mehr so gut auf Ihn zu sprechen sind. Denn es gibt diverse Fraktionen die sich gegenseitig bekämpfen und Roger platzt mitten in diesem Geflecht aus Intrigen hinein.

Letztendlich kann sich Roger vom Waffenträger, zur Stadtwache bis zu einem kriegerischen Helden entwickeln. Oder ein wendiger akrobatischer Samurai oder aber ein Metal-Magier, der die gefürchteten E-Gitarren trägt, die groteske Form des Zauberstabes. In diesen Berufskarrieren erlernt Roger neue Skills, die er bei Trainern erlernen kann.

Außerdem lassen sich die Attribute nach einem Level-Up selbstständig steigern und so dem persönlichen Geschmack anpassen. Ich denke also, selbst dem Hardcore-Skill-RPGler wird dies genügen, um sich heimisch zu fühlen.

Ihr plant außerdem, Berufe ins Spiel zu bringen. In welchen Berufen darf der Spieler in Zukunft schuften?

Neben diesen Berufskarrieren gibt es noch eine Reihe an Nebenberufen und Minijobs. Da wären klassische Berufe wie Schmied, Lederverarbeiter oder Kräuterkundler, aber auch originelle Jobs wie Türsteher oder Tabledancer. Dem Spieler bleibt es dabei überlassen, ob er einen Job erfüllen will oder sich lieber auf bodenständiges Monster schnetzeln konzentriert. Letztendlich gibt es Bereiche, in denen der angehende Held viel Gold oder zusätzliche Kräfte benötigt. Aber dem Spieler bleibt die Freiheit, zu entscheiden, wie er letztendlich vorgehen will, um diese Dinge zu erlangen. Freiheiten sind ja immer ein beliebtes Thema bei den Rollenspielen. Es hat aber auch seine Nachteile, nämlich daß die Story meistens darunter leidet. Ich möchte jetzt gar nicht über andere RPG’s anfangen zu meckern, aber ihr kennt ja die Schwächen von Rollenspielen mit vielen Freiheiten. Das ist bei uns anders, weil wir einen Kompromiß zwischen Freiheiten und linearen Abläufen durchziehen.

Sogar Adventure-Elemente soll es in ’Grotesque’ geben. Müssen wir uns daher vor unlösbaren Rätseln fürchten?

Fürchten solltet Ihr euch eher vor einigen weiblichen Personen in Grotesque (lacht). m Grunde genommen sind wir das erste Rollenspiel mit unterhaltsamen Adventure-Rtseln. Das ist einer unserer ominösen USP-Faktoren. Wir haben uns sehr wohl überlegt, was der Spaßfaktor in alten Lucas Arts-Adventures war. Absolut unlogische Rätsel, die den Spielspaß hemmen, sind deshalb nicht vorgesehen. Die Rätsel dienen eher der Abwechslung, so dass der Spieler einfach mehr machen kann, als herumzurennen und Monster platt zu machen. Das Coole an dieser Idee ist, daß diese Rätsel zumeist zu Nebenquests gehören. Sollte tatsächlich einmal der Fall eintreten, daß Ihr bei einem Rätsel nicht weiterkommt, ist das gar nicht schlimm. Es gibt genug andere Quests zu lösen, ihr müßt dann lediglich auf Gold oder interessante Items verzichten.

Unverschämt motivierend dabei ist auch das Faktum, daß gelöste Rätsel Erfahrungspunkte bieten. Das müssen eben nicht nur Quests sein, sondern können auch Aktionen sein, die ein kleines verstecktes Rätsel irgendwo in ’Grotesque’ darstellen.

Mal ehrlich, je länger ich über dieses Thema rede , desto klarer wird mir, dass diese Ideen etwas revolutionär gutes an sich haben, das schon bald von Anderen kopiert werden wird (lacht).

Was hat es mit dem Feature der Liebschaften auf sich? Wird doch nicht etwa Heiraten, Kinder kriegen und Sesshaft werden ein Spielziel sein?

Ganz so weit wird es nicht gehen. Aber als Rollenspieler haben wir uns vor allem zwei Spiele zu diesem Feature inspiriert. Das war zum einen das kultige Konsolenspiel ’Harvest Moon’ und natürlich ’Baldur’s Gate 2’. Wie viele Spieler haben stundenlang im Forum über diese Beziehungskisten geredet? Es waren erstaunlich viele und ich fand es schön, wie lebendig die NPCs dadurch wurden. NPCs mit Persönlichkeit sind eines der wichtigsten Elemente in ’Grotesque’ und die Liebschaften führen diese heroische Stärke weiter fort. Ja so ist das, nun wollt Ihr vielleicht auch noch wissen, wie sich denn die Liebschaften zu z.B. ’Baldurs Gate’ unterscheiden. So sind die Gespräche unterhaltsamer, weil es mehr Möglichkeiten gibt.

Außerdem können die Damen durch Items bezirzt werden. Selbst in der Realität soll das ja manchmal funktionieren.

Die Schwierigkeit ist jedoch, dass jede Frau einen unterschiedlichen Charakter besitzt, und auch eine andere Art des Flirtens bevorzugt. So liebt Alina z.B. Tiere und mag es nicht unbedingt gerne, wenn man diese schlachtet oder damit prahlt einen zweiköpfigen Wildhasen erschlagen zu haben. Dafür mag sie tiefsinnige Gespräche oder auch, wenn Roger die Schönheit der Natur erkennt. Der Engel Angel wiederum mag keine sensiblen Weicheier und steht auf Machosprüche, ist also mehr was für grobschlächtige Krieger, die grundsätzlich keiner Frau die Dungeon-Tür aufhalten (lacht).

Natürlich interessiert uns Technikbegeisterte auch die angewendete Technologie in ’Grotesque’. Bisher veröffentlichte Eindrücke zeugen ja durchaus von einem sehr hohen technischen Entwicklungsstand, der keinen Vergleich zu scheuen braucht.

Ja, das Lustige ist eigentlich, dass es anfangs nie wirklich unser Bestreben war, die tollste Technik zu haben. Vielmehr wollten wir uns um innere Werte kümmern. Irgendwie ist es aber dann doch dazu gekommen, dass wir eigentlich alle grafischen Features eingebaut haben, die z.B. ein Oblivion auch hat. Das ist wohl so ein gewisser Ehrgeiz unbedingt Komplimente von Spielern zu bekommen. Ich kann euch jetzt gerne noch mit technischen Details langweilen. So gibt es einen sehr hübschen dynamischen Schatten, Normal Maps sind natürlich immer gerne gesehen, genauso wie Parallax Mapping, die z.B. Mauern plastischer darstellen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie Männer daran Freude haben können (lacht).

Bloom war früher schon ein beliebtes Thema bei uns und unser Shader-Spezialist denkt sich immer wieder ein paar neue Shader aus, die uns weiterbringen können oder sogar die Arbeit erleichtern.

Unsere Charakter-Modelle haben ne Menge Polygone, um sie detaillierter zu machen als bei vielen Konkurrenzspielen. Vor allem werden sie auch dieses gewisse Charisma versprühen, das es braucht, um im Gedächtnis bleiben zu können. Dann kennt Ihr sicherlich schon das Speedtree-Tool. Damit lassen sich sehr realistische Vegetationen erstellen, allerdings doch sehr individuell von uns gestaltet. Die Ageia Physx-Engine lässt außerdem einige sehr nette physikalische Effekte zu. Ich muß noch mal schnell prahlen, dass die Engine u.a. von Unreal Tournament 2007 benutzt wird. Wir testen jedoch noch, welche Features wir mit der Physik letztendlich einbauen wollen. Klar ist aber, dass Todesanimationen dadurch realistischer werden und z.B. getötete Figuren einen Abhang runterkullern oder wunderschön künstlerisch eine tiefe Schlucht herunterfallen. Wer kennt nicht dieses Bedürfnis solchem romantischen Treiben gerne zuzusehen?

Als Basis dient uns die Vision Engine von der schwäbischen Firma Trinigy. Viele Neulinge beginnen immer erst einmal eine eigene Engine zu entwickeln, aber bestimmte Middleware Engines haben doch einige Vorteile und natürlich viel Support für unsere Programmierer. So haben wir jetzt durch die Weiterentwicklung der Vision einen tollen Echtzeit-Editor, in dem du spielen und editieren kannst. Es gibt Engines, die wesentlich teurer sind, aber so etwas nicht können. Ich glaub ich hab jetzt etwas unterschwellige Werbung für Trinigy gemacht, aber bevor ihr das bemerkt, kommen wir mal lieber zur nächsten Frage.

Wie ihr wollt: Kann euer Projekt damit in Konkurrenz zu Blockbustern mit entsprechend hohen Budgets wie ’The Elder Scrolls 4: Oblivion’ oder das kommende ’Gothic 3’ treten? Will es das überhaupt?

In Konkurrenz werden wir automatisch treten, weil wir logischer Weise mit den Blockbustern verglichen werden, aber auch wollen. Denn sonst beschäftigen sich viele Spieler nicht mit uns (lacht). Technisch müssen wir uns ja auch gar nicht mehr verstecken, wie wir ja gerade schon gemeinsam festgestellt haben. Das Budget ist natürlich niedriger, das ist klar. Im Vergleich zu diesen Titeln geben wir unser Debüt und somit bringen wir neue Ideen ein. Ich persönlich bin übrigens ein absoluter ’Gothic’-Fan und es ist schon komisch, jetzt mit Ihnen in Konkurrenz zu treten. Wobei man bei der geringen Anzahl an tiefgründigen RPGs nicht wirklich von Konkurrenz reden kann. Pyranha Bytes muss ja auch mal ein anderes gutes RPG spielen, was sie noch nicht kennen (lacht).

Gute, erfolgreiche Spiele haben häufig ihre eigene Vision. Wir setzen unseren Schwerpunkt darauf, den Spielern eine der interessantesten Storylines, die je in einem RPG erschaffen wurde, zu verwirklichen. Tiefgründige Charaktere mit Persönlichkeit und auch einen ganz eigenen Spielwitz zu kreieren. Auch der grafische Stil soll dieses spezielle ’Grotesque’-Feeling versprühen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in den nächsten Jahren noch häufiger von ’Grotesque’ hören werden. Denn wir sind wirklich hartnäckige

In welcher Phase der Entwicklung befindet sich ’Grotesque’ derzeit? Gibt es Neuigkeiten zum geplanten Beta-Test und könnt ihr schon einen ersten Releasetermin nennen?

Noch steht das Thema „Publisher Suche“ ganz oben. Es sieht gut für uns aus. Es gibt eine Reihe an Publishern, die sehr interessiert sind. Wir haben auch schon sehr viel Vorarbeit geleistet. Aber erst danach wissen wir genau, wie unsere Planung aussehen wird. Ein aktueller Releasetermin wäre Spekulation.

Möchtest du abschließend an unsere Leser noch etwas loswerden?

Es gibt immer wieder die Diskussionen, ob Fantasy-Spiele inzwischen ausgelutscht sind; dass den Publisher nix neues mehr einfällt, die meisten Spiele nur noch Langweile bieten und und und. Wir machen nun etwas erfrischend anderes, auch wenn wir es mit bekannten Elementen kombinieren, um für den Massenmarkt tauglich zu bleiben. Aber wenn Euch dieses neuartige Gefühl in Rollenspielen interessiert, dann laßt uns das gerne wissen und unterstützt uns. Nur so können wir es der Welt auch mal so richtig zeigen.Ihr könnt gerne mit uns in unserem Forum in Kontakt treten, da wir gerne ein Entwickler-Spieler-Schwätzchen halten.

Rayk, vielen Dank für das Gespräch.

Russischer Kult

In unserer Gegenwart passieren viele seltsame Dinge von denen wir viele nicht verstehen oder nachvollziehen können. Da führt ein Wahnsinniger Krieg gegen den Terror, der erst in dieser Form existiert weil er ihn durch eben diesen Krieg verursacht hat. Andere wundern sich, wieso der russische Oligarch Chodorkowski einfach durch ein Pseudo-Gerichtsverfahren für neun Jahre ins Arbeitslager gesteckt wurde und manchmal fragt man sich auch, was die österreichische EU-Ratspräsidentschaft ausser Kaffee und Apfelstrudel eigentlich wirklich gemacht hat – großartige Veränderungen waren ja nicht zu bemerken.
Nun, vielleicht hat alles doch einen speziellen Sinn, einen Grund, den wir zu glauben einfach nicht bereit sind. Vielleicht findet hier hinter den Kulissen der im Verborgenen geführte Kampf der Finsternis gegen das Licht, die ewigwährende Schlacht zwischen Gut und Böse, statt. Vielleicht habe ich aber auch einfach nur etwas zuviel Wächter der Nacht gespielt….?

Im Moskau der Gegenwart gibt es – genauso wie sonst überall – einige bedauernswerte Einzelschicksale. Zum Beispiel das von Stas, einem jungen Mann, dessen Mutter mit einem Herzklappenfehler im Sterben liegt. Die notwendige Operation kostet ein Vermögen und nachdem das russische Durchschnittseinkommen gerade einmal für Verpflegung und Unterkunft ausreicht, sind ihre Überlebenschancen nicht sehr gut. Nur ein Dienstleistungszweig bietet ausreichende Bezahlung – die organisierte Kriminalität. So findet sich Stas, eigentlich wider Willen doch durch seine Geldnot gezwungen, auf einem Hausdach wieder. Er zielt mit seinem Scharfschützengewehr auf ein junges Mädchen im Haus gegenüber, doch bringt er es nicht übers Herz den Abzug zu betätigen. Seine Mutter brachte ihm schon als Kleinkind bei Frauen nicht zu schlagen und jetzt sollte er eine erschießen?! Gerade versucht er sich, trotz der Zweifel den Abzug zu betätigen, zu überwinden, als hinter ihm wie aus dem Nichts eine Frau auftaucht. Ihr Name ist Olga und sie ist gekommen, um Stas zu sagen das er anders ist. Nicht nur seine Charakterzüge oder sein Aussehen sind anders – er beherrscht Magie.

Stas erfährt bald, dass er ein Lichter ist. Das bedeutet, er hat besondere Fähigkeiten, die er zum Wohle der Menschheit und gegen die Kräfte des Dunklen einsetzen muss. Doch warum bemerken die Menschen in den Städten und an den Orten, an denen die Schlachten zwischen Gut und Böse ausgetragen werden nicht, dass gekämpft wird? Die Anderen, so werden die Lichten und Dunklen genannt, bekriegen sich meist in einer Zwischendimension, dem Zwielicht. Kein Mensch sieht das Zwielicht, doch Personen, die sich darin befinden, sehen die normale Welt.

Da Stas nur weiß, dass er ein Lichter Anderer ist, müsst ihr ihm noch sagen was genau er sein soll. Zur Auswahl stehen Formwandler, Magier und Hexer. Ein Formwandler kann sich in ein blutrünstiges Tier verwandeln und ist somit eine sehr gute Wahl für den Nahkampf. Der Magier beherrscht mächtige Zaubersprüche, die für den Fernkampf bestens geeignet sind. Der Hexer wiederum ist die originellste Charakterklasse die ihr für Stas auswählen könnt. Er kann ganz alltägliche Gegenstände in mächtige Amulette verwandeln und beherrscht zusätzlich einige unterstützende Zauber. Als Hexer kann Stas beispielsweise eine Leuchtsoffröhre zu einem wirkungsvollen Schwert verwandeln oder mit einem handelsüblichen Spiegel einen Doppelgänger von sich erschaffen. Einmal modifizierte Gegenstände kann er auch an seine Freunde, von denen ihn im Spielverlauf bis zu drei begleiten werden, weitergeben. Auch mit Sonnebrillen, Kaugummis, CD-ROMs und anderem Zeug, das überall herumliegt lässt sich immer was basteln. Nachdem ich Wächter der Nacht einige Stunden gespielt hatte, wusste ich plötzlich, dass MacGyver kein überdurchschnittlich findiger Mensch war, sondern vermutlich nur ein abhanden gekommener Hexer.

Nachdem sich Stas durch eure Hilfe für eine Charakterklasse entschieden hat, muss er mit seinen Freunden diverse Aufträge für Geser, der eine Art Meistermagier des Lichts zu sein scheint, ausführen. Aus den anfänglichen Aufträgen entwickelt sich bald eine spannende Handlung, die auch einige Überaschungsmomente birgt. Schade ist nur, dass man anfangs – sollte man weder den Film gesehen noch das Buch gelesen haben – manchmal keine Ahnung hat wieso man eigentlich kämpft. Mit der Zeit wird man aber schließlich dank gut vertonter Dialoge mit den Geschehnisse vertraut gemacht. Auch Hauptakteur Stas wurde sehr gut vertont. Manchmal wirkt er allerdings ein wenig zu übertrieben heldenhaft und etwas extrem risikobereit. Nachdem ich aber zum ersten Mal seit langem einen russischen Helden kennenlernen durfte, bin ich natürlich nicht am aktuellen Wissensstand – vielleicht sind alle Helden aus dem Ostblock ähnlich verbale Selbstmörder wie Stas?

Obwohl Wächter der Nacht eigentlich als Rollenspiel gesehen werden will, überwiegt der taktische Teil bei Weitem. Meistens wird am Missionsanfang ein wenig geschwafelt, danach geht es sofort zur Sache und die Fetzen fliegen. Rundenbasierend darf man seine Spielfiguren auf die bösen Widersacher hetzen. Dabei kann man aus einem großem Pool von Angriffsmöglichkeiten wählen. Am Besten ist es, wenn man bei einer Gruppe von drei Figuren jeweils einen Magier, Hexer und Formwandler dabei hat. So kann man sich im Kampf optimal ergänzen und sowohl mit Magie als auch mit brutaler Kraft, die vielleicht noch von einem durch einen Hexer modifizierten Energy-Drink zusätzlich verstärkt wurde, zuschlagen. Obwohl der Kampf in Runden abläuft, ist nicht ausschließlich nüchternes Denk-Ambiente vorherrschend. Durch Telekinese können Feinde zum Beispiel auf Autos (die dann natürlich effektvoll explodieren!), durch Fenster oder fast jedes beliebige herumstehende Bauwerk geschleudert werden. Das sieht zwar ziemlich cool aus, allerdings geht bei derartigen landschaftlichen Veränderungen leider auch die Performance des Spiels in die Knie. Die Grafikengine, die bereits von Hammer und Sichel bekannt ist, vermag leider nicht immer optimalen Spielfluss zu gewährleisten.

Obwohl Wächter der Nacht grafisch nie und nimmer mit anderen aktuellen Titeln mithalten kann reicht die Detailtiefe auf jeden Fall aus, um ein stimmiges Umfeld zu erzeugen. Da die meisten Kämpfe aber sowieso im Zwielicht stattfinden, das wie eine Art Schatten der realen Welt aussieht, rückt dieser Aspekt stark in den Hintergrund. Der Hintergrundmusik geht es leider genauso, denn sobald man sich im Zwielicht befindet verstummen die teils richtig fetzigen Tracks und weichen einer undefinierbar schummrigen Tonfolge. Generell scheint das Zwielicht einer LSD-Wahnvorstellung von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/LSD" target="_blank">Albert Hofmann</a> entsprungen zu sein.

Die Stärke von Wächter der Nacht sind die unverbrauchte Handlung und die ungewöhnlichen Möglichkeiten, die man beim Wirken von Magie hat. Es ist einfach cool wenn man mit einer Neonröhre einen Vampir totprügeln kann – natürlich könnte man ihn auch mit altem Schmuck bewerfen, um seinen Geist unter Kontrolle zu bringen und ihn danach auf seine bösen Freunde zu hetzen. Seit langem konnte ich hier wieder einmal ein Taktik-RPG spielen, dass nicht demotiviert, sondern durch seine ungewöhnlichen Möglichkeiten, die gute Synchronisation der Dialoge und die daraus enstehende Handlung zwanghaft zum weiterspielen verführt. Natürlich gibt es auch Schwächen, die nicht verschwiegen werden sollten. Da wäre das Problem mit der anfangs undurchsichtigen Handlung, die teilweise sehr seltsam erscheint. Man muss erst ein wenig Zeit investieren, um sie wirklich zu verstehen. Ausserdem ist der Charakter von Held Stas ein wenig überzeichnet und erscheint dadurch nicht mehr draufgängerisch sondern selbstmörderisch.

Wächter der Nacht sollte man mehr als Taktikspiel á la Jagged Alliance oder Gorky 17 denn als Rollenspiel sehen. Wer mit derartigen Titeln, so wie ich, seine Freude hatte, sollte auch dieses Spiel in seine Sammlung aufnehmen. Ungefähr zwölf Stunden Spielspaß sind für den fortgeschrittenen Gamer auf jeden Fall drin. Der Wiederspielwert ist aufgrund der absoluten Linearität leider sehr gering. Oft hat man bei den Dialogen zwar mehrere Auswahlmöglichkeiten, doch im Endeffekt kommt es immer zum selben Ergebnis.

Schon mal mit Schafen geschlafen?

Alle Welt will es, Rebell.at hat es. Zum einen natürlich ein umwerfendes Design, zum anderen eine Preview zu GTA 4.

GTA 4, das darf man vorwegnehmen, wird eine totale Revolution. Rockstar verabschiedet sich vom altbackenen Großstadtflair und verlegt das Geschehen in das 202 Einwohner Dorf Craptown. Der Spieler kann mit Traktoren und Heuwagen fahren, Passanten mit Mistgabeln aufspießen oder sie mit einer Kartoffel ersticken und seinen Charakter hochleveln indem er per Tastenhämmern Wasser aus dem Brunnen holt. Ein neuer Ansatz ist die Intelligenz die man in christlichen Schulen erlangen kann. Damit soll der Rollenspielcharakter ausgebaut werden.

Je höher die Intelligenz ist, desto bessere Waffen kann man verwenden. Wer die Matheschule abschließt, kann etwa ein menschliches Katapult bauen. Ein Hot Coffee-Modus wird auch dabei sein. Mit den keuschen Damen vom Lande kann man es sich gemütlich im Starbucks treffen. Für harten Tobak sorgt diesmal hingegen ein verstecktes Goodie. Wer in einer der 42 verschiedenen Scheunen fünfmal springt und dreimal schießt wird mit einer nächtlichen Szene zwischen Jackie Moulsoun, dem Hauptcharakter der Geschichte, und seinem Lieblingsschaf belohnt. Tierliebhaber kündigten einen Boykott an.

Ein besonderes Augenmerk will Rockstar auf die Missionen legen, deren Ablauf aufgrund enormer Triggerlastigkeit an den Vorgängern kritisiert wurde. Man möchte nun zu interkativen Movies übergehen.

An einer Stelle muss man zum Beispiel einen wildgewordenen Bauern niederstechen, der die Kinder des Dorfes mit Drogen versorgt. Dazu gibt es ein 4-minütiges Intro-Video, dannach wird der Spieler vor die Wahl gestellt den Bauern mit einer Heugabel oder mit einer Flinte aus dem Sezessionskrieg zu erschlagen. So will man nun noch mehr Linearität garantieren.

Bei der KI hat man sich einen besonderen Kniff ausgedacht. Das Spiel handelt in der nahen Zukunft am amerikanischen Lande. Die Menschen sind von der fundamentalchristlichen Propaganda in der Schule dermaßen verblödet, dass man nur ein gigantisches KI-System für Hohlköpfe programmieren musste. Beim Soundtrack arbeiten Stars wie die Dixie Chicks und Paris Hilton mit.

Grafisch will man die Next Generation Konsolen voll ausnützen. Ein guter PC wird notwendig sein. Weil die Tastatursteuerung in den letzten 3 GTA-Teilen immer kritisiert wurde, hat man sich zu drastischen Maßnahmen entschieden. Sam Houser von Rockstar: "Wir scheissen darauf, ein Wingman Joystick aus dem Jahre 1992 ist dringende Voraussetzung".

GTA 4, der sechste Vollpreistitel der Serie, soll im fünften Quartal 2006 erscheinen. Entwickelt wird er im neuen Studio in Sri Lanka. Das war billiger als ein Team in Wien. Kinderarbeit soll es aber nicht geben.

Ich bin sicher GTA 4 wird ein Hit. Die durchdachte Umgebung und das erfahrene Entwicklerteam sind über jede Kritik erhaben. Und das unverbrauchte Bauernszenario mit Hinterwäldlertouch könnte endlich auch einen Fortschritt in der verwendeten Sprache gegenüber San Andreas bringen. Wenn die Storyautoren die Geschichte um den Benzinschnüffler Jackie noch verfeinern, erwartet uns ein echtes Meisterwerk mit Massentauglichkeit. An den dreckigen Gerüchten, Take 2 hätte nur irgendein billiges Indiespiel gekauft und den namen GTA draufgeklebt um das nächste Quartal zu überstehen, ist meiner Meinung nach nichts dran.

Schnapp sie Dir alle!

Es ist eine richtige Freude zu sehen, dass in letzter Zeit immer mehr Demos noch vor den eigentlichen Spielen verfügbar sind. Damals, vor zehn Jahren, war das üblich, aber bis vor kurzem musste man noch darum betteln, eine Demo auch nur ein paar Tage vor dem Release des Spiels zu bekommen.

Codemasters denkt da wohl ein bisschen anders – mit etwas unter 250 MB hat man offenbar den aktuellen Entwicklungsstand, abzüglich einiger Features, in eine Single- und Multplayer-Demo gepackt und bietet diese seit heute zum Download an.

Die Demo kann alleine gegen den Computer oder mit bis zu drei menschlichen Mitstreitern, also insgesamt vier Spielern, gezockt werden. Der einzige Haken ist, dass man für mehr als einen menschlichen Spieler mindestens ein Joypad benötigt, da die Tastatursteuerung leider nur für einen einzigen Fahrer ausgelegt ist.

Angetestet werden darf je eine Strecke aus drei verschiedenen Settings: eine Küche, ein Hühnerstall und ein Szenario auf dem Dach. Obwohl die Strecken alle recht kurz sind, bieten sie eine erstaunliche Menge an Abwechslung. Inbesondere im Hühnerstall sorgen Schrotpatronen oder Eier(-schalen) dank Havok-Physik für eine kleine Herausforderung. Eine Ideallinie gäbe es zwar, aber da die Hindernisse mobil sind, ergibt sich dennoch immer wieder ein leicht veränderter Kurs. Die neuen Power-Ups wie Raketen, Maschinengewehre oder Elektroschocker können in der Demo übrigens auch schon ausprobiert werden!

Egal ob man sein Downloadvolumen schonen muss oder nicht, die Demo zu Micro Machines V4 ist Pflicht. Kurzweilige Action und genug Stoff für den kleinen Zeitvertreib zwischendurch.

Mit 243 MB hat man garantiert viele Stunden Spielspass und muss nicht gleich frustriert nach dem ersten mal durchspielen die Deinstallation durchführen. In diesem Sinne: viel Spass beim Saugen und Spielen!

Ritsch, ratsch – Blutmatsch

Vor nicht allzu langer Zeit ließ sich CDV aus einem mir unbekanntem Grund dazu hinreissen, <a href="http://www.rebell.at/?site=r4&cnt=article&post_id=546" target="_blank">Theseus</a> von Sigma Team in Deutschland zu veröffentlichen – und das, obwohl der Titel im Normalfall nicht einmal an der Qualitätskontrolle eines Publishers von diesem Namen vorbeikommen dürfte. Die Handung des Spiels war einfach erklärt. Für den Einsatz von zehn Euro konnte man tausende Aliens zermatschen – Abwechslung oder Originalität waren zwei der Zutaten, die einfach ignoriert wurden. Mit Alien Shooter 2 vom selben Entwickler wird vieles besser gemacht.

Im Jahr 2161 wurden die schleimige Alienbrut vom Planeten Erde vertrieben, doch offensichtlich schmecken Menschen so lecker, dass ihre Freunde schon verständigt und am Weg waren, um noch etwas abzukriegen. Als ob es nicht genügen würde, dass die Erde in Schutt und Asche liegt, kommt nun die nächste Alieninvasion, die vielleicht sogar noch extremer als die vorhergehende ist. Wer in dieser Situation ordentlich verdienen will, verdingt sich als Söldner und das ist auch euer Part in Alien Shooter 2.

Anfangs könnt ihr, ähnlich einem RPG, eurem Söldner gewisse Fähigkeiten, wie Stärke, Lebenskraft oder Selbstheilung verleihen. In weiterer Folge läuft es dann wie üblich: Erledigt eine gewisse Anzahl an Aliens und ihr werdet eine Stufe aufsteigen. Damit man gewisse Knarren benutzen kann, müssen die Erfahrungspunkte natürlich auch in diesbezügliche Fertigkeiten investiert werden. Die Auswahl an Waffen ist enorm und reicht von der üblichen Pistole über Raketenwerfen bis zum Lasergewehr. Aber auch der Raketenwerfer ist nur eine Waffengruppe, in der es wieder viele verschiedene Modelle gibt, die sich in mehreren Aspekten unterscheiden und natürlich gewisse Fähigkeiten verlangen.

Ein eigener Shop, der immer zwischen den Missionen besucht werden kann, bietet darüber hinaus die Möglichkeit, sich mit Equipment aller Art zu versorgen sofern man über genügend Geld verfügt. Das Geld kommt nicht nur vom Söldnergehaltskonto sondern liegt überall herum. Auch der eine oder andere Alien hat was dabei und ist gerne bereit, es euch zu überlassen sofern ihr ihn vorher mit euren Meinungsverstärkern entsprechend bearbeitet. Wo sich die Frage stellt, wie Aliens zu Bargeld kommen? Vielleicht wollten sie sich bei der nächsten Imbissbude Mensch-Käse-Toast kaufen? Vielleicht haben sie in der fertigen Version auch Kreditkarten?

Grafisch ist Alien Shooter 2 dramatisch aufgewertet worden. Auch wenn andere Titel immer noch besser sind, wurde durch das verbesserte visuelle Erlebnis einfach ein glaubwürdigeres Umfeld geschaffen. Düstere unterirdirsche Komplexe, tolle Lichteffekte und Horden von gut animierten Monstern sorgen zeitweise sogar für den einen oder anderen Schock.

Sobald man sich aber in den Kampf geworfen hat und die Fleischfetzen nach allen Seiten fliegen, wird die Szene von einem erstklassigem Soundtrack begleitet, der von Synthesizerklängen und E-Gitarre dominiert wird. Auch die Effekte klingen glaubtwürdig und schaffen die perfekten Voraussetzungen für brutales Aliengeschnetzel. Es ist richtig befriedigend, wenn eine Granate einen Haufen Aliens in einen Haufen herumfliegender roter Pampe verwandelt.

Was macht Alien Shooter 2 besser als das extrem schlechte Theseus? Erstens gibt es eine gewisse Handlung, die ein Singleplayertitel einfach braucht um zu motivieren. Zweitens ist die Grafik um Klassen besser und drittens ist der Soundtrack einsame Spitze. Damit hat man alle Zutaten für einen guten Shooter im Splatter-Stil. Wer sich von der Klasse des Titels überzeugen will, spielt die Demo, die CDV gestern zum Download freigegeben hat und staunt, wie fesselnd doch simples Alienzermatschen sein kann, wenn das optimale Umfeld geschaffen wird.

CivCity: Rome

Stellt euch einmal vor ihr seid Cäsar, einer der größten Machthaber der Antike, Herr über ganz Rom und seine unzähligen Provinzen im Mittelmeerraum. Vom Volk verehrt und vom Senat gefürchtet wacht ihr über eine der ersten Metropolen der Weltgeschichte. Würdet ihr so was als Computerspiel nicht auch gerne einmal umgesetzt haben?

Bevor ihr jetzt in lange Grübeleien ausbrecht, sei euch eins gesagt: die durch Stronghold bekannt gewordenen Firefly-Studios sowie Sid Meiers Firma Firaxis sprechen dem oben genannten Szenario durchaus einen gewissen Reiz zu und veröffentlichen noch Ende diesen Monats ein Aufbauspiel mit dem Titel CivCity: Rome zu diesem Thema.

Damit aus dem Titel jedoch kein 08/15-Einheitsbrei wird, wollen die beiden Entwickler sowohl die Spielelemente aus der bekannten Caesar-Reihe, dessen vierter Teil im Herbst diesen Jahres erscheint, mit denen der Civilization-Teile kombinieren als auch ein komplett neues Mittendrin-Gefühl erschaffen. So sollt ihr jederzeit die Möglichkeit haben den Bewohnern eurer Stadt einen Besuch in ihre heiligsten Gefilden abzustatten. Einmal über die Türschwelle getreten könnt ihr somit die Einrichtung eurer Untertanen begutachten und ihnen bei ihren häuslichen Tätigkeiten über die Schulter blicken.

Bevor ihr jedoch eure Bewohner besuchen könnt, muss es überhaupt etwas geben, wo ihr eure neugierige Nase reinstecken könnt. Schließlich impliziert die Genre-Bezeichnung Aufbauspiel den Umstand, dass ihr erst einmal etwas aufbauen müsst, bevor ihr in eurem Größenwahn schwelgen könnt – und das taten die Römer bekanntlich ja zu gerne. Ein paar Lehmhütten sowie ein paar Bauernhöfe sind dann auch erst einmal das einzige was ihr bei Beginn eures Spiels erblickt. Hieraus müsst ihr nun eine blühende Stadt zimmern und dürft dabei niemals eure Finanzen außer Acht lassen. Geld regiert halt bekanntlich die Welt und bildet in CivCity: Rome eines der wichtigsten Stützpfeiler eurer Zivilisation.

Um daran zu kommen müsst ihr entweder euren Bürgern das Geld durch Steuern aus der Tasche ziehen oder Handel betreiben. Letztere Möglichkeit sollte dann in Betracht gezogen werden, wenn euch die Steuern langsam weg brechen weil die Plebejer sowie der Adel unzufrieden sind. Um seine Untertanen nämlich wieder gütig zu stimmen muss die Versorgung mit Nahrungsmitteln verbessert oder für eine gehörige Portion Unterhaltung gesorgt werden. Das alles hat nur einen Haken: es kostet Geld, verdammt viel Geld. Da sich diese Unsummen nicht alleine durch die Steuern decken lassen muss im wahrsten Sinne des Wortes gehandelt werden.

Also geschwind einen Blick auf die Handelskarte geworfen, eine benachbarte Stadt als Handelspartner auserkoren und eine neue Handelsroute angelegt und schon kann der ungebremste Kapitalismus seinen freien Lauf nehmen. Dennoch ist auch hier Vorsicht geboten, wer zu schnell zu viel baut, dem geht wohlmöglich das Geld aus und ihr verschuldet euch. Gut, einen blauen Brief aus Brüssel müsst ihr nicht fürchten, dafür seid ihr jedoch euren Job als Stadtverwalter los. Tja, dumm nur, dass es Hartz IV im alten Rom noch nicht hab, der Neustart bleibt unausweichlich.

Bis zu diesem Zeitpunkt spielt sich CivCity: Rome noch wie ein neuer Teil der Caesar-Serie. Was teilweise Civilization-Feeling aufkommen lassen soll, ist der Technologiebaum. Hier stehen euch gut 70 verschiedene technische Errungenschaften zur Auswahl, die zum Beispiel den Straßenbau verbilligen oder für eine bessere Trinkwasserbelieferung sorgen. Auch steht euch ein historisch korrektes Lexikon zur Seite, welches euren Wissensschatz mit allerlei Informationen über das antike Rom aufbessern soll. Apropos Wissen über die alten Römer: es mag spielerisch ja durchaus sinnvoll sein, dass eure Untertanen Steuern bezahlen, historisch gesehen bezahlten die direkten Bewohner Roms keinen Dinar an den Staat, dafür wurden die Provinzen aber gehörige geschröpft.

Unterm Strich macht CivCity: Rome bis jetzt einen guten Eindruck. Gerade die grafische Präsentation vermittelt einen guten Eindruck von der Pracht Roms und macht Lust auf ausgedehnte Rundgänge durch die Gassen und über die Märkte seiner eigenen Stadt. Ob allerdings die starke Fokussierung auf die gute alte Dinar als wichtigsten Motor eurer Stadt nicht im Ende dazu führt, den Schwierigkeitsgrad etwas zu sehr zu verschärfen, wird wohl erst die Vollversion klären können. Wir freuen uns auf jeden Fall schon einmal darauf demnächst Cäsar spielen zu können.

Was ich bis jetzt von CivCity: Rome zu sehen bekommen habe strotze nur so vor Flair und vermittelte einen sehr authentischen Eindruck von der Pracht Roms aus längst vergangenen Tagen. Den Grafikern ist es sehr gut gelungen den Spieler einfach nur dazu einzuladen seine Stadt zu bewundern und das Leben auf den Straßen zu betrachten.

Da dieses voyeuristische Element ein wichtiger Pfeiler eines jeden Aufbauspiels ist – schließlich will der Spieler ja sehen, was er da gerade in mühsamer Arbeit erspielt hat – mache ich mir aufgrund der über jeden Zweifel erhabenen Präsentation darum keine Sorgen.

Viel mehr Sorgen bereitet mir das momentan noch recht schwierig zu beherrschende Finanzmanagement. Selbst bei minutiösester Planung kann es noch dazu kommen, dass man am Ende den Karren doch vor die Wand gefahren hat. Das könnte vor allem Einsteiger abschrecken und bei Genreprofis für Frustmomente sorgen. Ich bin gespannt, ob die Entwickler dieses Manko noch ausbügeln können…

Träger der Innovationen?

Es ist gut zwei Jahre her, dass ich diesen <a class="gross" href="http://gameswelt.de/pc/news/topnews_detail.php?item_id=41722" target="_blank" class="gross">Kommentar</a> schrieb mit dem Tenor „Spiele sind langweilig geworden.“ Seitdem hat sich einiges verändert: Nintendo hat den DS veröffentlicht und damit den Handheldmarkt umgekrempelt, einzigartige, innovative Titel wie Fahrenheit oder Katamari Damacy sind erschienen und mit dem Wii steht vielleicht bereits die nächste Revolution vor der Tür. Entscheidend für diese ersten Schritte hin zu einer besseren Spielewelt war aber wahrscheinlich etwas, das den so genannten Hardcore-Gamern eigentlich einen kalten Schauer über den Rücken laufen lässt: Der Mainstream.

Wer gegen wen?
Wie oft haben wir in den letzten Jahren lesen müssen, dass ein Spiel doch nicht die hohen Erwartungen der Fans erfüllen konnte, weil es „zu stark an den Massenmarkt angepasst“ wurde? Sei es ein Deus Ex: Invisible War, ein Prince of Persia: Warrior Within oder ein Jak 2 – sie alle haben eins gemeinsam: Um mehr Käufer zu finden, wurden sie vereinfacht, massenkompatibler gemacht, bis sie mit ihren Vorgängern nur noch wenig gemein hatten. Manchmal schlugen sich die Veränderungen in besseren Verkaufszahlen nieder, manchmal auch nicht. Eines steht jedoch fest: Der Mainstream ist verhasst. Zu sagen, ein Spiel würde sich mehr auf den Mainstream fokussieren, kommt heute schon fast einem Todesurteil gleich. Und doch…

Von EyeToy bis Animal Crossing
Auf der anderen Seite hat der Mainstream Spiele ermöglicht, deren Erfolg oder gar Entwicklung vor Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Sonys SingStar etwa, das sich den Pop- und Superstar-Rummel zu Nutze machte und eine ganz neue Art des kompetitiven Spiels auf die Konsole brachte. Oder EyeToy, dessen Spiele in Sachen Vielfalt und Abwechslung zwar sehr limitiert sind, aber auch Menschen vor den Fernseher holen, die beim Anblick eines Gamepads Ausschlag bekommen. Nicht zu vergessen Animal Crossing: Wild World, das wohl erste interessante Multiplayerspiel, bei dem es mal nicht um das Töten oder Besiegen möglichst vieler Kontrahenten geht, sondern um die Gemeinschaft, das gegenseitige Unterstützen. Oder Brain Age, dem die Kombination aus Lernprogramm und Spiel überraschend gut gelang. Die Liste ließe sich noch weiter führen.

Stillstand in alten Genres
Dem Mainstream und der vielfach verurteilten Konzentration auf den Casual Gamer ist es also gelungen, neue Spielideen zu verwirklichen, frischen Wind in die eintönigen virtuellen Welten zu bringen. Und gleichzeitig tritt der Hardcore-Markt nachwievor auf der Stelle. Ego-Shooter sind zwar realistischer, schöner und atmosphärischer geworden, doch neue Versuche wie etwa die Integration von Elementen aus anderen Genres schlugen weitgehend fehl. Ein SiN Episodes oder Half-Life 2 spielt sich nicht viel anders als die im letzten Jahrhundert erschienenen Vorgänger. In Echtzeit-Strategiespielen sammeln wir seit Dune 2 brav Ressourcen und von dem steinzeitlichen Gameplay der Point & Click-Adventures will ich gar nicht erst anfangen.

Kann es wirklich sein, dass viele Genres rund zwanzig Jahre nach ihrer Erfindung schon ihren kreativen Zenit überschritten haben? Haben die Entwickler bereits all ihre Ideen verschossen und ist Innovation wirklich nur noch dann möglich, wenn neue Zielgruppen erreicht werden sollen? Wenn man sich anschaut, mit welchen Spielen beispielsweise Microsoft seine Xbox 360 in den nächsten Monaten an die Spitze bringen will, dann muss man die Frage wohl mit „Ja“ beantworten. Einfallslose Shooter und Action-Rollenspiele in noch einfallsloseren Science-Fiction-Settings – das kann doch nicht alles sein!

Hardcore in die Nische?
Leider ist es das aber wohl, denn Kreativität wurde von den vermeindlich so pingeligen Hardcore-Gamern in der Vergangenheit immer wieder verschmäht. Die Handlungsfreiheit eines ‚Deus Ex‘ etwa würde für fast jedes Genre eine echte Bereicherung darstellen, kam aber nicht gut an und verschwand daher wieder in der Versenkung. Lustigerweise manövrieren sich die Hardcore-Gamer durch ihr Kaufverhalten allerdings in genau die Nische, in der sie einst die Gelegenheitsspieler, den Mainstream, gesehen haben. Und da wieder rauszukommen, dürfte schwierig werden, wenn man sich die Verkaufszahlen und den vergleichsweise geringen Entwicklungsaufwand der besagten Animal Crossing: Wild World, SingStar oder EyeToy ansieht.

Vielleicht wird es in nicht allzu ferner Zukunft also genau andersherum sein: Der Mainstream bestimmt den Markt, bestimmt, was entwickelt wird – und jammert möglicherweise sogar, wenn ein Spiel zu sehr auf Hardcore-Gamer abzielt. Eine spannende Entwicklung.

Empires and Dungeons

Der König ist tot, es lebe der König! So kennt man es aus Romanen oder Spielen, die ihr Szenario im Mittelalter gefunden haben. Anders in Empires and Dungeons – dort ist der Thronfolger zwar abgetreten, jedoch gibt es keinen offensichtlichen Nachfolger. Die Folgen sind fatal, sind doch jetzt alle Edelleute des Landes der Meinung, der rechtmäßige Thronfolger zu sein. Auch ihr verkörpert einen dieser Edlen und eurem Spielgeschick ist es überlassen, ob das Land wieder vereint werden kann oder alles in ewigem Leid und Chaos untergehen wird.

Empires and Dungeons kombiniert mehrere verschiedene Spieltypen, die bereits mehr oder minder erfolgreich am Markt sind, und versucht sie zu einem süchtig machendem Konzept zu vereinen. Die Hauptansicht zeigt eine Karte mit Städten, Rohstoffen, Burgen und Dungeons, die es zu erforschen gilt. Hier ist man als Held immer mit einer Armee unterwegs, die sich in der Heimatburg rekrutieren lässt. Je nach Ausbaustufe der Burg lassen sich verschiedene Typen von Soldaten rekrutieren. Zur Verfügung stehen Fußsoldaten, Bogenschützen, Ritter und Katapulte, mit deren Hilfe der Gegner geplättet werden kann. Nachdem diese Ratten nun einmal dem schnöden Mammon mehr geneigt sind als dem Dienst für das Königreich, muss man irgendwie an Gold gelangen um sie ansprechend zu bezahlen.

Bare Münze ist nicht nur zum Rekrutieren von Soldaten notwendig, sondern auch, um die Burgen mit diversen Gebäuden oder Wällen auszurüsten. Doch woher nehmen? Am meisten ist zu holen, wenn man die Städte im Umland einnimmt und deren Einwohner brav Steuern zahlen. Zu dumm nur, dass auch Städte eine Armee haben, die manchmal sogar eine respektable Größe besitzen. Die nächste Möglichkeit ist das Verkaufen von Ressourcen an Händler, wovon man beides meist im näherem Umland der Burg findet – allerdings dauert das viel zu lange und man benötigt viele Ressourcen selbst für den Bau von Gebäuden. Die größte Geldquelle sind zufällig auftauchende Dungeons, die nur der Held alleine betreten kann. Dort lauern haufenweise Monster von angemessener Stärke, die geschächtet werden wollen, um danach allerlei Goldschätze ihrem Henker preiszugeben – selbstverständlich immer nach der Reihe, zwei Monster gleichzeitig treten niemals auf. Ein Dungeon beherbergt aber auch noch andere Geheimnisse, wie zum Beispiel irre Zauberer oder seltsame Händler. Auch seltene Gegenstände, Waffen oder Heiltränke sind in den Höhlen des Bösen zu finden – und Ehre! Wer einen Dungeon von sämtlichen Monstern befreit und auch das immer zwei Stufen bessere Boss-Monster besiegt, erntet Ehre, die man zum Bauen gewisser Gebäude braucht.

Eines muss man Niels Bauer, dem Entwickler des Spiels, lassen. Er versteht es bei jedem seiner Titel, eine absolut intuitive und einsteigerfreundliche Steuerung einzubauen. Es ist fast unmöglich, Empires and Dungeons nicht sofort, ohne auch nur einen Blick auf das Tutorial geworfen zu haben, zu verstehen. Alles funktioniert mit Mausklicks, es gibt keine verschnörkelten Hotkeys, Kombinationen oder seltsam anmutende Symbole am Bildschirm. Trotzdem wurde noch ein Tutorial eingebaut, das alles haarklein beschreibt und absolut nichts auslässt. Gerade diese Einsteigerfreundlichkeit macht das Spiel ideal für eine kleine Runde zwischendurch. Für viel mehr ist es allerdings auch nicht geeignet, da einfach der Tiefgang fehlt.

Gespielt wird Rundenweise, außer es kommt zu Kämpfen, dann wird auf Echtzeit umgestellt. Das heisst, eine Sanduhr zeigt an, wie lange es dauert, bis man wieder auf einen der drei Prügel-Knöpfe klicken kann (siehe Screenhot). Zusätzlich hat man manchmal die Möglichkeit, eine Heldenhafte Aktion, wie Heilen, einen vernichtenden Schlag oder Flucht durchzuführen. Bei sinkender Lebenskraft hilft auch ein Heiltrank. Durch die Kämpfe bekommt man Erfahrung, durch Erfahrung wird man stärker. Dies hilft zwar im direkten Kontakt mit euren Monster-Widersachern wenig, da sie vom Spiel der Stärke des Helden angepasst werden, doch eure Computergegner sind von dieser Regelung ausgenommen und müssen sich ihre Stärke ebenso wie der Spieler mühsam erkämpfen. Selbstverständlich liefert ein stärkeres Monster auch mehr Geld und erlaubt somit eine größere Armee. Bis zu acht Levels kann ein Held aufsteigen. Wenn man ihn zusätzlich noch mit adäquater Bewaffnung ausstattet, kann man so gut wie alles kurz und klein hauen.

Auch wenn die technischen Mittel von Niels Bauer äußerst limitiert sind, hat er sich große Mühe gegeben, ein ansprechendes Ambiente zu erschaffen. Die Portraits der Widersacher sowie des Helden sind detailliert und vor allem das Interface ist perfekt integriert und, wie die Steuerung, äußerst gut gelungen. Der Soundtrack ist zwar klein, aber durchwegs professionell gestaltet – fast eine Klasse zu gut für ein Indiegame dieser Sorte. Die Soundeffekte hingegen werden leider schnell nervtötend. Bei jedem Treffer muss man sich, bis auf wenige Ausnahmen, das selbe (schmerzerfüllte?) Grunzen oder Stöhnen seiner Gegner anhören.

Am schlimmsten ist jedoch Größe des Spiels am Bildschirm. Obwohl, laut einer repräsentativen <a href="http://www.steampowered.com/status/survey.html" target="_blank">Steam-Umfrage</a>, nur noch etwas über drei Prozent der Spieler 800×600 nutzen, ist das Spiel nur in dieser Auflösung möglich optisch ansprechend. Sollte man eine höhere Auflösung verwenden, bekommt man den Rest mit blau-schwarzem Hintergrund zugekleistert. Wenn das Spiel wenigstens beim Start automatisch auf 800×600 umswitchen würde, wäre es wesentlich angenehmer. Vielleicht wäre auch ein Fenstermodus eine Idee, die sich einfach realisieren ließe.

Wie wäre es bloß ein Spiel zu haben, dass die Konzepte vieler toller Spiele der letzten Jahre vereint? Das metzeln von Monsterhorden in weit verzweigten Dungeons wie in Diablo, das Aufbauen einer Burg und Unterhalten einer Armee wie in Lords of the Realm und das Erkunden der Spielwelt wie in Heroes of Might and Magic – das wäre wohl ein perfektes Spiel für viele von uns. Empires and Dungeons versucht sich an dieser Kombination, kommt jedoch in keinster Weise an seine Vorbilder heran. Trotzdem kann es aufgrund der Sucht erzeugenden Konzepte lang am Bildschirm fesseln, obwohl es sowohl technisch als auch vom Gameplay her sehr simpel gestrickt ist. Vielleicht is aber auch gerade das der Reiz an der Sache. Starten und Spielen ohne viel nachzudenken und trotzdem dabei Spaß haben – ich kenne das von vielen unauffälligen Independent-Produktionen, zum Beispiel auch Weird Worlds oder Smugglers 3. Spielt einfach mal die Demo, ihr werdet sehr schnell herausfinden, ob Empires and Dungeons für euch brauchbar ist oder nicht.