Baphomets Fluch 5 im Test: Einfach aber charmant

Baphomets Fluch 5

Baphomets Fluch 5 (engl. Titel: Broken Sword 5) wurde über kickstarter mit dem Versprechen finanziert, ein 2D-Point-&-Click-Adventure wie seine ersten Teile zu werden. Insofern ist es nicht überraschend, dass es auch ganz genau das geworden ist. Revolution Software hat seinen Klassiker ganz klassisch weitergeführt, nachdem das britische Unternehmen seine Erfolgsserie für den zweiten und dritten Teil in eine umstrittene und wenig geliebte 3D-Umgebung verpflanzt hatte.

Die gemalte Welt ist auch ohne Full-HD hübsch geworden und die stellenweise aufwändig animierten Charaktere fügen sich stilistisch schön darin ein. Obwohl das ein liebliches, bekanntes Ambiente schafft, wirkt alles etwas altbacken. Die Unwelt ist recht ausgestorben, nur Charaktere, die man auch braucht, sind an in Wirklichkeit doch oft recht belebten Örtlichkeiten wie nahe der Battersea Power Station in London oder Montmartre in Paris anzutreffen. Es sind auch sonst nur wenige Objekte animiert, die man nicht benötigt. Bäume bewegen sich nicht im Wind, am Himmel ziehen keine Wolken vorbei. Kurz: Moderne 2D-Grafik könnte sicher mehr leisten (wie man etwa an Broken Age (Test) sieht). Aber BF5 ist eben ein Spiel, das mit moderaten Entwicklungskosten von rund 1,2 Millionen Euro umgesetzte wurde (übrigens etwa 50:50 von den Fans und Revolution selbst finanziert).

Zudem ist das eine Kritik, die man in Spieletests eher aus Gewohnheit äußert. Bei den Backern und Fans der Serie dürfte das eh hübsche Äußerliche kaum für Diskussionen sorgen, ist es doch eine konsequent modernisierte Fortführung der ersten beiden Titel, die so viele lieben. So steht Traditionalisten also nichts im Weg dabei, sich um die inneren Werte von Baphomets Fluch 5 zu kümmern. Und da ist die bisher veröffentliche erste Hälfte BF5 ein gutes Adventure, wenn auch kein Umwerfendes. Dazu hätte man wohl auch neuere Wege gehen müssen, die in der Fancommunity wiederum garantiert für Diskussionen gesorgt hätten.

Charmanter Witz

Was Baphomets Fluch schon immer ausgemacht hat, waren seine Protagonisten. Der nunmehrige Versicherungsvertreter George Stobbart und die Journalistin Nicole Collard treten der stets gefährlichen Welt und den mitunter schrägen Charakteren, die ihnen begegnen, gerne mit einem Augenzwinkern gegenüber. Wie gut, dass diese die Anspielungen oft nicht zu bemerken scheinen. Im fünften Teil der Serie sind auch wieder – wie könnte es anders sein – alte Bekannte anzutreffen. Ihr könnt die beiden Protagonisten dabei zu vorgegebenen Zeiten spielen – es gibt keie freies Hin- und Herwechseln, keine Rätsel wo ihr die Fähigkeiten der beiden kombinieren müsst.

Die Geschichte handelt diesmal vom Diebstahl eines rätselhaften Gemäldes. Obwohl es gar nicht so wertvoll ist, sterben verdächtig viele Personen, die damit in Berührung kommen. Bei der Suche nach dem Bild stoßen George und Nico auf religiöse Sekten und russische Oligarchen. Gute Voraussetzungen für ein nettes kleines Verschwörungsabenteuer. Die Handlung ist klassisches Baphomets-Fluch-Material, ein Gemisch aus Mystik und Krimi. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, um euch die Spannung nicht zu nehmen.

Eher einfache Knobelkost

Revolution macht mit “Der Sündenfall” wenige einfache Fehler, außer die Tatsache, dass George und Nico wieder einmal nur gehen und nicht laufen können. Das fällt selten ins Gewicht, denn sie müssen andererseits auch keine ewig langen Fußwege zurücklegen. Die meisten Rätsel sind jeweils an Ort und Stelle lösbar – was sie wiederum manchmal etwas vorhersehbar macht. Wenn man etwa ein Cola und ein Pfefferminbonbon an ein und demselben Ort findet, ist es keine echte Denkarbeit mehr, die beiden Gegenstände zu verbinden. Auch die Hinweise sind im Normalfall recht eindeutig. Geübte Adventurespieler werden also kaum kopfzerbrechend hängen bleiben. Auch so dauert die erste Hälfte des Spiels aber immerhin rund sechs Spielstunden.

Wer bisher keine Adventures mochte, braucht nun auch nicht damit anzufangen. Hardcore-Genrefans werden vielleicht über den mangelnden Anspruch enttäuscht sein. Wer aber insbesondere schon frühere Baphomets Fluch-Teile gespielt und geliebt hat, wird sich wie ich über die Rückkehr des sympathischen amerikanisch-französisch Heldenduos freuen. Man darf gespannt sein, wie es in der zweiten Hälfte weitergeht. Nach London und Paris darf man zumindest mit einer weiteren Großstadt als Örtlichkeit rechnen.

Der erste Teil der PC-Version (Windows, Mac, Linux), ist bereits erschienen, auf Android, iOS und PS Vita folgt ein Release 2014

  • Hat mir auch ganz gut gefallen, man merkte aber leider schon ein wenig, dass es vielleicht etwas mit der heißen Nadel gestrickt war, um auf den Kickstarter Zug aufzuspringen. Besonders lang ist der erste Teil ja nicht, auch wegen den leichten Rätseln, die Story kommt eigentlich kaum in Fahrt und es fehlt vor allem das Mysteriöse aus den ersten Teilen, finde ich.

    Im zweiten Teil soll es dann zwar auch nach Spanien und in noch ein anderes Land gehen, aber der zweite Teil ist laut Backern auch kürzer, wahnsinnig viel kann dann also nicht mehr kommen, was schade wäre, denn das bisherige fühlte sich nicht nach viel mehr als Setup an.

    • Der zweite Teil wird wohl ziemlich genau gleich lang. Der Spielfortschritt am Ende von Teil 1 wird mit 50% beziffert. Mit insgesamt 8-9 Spielstunden ist ein Adventure dann nicht mehr schrecklich kurz, finde ich. Es ist ja außerdem mit 23€ auch kein Vollpreis-Spiel.

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