Nokia 3310 im Test: Zurück in die Vergangenheit

Es hat einen formidablen Nostalgie-geschwängerten Hype ausgelöst, dass das Nokia 3310 wieder aufgelegt werden sollte. Wir haben uns das Gerät angesehen.

Man muss über das Nokia 3310 eigentlich nur wenige Dinge wissen, um zu entscheiden, ob es dafür Platz im eigenen Leben gibt: Es ist auf dem Stand von vor fast 20 Jahren zu gebrauchen, hat eine Akkulaufzeit, die über mehrere Wochen reicht und kostet doch Geld.  Dieses Telefon ist fürs Telefonieren (die Gesprächsqualität war im Test gut), SMS-schreiben und vielleicht noch Musik-Hören (wenn man eine SD-Karte reinsteckt oder das UKW-Radio sexy findet).  Für alles andere ist die Leistung zu schwach, die Featureliste zu abgespeckt, die Kamera zu schlecht, der interne Speicher zu klein und sind die  wenigen verfügbaren Apps einfach zu witzlos. Ob man für all das eine Dual-SIM-Funktion benötigen könnte, muss jeder selbst wissen – es gäbe sie.

Es ist vollkommen sinnlos für Fotos, Videos, Social Media,  E-Mail, Internetsurfen, Navigation und die Organisation des Alltags. Damit könnte man leben, denn oft sind es ja einige dieser Dinge, die uns geradezu stören.

Was aber fehlt sind Modernisierungen. Um als modernes Retrohandy durchzugehen hätte man nicht nur das Design aktualisieren (das alte 3310 sieht eigentlich komplett anders aus), und einen in diesem Zustand sinnlos guten Bildschirm verbauen müssen, sondern auch die Software.

Viel hätte es dazu gar nicht gebraucht: Messaging über WhatsApp/Telegram/Signal (denn wer nutzt noch SMS?), die Möglichkeit mit Adressbüchern und Kalendern aus der Cloud zu synchronisieren (denn wer quält sich freiwillig mit der alten Handy-Software?), eine Version von Google Maps (denn wo man gerade ist, weiß man trotz Retro-chic oft gerne), vielleicht noch Spotify, sowie dann natürlich auch WLAN/3G-Empfang. Das hätte das Handy zu einem Anti-Social-Media-Giganten machen können, das im Alltag brauchbar ist aber nicht ständig bimmelt und Notifications nach euch wirft.

Das Nokia 3310 könnte auch so als digitales Detox-Gerät gesehen werden, aber für nicht gerade günstige 60 Euro (Non-Smartphones gibts auch heute noch viel günstiger) ist auch in diesem Segment nicht die beste Wahl. Und selbst als Telefon für die tech-aversen Großeltern ist es nicht toll, denn die Navigation ist für die immer noch so grausig, wie sie einst war und die Menüsymbole sind geradezu provokant nichtssagend. Zudem ist es okay verbaut und robust, aber entspricht nicht dem Mythos der unzerstörbaren, alten Handys.

Meme: Shit, I dropped my Nokia

Stattdessen ist das neue Nokia 3310 für zehn Minuten der nächste heiße Scheiss für den Hipster in uns allen und sonst vor allem ein Partygag. Denn kurz ansehen will es sich jeder der Generation 25+, der ähnliche Geräte noch aus seiner Jugend kennt. Zumindest bis die Person Snake (im deutschen “Schlange”) startet und sich wundert, warum das so bunt und fancy ist, statt der einfachen Monochrom-Version, die uns damals alle in der Schule unter dem Tisch begeistert hat. Dann wird die Person es bald wieder zurück geben und genug gesehen haben.