Kategorie-Archiv: PC

Der Weltraum, unendliche .. Profitgier

Wieder mal befinden wir uns in der Zukunft und die Menschheit hat von der Erde aus haufenweise andere Planeten besiedelt. Die menschliche Ausdehnung im Weltraum kennt nun fast keine Grenzen mehr, doch auch die menschliche Agression scheint unendlich zu sein und so entstehen mehrere ‚Sternenreiche‘ die sich gegenseitig verhauen. Wenn ihr jetzt glaubt, für Ruhm und Ehre in die Schlacht ziehen zu dürfen, täuscht ihr euch. Eure Loyalität bei Smugglers 3 sollte dem gelten, der euch am besten bezahlt.

Nach dem mini Download des Spiels von gerade einmal 15Mb für das Hauptfile und circa 2Mb für den zugehörigen Patch ist alles in Windeseile installiert und ihr findet euch im Hauptmenü wieder. Dort könnt ihr euch erstmal das Tutorial zu Gemüte führen. Jede Aktion lässt sich ausprobieren und so kommt ihr auch relativ schnell mit der Steuerung zurecht. Sobald ihr damit fertig seid, könnt ihr euch eine Seite aussuchen mit der ihr eure Weltraumabenteuer erleben möchtet. Am leichtesten ist es, mit der Föderation zu spielen, da sie den größten Einflussbereich hat und ihr im Vergleich zu anderen Fraktionen auch relativ schnell die Karriereleiter erklimmen könnt. Auch die Schiffe sind vor allem anfangs etwas besser als bei anderen ‚Nationen‘. Nachdem ihr euch noch ausgesucht habt, ob ihr lieber ein Männlein oder ein Weiblein sein möchtet, findet ihr euch mit einem popeligem Schiff in einem Sonnensystem wieder. Nun gibt es mehrere Möglichkeiten, voran zu kommen. Entweder ihr fliegt einfach von einem Planeten zum anderen und verkauft Waren, ihr erledigt Aufträge für eure Fraktion oder ihr macht einfach was ihr wollt. Die Handlungsfreiheit des Spielers ist bei Smugglers 3 relativ groß, doch habt ihr auch für (fast) jede Aktion die Konsequenzen zu tragen. Natürlich ist es meistens gewinnbringender, illegale Güter zu verkaufen. Wird man aber erwischt, verliert man Fame und Reputation-Punkte, auf deren Basis euer Rang und eure Auszeichnungen vergeben werden. Wenn ihr also zu viel Mist baut, fehlt es euch an diesen Punkten und ihr könnt aufgrund eures niedrigen Ranges vielleicht nie mächtige Schiffe kaufen. Je mächtiger euer Schiff sein soll, umso höher muss auch euer Rang sein.

Ein gutes Schiff sollte auch anfangs euer Ziel sein. Da ihr nur mit einem kleinen Jagdflieger startet, der keinen Sprungantrieb hat, könnt ihr nicht einmal euer Sonnensystem verlassen, um vielleicht wo anders mehr Geld und Ruhm zu erlangen. Ausserdem ist man mit einem Miniflieger natürlich auch relativ wehrlos gegen größere feindliche Schiffe und das meiste Piratengesocks. Leider ist der Anfang etwas zäh, aber auch Dagobert Duck brauchte seine Zeit um vom ersten Goldnugget zur ersten Million zu kommen.

Natürlich könnt ihr, wie schon erwähnt, eigentlich machen was ihr wollt, doch kommt man auf diese Weise nicht besonders weit und ihr solltet euch eher auf Aufträge der Regierung konzentrieren. Wenn ihr hier ein wenig mitmischt, könnt ihr ordentlich absahnen und ausserdem werdet ihr auch schneller befördert. Mit den neu erlangten Valuten kann man sein altes Schiff aufrüsten oder gleich ein neues kaufen. Alle Schiffe sind relativ modular aufgebaut und haben am Anfang eine Basisausstattung, die mit ein paar Investitionen aufgemöbelt werden kann. Der Händlertyp kann sich größere Laderäume besorgen, der Kämpfer wird sich eine gute Bewaffnung zulegen, um weiter zu kommen.

Die Grafik ist, gelinde gesagt, zweckmäßig ausgefallen, jedoch atmosphärisch sehr gut gelungen. Es ist für Smugglers 3 zwar nicht wirklich notwendig besonders gute Grafik zu haben, aber ein paar Portraits mehr, die man sich am Anfang aussuchen könnte, wären sicher nicht schlecht! Die Planeten sind auch nicht gerade abwechslungsreich gestaltet. Musik und Soundeffekte sind ebenfalls sehr spartanisch ausgefallen, doch passen sie extrem gut und fangen auch nach stundenlangen Spielmarathons nicht an zu nerven.

Generell gibt es an Smugglers 3 nicht viel auszusetzen und der Motivationsfaktor ist relativ hoch. Um das Spiel zusätzlich noch etwas schwieriger zu machen, wird das (Spiel-)Alter zu einem Druck machendem Faktor. Jeder Spielzug heißt, daß drei Tage vergangen sind und ihr beginnt im Alter von 25. So habt ihr um die 4000 Spielzüge Zeit, um alles zu erreichen was ihr wollt und euch letztendlich auf der Highscoreliste zu verewigen.

Smugglers 3 ist in gewisser Weise beeindruckend. Vor allem die nahezu unbegrenzten Möglichkeiten sind toll. Ihr könnt Planeten für eure Regierung erobern und sogar ein Krieg kann durch eure Mithilfe gewonnen werden. Vielleicht interessiert euch das aber alles nicht und ihr wollt lieber handeln? Auch okay, funktioniert ebenfalls. Aufgrund eures fortschreitenden Alters müsst ihr aber, wenn ihr auf Punkte abzielt, in den Krieg ziehen um am Ende mit Punkten belohnt zu werden. Damit ist euer Handlungsspielraum dann doch wieder etwas eingeschränkt.

Irgendwann beginnen die andauernden rundenbasierenden Kämpfe zu nerven, da man eigentlich ständig wie ein Wilder herumklicken muss. Generell ist das Kampfinterface etwas unglücklich ausgefallen und man hätte es sicher erfrischender hinkriegen können. Dass das Spiel nicht im Fenster spielbar ist, kann man nicht mehr als zeitgemäß betrachten. Bei meinem 21 Zoll Bildschirm füllt das Spiel vielleicht ein Viertel aus und der Rest ist schwarz mit ein paar Sternchen als Hintergrund. Trotzdem denke ich dass Smugglers 3 in eure Sammlung gehören sollte, wenn euch Sachen wie Space Empires 4 oder die Civilization Reihe gefallen.

Guild Wars – Hat Goldstatus erlangt

ArenaNet hat heute bekanntgegeben dass das OnlineRPG Guild Wars in Amerika Gold Status erlangt hat.

Das erste Spiel vom NCSoft Team in welchem einige ehemalige Blizzardleute mitarbeiten legt das Hauptaugenmerk zur Abwechslung weniger auf stumpfes Skillen sondern mehr auf die strategische Weiterentwicklung und Zusammenarbeit der Charaktere.

Eine weitere Seltenheit besteht darin dass das Spiel – zumindest noch – keine monatlichen Beiträge verlangt.

Fiese Ausserirdische? Nix da, Kunden!

Irgendwo im Weltraum: Ihr habt eine kleine Raumstation, die gerade beginnt ein wenig Gewinn abzuwerfen. Ein wenig ist vielleicht etwas pessimistisch ausgedrückt, denn eure Raumstation wirft derart viel Gewinn ab, dass ihr von der interstellaren Regierung beauftragt werdet, einen Außenposten für sie in Betrieb zu setzen. Auch das gelingt euch wirklich gut, sogar so gut, dass euch die Prinzessin des Regenten bittet, eine kleine Raumstation für ihr fluffiges Haustier zu bauen. Gerade als auch diese Aufgabe voller Freude und Patriotismus von euch erledigt wurde, wird die Prinzessin von widerwärtigen Ausserirdischen entführt! Schnell muss genügend Energie für ein Sprungtor beschafft werden um sie wieder zu retten. Hier passiert jedoch die große Katastrophe! Ein dussliger Staatsdiener haut auf den falschen Knopf und anstatt der Prinzessin hinterher zu fliegen fliegt ihr in die Fremde…

So beginnt die mit viel Witz gemachte Story von Outpost Kaloki. Ihr kennt sicher die üblichen Aufbauspiele wie zum Beispiel Transport Tycoon. Outpost Kaloki unterscheidet sich in einer Hinsicht wirklich deutlich von anderen Aufbauspielen. Es geht schnell und es macht höllisch Spaß. Das Spielprinzip ist simpel gehalten und Ninjabee erklärt es im Tutorial wohl am treffensten: Baue Erweiterungen für deine Raumstation damit sie Geld macht. Mit dem Geld baue mehr Erweiterungen um noch mehr Geld zu machen und so weiter.

Stellt euch also eine Raumstation vor, die außen mit seltsamen Stumpen versehen ist. Dort könnt ihr ‚Geschäfte‘ anbauen und damit eure Kunden anlocken, die euer Konto mit Unmengen von Astrodollars überschwemmen werden um euere Shops nutzen zu dürfen. Je nach Level haben eure Besucher andere Bedürfnisse. So müsst ihr am Forschungsaussenposten der Regierung natürlich Sachen bauen, die mit Forschung zu tun haben, wie zum Beispiel ein Teleskop oder ein Chemielabor, in dem Aliens mit Tentakelfrisur Sprengexperimente durchführen können.

Um die Bedürfnisse eurer Besucher erkennen zu können, könnt ihr am rechten Bildschirmrand ablesen, was von eurer Kundschaft gefordert wird und was nicht. Auch anfliegende und abreisende Kunden teilen euch mit, ob ihr Aufenthalt in eurer Station angenehm war oder nicht. An der Steuerung und der Übersichtlichkeit fällt auf, dass beides sehr spielerfreundlich gestaltet wurde. Spielt einmal das Tutorial von Sim Irgendwas durch, und euch schlafen vor ‚Drücke Alt+F2+3 um in die Eingaben-Ausgaben Statistik deiner Haltestellen in Kleingeistingen zu gelangen … blah‚ schon da die Füsse und das Hirn dazu ein. Outpost Kaloki ist schnell zu lernen, fordernd und übersichtlich gemacht. Links habt ihr das Spielmenü, in dem ihr eure Spielziele abrufen, speichern und laden könnt. Rechts seht ihr, wieviel Geld und Energie euch zur Verfügung steht.

Wenn ihr jetzt glaubt, dass dieses überaus simple Spielprinzip das Spiel leicht oder langweilig macht, täuscht ihr euch. In der Kampagne werdet ihr durch vorgegebene Zeitlimits ordentlich ins Schwitzen kommen. Zusätzlich kommt oft noch dazu, dass eure Geschäfte Wartung brauchen und einfach explodieren, wenn ihr keine Reparaturdronen habt.

Die Grafik kann niemals mit aktuellen Spielen der großen Publisher mithalten, doch, was viel wichtiger ist: sie passt wirklich perfekt ins Spielgeschehen und erzeugt eine super Atmosphäre. In vollem 3D-Gewand könnt ihr eure Raumstation von allen Seiten betrachten und auch stufenlos hin- und wegzommen. Vor allem die Artenvielfalt bei Outpost Kaloki weiß zu gefallen. Die seltsamsten Raumschiffe kurven herum und haben auch wirklich ausgefallene Antriebstechniken. Die Prinzessin hat ein kleines Raumschiff mit rosa Herzchen Antrieb und es gibt Ausserirdische, die mit einer Art Baumstamm-Blatt Kombination mit Propellerantrieb herumfliegen.

Auch die ‚Gebäude‘, die euch zur Verfügung stehen, sind teilweise etwas gegen die Regeln der Physik designed, doch sieht man damit eindeutig, welchen Zweck sie haben. Ein Weltraum Limonadenstand unterscheidet sich eigentlich nur bei den Parkflächen vom irdischen Original. Nur wieso baut man bitte einen Limonadenstand in eine Raumstation? Die Antwort von NinjaBee ist verblüffend einfach: Jeder mag Limonade, auch Aliens stehen drauf. Auch ein bisschen Natur kann im kargen Weltraum nicht schaden und so könnt ihr zum Beispiel eine Blume pflanzen oder einen Teich für lustige Grillfeste anlegen.

Etwas störend wirkt der Soundtrack. Zwar ist er qualitativ sehr gut und passt perfekt zum Spiel, doch leider ist nur ein einziges Musikstück vorhanden und das beginnt irgendwann mal zu nerven. Gesprochene Texte gibt es eigentlich keine, beziehungsweise weiß ich nicht welche Sprache das seltsame Gefasel eurer Ratgeber genau sein soll. Klingt aber nett (teilweise irgendwie nach Pingu mit Stimmbruch) und spart Speicherplatz. Die Soundeffekte sind gut gelungen und sogar in Stereo. Ihr könnt also mit eurem Gehör schön folgen wenn Imperator Locus eine Runde um eure Raumstation dreht :).

Das Spiel gibt es in unseren Läden nicht zu kaufen, doch könnt ihr bei NinjaBee eine etwa 8,5MB grosse Demoversion kostenlos herunterladen. Diese könnt ihr 60 Minuten lang spielen und wenn sie euch gefällt, könnt ihr einen Freischaltcode für eine Vollversion erwerben.

Der Motivationsfaktor von Outpost Kaloki ist irrsinnig hoch! Die Kampagne ist genial, ich wusste nicht das man ein Aufbauspiel mit derart genialer Story versehen kann. Naja, genial ist vielleicht übertrieben, aber dieses Spiel ist einfach witzig und gut gemacht. Erst nach langer Zeit, wenn ihr die Kampagne durch und euch auch an der großen Auswahl an Einzelspielerszenarios sattgespielt habt, wird es irgendwann einmal langweilig und das dauert lang. Das Spiel ist dermaßen gut gemacht, dass es sowohl für ein ‚zwischendurch‘ Spiel von 15 Minuten, als auch für den drei Stunden vor-dem-PC-vergammel Marathon geeignet ist. Ich kann nur sagen, dass ich überrascht und begeistert von der Qualität war, die Outpost Kaloki bietet, obwohl es von einer independent Schmiede kommt die vermutlich weniger Budget als der Kloputzer von EA zur Verfügung hat.

Wenn euch mein Review nicht überzeugt hat, das Spiel zu kaufen, solltet ihr wenigstens einmal die Demo anspielen, die von den Features her das selbe bietet wie die Vollversion, aber nach einer Stunde den Dienst versagt. Das ist für jeden Leser Pflicht da Outpost Kaloki einfach ein gewisses Etwas hat, das ich im Review einfach nicht in Worten erklären kann. Für die außergewöhnliche Spielidee und das perfekte Steuerungsinterface, hat es Outpost Kaloki auf jeden Fall als erstes Indie Game geschafft, bei uns einen Award of Excellence abzustauben.

Recht der Fans?

Die Entwicklung an Tribes: Vengeance wurde eingestellt. Es wird keine weiteren Patches mehr geben. Für Außenstehende ist das nicht weiter beachtenswert, Fans des Shooters murren aber los. Ein konkretes Problem der heutzutage gängigen Patchmanie tut sich auf…

Multiplayershooter schießen aus dem Boden wie Sand am Meer. Der Erfolg von Spielen wie Quake 3, Unreal Tournament und Counter-Strike hat eine wahre Hysterie ausgelöst. Aber nicht alle dieser Spiele laufen gut. Viele sind – wie in jedem Genre – regelrechte Ladenhüter. Jedoch tut sich gerade im Online-Bereich da eine neue Situation auf. Spieler sind Patch-Support, regelmäßige Updates, Bugfixes und permanente Verbesserung der Anti-Cheat-Vorrichtungen gewöhnt.

Ein Freund von mir war erst ziemlich erbost, als er von der Tribes: Vengeance-Einstellung hörte: "Ich hätte damals nicht zu spielen begonnen, wenn ich das gewusst hätte.". Tatsächlich war der Support für den vermutlich letzten Tribes-Teil nie besonders gut. Das Spiel erschien im Oktober (erstmals auch mit Singleplayer-Kampagne) – und da auch der einzige Patch und eine Beta-Version des SDKs.

Es stellt sich die Frage: Haben Fans einen Anspruch auf diese Art von Support? Aus juristischer Sicht ganz bestimmt nicht, aus moralischer aber sehr wohl. In den letzten Jahren wurden die Preise für Spiele immer weiter angehoben, zeitgleich traten aber auch immer mehr Bugmonster auf die Bildfläche. Spätestens seit es zu Siedler 3 an die 2432 Updates gab, sind Patches einfach allgemein akzeptiert. Gerade im Multiplayerbereich gehört es zum guten Ton der Community ständig beizustehen, sie mit Editing-Programmen und neuen Karten auszustatten.

Jedoch: Das Verhalten von Vivendi ist leicht erklärbar. Tribes: Vengeance verkaufte sich mäßig, Patch-Support kostet aber Geld. Das ist Geld, das man wahrscheinlich zu investieren bereit gewesen wäre, wenn man mit der Marke Tribes noch etwas vor hätte. Das ist jedoch in absehbarer Zeit nicht der Fall. In der Welt von am Aktienmarkt notierten Publishern gibt es da keinen Grund mehr, sich um das Image eines Franchises zu kümmern. Vielleicht würde man diese emotionale Verpflichtung an die Käufer gerne erfüllen, aber es rechnet sich einfach nicht.

Die Spieler wissen das: Kein Entwickler ist dazu verpflichtet sich über Jahre hinweg mit der Käuferschaft zu beschäftigen, schon gar nicht bei Nischentiteln. Dass man sich nicht immer auf die Hersteller verlassen kann, hat erst kürzlich wieder Anno 1503 gezeigt, auch wenn es dort noch ein wenig extremer zuging. Bleibt zu hoffen, dass die Käufer nicht das Vertrauen in die Produzenten verlieren, denn die Gefahr mit dem Kauf ganz gewaltig einzufahren ist dieser Tage viel zu hoch. Im Vorfeld versprochene Features werden nie nachgeliefert, Singleplayertitel bleiben teilweise einfach unspielbar, MMORPGs werden einfach heruntergefahren und die gekaufte Software dadurch vollkommen wertlos. Diese Praktiken, liebe Hersteller, können nicht das Ziel sein. Zum Teil sind sie sogar inakzeptabel – der interessierte Kunde vergisst so etwas nicht!

Und was können wir Spieler eigentlich dagegen machen? Zugegebenermaßen wenig. Am Besten ist es ausschließlich Spiele zu kaufen die sich als bugfrei identifizieren lassen, Entwicklern nicht blind zu vertrauen und teure MMORPGs links liegen zu lassen (schließlich habe ich keinen Einfluss darauf, wie lange die Software funktioniert, also will ich den Client kostenfrei bekommen und nur monatliche Gebühren zahlen). Wer darauf vertraut, dass "eh alles noch verbessert wird" und auf diesem Wissen basierend 40 bis 55€ blecht, lebt nunmal gefährlich – leider!

Napoleonic Wars

Napoleon war unbestritten einer der genialsten Feldherren aller Zeiten. Innerhalb kürzester Zeit schlug er halb Europa in die Flucht und verhalf Frankreich zu noch nie da gewesener Größe. Seine Armeen vernichteten eine österreichische Streitmacht nach der anderen und nur eine gemeinsame Anstrengung all seiner Rivalen konnte ihn zu Fall bringen. Jahrelanger Krieg tobte über Europa und Männer fielen zu Tausenden auf den riesigen Schlachtfeldern. All diese Faktoren zusammen genommen ergeben also den perfekten Nährboden für ein Strategiespiel.

GSC Game World hat bereits mit dem Vorgänger, Cossacks und all seinen Addons, bewiesen, dass es möglich ist Schlachten mit einer halbwegs realistischen Anzahl von Soldaten – also 10.000 bis 20.000 – spielbar zu machen. Obwohl dieses Spiel heute bereits wirklich alt ist gibt es immer noch keine vergleichbaren Spiele die es erlauben derart riesige Armeen über das Schlachtfeld zu bewegen. Mit Cossacks 2 verspricht uns CDV die Latte nochmals höher zu legen und Kämpfe mit bis zu 64.000 Mann sollen möglich sein.

Derart (positiv) vorbelastet installiere ich also voller Tatendrang das Spiel, stelle nach der Installation die Qualität auf hoch und klicke voller Hoffnung auf das Cossacks II Logo welches meinen Desktop verschönert. Kurz darauf bekomme ich ein Intro zu sehen welches den kleinen Jesus in mir zum weinen bringt. Anstatt einem wirklich gut gemachten Rendervideo wie bei Teil 1 wird mir ein Amateurfilm präsentiert der mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Wackelige Kameraführung, leicht gelangweilte Komparsen abgerundet mit Schlachtszenen die in etwa so glaubwürdig sind wie Jörg Haider. Obwohl ich mich spätestens ab diesem Zeitpunkt um professionelle psychologische Unterstützung hätte kümmern sollen, konnte ich – von perverser Faszination getrieben – einfach nicht aufhören und hielt es bis zum Hauptmenü des Spiels heldenhalft durch. Dort gibt es im Vergleich zum Vorgänger einige Neuerungen. Als Einzelspieler könnt ihr nach Erstellung eines Profils zwischen Kampagne, Einzelschlachten, Gefecht (Skirmish) oder Schlacht um Europa wählen. Als erstes wählte ich die Kampagne inklusive Tutorial um einmal ins Spiel finden zu können.

In der Einzelspielerkampagne könnt ihr zuerst kleinere Einheiten über das Schlachtfeld bewegen und lernt mit diesen zurecht zu kommen. Da sich Cossacks 2 in der Zeit Napoleons abspielt sind eure Einheiten immer mit Musketen bewaffnet und stecken bei Bedarf die Bajonette auf sobald sie eine Salve abgefeuert haben. Das Abfeuern der Gewehrsalve lässt sich präzise Steuern indem ihr auf einen Button drückt und von einem Farbindikator unterstützt werdet der sich um eure Truppe bildet. Dieser Indikator besteht aus den Farben grün,gelb und rot. Grün ist der äußerste Rand und bedeutet das eure Gewehrsalve minimalen Schaden anrichtet – ist ja auch logisch da der Feind hier am weitesten weg ist. Was gelb und rot bedeutet könnt ihr euch dann wohl schon vorstellen.

Ihr lernt auch erstmals die "Position halten" Funktion kennen die euren Einheiten starke Verteidigungsboni gibt und somit ideal zum Absichern von Brücken, Minen und dergleichen geeignet ist. Die drastischste Neuerung ist wahrscheinlich die Moral. Alle eure Einheiten haben einen gewissen Wert an Moral. Wenn dieser unter 35 sinkt, verfallen die Soldaten in Panik und eure Formationen zerbrechen. Je nachdem wie ihr eine Formation aufbaut gibt es Moralboni. Ein Fahnenträger, Trommler oder Offizier erhöht euren Kampfgeist, während Gewältmärsche durch unwegsames Gelände oder feindlicher Beschuss ihn natürlich senken. Genau diese Neuerung ist dann auch das, was über Sieg oder Niederlage entscheidet. Solltet ihr eure Formation, die vorher eine halbe Ewigkeit über die Berge marschieren musste, sofort einer Gewehrsalve des Feindes aussetzen wird sie auseinanderbrechen und euer komplettes Unterfangen war umsonst. Natürlich ist es auch wichtig zu taktieren welche Einheit wann schiessen wird und wie man durch gezielte Salven den Gegnern die Moral so weit senkt damit seine Stellung auseinanderbricht. Alles ist ordentlich unterteilt und mit einer Erklärung in Wort und Schrift versehen. Nach diesen kleineren Übungsmissionen geht es aber zur Sache und ihr könnt mit den Engländern Manchester befreien und dessen Versorgung sicher stellen.

Im weiteren Kampagnenverlauf könnt ihr dann auch noch zum Gegenschlag ausholen und die bösen Rebellen und auch Franzosen verkloppen. Besonders herausragend ist die Kampagne nicht, doch hat sie doch einen gewissen Wert und verdient es auf jeden Fall einmal durchgespielt zu werden. Im Vergleich zum ersten Teil hat sich hier mit Sicherheit etwas getan auch wenn es quantitativ sehr wenig ist.

Eine weitere Einzelspieleroption ist die Schlacht um Europa. Hier könnt für ein Land eurer Wahl Europa erobern und das läuft in etwa wie bei Rome: Total War ab, allerdings wesentlich weniger komplex. In einer Landkarte von Europa könnt ihr eure Provinzen befestigen und eure Armeen aufstocken. Diplomatie darf natürlich auch nicht fehlen und Ressourcen tauschen ist ebenfalls möglich. Wenn ihr die logistischen und diplomatischen Tätigkeiten hinter euch habt könnt ihr eine benachbarte Provinz mit eurem General, den ihr euch vorher aussucht, angreifen. Wenn ihr eine Schlacht hinter euch habt bekommt ihr Erfahrungspunkte die euren General verbessern. Je mehr Erfahrung er bekommt umso mehr (und auch bessere) Einheiten wird er in den Kampf mitnehmen dürfen. Schade ist, das ihr nur eine Armee in den Angriff führen könnt und alles andere nur mit Garnisonen abgesichert werden kann. Der Einsatz von mehreren Armeen hätte den Spielspaß sicher um einiges erhöhen können.

Natürlich dürfen auch die Einzelgefechte nicht fehlen in denen ihr einfach eine Karte auswählt und auf dieser gegen den PC spielen könnt. Hier könnt ihr auch eine eigene Basis und euer Militär selbstständig aufbauen. Lasst euch aber nicht zuviel Zeit, die KI hat es meistens sehr eilig und schlägt auch bei normalem Schwierigkeitsgrad relativ schnell zu. Historische Schlachten aus der Zeit der napoleonischen Kriege dürfen natürlich auch nicht fehlen. Hier könnt ihr eine fertige Armee gegen einen vordefinierten Gegner in die Schlacht führen, zum Beispiel in Austerlitz.

Aufgrund der langen Entwicklungsdauer war es zu erwarten, dass sich die Grafik im Vergleich zum Vorgänger drastisch verbessert und genauso ist es auch passiert, zumindest mit der Umgebungsgrafik. Diese präsentiert sich in äußerst attraktivem Gewand und bietet die heute üblichen Features wie z.B. Zoomen. Stufenlos zoomen ist allerdings nicht möglich und generell ist es etwas anders gelöst als bei Genrekollegen. So könnt ihr mit dem Mausrad nur eure Einheiten einen Schritt vor oder zurück bewegen und Heran- oder Wegzoomen ist nur mit F7 möglich. Auch eine Änderung der Ansicht von Isometrisch auf Draufsicht ist mittels F10 möglich.

Gerade weil die Umgebungsgrafik nett anzusehen ist schmerzt es richtig wenn man sich die Einheiten ansehen muss, die im Vergleich eher lieblos designt wurden. Wenn man ganz nah heranzoomt sieht man, dass die Soldaten nicht einmal ein richtiges Gesicht haben. Generell scheinen die Einheiten irgendwie nicht hineinpassen zu wollen und sind auf den ersten Blick nur in der Landschaft herumwuselnde Farbkleckse. Auch bei Gefechten macht sich das bemerkbar, da man bei größeren Schlachten nicht mehr genau erkennen kann was Freund und was Feind ist. Dieses Phänomen hat aber irgendwie einen seltsamen Gewöhnungseffekt und scheint nach einigen Stunden Spielzeit nicht mehr aufzufallen. Trotzdem hätten die Einheiten schöner gemacht werden können und in Relation zum Ressourcenhunger von Cossacks 2 ist dies überhaupt nicht verständlich.

Die Musik ist, wie man es aus dem ersten Teil bereits gewohnt war, eher auf der seichten Seite um nicht schlecht zu sagen. Der einzige wirkliche Unterschied zum ersten Teil ist, das nun wesentlich weniger Musikstücke aus euren Lautsprechern dudeln. Wer länger spielt sollte es in Erwägung ziehen eine Winamp Playlist dem ingame Sound vorzuziehen. Auch bei den Soundeffekten wurde etwas gepatzt und oft scheinen sie nicht wirklich zu passen. Scrollt man z.B. auf der Karte über einen Fluss hat man plötzlich mittendrin eine Art Fischerdorf-Sound. Wenn man einen Zentimeter weiter scrollt, so dass der Fluss nicht mehr zu sehen ist, ist dieser Sound auf der Stelle weg. Weiters hört man den General nicht brüllen (war bei Teil eins immer ganz lustig) und der Trommler trommelt zwar immer, zu hören ist er allerdings nur selten. Auch wenn ich (fast) keine Zweifel daran habe das CDV und GSC Game World bereits mit Hochdruck an einem Patch arbeiten – was soll das und wieso wurden derartige Fehler nicht vor dem Release ausgebessert?

Nachdem die Einzelspielermodi zwar recht interessant sind, aber eigentlich niemanden so wirklich vom Hocker hauen sehen wir uns den Multiplayermodus etwas genauer an. Sobald die etwas dämliche KI nämlich durch einen menschlichen Gegner ersetzt wird, sieht die Welt nämlich völlig anders aus. Gerade im Multiplayer kommen die ganzen Neuerungen erst richtig zur Geltung. In einem Spiel gegen den PC ist Strategie eher zweitrangig und das simple "überproduzieren" reicht meistens. Ein gewiefter menschlicher Spieler kann sich aber oftmals noch aus Situationen retten in denen die KI bereits die weiße Fahne schwenkt. Es hat sich wirklich einiges getan in der Welt von Cossacks seit der erste Teil mit Version 1.10 erstmals zu vernünftigen Multiplayer Spielen verhalf. Mittlerweile findet ihr eine eigene Lobby mit den neuesten Nachrichten, offenen Spielen, Ranglisten, Clans und vielem mehr im MP-Modus. Auf den ersten Blick scheint wirklich alles perfekt zu sein. Auf den zweiten Blick ist es leider so, dass der Multiplayer Part von Cossacks 2 wohl die größten Verbesserungen benötigen wird. Das klassische Teamspiel 2 vs 2 – für Clans die interessanteste Methode um sich mit anderen zu messen – gibt es nicht mehr. Stattdessen können nun zwei Spieler jeweils eine Nation spielen und sich die Arbeit untereinander aufteilen. Das ist zwar interessant, sollte aber nur eine Option unter vielen sein. Generell ist dies aber vermutlich deswegen favorisiert worden weil es für vier Spieler einfach keine Karten gibt die groß genug sind. Ein Jammer, wirklich. Aufgrund der Einheitenmenge und des taktischen Anspruchs ist jedoch sogar bei all diesen genannten Mankos eine Multiplayer Partie jedes mal wieder ein spannendes Erlebnis.

Wären wir noch bei den vollmundigen Versprechungen von CDV angekommen die ich am Anfang des Reviews schon erwähnt hatte. Über 150 einzigartige Einheiten und 180 Gebäudetypen – Wie wurde das gezählt? Wird der Füsilier, den fast jede Nation in der Bauliste hat, jedes mal einzeln gezählt? Ist es mit den Kanonen ebenso? Ich kann beim besten Willen keine 150 einzigartigen Einheiten zählen. Ich wüsste zumindest nicht wo die sein sollten? Historisch genaue Feldzüge, Helden als historische Figuren – Keine Ahnung wo die im Spiel genau vorkommen, ich habe sie nur im Schlacht um Europa Modus und in der Kampagne eigentlich nur bei Zwischensequenzen. Steuerbar sind diese Helden eigentlich nie und Auswirkungen auf das Schlachtgeschehen habe sie auch nicht. Weiters können wir noch auf der Verpackung nachlesen dass bis zu 64.000 Einheiten den Bildschirm bevölkern könnten. Auch das kann einfach nicht ganz zutreffen. Erstens sind die Karten dafür noch viel zu klein und die Versorgung derartiger Massen wäre nicht möglich und zweitens würde die ohnehin schon hardwarehungrige Engine bei Standardrechnern auf jeden Fall zusammen brechen wenn derartige Massen unterwegs wären. Realistisch sind momentan maximal 15.000 inklusive der Arbeiter.

Als Cossacks Spieler der ersten Stunde warte ich schon eine halbe Ewigkeit auf den Nachfolger und als ich diesen dann das erste mal Spielen durfte war mein Ersteindruck wirklich schrecklich. Erst nach etwa vier Stunden Spielzeit hat sich mein Frust nach und nach in Begeisterung gewandelt. Fragt mich nicht wieso es so lange gedauert hat aber plötzlich war das Spiel geil – und das vor allem wegen den wirklich brutalen und schnellen Multiplayerschlachten. Im Vergleich zum Vorgänger fällt der Baupart sehr gering aus und man kann sein Augenmerk hauptsächlich auf den Kampf legen. Auch die Schlachten um die Minen gegen andere Spieler sind wirklich spannend.

Multiplayer ist für mich persönlich ein sehr gewichtiges Argument ein Spiel zu kaufen und Cossacks 2 verfügt über einen Multiplayer Modus der monatelang zu fesseln weiss. Und noch etwas: Ich kann es zwar noch nicht mit Sicherheit sagen, aber ich glaube, dass CDV und GSC Game World bereits einen Patch in der Mache haben der viele beanstandete Fehler von verärgerten Spielern beheben und auch dem Multiplayer Modus neue Features spendieren wird. Der Support von CDV – auch wenn er bei vielen Spielern verschrien ist – bemüht sich redlich und das ist auch einiges wert. Für jeden wirklichen RTS Spieler ist Cossacks 2 – zumindest wenn man online etwas erleben will – ein Pflichtkauf. Eine seltsame Sache irgendwie. Ein derart verbesserungswürdiges Spiel wie Cossacks 2 das auf Dauer derart Spaß macht hat unglaubliches Potential.

Des Einen Leid, des Anderen Freud

Die (Welt-)Kriegssimulation Hearts of Iron 2 ist der Nachfolger des weltweit erfolgreichen ersten Teils und der wohl beste Titel, den das Entwicklungsteam Paradox Interactive derzeit im Sortiment hat. Hearts of Iron 2 versetzt den Spieler in die Position des Staatsoberhaupts einer Nation, im Zeitraum von 1936 bis 1947, mit dem Ziel zum mächtigsten Weltenlenker des Erdballs aufzusteigen.

Unendliche Möglichkeiten
Wer sich durch das zwar auf das Nötigste beschränkte, aber dennoch relativ lange und textreiche Tutorial gekämpft hat, wird vor die Wahl gestellt, entweder die Geschicke des eines Landes zu übernehmen oder die Truppen der Alliierten oder der Achsenmächte durch diverse Szenarios zu führen. Etwa 130 Länder stehen laut Hersteller zur Verfügung, so kann man sich beispielsweise dafür entscheiden Costa Rica durch die Spielzeit zu lenken. Wesentliche Impulse zur Veränderung der Weltlage wird man in diesem Fall aber wohl kaum setzen können. Um die Möglichkeiten des Spiels voll auskosten zu können und nicht gelangweilt vor dem Bildschirm zu sitzen, empfiehlt es sich, eine Nation aus den Reihen der großen kontrahierenden Bündnisse zu wählen. Jedes dieser Länder hat spezifische, historisch belegte Vor- und Nachteile. Deutschland beispielsweise kann sich auf eine sehr effiziente Forschungsabteilung stützen, Großbritannien hat die wohl stärkste Flotte und die Sowjetunion ein gewaltiges wirtschaftliches Potential.

Von Diktatur und Chaostagen

Einen Staat zu leiten will gelernt sein. Als Oberhaupt muss man nicht nur ein brauchbares Kabinett aus Ministern mit individuellen Fähigkeiten zusammenstellen, man muss sich überdies auch noch um die Verbesserung der Infrastruktur und den Bau von Fabriken, die Versorgung der Bevölkerung mit Konsumgütern, das Unterdrücken von Aufständen und natürlich auch mit sämtlichen militärischen Belangen beschäftigen. Darüber hinaus gilt es noch diplomatische Verbindungen ins Ausland zu knüpfen um mögliche Bündnispartner zu finden, Handelsabkommen abzuschließen und Kriege zu erklären. Als selbsternannter Herrscher kann man natürlich auch auf die Parteienlandschaft des Landes einwirken, um die politische Orientierung und damit ökonomische und soziale Gesichtspunkte des Staates entscheidend zu verändern. Bei der Fülle an Aufgaben ist es oft nur ein schmaler Grad zwischen Anarchie und geordneten Verhältnissen. Herrschen ist wahrlich ein Full-time Job! Wird man von der Flut an Aufgaben und Einstellungsmöglichkeiten anfangs regelrecht erschlagen, so lernt man die Komplexität des Spiels mehrere Stunden des Einarbeitens später sehr zu schätzen. Da ertappt man sich dann schon mal dabei den Krieg gegen Polen schon 1936 zu schlagen, um das Aktivwerden der erst später geschlossenen Bündnisse zu vermeiden. Man könnte auch versuchen das faschistische Österreich der Ständestaatzeit zu einer demokratischen Staatsform zu führen. Allerdings befriedigt solch eine noble Aktion lediglich persönliche Anliegen, zum Spielsieg dürfte so etwas wohl kaum führen.

Am Rande der Apokalypse

Das Herzstück von Hearts of Iron 2 ist das Kampfsystem, das ausgedehnte Schlachten an Land, zu Wasser und in der Luft ermöglicht. Ehe man aber mit wehenden Fahnen in den Krieg ziehen kann, muss eine Menge Mikromanagement erledigt werden. Zum Teil kann dies wenn gewünscht der Computer optional erledigen. Auf jeden Fall muss man vor einem Angriff aber für eine ausreichende Anzahl an Divisionen sorgen. Diese sollten möglichst am neuesten Stand der Technik sein und eine ausgewogene Mischung aus Infanterie, motorisierten Einheiten und Panzern bilden. Zur Nahunterstützung sind Bomber unerlässlich, die wiederum durch Jagdflugzeuge vor feindlichen Flugzeugen geschützt werden wollen. Für Angriffe im Gebirge sind Gebirgsjäger fast unerlässlich und bei Invasionen sollte man über Fallschirmjäger und/oder Marineinfanterie verfügen. Überdies lassen sich Divisionen mit Brigaden verstärken, die, je nach Ausrichtung, Bonuspunkte auf Luftabwehr, Panzerangriff, etc., bringen. Letztlich müssen die Divisionen noch zu Armeen zusammengefasst und mit geeigneten Kommandeuren ausgestattet werden. Das klingt kompliziert und zeitaufwendig – ist es auch! Hat man all diese Schritte erfolgreich absolviert, können die Armeen endlich in den Kampf ziehen. Wer sich den Aufwand sparen will greift auf eines der Szenarios zurück, die den Spieler mitten in eine der berühmten Schlacht des Zweiten Weltkriegs versetzen. So kann man in „Barbarossa“ beispielsweise am eigenen Leib erfahren, warum der russische Bär kein Schmusekater ist und General Winter jede noch so starke Armee der letzten Jahrhunderte in die Knie gezwungen hat.

Infanterie greift an

Ist die Vorarbeit getan, steht dem erfolgreichen Kampf nichts mehr im Wege, vorausgesetzt man hat sich eine gute Strategie zurechtgelegt. Ein Angriff könnte in etwa so ablaufen: vor dem Bodenkampf steigen taktische Bombergeschwader und Sturzkampfbomber auf, die den Feind aus der Luft attackieren und seine Organisation schwächen. Abfangjäger sichern währenddessen den Luftraum über dem Operationsgebiet. Dann tritt der Bodenverband zum Angriff an und die Schlacht beginnt. Die Verteidiger sind in Zahl gleichwertig und haben den Vorteil, dass sie sich gut verschanzt haben. Technische Überlegenheit und die offensive Vorgehensweise unseres erfahrenen Kommandeurs machen diesen Vorteil aber wett und das Blatt wendet sich. Den Triumph schon vor Augen, schlägt plötzlich das Wetter um und Regen verhindert erfolgreiche Luftangriffe. Um den Sieg dennoch zu sichern kommen den angreifenden Einheiten Divisionen aus der Nachbarprovinz zu Hilfe, dank deren Eingreifens der Feind endlich niedergerungen werden kann.
Auf den Schlachtfeldern von Hearts of Iron 2 regiert – wie auch auf realen Schauplätzen – der Clausewitz’sche Zufall: kein auch noch so guter Plan übersteht den ersten Angriff.

Empirische Impressionen

Hearts of Iron 2 spricht alle Sinne an: Bilder für die Augen, Klänge für die Ohren. Wenn man auf den Geschmack gekommen ist fühlt es sich auch gut an. Nicht zuletzt riecht das Spiel stark nach einem Verkaufsschlager (zumindest bei Freaks). Aber konzentrieren wir uns erst mal auf die ersten beiden Punkte, Grafik und Sound. Die Grafik ist vor allem funktionell, ein Feuerwerk an Effekten oder gar gerenderte Sequenzen gibt es nicht. Das ist einem echten General aber egal. Der Hauptbildschirm zeigt die Weltkarte, auf der man Truppen bewegen und sich Wetter, Wirtschaft, Partisanenaktivität, etc optional einblenden lassen kann. Die weiteren Menüs für Forschung, Diplomatie, Produktion und Statistik sind ebenfalls auf Funktionalität ausgerichtet und daher grafisch schlicht gehalten. Spezielle Kampfsequenzen gibt es nicht, auch das wird in einem eigenen, unspektakulären Menü dargestellt. Der Sound ist eher durchschnittlich, aber für dieses Spiel passend gewählt. Liebhaber klassischer Musik werden in einem Thema den „Fliegenden Holländer“ von Richard Wagner erkennen, das durch seine bombastischen Klänge gut zu ausschweifenden kriegerischen Auseinandersetzungen passt. Die Soundeffekte der Kämpfe wiederholen sich doch sehr häufig, da hätte etwas mehr Abwechslung nicht geschadet.

Zur Grafik bliebe noch zu sagen, dass es recht interessant ist, wie das Spiel mit der Thematik Hitler und Nationalsozialisten umgeht. Vom Reichskanzler und seinen Ministern gibt es keine Fotos und die Namen sind ebenso verfälscht. Irgendwie erinnert das Ganze an die EA Sports Spiele der vergangenen Jahre, mit diesem ominösen „player“; an der Namenslizenz dürfte es in diesem Fall aber wohl kaum gescheitert sein…

Lost in Translation

Um Geld bei der Entwicklung einzusparen, hat sich Paradox Interactive allem Anschein nach dafür entschieden, die deutsche und die englische Version des Spiels quasi als kombinierte, multilinguale Version zu vertreiben. So liest man beispielsweise auf der Weltkarte folgende Angaben über eine Provinz: >Innsbruck, Mountain, Klar. Eigentum von Deutschland<. Das wäre ja nicht so schlimm, die mangelhafte Übersetzung treibt aber oft seltsame Blüten. So fand ich meine in der Türkei stationierten Stukabomber, die eigentlich Georgien in der Sowjetunion bombardieren sollten, in Georgia, in den USA wieder. Derartige Fehler sind zwar irgendwie amüsant, wären aber sehr leicht zu vermeiden gewesen.

Die umfangreiche Anleitung, die dem Spiel beiliegt, ist zwar gänzlich in deutscher Sprache gehalten, hätte aber durchaus ein vernünftiges Inhaltsverzeichnis vertragen. So führen Unklarheiten im Spiel zu regelrechten Suchaktionen im Handbuch.

Hearts of Iron 2 ist das perfekte Spiel für jeden Westentaschen-Napoleon, der an der Thematik des Zweiten Weltkriegs interessiert ist und schon immer die Welt beherrschen wollte. Allerdings sollte man anfangs mehrere Stunden einplanen, um die grundlegendsten Funktionen des Spiels bedienen zu lernen. Geduld und viel Zeit sind daher nötige Voraussetzungen, um an Hearts of Iron 2 Gefallen zu finden. Von minimaler Grafik sollte man sich ebenso nicht abschrecken lassen. Die Übersetzung ist ein echter Minuspunkt, der das ohnedies schon komplizierte Spiel noch unnötig erschwert.

Hat man die Einstiegsschwierigkeiten erst einmal überwunden, eröffnet sich eine Spielwelt die an Komplexität und Möglichkeiten kaum zu überbieten ist. Strategiefans, die Spiele wie Codename: Panzers der Panzer General Serie vorziehen, sechsstündige Risiko Partien langweilig finden, ständig unterhalten werden wollen und Mikromanagement schon immer gehasst haben, sollten lieber die Finger von Hearts of Iron 2 lassen. Allen anderen eröffnet Hearts of Iron 2 eine Welt, in der (kriegerischen) Phantasien fast keine Grenzen gesetzt sind.

Bevor ich es vergesse: Historisch absolut Ungebildete dürften sich wundern warum es von allen Ministern ein Foto gibt, nur nicht vom deutschen Regierungschef und einigen Mitgliedern seines Kabinetts.

Vas is los, Amerikaner! FIRE! FIRE!

Kennt ihr das, man weiss nicht ob man lachen oder weinen soll? Damals, als wir noch jung waren, haben wir Wolfenstein 3D gespielt – ein grottenschlechtes Spiel mit mieser Übersetzung: "Die, allied Schweinhund!" war wohl einer der Sätze die mich nachhaltig in meiner Entwicklung geprägt haben – Adolf Hitler mit miesen Deutschkenntnissen zu versehen und ihn in einen lächerlichen, hellblauen Robo-Anzug zu stecken, war schon ein genialer Streich seitens John Carmack – nun hat Irrational Ähnliches vor…

Wie schon beim ersten Teil der Freedom Force-Reihe besteht die erste Mission aus zigtausend Tutorialwegpunkten bei denen das Spielprinzip grundlegend erklärt wird. Der Einstieg gestaltet sich stufenartig: erst hat man null Motivation, weil das Tutorial nervt und einfach nur sinnlos ist, dann aber will man nicht mehr aufhören, weil alles so abartig und fesselnd ist.

Die Missionen sind prinzipiell eher eintönig gestaltet: man muss einen bestimmten Punkt erreichen, ein bestimmtes Gebäude zerstören oder eine Person retten … das an sich ist zwar nicht sonderlich spannend, aber die verschiedenen "Lösungswege" haben’s in sich. Zu Beginn einer jeden Mission darf die Belegschaft neu zusammengestellt werden – ein paar Helden sind vorgegeben, einige darf man selbst hinzufügen – je nach Zusammenstellung der Recken müssen bestimmte Lösungswege gewählt werden. Während man sich mit "The Ant" einfach wie eine Ameise unter Gebäuden oder Hindernissen durchgraben kann, muss man mit anderen Helden darüber hinwegfliegen oder kann das Hindernis erst gar nicht überwinden. In jedem Fall sind die fix vorgegebenen Helden aber so gewählt, dass man mit Schema F zum Ziel kommt.

Je öfter und länger man spielt, desto skurrilere Möglichkeiten findet man, um ans Ziel zu kommen. Die Grenzen werden ansich nur durch die Phantasie des Spielers gesetzt – ob man die Bösewichte nun mit einem Laternenpfahl, einem Auto oder einem Betonklotz niederprügelt, seine Superkräfte verwendet oder mit konventionellen Waffen um sich schiesst ist völlig egal – Hauptsache ist, es macht Spaß und gibt viele Explosionen.

Ok, so ganz stimmt das nicht – Zivilgebäude sollten möglichst nicht zerstört werden, ebenfalls ist es schlecht, Zivilisten zu verletzen – in beiden Fällen werden Prestigepunkte abgezogen. Für erfüllte Aufträge (primärer und sekundärer Art) gibt es hingegen Prestige gut geschrieben. Jeder Held sammelt seine eigenen Punkte, die er am Ende einer jeden Mission für sein Training aufwenden darf.

Ähnlich wie in Jagged Alliance kann man die Skills der Truppe erhöhen – dabei kann der Spieler entscheiden, ob er eine Fähigkeit verbessert, eine neue dazu kauft oder den Level des Helden steigert.

Irgendwie freue ich mich schon auf das fertige Spiel und die komplett versaute Übersetzung – zwar fehlt in der uns vorliegenden Version noch der komplette Multiplayerteil und die Hintergrundmusik ist ebenfalls so gut wie nicht vorhanden, aber der Rest ist Spitze. Auch wenn ich mit derartigen Taktik-RPGs normalerweise nicht viel anfangen kann, hat es doch höllischen Spass gemacht, die Vorabversion auszuprobieren.

Unfertig ist aber auf jeden Fall die Übersetzung (bzw die Sprachausgabe) der deutschsprachigen NPCs (in der englischen Fassung – um Missverständnissen vorzubeugen) – kein Mensch kann mit Gewissheit sagen, ob die schundige Übersetzung beabsichtigt ist oder nicht. Wie in der Einleitung zu lesen ist, weiss man des öftern nicht, ob man lachen oder weinen soll – wenn Nazisoldaten mit einem „Mein Leben, i surrender!“ abtreten oder vor einem Angriff lauthals „Angreif!“ von sich geben, drückts mir persönlich die Tränen in die Augen. Zugegeben, die Qualität der Sprachausgabe ist sehr gut, auch das Textsystem ist immer brav synchron zu dieser, aber die gravierenden Rechtschreibfehler (diese kommen manchmal mehrfach in einem drei-Buchstaben-Wort vor) sollten in der Endfassung wirklich nicht sein. Rebell.at empiehlt in diesem Fall sogar den Google-Übersetzer oder Altavistas Babelfish. Ein paar Wochen Zeit hatte dtp ja noch als wir diese Version bekamen.

Alles in allem erwarte ich ein recht gelungenes Spiel. Sobald das Spiel im Handel ist, könnt ihr wohl getrost zuschlagen. Test folgt dann…

Ersteindruck: Sehr gut

NCSoft E3 Lineup 2005

NCSoft hat sein E3 Lineup bekannt gegeben. Wie schon erwartet werden nur Online Titel vorgestellt. Neben Richard Gariotts aktuellem Projekt Tabula Rasa sind auch Guild Wars, dessen Release auf den 28. April festgelegt wurde, Auto Assault sowie das City of Heroes Add-On City of Villains zu sehen.

Die E3 findet auch diesmal wieder Ende Mai statt. Vom 18. bis 20. wird sich die Spielewelt wieder um die Messe im Los Angeles Convention Center drehen, schwitzende Redakteure sich um die paar Infos schlagen, die es jedes Jahr gibt, und wir Rebellen sind natürlich nicht blöd genug um dabei zu sein sondern klauen die News aus fremden Quellen und Presseaussendungen. Für euch ist uns eben nichts zu schade.

Schulbuchverlag bringt Lernspiel!

Lernspiele sind ja sooo spannend – besonders jene, bei denen das Lernen im Vordergrund steht und im Hintergrund überhaupt kein Sinn steckt. Bevor ihr euch jetzt einem anderen Thema zuwendet, sollten aber insbesondere phsyik- und wissenschaftsbegeisterte Wi-Sim Spieler weiterlesen. Mit Unternehmen Physik dem ersten Teil der Genius-Reihe setzt Cornelsen völlig neue Maßstäbe und beweist, dass Lernspiele nicht immer langweilig sein müssen …

Vorweg, die Angabe "für Genies von 12-99 Jahre" sollte man insbesondere als 12-Jähriger oder als gesetzlicher Vormund eines solchen sehr ernst nehmen. Ich selbst bezeichne mich nicht gerade als Niete in Physik oder Mathematik und hab‘ mit meinen 23 Lenzen bei manchen Aufgaben doch so einige Probleme gehabt bzw. kann mir nicht vorstellen, dass ein Durchschnittsschüler diesen Alters derartige Aufgaben lösen kann.

Egal, vielleicht bin ich wirklich nur zu dumm – bevor ich euch hier sinnlos langweile, komme ich lieber zur Sache: Genius ist wohl am ehesten mit Die Siedler oder besser mit Anno zu vergleichen. Ok, eigentlich haben diese Spiele mit Genius nicht wirklich viel gemein aber irgend einen gedanklichen Anhalt brauche ich einfach, um zu beginnen. Pinzipiell ist es also eine Wirtschaftssimulation, man beginnt etwa 1850 als Angestellter eines kleinen Fahrradfabrikanten und erledigt dessen Drecksarbeit (sprich Raubbau an der Natur und gnadenlose Expansion).

Damit man Fahrräder produzieren kann, braucht man zuerst Kohle – wofür auch immer, aber man braucht sie – diese wird von Arbeitern (welche in Arbeiterhäusern wohnen) abgebaut und von den selben Arbeitern zu Fahrrädern verarbeitet. Das Endprodukt wird letztendlich verkauft. Am Anfang muss man sich um nicht viel kümmern: die verbrauchte Kohle sollte deren Produktion nicht übersteigen und umgekehrt, da sonst wertvolle Betriebskosten verloren gehen (sprich man bezahlt Betriebskosten konstant pro Gebäude als fixum und nicht nach Auslastung). Selbriges gilt für Arbeiter – zu wenige Arbeiter bedeuten eine schlechte Auslastung der Gebäude, zu viele hingegen bedeuten, dass einige der Arbeiter ohne Job dastehen. Zufriedene Arbeitskräfte produzieren effizienter und streiken nicht – unzufriedene tun genau das Gegenteil.

Ist alles im Lot, kann man sich getrost ausdehen und mehr Arbeiterwohnungen errichten, mehr Kohleminen bauen und mehr Fahrradfabriken aus dem Boden stampfen. Ab und an kommen dann kleinere Quests auf den Spieler zu, in denen bestimmte Aufgaben gelöst werden müssen – natürlich Aufgaben, die in den Bereich Phsyik hineinreichen.

Am Anfang des Spiels kommen vorwiegend Aufträge in denen man einfach Dinge beschreiben muss – zu die drei Aggregatszustände von Wasser oder warum Speisen in einem Druckkochtopf schneller gar werden. Im späteren Verlauf kommen komplexe Berechungen aus 5 verschiedenen Bereichen (Mechanik, Wärmelehre, Elektrizität, Optik und Kernphysik) ins Spiel. So steht zB die Berechung der Durchschnittsbeschleunigung eines Kolbens in einem Verbrennungsmotor an – mal erhlich, welcher 12-jährige mit halbwegs normaler Schulbildung rafft das schon?

Vom Erfolg bei den gestellen Aufgaben hängt dann direkt der Verkaufserfolg bei den Produkten ab. Ein Beispiel: Ihr wollt Autos verkaufen, ein Mitbewerber publiziert allerdings in den lokalen Zeitschriften, dass seine Fahrzeuge einen höhere Durchschnittsgeschwindigkeit haben, als alle anderen. Dies gilt es natürlich nachzuprüfen und ggf. zu widerlegen – gelingt dies, so gibt es eine Belohung in Form von besseren Verkaufszahlen und ein bisschen Bargeld – misslingt der Beweis, sinken die Verkaufszahlen und es gibt kein Geld. Der Erfolg hängt also unmittelbar von den Berechnugen ab. Lösungshilfen und Rechenbeispiele für die Aufgaben finden sich übrigens Ingame im "Wissenschaftsmagazin", welches regelmäßig erscheint und wertvollen Lesestoff bietet. Neben dem Fachzeitschriftenabo kann man auch eine Briefkorrespondenz mit einem Erfinder der Zeit eingehen, Werner von Siemens ist z.B. ein ganz netter Kerl – in den Briefen finden sich selbstredend auch wieder eine Menge Infos, die bei der Lösung behilflich sind – leider klickt man diese aber in den meisten Fällen einfach durch oder überfliegt sie, so müss man sie dann im Falle einer entsprechenden Aufgabe nochmal durchlesen.

Bereits der erste Genius-Teil ist nahezu perfekt – wenn man das Ganze mit anderen Lernspielen vergleicht. Leider fehlen einige sehr wichtige Features, was mich besonders stört ist ein fehlender Ingame-Taschenrechner und ein Notizblock – mit Alt+TAB zurück ins Windows wechseln und dessen Tools zu verwenden, funktioniert leider nicht immer – so benötigt man entweder Papier und Stift, einen zweiten PC oder ein sehr gutes Gedächtnis. Insbesondere Formelumwandlungen mit mehreren Brüchen und Variablen sind für meinen Verstand dann doch etwas zu viel, wenn es um reine Kopfrechnen geht – da sollte dringen nachgebessert werden.

Soundtechnisch und grafisch kann das Spiel durchaus mit aktuellen Titeln mithalten, besonders die Sprachausgabe ist bemerkenswert – an einigen Stellen wurde zwar quantitativ etwas gespart, es hätte ruhig mehr sein können, aber die Qualität stimmt durch die Bank – vergleichbar damit ist eigentlich nur die Sprachausgabe des dtp-Adventures Runaway.

Etwas enttäuscht war ich allerdings auch von Eingleisigkeit der Aufgaben – zwar gibt es über 100 verschiedene, doch sind offenbar alle Aufgaben EXAKT gleich gestellt – die Werte in den Rechenbeispielen unterscheiden sich in unterschiedlichen Spielen nicht voneinander – es genügt also, während einer Aufgabe zu speichern, diese dann zu versieben, die eingeblendete Lösung aufzuschreiben und nochmal zu laden.

Welche Wahrheit ist wo?

Mit Black Mirror konnte die Gemeinschaft aus Publisher dtp und Entwickler Future Games eines der besten Adventures der letzten Jahre abliefern. Knapp ein Jahr dannach kommt das nächste Spiel aus derselben Produktionsschleife, und man durfte sich im Vorfeld natürlich einiges erwarten. Nazis, antike Kulturen, Außerirdische und Morde am laufenden Band – zahlt sich’s aus den Onkel zu besuchen?

Vorsicht Wellental!
Martin Holan wandelt auf den Spuren von Indiana Jones und Lara Croft. Er ist Archäologe. Bei seinem Studium hat er aber wohl nicht damit gerechnet, den lieben, langen Tag nur im Archiv zu hocken und Fakten zu stapeln. Das ändert sich schlagartig, als er einen Anruf seines Onkels Francois erhält. Der bittet ihn einen wiederentdeckten Tunnel der Nazis ins West-Böhmen zu begutachten. Martin (Stimme: Matt Damon) reist nach Prag. Dort angekommen findet er seine Kontaktperson tot auf. Schnell ist klar, es sind mehrere Leute daran interessiert das Geheimnis des Tunnels zu entschlüsseln. Eure Rätselei führt euch durch Paris, Prag, besagten Tunnel und ein kleines Dorf sowie zwei Tempel in Mexiko.

Die Story von Nibiru beginnt spannend, erreicht aber leider bereits bei etwa der Hälfte ihren Höhepunkt, plätschert später immer mehr oder weniger unmotiviert vor sich hin. Wenn man sich erst einmal durch das packende, unterirdische Nazi-Höhlenwerk gerätselt hat, sieht man sich zwar noch durchaus interessanten Ansätzen gegenüberstehen, die werden aber viel zu seicht und oft mit unlogischen Wendungen abgehandelt. Das abrupte Ende lässt dann ärgerlicherweise noch mehr Fragen offen, als es beantwortet. Buh!

Speed kills

Das ist insofern sogar doppelt schade, als dass Nibiru ohnehin nur etwa sechs bis acht Stunden lange dauert. Es wäre durchaus möglich gewesen die Geschichte länger zu gestalten und ihr dadurch mehr Tiefe zu verleihen.

Unter der (sich negativ auswirkenden) Geschwindigkeit leiden auch die Charaktere und unser guter Holan selbst. Anders als Kollege Indiana Jones wächst er einem nicht richtig ans Herz. Man erfährt zu wenig über ihn.

Recht gut sind hingegen die Rätseleinlagen gelungen. Die setzen meist auf Logik, verwinkelte Denkpfade sind selten. Ein Zahnrad klemmt? Schmieren wir es einfach mit Öl. Hin und wieder wird man von den Entwicklern aber im Regen stehen gelassen. Beispielsweise wenn man an einer Stelle nicht mehr weiter weiß, unmotiviert ein paar Dinge im Inventar kombiniert und plötzlich eine Rattenfalle hat, aber keine Ahnung was man damit anfangen soll. Womit wir bei einem weiteren kleinen Problem wären: Suchspiele am Bildschirm. Hätte ich vorher zufällig ein winziges, unauffälliges Loch in einer Wand bemerkt, wäre ich mit meiner Falle wohl nicht verwirrt eine viertel Stunde mausklickend umher geirrt. Für ein wenig Abwechslung sorgen einige kleine Logikspielchen (Puzzles, Schieberätsel, etc.), leider sind zwei davon nur durch pures Herumprobieren lösbar.

Neue, alte Problemchen und Stärken
Trotzdem richtet sich Nibiru an Einsteiger. Denen fällt vielleicht auch ein unnotwendiger Designfehler bei der ansonsten gelungenen Steuerung nicht auf: Unser Held kann mal wieder nicht laufen, sondern trottet langsam vor sich hin. Profis werden außerdem wirklich harte Kopfnüsse vermissen (bis auf ein, zwei Ausnahmen).

Die Hardwareanforderungen (siehe Box) fallen wieder sehr niedrig aus – und das zurecht. Denn auch wenn die Hintergründe wie schon in Black Mirror herausragend vorgerenderte 3D-Szenen sind, die Animationen sind weiterhin grottig. Steif, oft auch ruckelnd, bewegen sich die Figuren über den Bildschirm. Ein paar mehr Animationsphasen hätten nicht geschadet. Außerdem ist es heutzutage wohl nicht zu viel verlangt, dass sich der Spieler gewisse Aktionen nicht vorstellen muss. So zum Beispiel beim Verbinden zweier Stellen mit einem Seil, das erst sichtbar wird, als die Aktion abgeschlossen ist.

Was hingegen eigentlich schon fast eine Selbstverständlichkeit ist, wenn dtp drauf steht: Die Synchonisation ist toll gelungen, prominente Sprecher lassen in keiner Szene etwas anbrennen. Unterstützt wird die Atmosphäre von einem sehr dezenten aber passenden Hintergrundsound.

Nach dem nahezu perfekten Black Mirror ist Nibiru schon fast ein kleiner Absturz. Enttäuschende Story, weniger Dialoge, nichtssagende Charaktere – was im Quasi-Vorgänger den ganzen Antrieb ausmachte, fehlt hier einfach. Bitte nicht falsch verstehen: Nibiru ist trotzdem ein gutes Spiel, aber im Jahr 2005 kann ich gewisse Dinge nicht mehr durchgehen lassen, vor allem nicht, weil sie schon am vorherigen Projekt der Entwickler kritisiert wurden. Warum kann Martin nicht laufen, sehen die Animationen wieder so alt aus und fällt die Geschichte zur Hälfte so rapide ab? Ist dieses Ende ein Scherz? Fragen über Fragen. Ach ja! Für die extrem kurze Spielzeit ziehe ich auch noch zwei Punkte ab. Nibiru ist für hungrige Abenteurer ganz sicher kein Fehlkauf, aber leider das schlechtere aller dtp-Adventures der letzten Jahre und mit Still Life steht demnächst ein sehr vielversprechender Konkurrent in den Startlöchern.

Über den Marsmännchen…

Lautlos schwebe ich mit dem Spaceshuttle im Erdorbit. Alles ruhig, aber nicht mehr lange! Es wird Zeit für den Wiedereintritt in die Atmosphäre. Theoretisch würde es einen exakten Wiedereintrittskurs geben, damit man auch planmäßig auf der Landebahn landet. Aber wie heißt es so schön: Selbst ist der Mann. Noch ein paar Sekunden und dann geht’s ab Richtung Heimat. Computerboxen auf "Max." gedreht damit man auch einen realistischen Sound erhält und dann mal bequem in den Sessel zurücklehnen. Wo zuvor noch Stille herrschte, bricht jetzt die Hölle los.

Der Wind pfeift als ob ein Düsenjäger neben meinem Zimmer starten würde und ich sehe nichts außer Wolken, Wolken und nochmals Wolken. Schon alleine der Blick auf den Höhenmesser lässt erahnen mit welcher Geschwindigkeit ich dem Boden entgegen rase. Die Höhenmeter purzeln im Hunderstelakkord. Nach einigen Sekunden endlich raus aus dem Wolkenschleier und ich erblicke endlich das Meer. Das Meer? Moment einmal. Theoretisch landen doch Spaceshuttles auf einer Landebahn oder? Jetzt weiß ich auch warum es einen exakt berechneten Wiedereintrittskurs gibt &#61514;. Aber kein Problem für mich. Mit einer graziösen Wende verringere ich die Höhe und fahre die Landeklappen aus. Die Räder bleiben drin, macht ja wohl keinen Sinn bei einer Notwasserung. Nur noch wenige Sekunden und es gibt einen gewaltigen „Platsch“. 3,2,1……

So ungefähr ist mein aller erster Shuttleflug verlaufen und ich muss sagen: Astronauten haben es nicht leicht! In X-Plane 8 kann man aber nicht nur mit dem Spaceshuttle im All rumgurken sonder man hat auch diverse Flugzeuge zur Auswahl mit denen man sich einmal so richtig austoben kann. Angefangen vom Luftschiff „Hindenburg“ über diverse Jumbos, Fighters und Mars Space Ships ist alles vorhanden.

Um mit einem Flugzeug zu starten bzw. zu landen braucht man auch eine Rollbahn bzw. Flughafen. Da gibt es nicht nur ein paar zu Auswahl sondern gleich alle Flughäfen der Welt. Die meisten davon sind daher auch ziemlich lieblos und detailarm ausgefallen.

Die Steuerung ist sehr realistisch ausgefallen und die Flugzeuge verhalten sich von Typ zu Typ natürlich unterschiedlich. Wenn man also erst einmal die Landung mit einem gewöhnlichen, einmotorigen Flugzeug beherrscht, heißt das noch lange nicht, dass das bei einem Überschallflugzeug genau so einfach ist. Im Gegenteil man wird zunächst einmal im wahrsten Sinne des Wortes auf die Schnauze fallen.

Grafikmäßig kann X- Plane 8 gut mit seinen Konkurrenten mithalten. Lediglich der Mangel an Details, im Bezug auf die Landschaft, stört ein wenig. Aber wenn man sich erst einmal in luftiger Höhe befindet interessiert dies sowieso keinem mehr und man genießt den Ausblick.

Ein tolles Feature des Spiels ist der Wechsel zwischen den zwei Planeten Erde und Mars. Entweder man fliegt auf unserem Heimatplaneten oder man erkundet mal den Mars und macht dort eine Spritztour mit den Mars Ships.

X- Plane ist von der amerikanischen Flugaufsichtsbehörde FAA für die Ausbildung von Linienpiloten zugelassen und ist weltweit der einzige bekannte Flugsimulator für PCs, der aufgrund der Form bzw. der Geometrie eines Fluggerätes Vorhersagen über seine Flugfähigkeit treffen kann. Man kann also in X-Plane 8 eigene Flugzeuge entwerfen und diese auch fliegen. Jedes neue Fluggerät und dessen Geometrie wird gelesen und das Programm berechnet anhand der sogenannten „Blade Element Theory“ sein spezifisches Flugverhalten.

Ein durchaus gelungenes Spiel das aber noch mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen hat. Die Benutzerfreundlichkeit lässt etwas zu wünschen übrig und X-Plane 8 hat mit einem gewissen sterilen Aussehen zu hadern. Es gibt auch kein allgemeines Hauptmenü um Änderungen vorzunehmen. Man kann Einstellungen nur im Spiel selbst über eine Taskleiste am oberen Bildschirmrand verändern. Für Flugsimulatorfans ist der Kauf von X- Plane 8 aber dennoch kein Reinfall da es eine tolle Alternative zu den anderen Flugsimulatoren ist.

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Schüsse durchbrechen die Stille. Kugeln schneiden die Luft, Glas zersplittert rund um mich. Die Farben verschwimmen vor meinen Augen. Die Welt taucht in kaltes Grau. Dumpfe Stimmen dringen an meine Ohren: "Wir haben einen Mann verloren!" Als ich zu Boden gehe wechselt der Gegner seine Position und schießt. Wie bei Matrix durchqueren Projektile langsam die Luft. Quickload und neuer Versuch. Willkommen in der Welt von F.E.A.R.

Im Actionshooter von Monolith (NOLF) schlüpft der Spieler in die Rolle eines Soldaten einer Spezialeinheit, welche den Namen des Spiels trägt: F.E.A.R., was wörtlich "First Encounter Assault and Recon" bedeutet. Die Aufgaben als Mitglied dieser Truppe bestehen aus Infiltrationen von Gebäuden, Vereitelungen von Sprengstoffanschlägen und der von George W. Bush ruhmreich beworbenen Anti-Terror-Bekämpfung. In der Story des Spiels begegnen sie auch einem kleinen Mädchen, das ein Vorbote des Schreckens zu sein scheint und nicht zu fassen ist. Was es mit der Göre auf sich hat, wurde aber noch nicht verraten.

F.E.A.R. bekommen es neben Terroristen und mutierten Monstern auch mit unbekannten
Kreaturen zu tun, die euch den Titel des Spiels näher definieren werden. Nach und nach verschwinden zu allem Überfluss auch noch Teile eurer Einheit, sodass ihr euch später nahezu alleine durchschlagen müsst.

Natürlich setzen die Entwickler auf eine atemberaubende Grafik, die der von Half-Life 2 in keinem Fall nachsteht. In der eigens von Monolith entwickelten Grafikengine, wird man Rag Doll-Effekte, Bump Mapping und natürlich noch andere wunderschöne Features zu Gesicht bekommen. Dabei ist auch noch das herausragende Partikelsystem zu erwähnen, das einen hohen Faktor an Interaktionen mit der Umgebung zulässt. Beispiel gefällig? Der Spieler wirft eine Granate an ein Fenster, dass daraufhin zerspringt und als Folge hunderte von Glassplittern durch die Lüft fliegen lässt.

Als waschechter Ego-Shooter bietet Monolith dem Spieler natürlich auch entsprechende Waffen, wie
Maschinengewehre, Granaten, Raketenwerfer, Schrotflinte, Nailgun, mobile Flaks etc. Mehr als 3 Waffen
plus Granaten wird man jedoch nicht gleichzeitig tragen können. Als Ausgleich dafür wurden jedoch Nahkampfattacken eingebaut. "Du kannst Sprungtritte machen, Rutschangriffe, Drehtritte oder aus der geduckten Haltung agieren", erzählt Entwickler Kevin Stephens in einem Interview. Dafür gibt es außerdem bestimmte Tastenkombinationen. Wenn man vorwärts geht, springt und den Nahkampfknopf drückt, macht man zum Beispiel einen Scherentritt.

Ein weiteres besonderes Feature von F.E.A.R. ist der Slow-Motion-Mode à la Max Payne,
der per gedrückter entsprechender Taste betätigt werden kann. Dabei wird zwar auch der eigene Charakter verlangsamt, die Vorteile sollten aber auf der Hand liegen..

Monolith legt dabei jedoch nicht nur viel Wert auf den Singleplayer- sondern auch auf den Multiplayerpart. Dabei funktioniert sogar der grandiose Zeitlupen-Effekt! Für den Mehrspielermodus existieren sechs verschiedene Modi: Elimination, Deathmatch, Slomo-Deathmatch. Diese gibt es verstädnlicherweise auch in der Teamvariante. Das Slomo-Deatmatch, wovon wahrscheinlich nur die wenigsten etwas gehört haben, funktioniert folgendermaßen: Ein Teammitglied sammelt ein Extra ein, woraufhin sich der Energiebalken füllt. Sobald dieser seine volle Kapazität erreicht, kann ein Teammitglied den Zeitlupenmodus aktivieren, wodurch das gesamte Spielgeschehen verlangsamt wird. Also auch das eigene Team. Beim Gegner ist der Effekt jedoch weitaus stärker, sodass man neben dem Überaschungseffekt auch einen taktischen Vorteil erhält. Wie Kevin Stephens, technischer Direktor von Monolith meint "Man kann schneller zielen, sich schneller bewegen…".

Das Entwicklerteam Monolith, das bereits durch Tron 2.0 und No One Lives Forever 1 & 2 hervorragende Spiele abgeliefert hat, setzt den Releasetermin des Shooters aufs zweite Quartal 2005 an. Bei dieser Qualität ist es jedoch fraglich, ob der Termin eingehalten werden kann. Bis dahin hilft nur hoffen…

Wenn F.E.A.R sich weiterhin so wunderbar entwickelt und keine unerwarteten Probleme autreten, dann steht uns im zweiten Quartal 2005 ein Spiel der Extraklasse ins Haus, dass sich auf keinen Fall hinter dem Genrekönig Half-Life 2 verstecken muss. Für Horror-Fans ist das Spiel wohl die Hoffnung 2005, ein wenig Grusel, eine große Portion Blut und viel Action. Ich freue mich auch schon wie ein kleines Kind auf den Release und hoffe einstweilen auf einen Beta-Key…


Ersteindruck: Sehr Gut

It’s not the fall that kills you..

Riddick ist euch allen wohl schon aus dem gleichnamigen Kinofilm und dessen Vorgänger Pitch Black bekannt. Obwohl ich Pitch Black schon lange kenne und neben Event Horizon zu den genialsten SciFi-Horrostreifen zähle wurde der Hype um den Charakter ‚Riddick‘ erst mit dem letztjährigem Kinostreifen richtig ins Rollen gebracht.

Da Vin Diesel ausserdem nicht nur als teilzeit Knasti sondern generell unter der Bevölkerung großes Ansehen genießt (vor allem unter deren Weiblichkeit), dachte sich Vivendi, dass eine Lizenz für ein PC-Spiel sicher keine Fehlinvestition sei. In Kooperation mit Staarbreeze Studios gelang es dann auch ein ordentliches Spiel zu entwickeln.

Durch die offizielle Lizenz ermöglicht euch Vivendi, den wohl coolsten Anti-Helden aller Zeiten (Anm. des. Chefr.: Ketzer! Dieser Status steht Guybrush zu!) durch den wohl brutalsten Hochsicherheitsknast aller Zeiten, Butcher Bay, zu bewegen. Gleich am Anfang werdet ihr neben euch selbst auch noch Johns, den Kerl den ihr vielleicht noch als morphiumsüchtigen Kopfgeldjäger aus Pitch Black kennt, in einem sehr gut gemachtem Introvideo erleben. Natürlich merkt man dabei auch sofort das Riddick, wie im Film, in etwa so cool ist wie unser Flint während er an einer kompletten Packung Fisherman’s Friend lutscht. Nein, natürlich ist Riddick im Gegensatz zu Flint auch wirklich verdammt cool, ich meine er wirkt auch glaubwürdig cool.

Nachdem euch der Kopfgeldjäger Johns irgendwo eingefangen hat will er auch etwas mit euch verdienen. Also findet ihr euch anfangs in einem Raumschiff am Weg nach Butcher Bay, was ungefähr den Ruf von Alcatraz hat. Keiner der reingeht kommt jemals wieder raus. Zumindest nicht lebend. Unten angekommen schafft ihr es dann auch sofort Johns vor den Wachmännern zu erledigen und euch durch einen Luftschacht in Sicherheit zu bringen. Unten noch ein paar Leute verdroschen und von hinten erwürgt und schon seid ihr wieder am Weg nach draußen – wenn das nicht alles ein Traum wäre, den ihr während des Fluges habt. Der Traum dient als Tutorial und während eures imaginären Ausreißers werdet ihr mit der Steuerung des Spiels vertraut gemacht. Als ihr dann wirklich unten ankommt sieht alles leider etwas anders aus. Schwer bewaffnete Wachen begleiten euch ins Innere des Gefängnisses und ihr habt keine Chance zu entkommen. Währenddessen feilscht Johns noch um einen besseren Preis für euch und wähnt sich in Sicherheit – was natürlich völliger Blödsinn ist, aber das kann der arme Kerl ja noch nicht wissen.

Im Inneren von Butcher Bay bekommt ihr erstmal, wie jeder andere Häftling auch, eine Zelle zugewiesen. Lustigerweise ist die Zelle danach eigentlich immer offen. Ihr könnt also im Gefängnis herumlaufen und euch mit euren Mitgefangenen unterhalten die euch dann auch mitteilen das – wie in jedem ordentlichen Knast – ein großer Boss das Sagen hat. Keine Frage, der Kerl braucht sofort "auf’s Maul". Und wer sollte das schon besser hinkriegen als Riddick? Wenn ihr euch ein wenig herumfragt bekommt ihr auch einige ’selbstgebaute‘ Waffen von den Häftlingen wie z.B. Schlagringe oder primitive Messer. Da der Knast aber, bis auf wenige Ausnahmen, videoüberwacht ist solltet ihr aufpassen wann ihr eure Bewaffnung dann auch auspackt. Ansonsten geht nämlich sofort ein Alarm los und 10 Sekunden später werdet ihr von Kugeln durchsiebt. Natürlich gibt es einige Bereiche die nicht so gut überwacht sind oder wo die Wachen auch mal ein Auge zudrücken wenn ihr mit dem Schlagring einem Mithäftling die Fresse poliert.

Riddick: Escape From Butcher Bay spielt sich nicht wie ein Standardshooter à la Doom 3 sondern beinhaltet einige Neuerungen. So müsst ihr z.B. in RPG ähnlichen Phasen Leute ausfragen und/oder Aufträge für irgendjemanden erledigen, um zum gewünschten Ziel zu kommen. Ausserdem könnt ihr sehr oft keine Waffe verwenden, da diese auf die DNA des Trägers "gelocked" sind. Daher seid ihr oft darauf angewiesen an Wachen vorbei zu schleichen oder sie unbemerkt irgendwo im Dunkeln um die Ecke zu bringen. Meistens habt ihr nur einen Schlagring oder eben ein Messer, daß ihr, wie oben schon beschrieben, besser nicht immer in der Hand halten solltet. Natürlich kommt ihr auch mal zu entsprechenden Knarren aber bis dahin ist es anfangs ein langer Weg.

Durch die gut gemachte Story und die absolut shooteruntypische Gegebenheit, dass Waffen meist nicht eingesetzt werden dürfen ist Riddick: EFBB erfrischend anders. Auch wenn die Story ziemlich linear verläuft, gibt es durch einige interessante Extras auch einen gewissen Wiederspielwert. So könnt ihr z.B. mit dem Finden von Zigarettenpäckchen aller Art alle möglichen Konzeptgrafiken oder Making Of Videos freischalten, und nachdem ihr es das erste Mal durchgespielt habt gibt es die Möglichkeit beim nächsten Mal die Kommentare der Entwickler im Spiel zu hören. Besonders viele alternative Lösungswege gibt es leider nicht, aber oben genannte Features gleichen derartige Mankos wieder etwas aus. Ist ja auch interessant einmal zu erfahren wie ein Spiel entwickelt wird und was Hauptakteur Vin Diesel eigentlich davon hält.

Eine Synchronisation von Riddick gibt es nicht, lediglich deutsche Untertitel sorgen dafür, dass die Englisch-Laien unter euch nicht vollkommen den Durchblick verlieren. So bleibt uns zwar eine versaute deutsche Sprachausgabe à la Half-Life 2 erspart, der optimale Weg ist das aber nicht. Die englische Sprachausgabe ist dafür aber wirklich genial gelungen. Vor allem wenn Riddick (mit Vin Diesels Originalstimme) wieder einen seiner Kommentare abgibt wie – "I’m not afraid of the dark. The dark [künstlerische Pause] is afraid of me."

Grafisch kann sich Riddick durchaus mit Genregrößen wie dem optisch recht ähnlichen Doom 3 messen. Die Animationen sind butterweich und auch die Umgebungsgrafik ist nett anzusehen. Einzig an Lichteffekten hat Riddick im Vergleich zum id-mehr-oder-weniger-Schocker das Nachsehen, ansonsten ist die Grafik wirklich gut. Vor allem die Menschenmodelle sind extrem detailliert gemacht und – entsprechende Hardware vorausgesetzt – glaubt man erst beim zweiten Hinsehen, dass Riddick das Produkt einer Grafikengine ist. Was für Besitzer von Grafikkarten der Modelle 6800 / GT interessant ist: Pixel Shader 3.0 wird unterstützt, besondere Unterschiede konnte ich allerdings keine feststellen.

Genug der Lobhudelei, es gibt natürlich auch einige Schwachpunkte. So ist die Auswahl der verwendbaren Waffen leider sehr gering und das Herumschleichen ist auch nicht immer unbedingt notwendig um an Wachen vorbeizukommen, obwohl es natürlich extrem cool ist. Allerdings kann ich garantieren, dass man auf mittlerem Schwierigkeitsgrad nicht einmal Schleichen oder sich an die Wand schmiegen muss, um irgendwo durchzukommen. Es reicht eigentlich einfach irgendwo durchzulaufen um weiter zu kommen. Natürlich sehr unsportlich aber es funktioniert auch. Das schlimmste Manko ist aber sicherlich die Spieldauer. Ich bin wirklich kein besonders schneller Shooterspieler, aber auch ich konnte mir nach etwa 7 Stunden den Abspann ansehen. Schade, dass die Länge der Einzelspielermissionen so minimalistisch ausgefallen ist.

Ein Multiplayer Modus fehlt, wäre auch nicht wirklich notwendig, da dieses Feature sowieso schon von Genregrößen wie Half-Life 2 und Co. ausreichend abgedeckt wird. Angesichts der kurzen Spieldauer, ist der Umfang so aber dem Preis nicht angemessen.

Trotzdem ist Riddick schon alleine aufgrund seines Abwechslungsreichtums und der wirklich extrem guten Nutzung der Filmlizenz einen Kauf wert.

Generell hat mich Riddick überrascht. Das Spiel ist, obwohl die Entwicklungszeit nicht fünf Jahre gedauert hat, sehr gut geworden und auch das Leveldesign ist überdurchschnittlich gut. Die Interaktionsmöglichkeiten sind für einen derartigen Shooter auch nicht übel und lockern das Geschehen etwas auf. Traurig ist, wie bereits erwähnt, die Spieldauer. Auch Anfänger sind schnell durch. Ihr solltet aber bedenken das es auch nach dem Durchspielen durchaus noch Anreize gibt es ein zweites Mal zu versuchen.

Vivendi scheint momentan richtig aufzublühen und wir bekommen einen Knaller nach dem anderen zu testen. Ein kleiner Lichtblick gegen die Allmacht von EA die mittlerweile besorgniserregende Größe erreicht hat.

Ansonsten bedanke ich mich noch bei unserem Forenmitglied cruzer, welcher mir die Screenshots zur Verfügung gestellt hat, da ich nach einer Neuinstallation meines Betriebssystems leider aus reiner Dummheit meinerseits alle verloren habe :).