Kategorie-Archiv: Spiele

Das ist der Lustige Pete, gib‘ ihm 5 Cent!

Ich werde mein ganzes Leben niemals den Tag vergessen, an dem jemand zu mir allen Ernstes gesagt hat "Ich will Pirat werden!" – dieser jemand wollte aber kein normaler Pirat sein, er wollte mit gelben Ölzeug bekleidet bei strahlendem Sonnenschein auf dem Bodensee eine Totenkopf-Flagge auf seinem Schlauchboot hissen. Sicher könnt ihr euch denken, dass mir seitdem alles mit Piraten eine Riesenfreude bereitet.

Am 26. Jänner 2007 hat Ascaron jedenfalls Tortuga – Two Treasures rausgebraucht, ein Spiel in dem es treffenderweise um Piraten geht. Mein erster Gedanke war natürlich "Muss ich haben!" – schon allein aus dem Grund, weil seit der Neuauflage von Pirates! kein ordentliches und vor allem einfaches Piratenspiel zu haben war (Salvo! zähl‘ ich jetzt mal nicht mit, das ist definitv zu kompliziert gewesen).

Auf der Verpackung des Spiels prangt an erster Stelle "Rasante, actiongeladene Story um Geheimnisse, Verrat und Liebe" – zugegeben, das hört sich an, wie die eierlegende Wollmilchsau – wie Kinderüberaschung oder schlichtweg etwas unglaubwürdig an, Marketing eben. Aber wer Ascaron kennt, ist sich der Qualität der Arbeit und der bisherigen Titel in diesem Themenbereich bewußt – immerhin sind Port Royale und vor allem Hanse – Die Expedition endgeile Spiele. Aber mehr zur Geschichte ein wenig später.

Der nächste Punkt auf der Featureliste ist "Intuitives, leicht erlernbares Gameplay" – auf diesen werde ich sofort etwas näher eingehen. Vorweg: das Spiel teilt sich einerseits in die Schiffsreisen/-kämpfe und andererseits in einen 3rd-Person-Part – in jedem der sich laufend abwechselnden Modi hat man natürlich verschiedene Aufgaben zu erfüllen und treibt somit die lineare Geschichte voran.

Man startet also direkt in die Geschichte und ins Spielgeschehen hinein – der Protagonist Thomas Blythe segelt unter der Flagge von Blackbeard. In einem integrierten Tutorial wird die Schiffsbedienung erklärt und geht sofort ins Blut über. Einfach und intuitiv – wie versprochen. Geschossen wird mit der linken Maustaste, gesteuert auf herkömmliche Weise mit WASD. Nach einem kurzen Aufwärmgefecht darf man selbstredend der Lieblingsbeschäftigung von Piraten nachgehen: kapern! (Anm: eigentlich wollte ich hier diese überaus schlechte Wortspiel-Scherzfrage bez. der Lieblingsspeise von Piraten, nämlich Kapern, anbringen – aber irgendwie konnte ich mich nicht dazu durchringen, oder doch?).

Durch längsseitiges Heransteuern an ein beschädigtes, fremdes Schiff kann man dieses entern, kapern, plündern, versenken oder was auch immer die Story in diesem Moment vorsieht. Hier kommt man jedenfalls zum ersten Mal mit dem intuitiven und leicht erlernbaren Gameplay für den 3rd-Person-Teil in Berührung: und der versetzt dem geübten Spieler einen Schlag ins Gesicht. Einerseits stellt sich mir die Frage, wer sich zur Hölle nochmal so ein Steuerungssystem ausdenkt und zum anderen, wer das auf Anhieb verstehen soll. Man muss sich das vorstellen wie überaus furchtbare Steuerung von Gothic – ja, ich geb’s zu – ich hab‘ viele Jahre lang immer wieder versucht Piranha Bytes‘ Meisterwerk zu spielen, hab aber immer nach wenigen Minuten wieder aufgegeben, da ich die Steuerung zu blöd fand – inzwischen hab‘ ichs aber kapiert und auch mir eröffnete sich die Welt von Gothic – zurück zum Thema, die Steuerung ist richtig mies und keineswegs intuitiv, man muss teilweise schon zwei oder drei Mal nachdenken um zu verstehen, wie die Steuerung per Maus und Tastatur eigentlich funktioniert, da sie wohl eigentlich für Joypads (ja Joypad, ich mag das Wort "Gamepad" nicht!) gedacht war, das lässt sich aber umstellen – aber man sollte zumindest davon ausgehen, dass jemand mit einem PC ein PC-Spiel mit PC-Hardware spielt, naja egal. Wenn die Handlung nicht von Anfang an so interessant gewesen wäre, hätte ich wohl alles hingeschmissen und nicht versucht die Steuerung zu "lernen".

Jetzt aber zur Geschichte: die Autoren haben eine nicht allzu neue Taktik angewandt, eigentlich ist es sogar naheliegend sowas zu tun. Einer der wohl besten Filme der letzten Jahre war Fluch der Karibik. Ich nehme mal an, dass ihr den Film gesehen habt: da gibts gutaussehende Frauen, einen gutaussehenden Piraten, einen verfluchten Schatz und ein gutaussehendes Geisterschiff. Natürlich wäre es jetzt etwas peinlich, die Geschichte einfach zu kopieren, aber man kann schlecht leugnen, dass man sich bei einschlägigen Filmen etwas abgeschaut hat. Nun, wie macht man jetzt eine gute Geschichte? Man nimmt zwei Mal alle Elemente einer erfolgreichen anderen Geschichte, rührt und knetet diese kräftig durch und entnimmt etwa ein Drittel der Storyelemente wieder – den Rest hebt man für später auf.

Tortuga – Two Treasures hat gleich mehrere Pirtatenbräute, es gibt eine Voodoo-Hexe, ein dickes Geisterschiff, einen Fluch und vieles mehr. Obwohl man innerhalb der Geschichte sogut wie keinen Freiraum für irgendwelche Extratouren hat, ist das Spiel enorm fesselnd. Man will immer wissen, wie es weiter geht – das realisiert man spätestens dann, wenn man zwei Stunden nachdem man "noch eine halbe Stunde, dann geh ich ins Bett" gesagt hat, wieder den selben Gedanken fasst.

Was mich etwas stört, ist die teilweise schon sehr absurde Arcadelastigkeit des Titels. Sprengfässer, Flaming Rum (also ein Molotowcocktail) oder Seemonster als Standard-Ausrüstung von Piraten sind teilweise etwas kitschig. So darf man sich auch beim Segeln nicht viel Realismus erwarten, korrekte Segelstellungen und physikalisch 100%ig korrektes Verhalten der Schiffe darf man sich trotz integriertem AGEIA PhysX-Support nicht erwarten.

Zwar ist das Spiel ist in visueller Hinsicht "nur" im guten Mittelfeld zu Hause, die Tonuntermalung ist aber genial und die Story sowieso. Ich erteile hiermit den sofortigen Kaufbefehl (zum 15jährigen Jubiläum von Ascaron liegen dem Spiel übrigens Vollversionen von Patrizier II, Port Royale und Piraten – Herrscher der Karibik bei)!

Expansion und Vernichtungskrieg light

Wer mit ethisch fragwürdigen Entscheidungen nicht gut klarkommt, sollte diesen Artikel nicht lesen. Größenwahnsinnige und xenophobe Kleindiktatoren welche nach leichter Unterhaltung suchen, dürfen sich schon mal etwas Popcorn zurechtmachen und die Lesebrille aufsetzen. Vorweg möchte ich etwas Asche auf mein Haupt schütten und mich outen: ich habe die beiden Vorgänger (Aftermath und Aftershock) nicht gespielt – das letzte Spiel der "Reihe" war für mich Terror from the Deep und natürlich bin auch ich mit Enemy Unknown groß geworden.

Worum geht’s also? Nun, die Retikulaner, eine Klischee-Alien-Rasse (grau, schwarze Augen) führen Krieg mit der Erde, die Menschheit verliert und wird teilweise zwangsumgesiedelt (auf den Mars). Dort wird eine Station erreichtet in der ein kleines Wissenschaftlerteam daran arbeitet, den Mars per Terraforming für die zehntausenden andere Menschen bewohnbar machen sollen. Diese anderen Menschen genießen übrigens aktuell ihr Dasein in Kyrostase – mit anderen Worten: sie wurden geeiswürfelt. Das ist irgendwo um die 50 Jahren her, aber diese flachbrüstigen Wissenschaflter haben in der Zeit kein Gramm erreicht. Weder das Terraformingprojekt wurde gestartet noch wurde der Mars um seine natürlichen Resourcen erleichtert. Man hat offenbar gerademal eine Wasserpipeline vom Nordpol des Planeten zur Forschungsstation gelegt. Aber all das ist egal, denn jetzt kann man als Spieler eingreifen und diese Säcke mal ordentlich herumscheuchen.

Ziel ist es in einem stategischen und einem taktischen Teil den kompletten Planeten zu akquirieren und nach Möglichkeit die fremden Rassen für seine Zwecke zu missbrauchen und dann einen Vernichtungskrieg zu führen. Das alles hört sich jetzt politisch gesehen etwas bedenklich an, aber es ist dem Herrn sei dank nur ein Spiel und die anderen Rassen sind eben grauhäutige Aliens, Tierwesen und Mechanoide – die Menschheit selbst kennt im Spiel keine Rassenunterschiede: das finden wir löblich.

Egal, zurück zum Thema: der stategische Teil selbst ist diese nette Marsübersicht, dort werden Territorien kontrolliert, Rohstoffe abgebaut und Einsätze koordiniert, Invasionen gestartet – das Übliche. In einigen Untermenüpunkten werden Waffen und Ausrüstung erstellt, Diplomatische Verhandlungen geführt (die laufen eigentlich nur drauf raus, dass man früher oder später jedem dem Krieg erklärt, immerhin will man ja keine Rohstoffe teilen) oder das Personal eingeteilt. Meiner Ansicht nach ist das Ganze etwas langweilig, etwa wie die stategische Ansicht in Jagged Alliance 2 nur mit viel mehr Verwaltungsaufwand – etwas simpleres – ich meine VIEL simpleres – wie in Syndicate Wars oder in Jagged Alliance: Deadly Games würd‘ ich persönlich ansprechender finden.

Andererseits ist der Taktikpart recht gelungen, eine Mischung aus Echtzeit und Rundenstategie – das Spiel wird an bestimmten Punkten durch eine automatische Pause angehalten, so kann man seinen Leuten neue Befehle geben – natürlich kann man auch manuell pausieren, in etwa so wie in Baldur’s Gate.

Leider ist dies auch das Übel des Spiels, es ist kein echtes rundenbasierendes System mit Aktionspunkten – Multiplayer mit Hot-Seat wäre so unmöglich, gut dass das aber keien Rolle spielt, Multiplayer-Part gibts nämlich keinen. Das Spiel ist so konzipiert, dass man eben als einzelner Spieler still in seinem Kämmerchen sitzt und die Story geniesst. Viele gesprochene Passagen lockern das "Missionshasten" auf und sorgen für vergnügliche Stunden mit moderat langer Spielzeit. Wenn ihr nicht grade mit Barbies spielt und auf knuffige Hunde steht, dürfte UFO: Afterlight einen Blick wert sein.

Guild-Wars-Erweiterung und zweiter Teil angekündigt

Mit dieser Doppelankündigung wird NCSoft vielen Online-Rollenspielern eine große Freude gemacht haben. Zum einen wird das vermutlich letzte Add-On für Guild Wars angekündigt. Eye of the North wird auf dem Kontinent Tyria spielen und eine Vielzahl an Dungeons für hochlevlige Charaktere bieten.

Außerdem wird man die bestehenden Klassen um weitere Fähigkeiten erweitern und neue Items, Waffen und Rüstungen ins Spiel bringen. Die Erweiterung soll im dritten Quartal diesen Jahres in die Läden kommen. Zum anderen blicken die Koreaner schon weiter vorraus und sagen, dass auch Guild Wars 2 definitiv in Entwicklung sei und vermutlich irgendwann 2008 die Märkte erreichen wird.

Der verrückte Professor grüßt

Eine goldene Regel besagt, dass Pool- oder Flipper-Spiele in elektronischer Form niemals so viel Spaß machen können, wie das Ganze live zu praktizieren. Nun, wenn ich an Silver Pinball von Sierra (ein alter Schinken) denke, dann bin ich mir nicht so sicher – da hätte mich damals wohl kein echter Flipper vom PC weggebracht. Kürzlich hat uns Actua Pool für den Nintendo DS von ZOO Digital Publishing erreicht. Zugegeben, ich hatte bis Dato noch nichts von denen gehört, aber gleich nach dem Einschalten meines DS wusste ich: Das müssen Briten sein!

Eigentlich finde ich es schockierend, dass man überhaupt noch versucht, einen Billard- oder Snooker-Titel für eine Konsole, ein Handheld oder den PC umzusetzen, zahlreiche Entwickler sind daran gescheitert, ich kann mich jedenfalls an kein gutes Spiel dieser Art erinnern. Aber Stopp: wir reden hier vom Nintendo DS, das Ding hat immerhin ein Mini-Queue eingebaut – das muss einfach genial sein, so zumindest meine Erwartungshaltung.

Aber man kann sich schön täuschen – man kann den Stift zwar einsetzen, um den Anstoßwinkel festzulegen, aber dafür hat man nur eine etwa 20×20 Pixel große Fläche zur Verfügung. Anstelle dessen lässt sich aber wunderbar das Steuerkreuz verwenden – nur leider lässt sich mit UP/DOWN nicht die Stärke des Stoßes festlegen, sondern der Höhenwinkel. Im Übrigen hat dieser Winkel keinen Effekt auf irgendetwas – eigentlich ist die Physik des Spiels generell unberechenbar, bei einem Stoß mit voller Stärke springen die Bälle herum wie Flummies. Über 20 Banden Spielen ist kein Problem, etwas einzulochen dagegen fast reine Glücksache. Die künstliche Intelligenz hat offenbar auch keinen Plan von dem was sie tut, entweder es wird gleich beim ersten Stoß die 8 eingelocht oder sie agiert hilflos und tollpatschig – ich meine, sogar im wirklichen Leben spiele ich besser und dabei bin ich bei Leibe kein guter Spieler. Der Verpackungsaufdruck "Realitätsgetreue physikalische Bedingungen gewährleisten, dass die Tische sich wirklich echt anfühlen …" ist somit purer Humbug.

Hab ich übrigens die schlechte Übersetzung erwähnt? Auch wenn man zwischen vier verschiedenen Sprachen (darunter auch Deutsch) wählen kann, sollte man tunlichst die Orignalsprache wählen, da man dort wenigstens begreift, worum es geht und nicht nach jedem Spielerwechsel einen "Hä?"-Moment erlebt, warum man denn jetzt das Spiel verloren hat.

Wirklich positiv ist nur, dass man mit zwei Spielern auf einem DS spielen kann, abwechselnd versteht sich. Wireless Single-Card Play hat man sich geschenkt, es muss jeder der bis zu vier Spieler über eine Karte verfügen – ein richtiger Anreiz gleich einen Vorrat von diesem grandiosen Titel zu kaufen. Im Klartext: Nettes Spiel mit wenig Bezug zur Wirklichkeit, der Spielspaß hält sich aber eben stark in Grenzen.

Große Karten, großer Spaß?

Der Name Chris Taylor müsste nicht nur jedem Rollenspiel-Fan etwas sagen, sondern auch den altgedienten Strategie-Veteranen ein Begriff sein, denn kein geringerer als eben dieser Mr. Taylor erschuf in den neunziger Jahren Total Annihilation, welches von vielen Fans immer noch als die Genre-Referenz angesehen wird. Nach Dungeon Siege 1– und 2 geht man bei Gas Powered Games nun also wieder zurück zu den Wurzeln und hat ein echtes Strategie-Schwergewicht an den Start gebracht. Supreme Commander möchte nicht nur in Sachen Kartengröße neue Maßstäbe im Genre setzen. Ob dieses Vorhaben gelingt, klären wir im folgenden Test.

Im Jahre 3844 stehen drei Fraktionen im ständigen Konflikt miteinander. Der Krieg dauert nun schon über 1000 Jahre an und ein Ende scheint nicht in Sicht. Die United Earth Federation vertritt unsere Erde und strebt den Frieden und die Ordnung in der Galaxie an. Die Cybrans, eine von den Menschen geschaffene Cyborg-Rasse, möchten sich aus dem Würgegriff der Menschenherrschaft befreien und fordert Autonomie und Unabhängigkeit. Die dritte Fraktion im Bunde sind die Aeon, welche ihre Glaubensrichtung in alle Welt verstreuen wollen, und das um jeden Preis. Ein Krieg ist da geradezu vorprogrammiert. Mit welcher der drei Parteien wir in das Spiel einsteigen, bleibt gänzlich uns überlassen – ein Freispielen in Reihenfolge bleibt dem Spieler so erspart. Wenn wir uns dann entschieden haben, läuten hübsche Rendersequenzen die jeweilige Mission ein und versorgen uns mit Informationen und Eckdaten zum kommenden Einsatz. Wer in den ersten Missionen Ringelpiez mit Anfassen erwartet, der wird enttäuscht. Schon die erste Mission stellt klar, dass man sich eher an die fortgeschrittene Zunft der Spieler richtet. Das zeigt sowohl der Schwierigkeitsgrad als auch das Zeitmanagement. In weniger als einer Stunde ist der erste Einsatz der United Earth Federation kaum zu bewältigen. Der Bau einer einzigen, zugegeben sehr mächtigen, Einheit in höchster Technologiestufe kann schon mal gut und gerne eine halbe Stunde in Anspruch nehmen.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, bekommt aber einiges geboten. Massenschlachten mit 300-700 Einheiten stehen fast in jeder Mission an der Tagesordnung. Die Armored Command Unit steht dabei im Mittelpunkt einer jeden Armee. Diese Einheit ist nicht nur beeindruckend anzuschauen, sondern ist auch maßgebend für den Basisbau verantwortlich. Obwohl es nur zwei Rohstoffe im Spiel gibt, Energie und Masse, erfordert ein durchdachter Basisbau einiges an Eingewöhnungszeit. Besonders während der fordernden Gefechte ist es durchaus schwierig, mit dem Bau notwendiger Gebäude hinterher zu kommen.

Wenn wir es jedoch geschafft haben, die Wechselbeziehungen zwischen Gebäuden, Ressourcen und dessen Komplexität zu verstehen, dann kommt richtig Freude auf. Die mehrere Quadratkilometer umfassenden Karten und die schiere Anzahl an Einheiten lassen jedem eingesessenen Strategiehasen das Wasser im Munde zusammenlaufen. Das Balancing ist in meinen Augen eine besondere Stärke von Supreme Commander, man hat nie das Gefühl, überflüssige Einheiten oder Gebäudetypen gebaut zu haben. Selbst die schwächsten Angriffseinheiten können für Ablenkungsmanöver als Vorhut eingesetzt werden.

Grafisch beeindruckt Supreme Commander eher durch die Größe der Karten und die Menge der Einheiten als durch optische Erhabenheit. Die Vegetation beschränkt sich auf Bäume und ein paar Steine, das Wasser ist unspektakulär und auch die Einheiten sind, bedingt durch die auftretende Masse, eher schlicht gehalten. Da man das Spiel aber ohnehin meist weit weggezoomt erlebt, stören diese Details eher wenig. Wer den Kampagnenmodus nach mehreren schlaflosen Nächten dann beendet hat, darf sich im umfangreichen Multiplayer austoben. Über den praktischen Matchmaking-Service GPG-Net, lassen sich Mit- oder Gegenspieler recht leicht finden. Auf 40 Karten werden im Regelfall dramatischere Schlachten als im Singleplayer stattfinden, denn die KI in der Kampagne agiert meist nach einem vorgelegten Muster, schickt beispielsweise in festgelegten Abständen die immer selben Truppenverbände zu verschiedenen Punkten oder greift zu festgelegten Zeiten Basen an – das stört auf die Dauer sehr. Negativ machen sich leider noch die gelegentlichen Verbindungsabbrüche bemerkbar, die selbst nach zwei Stunden fröhlichen Wettrüstens auftreten und geknickte Feldherren zurücklassen. Erfreulich sind hingegen die komplett lokalisierte und vernünftige Sprachausgabe, die gelungenen Soundeffekte und der antreibende Soundtrack, die einer Schlacht noch eine Extraportion Dramatik vermitteln.

Insgesamt ist Supreme Commander ein tolles Strategiespiel mit kleineren Mängeln in KI und Performance – allerdings nicht für Jedermann. Neueinsteiger ohne Geduld und Spucke sollten lieber einen weiten Bogen um das Spiel machen. Das liegt unter anderem an dem schlampigen Tutorial, welches anhand trockener Texttafeln den Spielablauf mehr schlecht als recht erklärt und zum anderen an dem kühlen Szenario, dem es an Identifikationsfiguren wie Kane von Command & Conquer oder den Helden bei Warcraft 3 entbehrt. Da ich eher zu den Anfängern des Genres gehöre, stören mich diese Punkte empfindlich. Altgediente Strategie-Veteranen sollten darüber jedoch eher müde lächeln und sich bewusst sein, dass kaum ein anderer Strategie-Titel im Moment mehr taktische Möglichkeiten, Tiefe und Komplexität bietet als Supreme Commander und deshalb darf, nein muss diese Spielergruppe zugreifen.

Kirche + Verschwörung = Megaseller?

Kirche liegt wieder voll im Trend. Nein, das vatikanische Oberhaupt wird mitnichten neuerdings auch außerhalb der religiösen Anhängerschaft Popstar-ähnlich verehrt, eher lässt sich mit Verschwörungen rund ums geistige Leben ordentlich Kasse machen. Da wollten wohl auch die Herren von dtp bzw. Artematica und entwickelten mit Belief and Betrayal schwupps einen total trendy Kirchen-Mysterie-Thriller. Blöderweise funktioniert Kirche interaktiv eher weniger gut, weswegen wirklich nur hart gesottene Verschwörungstheoretiker zugreifen sollten. Das Warum erklären die nächsten Absätze.

Ihr selbst schlüpft in die Rolle von Jonathan Danther. Obwohl nur simpler Klatschreporter kann sich der gute Herr ein sündhaft teures Loft, voll gestopft mit allen nur erdenklichen Schnickschnack im Herzen von New York leisten. Auch sonst plagen euch eher wenige Sorgen. Zwar nervt euer Chefredakteur, aber euer Eifelturm-großes Ego nimmt das eher locker hin.

Gut, genug Sozialneid für heute (hab ich schon erwähnt, dass der Typ auch reihenweise geile Ischen flachlegt, nein?), wir wollen ja schließlich ein Adventure lösen. Die Geschichte kommt nach dem üblichen nichts sagendem Renderintro (sowas ist ja schließlich teuer) auch recht schnell in Fahrt: eigentlich hattet ihr es vor, einen erzkonservativen Bischof mit eurer Liberalen-Trendsetter-Meinung so richtig den Arsch aufzureisen, als ihr plötzlich einen netten Inspektor vom New Scotland Yard an der Leitung habt. Euer Onkel sei ermordet worden und zu eurer Sicherheit solltet ihr schnell an die Themse jetten. Dumm nur, dass euer werter Onkel Frank aber schon seit zehn Jahren unter der Erde liegen sollte.

Tot-sein fand euer Onkel aber anscheinend nicht so spannend wie im Prospekt beschrieben und so entschloss er sich, die Unter-der-Erde-Liegerei nur vorzutäuschen und stattdessen dem extrem geheimen vatikanischen Geheimdienst, namentlich "die Loge", beizutreten, den natürlich jeder Inspektor das Scotland Yard kennt – so geheim ist der also, aha…

Um diese Exklusiv-Information reicher, werdet ihr von Inspektor Twinings auch sogleich zur mondänen Stadt-Residenz *hüstel* eures Onkels geschickt. Dort bestaunt ihr dann erstmal solche Merkwürdigkeiten wie eine disfunktionale Standuhr, sowie eine Ritterstatur, wo jemand dem Ritter sein Schwert geklaut hat. Es scheint also böse Menschen in London zu geben, wer sonst würde einem Klischee-Ritter schon sein Schwert klauen? Blöderweise werdet ihr auch gleich mit einem konfrontiert. Eigentlich sollte euch Inspektor Coletti ja zur Hilfe eilen, stattdessen scheint der gute Herr irgendwie mit dem Mord von eurem Onkel was zu tun haben und trachtet euch nach dem Leben. In diesem Augenblick kommt euch glücklicherweise die äußerst gut gebaute Kathrin zur Hilfe und ihr könnt Coletti ins Reich der Träume befördern.

Die holde Weiblichkeit entpuppt sich – Überraschung – als weiteres Mitglied der kirchlichen Untergrundorganisation und schleppt euch zu ihrem Vater sowie so Damien. Dort werdet ihr erstmal in die Geheimnisse von eurem Onkel Frank eingeweiht und kommt so einigen dunklen Geheimnissen rund um ein unbekanntes Medaillon auf die Spur.

Wie meinen absolut subtilen Anmerkungen sicherlich schon zu entnehmen ist, weist die Hintergrundgeschichte schon zu Anfang einige Logiklücken auf und zaubert eher ein dezentes Grinsen, denn einen vor Spannung angestrengten Blick auf euer Gesicht. Genau hier liegt dann auch der Hund begraben: mag man über die technischen Unzulänglichkeiten, wie hölzerne Animationen und den antiken Touch der Rendervideos noch gnädig hinweg sehen, so vergrault einem die dezent dahinplätschernde Geschichte endgültig den Spielspaß.

Das Problem an der Sache ist dabei nicht der Spannungsverlauf der Story an sich, so weist dieser doch einige, wenn auch recht offensichtliche Wendungen auf. Die Nebenfiguren bleiben jedoch ungewöhnlich blass und bieten deshalb kaum Eckpunkte zur Identifikation. Anders ausgedrückt: wieso und weshalb euer Onkel dahinscheiden musste und was ein merkwürdiges Medaillon damit zu tun hat, interessiert eher sekundär, womit die Hintergrundgeschichte vollkommen an Relevanz verliert.

Dieser Aspekt wiegt dann schlussendlich auch die durchaus vorhandenen, positiven Aspekte auf. So macht es nämlich durchaus Spaß, in die verschiedenen Rollen der einzelnen Nebencharektere zu schlüpfen um gemeinsam an der Aufklärung an Franks Mord mitzuhelfen. Besonders interessant ist es dann auch, wenn Kathrin euch bei einem nächtlichen Besuch in einer Kathedrale unter die Arme greift, oder Franks Computerprofi Damien dessen Wohnung noch einmal durchsucht und dabei Dinge ganz anders als Jonathan wahr nimmt.

Warum die Entwickler dieses Feature nicht besser in die Geschichte integriert haben bleibt wohl ein Rätsel. Dem Spielverlauf hätte es nur gut getan, so bleibt Belief and Betrayal leider auf halbe Strecke im Mysterie-Sumpf stecken, schade.

Speed Metal und eine Überdosis Kultur

Seit Simon seinen interdimensionalen Wandschrank zuletzt benutzt hat, ist eine Weile vergangen. Damals war er auch noch etwas pixeliger im Gesicht, aber den dämlichen Hut hatte er schon. Man kann auch nicht sagen, dass Simon der Zauberer erwachsener geworden wäre, er ist noch genauso schlampig und tölpelig wie eh und je – dennoch ist das Märchenland (schon wieder) in Gefahr und wie es das Schicksal so will, ist unser charismatischer Held der einzige der etwas dagegen machen kann.

Silver Style Entertainment hat wirklich geniale Arbeit geleistet. Der Spieleinstieg ist dermaßen direkt, dass man nach der Installation und dem Starten des Spiels quasi sofort loslegen kann. Keine lästigen Konfigurationen, kein Herumklicken in irgendwelchen verwirrenden Menus einfach loslegen. Seid übrigens gewarnt, Leute die nicht alle drei Vorgängertitel gespielt haben, bekommen ihr Fett weg – am Anfang wird man zwar in gewissen Dinge eingewiesen, Simon schwelgt sozusagen in Erinnerungen, aber das ändert sich schnell. Simon the Sorcerer 4 räumt in gewohntem Stil gnadenlos mit populär- und hochkulturellen Elementen auf. Dass die Recken von Carsten Strehse ein Talent dafür haben, solltet ihr spätestens seit The Fall: Last Days of Gaia wissen. Der Hauptfeind ist neben den Märchenelementen die Rollen- sowie Computerspieler-Gemeinschaft, aber auch neuere kulturelle Phänomene wie Harry Potter und Klassiker, darunter besonders die griechische Mythologie kommen nicht zu kurz.

Natürlich interagiert Simon wieder brav mit seiner Umwelt (und auch mit dem Spieler vor dem Bildschirm) und spart keineswegs mit Seitenhieben auf Adventureklischees. Beispielsweise wird der im Spiel auftauchende obligatorische Brückentroll wegen seiner untypischen Verhaltensweise aufs Schärfste kritisiert – der Kerl ist einfach zu freundlich. Auch auf die Zweifel des Protagonisten, er hätte wohl keinen Gewebeschein, weiß dieser prompt eine Antwort. Klar, ein echter Adventure-Brückentroll lässt sich von einem dahergelaufenen Magier mit dümmlicher Mütze nicht aus dem Konzept bringen – aber die Lösung ist dank der schlüssigen Rätsel schnell gefunden.

Zwar verfügt Simon the Sorcerer – Chaos ist das halbe Leben nur über einen Schwierigkeitsgrad, aber dieser ist moderat gewählt – mit etwas Adventureerfahrung geht’s, auch wenn’s ab und an etwas kniffliger wird, recht zügig voran. Für Neueinsteiger oder Gelegenheitsspieler, hält das Spiel zudem ein Journal bereit in dem automatisch alle zu erledigenden Aufgaben verzeichnet werden. Zusätzlich bekommt man dort auf Wunsch hilfreiche Tipps und Denkanstöße, sollte man bei einer Aufgabe mal komplett auf der Leitung stehen.

Wenige Minuten nach Beginn des Spiels stellt sich heraus, dass das Märchenland offenbar doch nicht in Gefahr ist oder zumindest weiß noch keiner etwas davon. Nur das Verhalten der anderen Personen Simon gegenüber ist etwas seltsam. Durch ein anfängliches Gespräch mit Alix wird der Held restlos davon überzeugt, dass im Märchenland ein böser Doppelgänger sein Unwesen treiben muss. Ein richtig durchtriebener Kerl, der Liebesbriefe nach Farben sortiert und durchnummeriert in Klarsichtfolien abheftet. Dieser kulinarische Bastard verachtet sogar Anchovis-Pizza mit Sauerkirschen!

Liebe Leser, wir haben hier ganz einfach ein echtes Adventure vor uns liegen. Seit langem wieder ein Spiel, das mir richtig – ich meine so richtig – Spaß gemacht hat. Hätte ich nicht so viele andere Dinge zu tun, würde ich es sofort nochmal spielen. Seltsamerweise erinnern einige Dinge bzw. Stereotypen eher an Monkey Island als an die drei Vorgänger, vielleicht bin ich darum so begeistert? Trotz dieses seltsamen Gefühls ist der vierte Teil ein echter Simon the Sorcerer-Teil, wie bereits erwähnt ist einfach alles so typisch und dennoch neu. Obwohl alles in 3D gehalten und mit einer angenehmen Musik untermalt ist, kommt trotzdem das Spielgefühl eines 15 Jahre alten Adventures mit pixeliger Grafik und Midi-Gedudel rüber. Mit anderen Worten: wer jetzt nicht sofort sein Sparschwein plündert und einkaufen geht (oder im nächsten Online-Shop eine Bestellung aufgibt) dem ist nicht mehr zu helfen. Wenn kein Geld mehr übrig ist, könnt ihr euch ja um eine Stelle im "Tempel des Ordens der Brüder und Schwestern, welche die Verstorbenen in der Totenwelt verehren, auch wenn die davon nicht mehr viel mitbekommen" bewerben …

Nackt im WIFI (nein, wirklich!)

Mittlerweile haben sich über vier Millionen Nutzer einen Account für Second Life angeschafft, rein rechnerisch betrachtet spielen also meine Arbeitskollegen, mein Nachbar und die Katze meiner Oma. Wenn man bedenkt, dass World of Warcraft von etwas über 8 Millionen Leuten gespielt wird und ich in meinem engeren Bekanntenkreis einige Leute aufzählen kann, die normalerweise keine Computerspiele anfassen, aber dennoch eine gewisse WoW-Sucht aufweisen, zweifle ich an den von Linden Labs publizierten Zahlen.

Aber wie heißts so schön? Man soll nicht über etwas schimpfen, dass man noch nicht ausprobiert hat – vielleicht ist es ja garnicht so schlecht. Gesagt getan. Ich habe mich für einen WIFI-Kurs angemeldet – eigentlich für einen SecondWifi-Kurs, denn auch der größte österreichische Friseur für Arbeitslosen… , verzeiht bitte, Beschäftigungslosenstatistiken bildet mittlerweile Leute in "Wie mach ich Geld in Second Life?" aus. Geleitet wird der Kurs übrigens von Ice Stawberry (aka Peter Harlander) von der virtuellen Agentur ,Second Promotion.

Meine ersten Erfahrungen in Second Life decken sich allerdings mit den allgemeinen negativen Berichten:
beim ersten Einloggen wird man in einen Start- und Tutorial-Bereich teleportiert, ähnlich wie in Terminator kann man durch dieses Portal nur nackt durch. Somit erscheint man, wie man von Gott – pardon – der Engine geschaffen wurde und muss sich erstmal zurecht finden. Clipping-Fehler, verwaschene Texturen und massives Ruckeln begrüßen den Spieler schon von Anfang an und machen Lust auf mehr. Den anderen Neueinsteigern gehts offenbar nicht anders, viele irren ziellos herum – wie ein Haufen geköpfter Hühnchen – andere laufen Dank schlechter Kollisionsabfrage durch andere Spieler oder Gegenstände hindurch oder drehen sich wie wild im Kreis und wohlgemerkt ohne auch nur irgend einen virtuellen Linden Dollar (L$) ausgegeben zu haben!

Nach diesen schockierenden Erfahrungen, aber mit etwas Kleidung am Leib hab‘ ich mich jedenfalls dann auf ins Second WIFI gemacht, ich wollte ja schließlich was lernen – wenns schon nix kostet.

Nach einer kurzen Erklärung der Grundfunktionalität hat mich schließlich die Experimentierfreude gepackt, mein Charakter musste verändert werden – das funktioniert übrigens ähnlich wie in Die Sims 2 nur etwas primitiver und mit wesentlich mehr Clipping-Fehlern (Haare die durch Arme ragen z.B.) und selbstredend ruckelts auch hier. Nach etwa 5 Minuten herumbasteln an meinem Äußeren hatte ich plötzlich das Bedürfnis mit meinem Umfeld zu interagieren, natürlich mit Beeinflussung von außen. Sprich: meine Mitarbeiter haben mir "Tipps" gegeben. Ich wollte etwas Unanständiges oder Ungehöriges machen, aber man kann weder jemanden begrapschen, noch jemanden schlagen – das einzige Zielführende war schließlich, mich meiner Kleidung zu entledigen und meinen Körper zur Schau zu stellen.

Nach meinem nur wenige Stunden währenden Besuch in der virtuellen Welt bin ich frustiert: geredet und interagiert wird wenig, sämtliche Schauplätze sind menschenleer und trist – die Möglichkeiten sind vielseitig, die Umsetzung äußerst mangelhaft. Hab‘ ich übrigens überaus lästigen Verbinungsabbrüche erwähnt? Macht nichts, letztendlich hat man in Second Life die Freiheit, alles zu tun, was man tun will, wirklich ALLES!

Noch immer frustriert von meinem zweiten Leben wurde also kurzerhand der Freitod meines Avatars beschlossen: "Ich geh‘ ins Wasser!" war zumindest mein Gedanke, aber offenbar es dem Spieler nicht vergönnt, sein virtuelles Leben auszuhauchen – wer sollte denn sonst viel Geld für Müll höchster Güte ausgeben?

Alte Liebe rostet nicht

1991 erschien, man darf es ruhig so sagen, ein Meilenstein in der Geschichte des Computerspiels. Der Franzose Eric Chahi veröffentlichte damals sein Actionspiel Another World, welches erstmals mit bahnbrechender 2D-Vektorgrafik aufwarten konnte und durch geschickt eingesetzte Sounds und Zwischensequenzen eine fast filmartige Atmosphäre schaffte. Durch den großen Erfolg auf dem Amiga wurde das Spiel später unter anderem auch auf den PC und den Sega Mega Drive portiert.

Anlässlich des 15 jährigen Bestehens des Spiels bringen Frogster und Eclipse eine Jubiläumsedition des Spiels heraus. Für gerade einmal zwanzig Tacken bekommt man tatsächlich nicht wenig geboten. In der schlichten DVD-Hülle befindet sich neben einem dünnen Handbüchlein noch die Spiel-CD, auf der sowohl die überarbeitete- als auch die Urversion des Spiels Platz finden, sowie der offizielle Soundtrack. Ebenfalls anzufinden ist noch ein knapp zwanzigminütiges Videointerview mit dem Entwickler der erklärt, wie er damals auf die Idee des Spiels kam und was ihn dazu bewegte ein Remake aufzulegen – insgesamt ein nettes Gimmick. Anhänger moderner Grafiken und aufwändiger Cutscenes dürften von der Aufmachung der Neuauflage vermutlich eher enttäuscht sein, denn Grundlegendes wurde nicht verändert. Die Texturen wurden überarbeitet, Kanten geglättet und einige Details hinzugefügt. Außerdem lassen sich nun bedeutend höhere Auflösungen anwählen, was den verwöhnten Augen der heutigen Zockergemeinde sicherlich guttun sollte. Letztlich kann man also mit gutem Gewissen sagen, dass der alte Charme des Spiels bewahrt wurde.

Am Spielprinzip selbst hat sich nichts geändert. Wir schlüpfen immer noch in die Haut von Jungprofessor Lester Knight Chaykin, der durch einen unglücklichen Unfall während eines Experiments in eine andere Welt geschickt wird. Unsere Aufgabe ist es nun, dem guten Lester seinen Weg zurück zu ebnen und müssen dabei zahlreiche Rätsel und Hüpfpassagen lösen. Während die Steuerung wirklich einfach gehalten ist und sogar für unseren Chefredakteur zu meistern sein sollte, ist der allgemeine Schwierigkeitsgrad unglaublich hoch – damals wie heute. Wer sich also an die teilweise lächerliche Unterforderung heutiger Spiele gewöhnt hat, wird schnell umdenken müssen. Katzenartige Reflexe sind ebenso wie eine gehörige Menge Geduld gefragt, denn selbst wenn man das Spiel damals schon durchgespielt hat und die meisten Stellen noch auswendig zu spielen weiß, wird man um zahlreiche Bildschirmtode nicht umhin kommen.

Warum ihr euch das Spiel trotzdem holen solltet? Für mittlerweile 11,95 Euro bekommt man ein Spiel, was nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Allein die Story und das fantastische Ende haben mich umgehauen. Spieler der älteren Jahrgänge werden in Nostalgie zerfließen und auch Neulinge sollten sich dieses Stück Spielgeschichte möglichst nicht entgehen lassen!

Spoiler-Deluxe und Mindfuck

Wisst ihr eigentlich, was mich derbe ankotzt? Nein, ich rede weder von Counter-Strike noch von World of Warcraft, ich rede von diesen verdammten Handbuchautoren. Die Autoren, die einem Spieler auf 178 Seiten die Handlung erklären und dann erst irgendwo nebenbei andere Dinge wie "Steuerung" oder "Installation" erwähnen.

Ich glaubs zwar nicht, aber trotzdem: sollte ein Entwickler oder Designer über diese Zeilen lesen und gerade blöd lachen, ihr habt genauso Schuld! Natürlich sind die Braven unter euch ausgeschlossen, ich schimpf‘ nur mit den schlimmen Fingern. Ein Spiel sollte so gestaltet sein, dass sogar ein Volldau mit der Installation klarkommt, ohne ein Handbuch zu benötigen. Ich weiß, ihr steht auf Handbücher und das ist auch nichts verkehrtes – ich steh auch auch Handbücher und zusätzliche Goodies (Poster, T-Shirts und eine bunte Verpackung mit Prägedruck!), aber warum könnt ihr nicht einfach intuitive Spiele programmieren? Alle spielrelevanten Dinge wie Steuerung, die funktionsweise von Waffen, Fahrzeugen oder die Interaktion mit anderen Spielfiguren – oder meinetwegen auch das Befehligen von Einheiten in einem Strategiespiel muss entweder selbsterklärend sein oder durch sanfte Texteinblendungen an passender Stelle erklärt werden. Noch besser sind Tutorials, am besten welche die in die Kampagne integriert sind – es gibt viele Beispiele, einen Haufen guter Spiele bei denen das so umgesetzt wurde, aber schwarze Schafe gibts genauso – zu viele um genau zu sein.

Ich hasse nichts mehr als beim kurzen Durchblättern der Spielanleitung erfahren zu müssen, dass ich im späteren Spielverlauf einen Raketenwerfer bekommen werde, Professer Huber treffe und mein Hund überfahren wird. Wie gesagt, versteht mich nicht falsch – ich steh auf gedruckte Beilagen – nur schreibt verdammt nochmal "Spielführer" oder "Lösungsbuch" drauf.

Besonders bei Spielen mit Mindfuck-Elementen muss die goldene "keine Spoiler im Handbuch"-Regel beachtet werden. Man muss sich nur den äußerst genialen Film The Others vorstellen, mit dem Gedanken daran, den Ausgang der Handlung zu kennen …

Matthes Bender packt aus (echt jetzt!)

Ich kenn ja meine Pappenheimer, ihr lest lieber Interviews als informative Artikel – aber es sei euch vergönnt. Wir haben Matthes Bender verhört und versucht, ihm hinterrücks ein paar Dinge über Clonk Extreme zu entlocken. Nein, bleiben wir bei der Wahrheit: wir haben versucht, zivilisierte Fragen zu stellen, die wir euch nicht vorenthalten möchten.

Hallo Matthes, würdest du dich unseren Lesern kurz vorstellen?

Matthes Bender: 31 Jahre (davon über 12 Jahre Clonk-Entwicklung), verheiratet, eine Tochter, und ziemlich viel in der Weltgeschichte unterwegs.

Woher kommt der Name Clonk und wie kam überhaupt die Idee dazu zustande?

Matthes Bender: „Clonk“ ist das Geräusch, das entsteht, wenn ein Goldklumpen (oder Stein) in eine Lore geworfen wird. Das Spiel entstand vor alles aus dem Bedarf heraus, ein hektisches und spaßbringendes Spiel für mehrere Spieler in Echtzeit an einem Computer zu haben – neben ein paar Rennspielen und den zahlreichen rundenbasierten Spielen war dies traditionell eine Seltenheit. Das Spiel begann mit zwei Männchen, die jeweils einen Stein trugen und auf einer zufällig generierten Landschaftskontur aufeinander zu laufen konnten. Alles weitere hat sich daraus entwickelt.

Clonk ist wie Worms, nur anders!

Matthes Bender: Clonk wird seit jeher mit allem möglichen verglichen. Ein Zeichen dafür, dass es ein sehr eigenständiges und einzigartiges Spielprinzip ist. Mit Worms wird es gerne verglichen, weil man bei Worms „auch Löcher in die Landschaft sprengen“ kann. Aber auch die Siedler und Lemmings
werden gerne als Vergleich heran gezogen.

Stimmt es, dass man von äußerst fiesen Seuchen befallen wird, wenn man niemals Clonk gespielt hat?

Matthes Bender: Wer nie einen Feuerstein in eine zu enge Mine geschleudert hat und dann von den heraus geschleuderten Goldklumpen in die nahe gelegene Lavagrube katapultiert wurde, dem fehlt mit Sicherheit ein Stückchen Lebenserfahrung, ja.

Wie wichtig ist Splitscreen bzw eine Mischung aus Splitscreen und Netzwerk-Multiplayer?

Matthes Bender: Splitscreen war natürlich in den Zeiten vor Netzwerkspielen essentiell. Seit Clonk netzwerkfähig ist, kann man Splitscreen immer noch als sehr angenehmes Zusatz-Feature für Spieler sehen, die sich zuhause einen PC teilen, oder wenn es einmal auf LAN-Parties mehr Spieler als Rechner gibt.

Singleplayer, kooperatives oder kompetitives Multiplayer – was wird bevorzugt?

Matthes Bender: Es ist vermutlich die größte Besonderheit an Clonk, dass sich die Spielerschar gleichmäßig in kooperative Einzel- oder Mehrspieler-Siedler und Melee-Spieler (gegnerische Spieler) aufteilt. Das Spiel passt sich an und ist für beide Spielweisen gleichermaßen gut geeignet. Ich selbst habe zuletzt überwiegend kooperativ gespielt, oder zumindest in großen Schlachten, in denen Teamwork mehr zählt als individuelle Geschicklichkeit.

Stichwort Clonk Extreme – was tut sich Entwicklungstechnisch?

Matthes Bender: Clonk Extreme befindet sich mitten in der Produktion. Wir haben den angestrebten Detailgrad der Landschaften erreicht und befassen uns nun mit der Umsetzung der Fahrzeuge, Gebäude und Waffen.

Denkst du, dass es ein Fehler ist ein 2D-Spiel um eine dritte Dimension zu erweitern?

Matthes Bender: Es ist sicherlich ein Fehler zu versuchen, ein 2D-Spielprinzip eins zu eins in 3D umsetzen zu wollen. Clonk Extreme wird dies nicht versuchen. Bei CX handelt es sich nicht um einen Abklatsch von 2D-Clonk in 3D, sondern um ein ausbalanciertes Multiplayer-Spiel in der bekannten Clonk-Welt. Sehr viele der bekannten Prinzipien aus 2D-Clonk funktionieren aber in 3D wunderbar.

Einige Politiker (deutschland-, österreich- und sogar EU-weit) haben in der Tat vor, „Killerspiele“ zu verbieten – besteht für Clonk hier eine Gefahr?

Matthes Bender: Zumindest zieht Clonk seinen Spielspaß nicht daraus, dass man mit einem Maschinengewehr oder Säbel auf andere Menschen losgeht und dabei möglichst realistische Blutspritzer zu sehen kriegt.

In deiner letzten E-Mail hast du Clonk Rage erwähnt, was ist das genau?

Matthes Bender: Clonk Rage wird die Weiterentwicklung von Clonk Endeavour, also dem klassischen 2D-Spielprinzip. Den Schritt von Clonk Endeavour auf Clonk Rage kann man sich ungefähr so vorstellen, wie den Schritt von Clonk Planet auf Clonk Endeavour. Es hat sich in der fortlaufenden Entwicklung so viel angesammelt, dass man es als neues Spiel bezeichnen kann.

Wirds irgendwann eine richtige Singleplayer- oder Kooperativ-Kampagne geben?

Matthes Bender: Es gibt schon mehrere umfangreiche Einzelspieler- und Kooperativ-Missionen, die jede für sich etliche Stunden fesseln können. Das Fantasy-Pack und das neue Western-Pack enthalten zudem große, mehrteilige Adventure-Szenarien.

Stichwort: Ungereimtheiten in puncto Wasser, Öl und Lava. (Anm d. Red.: Öl schwimmt nicht immer auf Wasser, Lavaseen lassen sich nicht mit Wasser abkühlen bzw. das Wasser verdampft nicht und schwimmt wie ein Ölteppich auf der Lava …)

Matthes Bender: … oder dass es keine kommunizierenden Röhren gibt. Das scheitert nicht daran, dass wir eventuell nicht wüssten, wie man es programmieren könnte, sondern eher daran, dass die Materialphysik in Clonk schon immer auch schnellere PCs in die Knie zwingen konnte. Aber von Version zu Version wird auch die Physik weiter verfeinert.

Hast du schon mal daran gedacht, Clonk auf anderen Kanälen/Plattformen zu vertreiben?

Matthes Bender: Clonk Planet wurde interessanterweise schon auf Open Source-Basis für das GP2X portiert. Da die neueren Versionen laufend besser portierbar werden (Clonk Rage erscheint erstmals für Windows, Linux und Mac) hoffen wir darauf, dass es noch weitere derartige Ports geben wird.

Für den absoluten Massenvertrieb hat sich Clonk bisher meist aufgrund seiner ungewöhnlichen Steuerung nicht wirklich geeignet. Aber wir werden sehen, ob sich dies mit Clonk Rage (dieses bietet nebenbei eine komplett überarbeitete, weitaus gängigere Steuerung) und Clonk Extreme ändert.

Wir danken für die Beantwortung der Fragen.

Dreistigkeit ist (k)ein Konzept

Mit großer Sorge betrachte ich die Entwicklung der letzten Jahre: große Elektrofachhandelsketten mit qualitativ mittelprächtigen Produkten dominieren den Markt, vollig überhohte Preise welche oft sogar an der Tagesordnung stehen, werden als „kleine Versehen“ eines niederen Mitarbeiters deklariert – aber das kennen wir schon und können es umgehen, in dem wir die Preise selbst vergleichen.

Was aber äußerst wichtig sind, sind Quellen meine lieben Damen und Herren – ohne eine fundierte Quelle ist eine Information nicht viel wert, nicht mehr als eine Urbane Legende. Es ist nur ein Nebel, den der Freund eines Freundes von einem Bekannten flüchtig mitbekommen hat, der mal in Indonesion war …

Ums auf den Punkt zu bringen, ein konkretes Beispiel:

Sonntag 18. Februar 2007, 19:53 Uhr

Julian Pohl, veröffentlicht auf Rebell.at ein Gerücht, welches er während seiner harten, unbezahlten Arbeit bei intensiver Recherchen wohl eher zufällig gefunden hat.

Montag, 01:04 Uhr

PC Action, ein deutsches Printmagazin, veröffentlicht auf deren Website eine entsprechende Meldung, mit einigen interessanten Erweiterungen und unter Nennung beider Quellen.

Montag, 11:01 Uhr

GameStar, ein sehr großes deutsches Printmagazin, veröffentlicht ebenfalls eine entsprechende Meldung. Der werte GameStar-Redakteur gibt natürlich den Link zu „seiner“ Quelle an, es soll ja nicht er Schuld sein, wenn etwas nicht stimmt. Leider muss ihm aber beim Übernehmen der Informationen entfallen sein, dass wir am Ende des Links ein extrem markantes „&r=Quelle“ positioniert haben …

Montag, 13:02 Uhr

PC Games, wieder ein deutsches Printmagazin, veröffentlicht eine entsprechende Meldung. Fairerweise muss man hier sagen, dass PC Games normalerweise recht sorgfältig mit Quellenangaben umgeht. Aber auch hier hat man wohl vergessen, sämtliche Quellen aufzuzeigen, denn hier ist unsere Markierung ebenfalls zu entdecken.

Montag, 17:20 Uhr

Gamigo.de, ein sehr großes deutsches Online-Portal ist offenbar ebenfalls bei intensiven Netzsuchen über diesen Foren-Eintrag gestoplert – es erweckt zumindest den Anschein, als hätte man den Beitrag selbst gefunden, unser Brandmal fehlt immerhin. Aber NEIN, denn deren wie auch unsere Dreistigkeit kennt keine Grenzen: wir haben nämlich, verschlagen wie wir Österreicher sind, eine zweite Markierung innerhalb des URL platziert, passenderweise &r=at.

Montag, 17.30 Uhr

gamona.de hat sich nun ebenfalls dazu entscheiden, diese Meldung selbst zu finden. An dieser Stelle lässt sich nunmehr schwer sagen, wer welche Information von wem bezieht, aber Fakt ist: unsere Backup-Markierung ist immer noch im URL enthalten.

Meine lieben Leser und indirekte Leser – wir haben einen ähnlichen Artikel bereits vor etwa 1 ½ Jahren geschrieben und seither in regelmäßigen Abständen verfolgt, welches Gerücht sich wie schnell und vor allem durch wen verbreitet. Wir sind Schuld an zahlreichen Falschinformationen und arbeiten verdeckt mit 3D Realms zusammen, um den Erscheinungstermin von Duke Nukem Forever bis in alle Ewigkeit zu verzögern…

Spass beiseite, kommen wir zum ernsten Teil der Sache – natürlich stört es mich, nein es stört uns – diejenigen, die wir an diesem Projekt seit fast 4 ½ Jahren arbeiten – dass permanent andere unsere Lorbeeren ernten. Wenigstens haben unsere Kollegen mittlerweile gelernt, nicht einfach nur unsere Meldung umzuschreiben, sondern selbst Spekulationen aufzustellen. Was mich persönlich aber besonders schockiert, ist die gestiegene Dreistigkeit, dieses unkollegiale Verhalten mit allen Mitteln weiterzuverfolgen. Wie ein weiser Mann bereits sagte: „In 25 Jahren wird es Nassrasierer mit 10 Klingen und Tintenstrahldrucker mit 16 Tintentanks geben„.

An dieser Stelle kann ich nur noch eins hinzufügen: in 10 Jahren werden wir zum Zwecke der Informationsnachverfolgung sehr viele Parameter im Querystring mitgeben müssen …

PS: Nein, wir verbreiten keine Falschmeldungen. Den Schwarzen Peter werdet ihr bei uns nicht los …

PPS: Ja, der Foren-Eintrag bez. StarCraft 2 ist „echt“ und wurde nicht von uns erstellt – ob die Information korrekt ist, wissen wir nicht, aber das sagten wir bereits.

Nachtrag:

Gamigo.de hat sich dazu geäußert, aber während sich die Schäflein von Gamgio mit unterschiedlichsten Grautönen schmücken, sind wir grün ;)