Die neue Lara Croft

Tomb Raider im Test mit Videos: Die spannenden Leiden der jungen Lara

Ja, der neueste Part der Tomb Raider-Serie ist mittlerweile nicht mehr ganz taufrisch und erschien ursprünglich schon Anfang 2013. Aber bisher habe ich den einst kontrovers diskutierten Titel nicht gespielt. Mit unserer neuen Xbox One und der vor einigen Wochen erschienen Definitive Edition gab ich dem Spiel aber die verdiente Chance, und kann euch nur empfehlen dasselbe zu tun.

Tomb Raider: Definitive Edition
Tomb Raider: Definitive Edition bringt uns eine neue Lara Croft

Autorin Rihanna Pratchett hat sich der Frage angenommen, wie Lara Croft zu der Person werden konnte, die sie in den bisher bekannten Spielen darstellt. Tatsächlich machen die heutigen Möglichkeiten der Inszenierung aber eine Lara möglich, die interessanter ist, als ich sie von früher je in Erinnerung hatte. Gestrandet auf einer mysteriösen, feindlichen Insel lernt die junge, aufstrebende Forscherin die harte Realität der fiktiven Archäologie kennen und wächst daran.

Die Grenzen von unterhaltsamer Fiktion

Natürlich geht das manchmal unrealistisch schnell. Ist Lara anfangs noch beim Jagen eines Rehs voller Demut und nach dem Töten ihres ersten Bösewichts entsetzt, gewöhnt sie sich im Kampf um ihr Überleben und das ihrer Freunde doch bald an die fatalen Schussgefechte mit Menschen gar mieser Natur.

Wahrscheinlich ist das eine unvermeidliche Entwicklungsgeschwindigkeit in einem Spiel, wenn am Ende eben doch der Spaß am Gameplay und nicht die Tiefgründigkeit der Geschichte im Vordergrund stehen soll. Fiktive Medien müssen Konflikte bearbeiten, deren zehntes Auftreten einfach nicht mehr besonders originell sein kann. Wie oft kann sich eine Heldin die Frage stellen, ob es okay ist, jemanden zu töten, der sie seinerseits umbringen will? Besser gefragt: Wie oft würdet ihr als Spieler dieses Dilemma lösen oder miterleben wollen? Eben.

Alles in allem gelingt dem Spiel die Balance zwischen ernstzunehmender Abenteuer-Erzählung und atemberaubender Mechanik gut. Es sind vor allem die Momente, wo Lara etwas zum ersten Mal tut, wo diese Taten dann auch reflektiert und in den Fokus gerückt werden.

Abwechslungsreichtum

Hinter der spannend inszenierten Geschichte um eine Forschungsreise-gone-wrong entfaltet sich dann auch herrlich abwechslungsreiches Gameplay. Beim Kennenlernen einer riesigen, tropischen Insel wird man geschickt vom Erzählstrang geleitet – so geschickt, das man mitunter gar nicht merkt, dass Tomb Raider kein Open-World-Spiel ist.

Mal fühlt sich das Spiel wie ein Action-Adventure an, wo sich signifikante Scharmützel mit gelungenen Stealth-Passagen abwechseln. Dann wiederum steht beim Klettern und Springen der Erkundungsdrang im Vordergrund – besonders wenn man die vielen abgelegenen Gebiete erforscht, die nicht zwingend zum Fortkommen in der Geschichte nötig sind. Und all das in prachtvoller optischer Inszenierung.

Zwischendurch hat man auch das Gefühl, ein Survivalgame zu spielen, wenn man mit Lara auf der Suche nach Nahrung die Tierwelt der Insel jagt. Selbst gelegentliche Quick-Time-Events sind überraschend gut ins Geschehen integriert und lassen dem Spieler Zeit, sich mehr auf die Darstellung als die Buttonfolge zu konzentrieren. Etwas kürzer als einst kommt der Rätselpart, aber gelegentlich gilt es doch auch physikalische Rätsel mit Muskelkraft zu überwinden.

Härte

Besonders überrascht hätte mich – wenn ich nicht schon vorher davon gelesen hätte – die Härte, mit der Crystal Dynamics gegen seine weltberühmte Protagonistin vorgeht. Lara kann auf ihrer Flucht von Insel und Widersachern allerhand brutales Zeug widerfahren, das auch ziemlich detailliert dargestellt wird. Die PEGI-18-Einstufung ist jedenfalls ebenso wenig falsch gewählt, wie Nora Tschirner als superbe deutsche Sprecherin von Lara.

Tomb Raider: Definitive Edition
Lara hat es wahrlich nicht leicht in ihrem Reboot

Die Definitive Edition wurde inhaltlich zur ursprünglichen Ausgabe kaum verändert. Die integrierten DLCs betreffen fast ausschließlich den ziemlich irrelevanten Multiplayer-Modus. Die Version für die beiden neuen Konsolen hat aber sehr gekonnte Kosmetik erhalten. Unter anderem wurde Laras Kopf mitsamt Animationen und Mimik neue modelliert. Grafisch ist der Titel gegenüber Xbox 360 und PS3 und zumindest in Teilbereichen auch dem PC tatsächlich deutlich verbessert, wie dieses Vergleichsvideo und Eurogamers technischer Vergleich verdeutlichen.

Tomb Raider ist ein toll erzähltes und inszeniertes Spiel, das eine ehrwürdige Serie mit einer modernen Seele ausstattet. Ein Nachfolger ist mittlerweile in Entwicklung und für mich persönlich ist es ein neues Gefühl, mich auf ein nächstes Tomb Raider tatsächlich zu freuen. Natürlich habe ich auch früher ab und zu reingeschnuppert in diese Abenteuer. Aber jetzt machen sie auch tatsächlich Spaß.

Mit diesem Reboot hat Crystal Dynamics Lara Croft erstmals echtes Leben eingehaucht. Das berühmte, unantastbare Plastikwesen ist einer greifbaren Heldin gewichen. Man hätte sie auch anders nennen können. Aber wenn das nun die neue Lara ist, dann soll mich das nicht weiter stören. Willkommen zurück!

Tomb Raider: Definitive Edition ist für Xbox One und Playstation 4 erhältlich. Das Spiel an sich gibts auch für die Vorgängerkonsolen und den PC.