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The Raven im Test – Agatha Christie-Hommage für ruhige Stunden

The Raven - Nach einer Fahrt mit dem Orient Express steigen wir auf ein Schiff um.
The Raven – Nach einer Fahrt mit dem Orient Express steigen wir auf ein Schiff um.

Ah, The Raven. „Once upon a midnight dreary, while I pondered …“. Ein wunderbares Gedicht aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und ich stolzer Tom, ich kann die ersten beiden Strophen davon (die anderen 16 lerne ich dann in der Pension als Gedächtnistraining). Doch das Poe’sche Gruselwerk hat wenig gemein mit dem Adventure von KING Art, um das es hier gehen soll. Obwohl beide erzählerisch aus einer anderen Zeit stammen.

The Raven folgt in drei Teilen der Geschichte des Diebstahls eines edlen Juwels in dern 1960er-Jahren. Die Perspektive wird in den drei Episoden wechseln. Den Anfang macht ihr in Gestalt des schweizer Polizisten Anton Zellner, der als abkommandierter Helfer ahnungslos im Orient Express sitzt und dem bekannten Detektiv Legrande bei irgendetwas zur Hand gehen soll. Später werdet ihr die Seiten wechseln und in die Haut des Bösewichtes schlüpfen.

Wachtmeister Zellner ist kein typischer Computerspielheld. Er ist schon etwas älter und hat es nicht mehr so mit seinem Herzen. Er will dem großen Meisterdetektiv beweisen, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört, dass er bei den Großen mitspielen kann. So stolpert der Underdog in eine gefährliche Mission, über die wir hier wie immer nicht zuviel verraten wollen. Insbesondere auch deshalb, weil The Raven sehr stark von seiner streng linearen Geschichte lebt.

Die wird erzählt wie ein Agatha-Christie-Roman. Es gibt eine abgeschottete Umwelt in der sich eine überschaubare Zahl an Menschen aufhält. Etwas Kriminelles passiert und alle sind irgendwie verdächtig, und der Held versucht das Verbrechen aufzuklären. Von diesem „Wer hat es getan?“-Element zehrt Kapitel 1 noch recht gekonnt, bis man am Ende aber doch eine vermeintliche Lösung bekommt. Keine Angst, genügend Fragen bleiben offen, um noch so manche Wendung zu erlauben. Wie den Entwicklern das gelingt, ist natürlich eine andere Frage.

Wie Miss Marples und Poirots Film-Einsätzen setzt auch The Raven auf keinen allzu zähneknirschenden Thrill. Die Atmosphäre ist natürlich im Rahmen der Ereignisse angespannt, Anton Zellner geht aber doch mit einer gewissen Lockerheit durchs Leben. Da KING Art auch auf Quicktime Events und andere Drucksituationen verzichtet, ist es ist ein sehr gemütlicher Krimi. Etwas zum Zurücklehnen.

Ein Spiel Shuffleboard sorgt für willkommene Abwechslung im Spieltrott. Etwas mehr Tempowechsel hätten The Raven nicht geschadet.
Ein Spiel Shuffleboard sorgt für willkommene Abwechslung im Spieltrott. Etwas mehr Tempowechsel hätten The Raven nicht geschadet.

Die Rätsel, die man sich von einem klassischen Adventure erwartet, sind sehr geradlinig. Ihr braucht Licht? Macht etwas mit den Zündhölzern. Ein Kind will nicht mit euch sprechen? Süßigkeiten helfen da doch immer! Hält euch doch einmal eine Knobelei länger auf, liegt das eher daran, dass ihr das Pixelhunting nach einem Gegenstand noch nicht erfolgreich abgeschlossen habt, als dass ihr nicht wisst, wonach zu suchen wäre. Im Zweifelsfall probiert man die wenigen Gegenstände eben an allem aus, das man so findet. Prinzipiell spricht man im genretypischem Trott einfach mit allen Personen über alle möglichen Dialogoptionen, klickt jedes anklickbare Element am Bildschirm an und macht dann das Offensichtliche damit.

Wobei The Raven zusätzlich noch die Eigenart hat, euch manches Objekt nicht sofort als anklickbar anzuzeigen, sondern erst nachdem ihr etwas anderes entdeckt oder getan habt. Das macht die mehrfache Absucherei der Umgebung nötig und war keine designtechnische Glanzentscheidung. Wer sich nach Erleichterung sehnt, kann auch einfach alle Hotspots eines Raums einblenden oder Lösungstipps anzeigen lassen. Doch Vorsicht! Das drückt auf euren Highscore (wurscht) und auf das Ehrgefühl (öha!).

Die deutsche Synchronisation des deutschen Spiels wird anderswo hochgelobt, ich fühlte mich in der englischen Version trotzdem etwas wohler. Insbesondere die Figur eines arroganten österreichischen Musikers ging mir im Deutschen mit ihrem näselden Wienerdeutsch etwas auf die Nerven. Allgemein ist The Raven professionell und ordentlich umgesetzt, aber sicherlich keine groß budgetierte Hochglanzproduktion. Einmal im Spiel wurde der Bildschirm schwarz und ich musste den letzten Speicherstand laden. Bei jedem Spielstart stellte sich die Sprache wieder auf Deutsch zurück und während die Grafik keine gravierenden Irritationen auslöst, sorgt sie auch für keine Aha-Momente. Die Steuerung und Animationen sind etwas behäbiger als gut wäre – auch wenn das zum alternden Protagonisten passt. Während ich diese Dinge nicht unerwähnt lassen wollte, möchte ich aber sagen, dass ich sie nicht als schwerwiegende Spaßbremsen empfunden habe.

Der Perspektivenwechsel als Spannungsmoment: Anton Zellners macht neugierig auf die Blickwinkel der anderen Figuren.
Der Perspektivenwechsel als Spannungsmoment: Anton Zellners macht neugierig auf die Blickwinkel der anderen Figuren.

The Raven könnt ihr übrigens trotz seines episodenförmigen Erscheinens nur im Komplettpack erstehen. „Das ganze Abenteuer oder nichts“, ist da die Devise, was ein seltsames Konzept ist. Mit 23€ für den Download (Windows/Mac) und 30€ für die Boxversion (PC/PS3) ist der Preis zwar erschwinglich und wäre auch dem angemessen, was die erste Episode hergibt. Über die Qualität der folgenden Kapitel (die Ende August und Ende Septemer erscheinen werden) kann man aber natürlich nur spekulieren. Verständlich, wenn so mancher da lieber mit dem Kauf wartet. Umso weniger verständlich, was sich Nordic Games und KING Art dabei gedacht haben.

Von der ersten Episode – die rund vier bis sechs Stunden dauert – zu schließen, ist The Raven für Adventure-Fans einen Blick wert. Das Spiel ist kein All-Time-Highlight seiner Zunft und wird den Point & Click-Adventures keine neuen Käuferschichten erschließen. Aber es ist ein solider Vertreter des Genres, das mit einer klassischen Krimigeschichte das Interesse weckt. Gerade seine etwas unmoderne Tempolosigkeit könnte so manchem durchaus gefallen. Die Sommerzeit und ihre Urlaubswochen sind immerhin eine Phase, die der Entschleunigung dienen sollen.

Test zu Omerta: City of Gangsters – Don Tom umarmt seine Feinde

Unser kleines Versteck ist hübsch, sonst spielt es keine größere Rolle im Spiel
Unser kleines Versteck ist hübsch, sonst spielt es keine größere Rolle im Spiel

Natürlich muss ich zum Mafiaboss werden, wenn der Staat den Booze zu verbieten wagt. Die Prohibition hat mir als Thema von Spielen und Filmen schon immer gut gefallen. Rundenstrategie mag ich auch und vor Wirtschaftssimulationen laufe ich zumindest nicht schreiend davon. Klar, dass ich mir Omerta: City of Gangsters ansehen wollte. Continue reading Test zu Omerta: City of Gangsters – Don Tom umarmt seine Feinde

Test zu Crysis 3 – Der Dschungel in New York

Nach den ersten Feuergefechten sagt mein Sidekick, ich hätte übrigens etwas verpasst in all der Zeit, in der ich in diese Kiste gesperrt war. Er öffnet eine Tür. Hinter ihr liegt ein Zimmer mit einem riesigen Loch in der Außenwand. Und durch das hindurch tut sich mir ein New York auf, wie es nicht einmal Alleinbewohner Will Smith in „I Am Legend“ kennt. Verlassen, runiert, überwuchert von Pflanzen. Der Big Apple ist zum Dschungel im ursprünglichen Wortsinn geworden. Geil. Continue reading Test zu Crysis 3 – Der Dschungel in New York

Ultrabook: Das Toshiba Z930 im Test

Das Toshiba Z930 ist ein 13,3 Zoll großes, extrem leichtes Ultrabook.

Toshiba aktualisiert mit dem Z930 seine „Ultrabook“-Reihe, also das Sortiment an besonders flachen und leistungsstarken Netbooks mit intel-Prozessoren. Wir haben das extrem leichte Nachfolgegerät zum Z830 einige Wochen getestet. Continue reading Ultrabook: Das Toshiba Z930 im Test

Accelero Twin Turbo II – it’s cool man!

Ach, war die Zeit doch schön als ich noch ein Konsolero war. Wollte ich zocken, reichte ein sanftes Streicheln meiner geliebten XBox und eine Minute später ging die Session auch schon los – mit der aktuellen Hardwaregeneration sogar mit nur einem sanften Säuseln als Hintergrundrauschen. In der Welt der Spiele-PC kann sich das unter Umständen anders anhören, konzipiert man den Rechenknecht nicht von Grund auf als Leisetreter.

Lässt man teure Spielereien wie Wasserkühlung außen vor, bleibt einem meist nur der Griff zur Handarbeit – denn die wenigsten Komponenten kommen von Haus aus mit leisen Kühllösungen daher. Zwar hat die Industrie schon länger realisiert, dass Laut in des Konsumenten Augen nicht gleich gut ist, doch wie sollte man sonst Spezialeditionen mit überarbeiteten Lösungen an den Nerd bringen? Normalnutzer scheuen Handanlegen an die Komponenten oft – nicht zu Unrecht, erlischt damit doch zumeist auch die Garantie. Besagte Spezialserien haben dafür meist Nachteile bei Preis oder Leistung. Dem geräuschsensiblen Spieler bleibt somit nur die Baumeister Bob-Mentalität „Jau, wir schaffen das!“.

Als Grafikherz meines Rechenknechtes habe ich mir eine Geforce GTX560Ti 448 gegönnt. Obwohl von NVidia als „Sonderedition“ mit begrenzten Stückzahlen geplant, finden sich noch immer viele Versionen von allen bekannten Anbietern – aber wir wissen ja, wie das mit den Limited Editions so läuft. Meine Entscheidung fiel dann auf die EVGA FTW Version, da sie gerade im Angebot war. Die Karte besticht durch Leistung auf GTX570 Niveau mit hohem Übertaktungspotential für die Zukunft. Doch für den moderaten Preis von EUR 240,– erhält man eben auch nur das Referenzdesign und somit alles andere als einen Leisetreter mit kühlem Kopf. Während im Arbeitsbetrieb (Windows 7 SP1) die Lüfter auf relativ ruhigen 40% der Leistung laufen und den Chip um die 32°C hielten und somit in der Gesamt-Geräuschkulisse des PC ( Prozessorkühler und Zusatzlüfter auf Minimum ) nicht weiter auffielen, ändert sich die Lage bei Spielen radikal. Bei voller Leistung röhrt der Einzellüfter zwar wie unsere Katze im Frühling, doch die Chiptemperatur erreichte an die 85°C. Diese Temperaturen sind zwar kein Grund zur Besorgnis, liegt das Maximum doch bei 100°C, geht einem das ständige Surren und Pusten der Kühlung aber bald ordentlich auf den Senkel. An Übertakten ist da gar nicht zu denken.

Eine Lösung muss her! Doch die Auswahl an VGA Kühllösungen ist relativ eingeschränkt – wohl wegen bereits erwähnten Gründen. Der Liebling des Internets ist derzeit der Peter von Alpenföhn, doch trotz der lustigen Namensgebung sagte mir die immense Größe und die Ausstattung nicht zu, muss man sich doch zusätzlich noch für Lüfter entscheiden. Da ich bereits beim Prozessorkühler Freezer 13 Pro von Arctic sehr gute Erfahrungen gemacht habe, sollte auch die VGA Kühlung aus selben Hause stammen – der Arctic Accelero Twin Turbo II bringt alle Bauteile gleich mit und die Größe gleicht der Karte selbst.

Der Umbau ist, selbst für motorische Halbwerker wie mich, recht einfach zu schaffen – solange man mit Fingerspitzengefühl vorgeht. Die mitgelieferte Anleitung ist klar und anschaulich bebildert. Nach dem Abbau der Referenzkühlung und Reinigung der Bauteile werden mit dem Thermokleber die passiven Kühlelemente montiert. Dabei bedarf es aber einiger Geduld – nimmt das Anmischen zwar nur 5 Minuten in Anspruch, will der Kleber 5 Stunden aushärten. Schade, dass Arctic hier keine Klebepads oder vorgemischte Thermokleber mitliefert. Nach der Wartezeit noch den eigentlichen Kühlkörper mit 6 Schrauben montieren und fertig. Lässt man die Wartezeit außer Acht, hat sich der Umbau in 30 Minuten erledigt.

Wenig Zeit also für die folgenden Ergebnisse. Denn im Betrieb überzeugt der Twin Turbo II voll und ganz. Unter Windows Standardbetrieb sind die beiden Luftwirbler dank geringer Drehzahl nicht zu hören. Erstaunlich dabei: die Chiptemperatur ist mit 32°C gleich mit der Referenzkühlung. Nur selten oder bei manueller Drehzahlmaximierung erreicht man Temperaturen unter 30°C. Die Muskeln lässt Arctics Lösung aber erst unter Volllast spielen. Selbst nach längerer Betriebszeit unter Volllast bleibt die Karte mit durchschnittlich 60°C vergleichsweise kühl. Die Lüfter sind nun zwar hörbar, treten jedoch selbst bei voller Drehzahl nie unangenehm in Erscheinung. Mit diesem Spielraum gönnen wir uns einen weiteren Heimwerker Spruch: Mehr Power! *Grunz*Grunz*Grunz*. Mit Spannungs- und Frequenzübertaktung brachte ich die Karte auf rund 15% Mehrleistung – bei stabilem Betrieb!

Summiert man die Kosten von € 240,– für die EVGA GTX560Ti 448 FTW und € 35,– für den Arctic Accelero Twin Turbo II ist man immer noch unter den Kosten einer GTX570 bei beinahe gleicher Leistung im Normalbetrieb. Dank der Kombination kann man sogar eine wesentlich bessere Preis/Leistung erreichen als mit der großen Schwester. Auch werkseitige Speziallösungen wie die MSI’s Twin Frozer Version lässt man damit hinter sich. Allerdings muss man immer den Garantieverfall im Hinterkopf behalten. Geht man dieses Risiko bewusst ein, ergibt sich mit den beiden Komponenten ein wahres Traumpaar – und man tut dem Handwerker in einem auch etwas gutes.

FIFA 12 – Es ist verdammt hart, ein Neuling zu sein

Vor den Spielen kann man zum Aufwärmen Schussübungen machen

In den 90er-Jahren habe ich alle FIFA-Teile von EA Sports gespielt. Eines nach dem anderen, mindestens bei Freunden auch die Halbjahresausgaben zu Europa- und Weltmeisterschaften. Irgendwann, ich glaube nach der 2002er-Ausgabe, hat sich das allerdings geändert. International Superstar Soccer und natürlich vor allem Pro Evolution Soccer (hier gehts zum Review von PES 2012) überzeugten mit mehr Realismus den Fußball-Geek in mir. In den letzten Jahren hat EA anderen Berichten zufolge auf diese Schwäche reagiert und immer mehr auf die Wirklichkeitstreue ihres Spiels geachtet – nicht nur in eh immer toller grafischer Hinsicht, sondern eben auch bei der Wahrheit, die auf dem Platz liegt. Mit FIFA 12 bekommt die Serie nun wieder eine Chance. Continue reading FIFA 12 – Es ist verdammt hart, ein Neuling zu sein

Project Rub – Rubbel mich heiss

Project Rub
Project Rub

Der Traum Flirt-untauglicher Männer geht in Erfüllung! Endlich muss man um Frauen rum zu kriegen nur noch ein Bisschen an ihnen rubbeln, Menschen auf Autos schleudern, einige Stiere schlachten und ein paar Schildkröten auskotzen. Bevor ihr die neue Aufrissmethode jetzt auf offener Straße probiert, solltet ihr viellecht daran denken, auf dem NDS etwas zu üben. Mit Project Rub, einem der seltsamsten Titel der letzten Jahre…

Grundsätzlich ist das eine Ansammlung von lustigen Minispielchen, welche die Funktionen des Nintendo DS auf vorbildliche Art und Weise ausnutzen. Hauptsächlich hantiert man mit dem Touchpad herum. Hier haben sich die Entwickler um Abwechslungsreichtum bemüht. Man lenkt Autos, balanciert in "Der heiße Draht"-Manier unter Zeitdruck über Abgründe, kegelt menschliche Kugeln durch den Verkehr, schrubbt Dreck von Mädchen und erledigt ähnlich spaßige Aufgaben. Ab und zu gilt es besonders Laut ins Mikrofon zu brüllen oder beständig hinein zu blasen. Verpackt ist das alles in eine kleine Kampagne mit einer mehr oder weniger belanglosen Geschichte, die nach regelmäßigen Bosskämpfen weitergeführt wird .

Sie lässt dich ran

Sämtliche abgeschlossenen Spiele kann man im Erinnerungs-Modus spielen, wo es je 10 Runden des Games zu schaffen gilt. Dabei spielt man sich diverse Boni wie Kleidungsstücke und Frisuren für das "Mädchen seiner Träume" frei. Im äußerst seltsamen "Wahnsinn"-Part kleidet man die Braut dann damit ein, und kann auf dem Touchscreen an ihr rumfummeln. Nun ja, wer’s mag…

Als besonderes Zuckerl kann man sich durch die Kombination mit einigen GBA-Spiele noch weitere Boni freischalten, und – was richtig sinnlos ist – ein etwas über eine Sekunde langes Sprachsample von sich selbst aufnehmen und abspielen. Die mitgelieferten Sprachdateien überzeugen durch passendes Trash-Niveau. Musikalisch nervt das anfangs gefällige Gedudel nach einiger Zeit etwas, aber für stundenlange Sessions ist Project Rub ohnehin nicht gedacht.

Grafisch knüpft das Spiel perfekt an den aktuellen iPod-Silhouettenwahn an, überzeugt durch geschmeidige Animationen und einen in Spielen soweit ich weiß noch nicht dagewesenen Stil. Kein Eyecatcher, aber durchaus recht nett anzusehen.

Fazit

Ja, so in etwa stelle ich mir eine nette Sammlung an Minigames vor. Project Rub macht nicht viel falsch, ist für einige Stunden und ein paar Spielchen zwischendurch durchaus spaßig, verliert aber dann schnell die Faszination. So motivierend find ich es dann nämlich auch wieder nicht irgendwelche Outfits für eine Silhouetten-Dame freizuspielen. Sicherlich kein Spiel für die Ewigkeit, aber doch ein sehr netter Titel bei dem Minispiel-begeisterte nicht falsch liegen.

Deus Ex 2 im Test – Der Klon-Manager in gut

Böse Terroristen gegen gute Weltpolizisten – wir mussten solche Szenarien aus Computerspielen ja schon bis zum Erbrechen erdulden. Dann aber sandte uns Gott die Recken von Ion Storm – und die Mädels haben ihre himmlische Mission in Deus Ex perfekt erfüllt! Endlich war Schluss mit 08/15-Storys. Das hat aber offensichtlich noch nicht gereicht, deshalb musste ein Entwicklerteam rund um Harvey Smith ein Sequel basteln. Ist es würdig, den Namen Deus Ex zu tragen?

Nach der Auswahl, ob ihr denn Männchen oder Weibchen sein wollt, beginnt alles mit einem fulminanten Intro. Ein Terrorist demonstriert eine fatale neue Waffe und verwandelt ganz Chicago in ein höllisches Inferno. Kaum jemand überlebt. Ihr aber seid ein Schüler der Tarsus Akademie (ein biomodifizierter Schüler um genau zu sein) und werdet per Helicopter nach Seattle gerettet.

Dort angekommen wird die hiesige Akademie aber sofort angegriffen. Es macht euch stutzig, dass euch niemand etwas erzählen will, schnell entdeckt ihr, dass ihr und die anderen Schüler Teil eines Experiment seid, und das gefällt euch in der Person von Alex D. natürlich gar nicht.

Ihr erwacht also mitten im Geschehen, und dadurch reißt die Story vom ersten Moment an vollkommen mit. Aber es werden auch ab Sekunde 1 Entscheidungen von euch erwartet, was den Einstieg etwas zäh erscheinen lässt. Im ersten Drittel von Invisible War muss man sich überlegen für welche Fraktion man kämpfen will und ob man sich zum Ballermann, Hacker oder Schleicher entwickelt – natürlich hat das alles seine Vor- und Nachteile.

Besonders interessant ist Deus Ex 2 nämlich nicht nur aus spielerischer Sicht. Hier erlebt man Gaming auf höchstem Niveau. Ion Storm’s Hybride aus Action und RPG fordert euch dazu heraus, euch mit der Spielwelt auseinander zu setzen. Wollt ihr der kapitalistische Ordnungshüter der WTO sein, dessen Fraktion aber über die Leichen der Armen geht, leicht faschistische Methoden unterstützt und nur Wohlstand für die Reichen schafft? Oder schließt ihr euch der Kirche der Ordnung an, die für Natürlichkeit und Individualismus steht, gegen die Ausbeutung der Hilflosen auftritt und dafür teilweise radikal-fanatische Züge aufweist? Keine Partei ist vollkommen guti-gut-toll, keine aber auch das personalisierte Böse. Es bleibt euch etwas Zeit um für alle Parteien Aufträge zu erledigen, irgendwann ist aber eine Entscheidung fällig. Zumindest bis am Schluss plötzlich alles wieder ganz anders wird…

Wie schwer die Auswahl fällt, zeigt auch eine Abstimmung <a href="http://forum.rebell.at/viewtopic.php?t=1178" target="_blank">in unserem Forum</a>. Keine Partei konnte deutlich die Sympathien unserer Leser für sich gewinnen. Das schaffte übrigens auch nicht der Held des ersten Teils, JC Denton, denn in der Spielwelt ist sein Name allgegenwärtig, sein Ruf aber zwiegespalten. Einige sehen ihn als Kriminellen, für andere ist er ein Held. Kurz angemerkt sei, dass er, ebenso wie andere alte Bekannte, wieder auftaucht.

Das lässt die fiktive Welt vor allem für Spieler von DX noch intensiver erscheinen. Hier hat sich jemand viel Mühe gegeben, nicht einfach nur einen zusammenhangslosen Nachfolger zu erstellen, sondern wirklich eine Art SciFi-Paralellwelt zu schaffen. Aber durch diverse Details brauchen sich auch diejenigen, die den Vorgänger nicht gespielt haben, vor Invisible War zu scheuen. Nachrichtenstationen lassen aktuelle Ereignisse in der Welt Revue passieren (manchmal habt auch ihr eure Finger im Spiel), und überall gibt es Details zu entdecken, und Gespräche zu belauschen. So ist es zum Beispiel keine Selbstverständlichkeit in Computerspielen, dass man ein kleines Mädchen mit ihrer Mutter über ihre Angst sprechen hört, dass sich die Chicago-Katastrophe auch in ihrer Heimat wiederholen könnte.

Das alles trägt dazu bei, dass auch Deus Ex 2 als eines der ganz wenigen Games gezählt werden kann, welche das Medium Spiele näher an den Status eines Werkzeuges zur Gesellschaftskritik heranbringen. Etwas, dass meiner Meinung nach ein nicht unwesentliches Ziel der Branche sein sollte, um endlich vom Vorurteil wegzukommen, dass PC- bzw. Videospiele nur für Kinder gedacht seien.

Stichwort Videospiele: Das bringt mich zur technischen Umsetzung. Deus Ex 2: Invisible War basiert auf der aktuellen Unreal-Technologie und weiß vor allem durch grandiose Licht- und Schatteneffekte zu begeistern. Die sorgen auch dafür, dass das Spiel deutlich besser als sein Vorgänger aussieht, denn wenn man die Details auf ein Minimum herunterdreht, erkennt man die Unterschiede kaum. Lediglich die viel zu hohen Hardwareanforderungen ergeben dann die Differenz zwischen beiden Teilen. Erst nach der Deaktivierung der V-Sync-Funktion läuft das Spiel auf Rechnern der gehobenen Mittelklasse anständig. Optisch bewegt sich alles auf dem Niveau von Rainbow Six 3.

Böse Zungen, sowie auch ich, behaupten, dass wir das der parallel entwickelten Xbox-Version zu verdanken haben. Etwas, das mit Sicherheit aus dieser Multi-Plattform-Produktion resultiert, sind die viel zu kleinen Levelabschnitte. Die Ladezeiten bei 512 MB RAM halten sich zwar in Grenzen, es nervt aber wenn man nach jeder dritten Tür wieder den Ladebildschirm zu Gesicht bekommt.

Und das obwohl man sicherlich keine enorm aufwändige Levelarchitektur zu sehen bekommt. Im Gegenteil, die Lokalitäten wirken großteils etwas langweilig. Egal ob Seattle, Kairo, Antarktis oder Trier, irgendwo spielt sich alles in engen Häuserschluchten oder verwinkelten Gängen von riesigen Gebäudekomplexen ab. Es fehlen ein wenig die großen Außenareale, die Abwechslungsreichtum bringen würden. Der Fairness halber sei aber gesagt, dass die verschiedenen Orte durchaus ihren eigenen Charme versprühen und sich optisch doch klar unterscheiden.

Dafür kommt durch verschiedenste Missionsziele wieder einiges an Vielfalt herein. Dokumente stehlen, Attentate ausüben, eine Pilotin befreien, einen Sicherheitschef verhören. Auch die interessanten Nebenquests haben es spannungsmäßig in sich. Und das obwohl die Gegner-KI sich nur im durchschnittlichen Bereich befindet. Wenn man eine Patroullie niederknallt oder den Alarm auslöst, wünscht man sich manchmal doch, dass die Gegner nicht nach einigen Minuten wieder die Suche aufgeben und den Alltag fortsetzen.

Wenn die CPU-Menschen angegriffen werden rennen sie dafür schon mal davon, holen Hilfe und lösen Alarm aus. Um noch unauffälliger oder stärker agieren zu können, stehen euch 15 Bio-Modifikationen zur Verfügung, von denen ihr jeweils fünf installieren könnt. Welche man einbaut, erfordert einige schwierige Entscheidungen. Leider beschränkt sich der Rollenspiel-Aspekt von Deus Ex 2 auf diese Module, denn wo man in Teil 1 noch Stärkepunkte verteilen konnte um sich in einzelnen Bereichen zu verbessern, gibt es nun einfach gar nichts mehr. Der Screen mit den Charakterwerten wurde ersatzlos gestrichen.

Für Fans sicher ärgerlich, aber insgesamt gesehen tut das dem grandiosen Spielerlebnis wenig Abbruch. Ein wenig Komplexität verliert das Spiel dadurch aber.

Es gibt leider auch keine Übersicht darüber, wie beliebt ihr bei den einzelnen Fraktionen gerade seid – wie sie beispielsweise in GTA 2 zu sehen war. Wenn ihr beispielsweise der genmanipulierten Omar-Rasse helft, wisst ihr zwar, dass die euch zukünftig sympathischer finden und euch ihre Waren billiger verkaufen. Wer genau dafür ein wenig angepisst wurde, müsst ihr euch aber selbst ausmalen.

Insgesamt präsentiert sich das Interface nur mäßig und weißt zahlreiche konsolentypische Schwächen auf. Während das halbtransparente HUD zwar gewöhnungsbedürftig aber dank Konfigurationsfähigkeit nicht störend wirkt, muss man sich im (sehr kleinen) Inventar mit umständlichen Aktionen herumschlagen. Auch ist es mir nicht ganz klar, warum ich herumliegende Snacks nicht einfach essen kann. Stattdessen muss ich etwas aus meinem Inventar schmeissen, das Leckerli aufheben, es essen, und den zuvor abgelegten Gegenstand schlussendlich wieder aufnehmen.

Eines haben die Konsolen uns diesmal aber nicht vererbt: Es gibt kein verblödetes Speicherpunkt-System, sondern die geliebte Quicksave-Funktion die man an jeder Stelle des Spiels benutzen kann.

Kurz noch zur Akustik: Der Soundtrack ist recht unauffällig und ordentlich gelungen. Soundeffekte und Synchronisation hingegen sind absolut brilliant. Letzteres mag vor allem an den teuren Sprechern liegen, die im Filmbereich hierzulande beispielsweise Brad Pitt und Nicole Kidman ihre Stimme leihen.

Haua, haua! Als Fan von Deus Ex sehe ich das Sequel mit gemischten Gefühlen. Gemessen an Spannung, Atmosphäre, Story und Missionsdesign hat Invisible War den guten Namen auf jeden Fall verdient. Andererseits hat man einige tolle Aspekte von Teil 1 rausgekürzt um es Massenmarkt-freundlicher zu machen, und das nervt mich einfach.

Schlussendlich bleibt ein sehr gutes, wenn auch leider nicht geniales Spiel, dass mit etwa 15 Stunden Spielzeit und einem hohen Wiederspielbarkeitswert jedem Fan von hochspannender und komplexer Action absolut zu empfehlen ist. Erwachsener wird man derzeit nirgendwo unterhalten! Teil 3 kann kommen…