LCS-Portrait #5: Fnatic

Heute beschäftigen wir uns im Rahmen unserer Serie zur LCS mit dem europäischen Kult-Team im eSports-Bereich generell: Fnatic. Wie sich das neue Team des alten Stars Rekkles schlagen wird, was für und gegen ein gutes Abschneiden spricht.

Fnatic ist für League of Legends in Europa das, was der FC Bayern für Deutschland im Fußball ist. Das Top-Team. Alleine schon wegen dem einzigen europäischen Weltmeistertitel und den dazugehörigen Fnatic-Skins hat sich das Team als Europas Elite-Klub etabliert – allerdings ist der WM-Sieg nicht ganz gültig. Denn damals gab es noch keine koreanischen Teilnehmer. Heute wäre ein westlicher Weltmeister undenkbar.

In näherer Erinnerung ist die Wunder-Saison von 2015. Mit den zwei koreanischen Importen Huni und ReignOver schaffte es Fnatic ins Halbfinale der Weltmeisterschaft, im selben Jahr konnte man zwei Spiele einer Best-of-Five-Serie gegen das beste Team der Welt, SKT, für sich entscheiden. Huni spielt mittlerweile selber dort, und Febiven, der von vielen damals als der beste Mid Laner des Westens gesehen wurde, ist nach einer enttäuschenden Saison zurück bei H2k-Gaming.

Enttäuschend war die Saison für alle bei Fnatic. Zum ersten Mal konnte sich das Team nicht für die Weltmeisterschaft qualifizieren, bis auf Jungler Spirit und AD Carry Rekkles konnte niemand wirklich überzeugen. So beendete Fnatic die Saison auf einem enttäuschenden vierten Platz. Rekkles ist der letzte, der auch heute noch mit von der Partie ist. Und die Fnatic-Fans erhoffen sich einen Neustart wie 2015.

Spieler:

  • Top: sOAZ
  • Jungle: Amazing
  • Mid: Caps
  • Adc: Rekkles
  • Support: Jesiz

Top Laner sOAZ und Jungler Amazing kennt man in Europa. Der Erste war schon einmal bei Fnatic und wechselte dann zu dem von xPeke gegründeten Club Origen, wo er den Zweiten traf. Zusammen spielten sie in dem Team, das 2015 entgegen aller Erwartungen das Semifinale der Weltmeisterschaft erreichte – im selben Jahr kam auch das „neue“ Fnatic ohne sOAZ so weit. Nach einer enttäuschenden letzten Saison mit Origen ohne echten AD Carry planen der starke Top Laner und der offensive Jungler einen neuen Anfang.

Der neue Support Jesiz kommt vom amerikanischen Club Immortals, wo er letzte Saison allerdings nicht als Spieler aktiv war. Er gilt als großes Fragezeichen, da er lange nicht mehr in der höchsten Spielklasse Erfahrung sammeln konnte. Laut Aussagen seiner Teamkollegen ist er allerdings einer der besseren Supports der LCS. Mid Laner Caps kommt von türkischen Club Dark Passage und ist ein exzentrischer Typ – er drohte schon jemandem, ihn in der LCS niemals Fuß fassen zu lassen, weil er sehr einflussreich sei.

Der letzte, der vom alten Fnatic übrig ist, ist Rekkles. Er ist eine Marke für sich. Von vielen wird er als überbewertet bezeichnet, da es in der Vergangenheit selten er war, der Spiele entscheidend gedreht hatte. Fans betonen wiederum seine team-betonte Spielweise, die es ihm trotz seiner Rolle als AD Carry ermöglicht, nicht immer der offensive Spieler zu sein, sondern sich für das Team hintenanzustellen. Legendär sind seine Spiele auf Kennen als AD Carry, um seinen Teamkollegen möglichst viel Zeit im Kampf zu verschaffen. Was man auch immer von ihm halten mag: Dass er einer der besten AD Carries des Westens ist, würde keiner bestreiten. Der Erfolg von Fnatic in dieser Saison wird auch von ihm abhängen.

Was für sie spricht: Auf dem Papier hat Fnatic fünf gute bis sehr gute Spieler. Wenn das Team dazu noch harmoniert und mit Strategie punkten kann, ist viel möglich. In der Gruppe dürfte man sich mit Misfits und G2 Esports ausmachen, wer weiterkommt – in den Playoffs wird es dann schwierig.

Was gegen sie spricht: Gegen Fnatic spricht, dass das Team anders als Konkurrent G2 Esports nicht eingespielt ist. Die Konkurrenz ist dieses Jahr extrem stark, und gerade wenn sich die Bot Lane noch einspielen muss, könnte Fnatic wertvolle Punkte verlieren.