Schlagwort-Archiv: Rezension

Always Sometimes Monsters

Always Sometimes Monsters: Ganz unten gelandet?

“Es wäre gefährlich hier und so hungrig schlafen zu gehen. Du könntest sterben.” – Puh! Always Sometimes Monsters zeigt mir gleich einmal drastisch, was es bedeutet, obdachlos zu sein. Mein Vermieter hat die Geduld mit mir marodem Schreiberling verloren, weil ich notorisch zu spät zahle. Mein Buch wird einfach nicht fertig, die Karriere schwimmt dahin. Und dann kam heute auch noch dieser Brief von der Ex-Partnerin, die nur ein paar Monate nach unserer Trennung heiratet?! Irgendwie müssen wir nicht nur die nächsten 30 Tage überleben, sondern auch den Trip zur Hochzeit schaffen. Vielleicht lässt sie sich verhindern und die alte Flamme wieder entfachen. Vielleicht will ich am Ende auch einfach nur ein guter Freund zu sein, der seiner Ex beim Heiraten zusieht. Das wird sich erst weisen. Weiterlesen

Watch_Dogs

Watch_Dogs im Test: Gut, aber da geht mehr

Ich übertreibe jetzt etwas, aber: Das Schönste an Watch_Dogs ist die Emanzipation der anonymen Masse. Endlich sind all die Leute, die durch die virtuelle Stadt rennen, keine namenlosen Opfer bei Verfolgungsjagden mehr. Sie haben einen Namen, einen Beruf, ein Bankkonto und oft genug irgendein Anliegen. Man kann nicht so weit gehen, sie schon zu glaubwürdigen Menschen zu erklären, aber das ist ein Fortschritt für die Immersion in urbanen Open World-Spielen. Wenn Aiden Pearce, ein Hacker/Green Beret mit trauriger Lebensgeschichte und einem Hang zum Arsch durch das wunderschöne Spiel-Chicago streift, kann er nicht nur Ampelkreuzungen, Gullideckel, U-Bahnen und Kameras manipulieren, sondern auch Einblicke in das Private dieser Leute gewinnen. Weiterlesen

Die neue Lara Croft

Tomb Raider im Test mit Videos: Die spannenden Leiden der jungen Lara

Ja, der neueste Part der Tomb Raider-Serie ist mittlerweile nicht mehr ganz taufrisch und erschien ursprünglich schon Anfang 2013. Aber bisher habe ich den einst kontrovers diskutierten Titel nicht gespielt. Mit unserer neuen Xbox One und der vor einigen Wochen erschienen Definitive Edition gab ich dem Spiel aber die verdiente Chance, und kann euch nur empfehlen dasselbe zu tun. Weiterlesen

Moebius im Review: Üble Geschichte mit einem Schleiferl

Moebius: Empire Rising
Moebius: Empire Rising verursacht nach ordentlichem Start später Verstopfung

“Eine Möbiusschleife ist eine zweidimensionale Struktur in der Topologie, die nur eine Kante und eine Fläche hat”, sagt die Wikipedia. Kurz: Sowas wie ein Stirnband, das jemand verkehrt herum zusammengenäht hat. Moebius: Empire Rising hingegen ist ein Adventure von Jane Jensens (Gabriel Knight) Pinkerton Road Studio. Irgendwo in den zu langen zehn Spielstunden werdet ihr den Zusammenhang einigermaßen erkennen – oder auch nicht. Weiterlesen

Titanfall im Review mit Videos: Schnell, simpel, super, aber …

Titanfall
In Titanfall seid ihr mal groß, mal klein

Ich wurde aufs Schlachtfeld gedroppt, bin über Häuser gesprungen, bin mit den Mechs gesprintet. Ich siegte. Ich habe geschossen, wurde beworfen, man hat mich von hinten niedergeschlagen.Ich wurde unsichtbar, ich wurde schneller, ich wurde gesprengt. Ich habe verloren. Egal. Ich habe Titanfall gespielt. Weiterlesen

Democracy 3 ist House of Cards als Spiel

Democracy 3 ist eine komplexe Simulation von Politik
Democracy 3 ist eine komplexe Simulation von Politik

Ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Ich habe Deutschland verändert. Meine drei Amtszeiten als Kanzler dieser virtuellen Nation haben tiefe Spuren in der Gesellschaft hinterlassen, die nun gerechter, gleicher, freier und rundum besser ist. Ich habe die Steuern erhöht, um investieren zu können. Ich habe die Steuern umgeschichtet, um wachsen zu können. Dann habe ich die Steuern gesenkt, weil ich das Geld nicht mehr benötigte. Mein Investitionsprogramm in Technologie und Bildung war ein nationaler Kraftakt hat als unbeabsichtigte Konsequenz tatsächlich dazu geführt, dass mein Volk die Religion aufgegeben hat. Und meine Förderung grüner Technologien und öffentlichen Verkehrs hat uns zum weltweiten Modellland gemacht.

Die Bevölkerung dankt mir: Die Oppositionspartei in meinem 80-Millionen-Einwohner-Land ist von einem ebenbürtigen Gegner zu einer Gruppe mit wenigen tausend Mitgliedern verkommen. Wir sind praktisch ein freiwilliger Einparteienstaat geworden. Und so nebenbei habe ich die Schulden abgebaut. Ich habe ja schon erwähnt: Ich habe Deutschland geändert.

Die Opposition ist ausgelöscht und glücklich darüber
Die Opposition ist ausgelöscht und glücklich darüber

Übung macht den Meister, sagt man. Und ich muss gestehen, es war freilich nicht mein erstes Leben, in dem mir dieses liberal-sozialdemokratisch-grüne Utopia gelang. In meinem ersten Leben wollte ich Großbritannien verändern und ging zu radikal vor. Eine Verschwörung erzürnter Kapitalisten ließ mich schlussendlich von den Medien aus dem Amt schreiben. Im zweiten Anlauf ermordeten mich Fanatiker, deren Werte ich zu sehr strapazierte.

Democracy 3 ist ein Spiel für Polit-Enthusiasten, die sich nicht an einer recht kargen Präsentation stören. Das ganze Spiel dreht sich darum, ein Land per Knopfdruck zu regieren, Diagramme zu beobachten. Jede Aktion hat Folgen, nicht immer absehbare. Strömungen in der “Gesellschaft” wollen beeinflusst werden. Auf dem Spiel stehen stets Sympathien und Loyalitäten, die politisches Kapital bringen: Die Macht zu gestalten, zu verändern, zum Guten wie zum Bösen. Was auch immer das Volk schluckt.

Sollen Drogen verboten oder legal sein?
Sollen Drogen verboten oder legal sein?

Im dritten Anlauf, da lief es gut mit mir und meiner idealen Nation in Democracy 3. Ich hatte gelernt, Zugeständnisse zu machen und Kompromisse zu suchen, komplexer zu denken. Okay, dann musste ich eben entgegen meiner Überzeugung einen Steuerfreibetrag für Eheleute akzeptieren! Es war die harmloseste Möglichkeit um mir bei den Konservativen genug politischen Kredit aufzubauen, um die Legalisierung von weichen Drogen durchzubringen. Dank dieser schluckten die Liberalen diese Verschärfung des Überwachungsstaats, die ich brauche, um die Cyberkriminalität in den Griff zu bekommen. Denn diese gefährdete die Produktivität meines schönen Landes und damit die Staatseinnahmen. Und wegen dieser Weltwirtschaftskrise musste ich ohnehin schon die Steuern erhöhen.

Ihr seht: Democracy 3 modelliert eure Möglichkeiten, ein Land zu regieren, noch detaillierter als seine Vorgänger. Die Simulation ist noch komplexer und zum Teil auch logischer, eure Optionen noch vielfältiger. In dieser Hinsicht ist das Spiel schon sehr weit. Und gerade, wenn alles auf der Kippe steht und der Erfolg eurer komplexen Moves entschieden wird, kann jederzeit auch etwas unvorhersehbares passieren. Die Weltwirtschaft kann unter einem Börsenkrach zusammenbrechen, ein Ministerskandal eine kritische Gruppe entscheidend verärgern oder eine polarisierende politsche Frage in den Raum gestellt werden, auf die ich einfach antworten muss. Oder aber, die Investition in Bildung zahlt sich aus und bringt knapp vor dem Ende noch einen Produktivtätsboom im Land.

Das Volk liebt mich
Das Volk liebt mich

Democracy 3 ist hochkomplex und viele Zusammenhänge schlummern unter der Motorhaube. Es ist faszinierte, wenn man bemekrt, dass Autofahrer und Umweltschützer nicht zwingend zwei komplett getrennte Gruppen sind (die Meinungsforschung hilft euch, das Volk besser zu verstehen). Und viele Verknüpfungen werden sehr gut verdeutlicht. Aber das Spiel wird euch nichts über Ideologie oder Institutionen lehren und ihr müsst auch kaum etwas darüber wissen. Deutschland regiert sich wie die USA. Es gibt zwar andere Ausgangsbedinungen, aber dasselbe Spiel. Keine Nation hat eine Historizität. Ihr seid der oberste Herrscher. Ja, ihr seid durch das Volk durch regelmäßige und freie Wahlen in einem Zweiparteienstaat legitimiert. Aber es gibt kein Parlament, in dem eure Maßnahmen zur Verhandlung stehen und keine Verfassung die euch beschränkt, selbst aufmüpfige Minister sind nur ein Imageproblem. Die eigene Partei ist ein Mittel zum Zweck, wer will kann völlig entgegen ihrem Namen handeln. Anything goes, solange die Umfragen stimmen.

Es ist streng genommen einfach eine Wirtschaftssimulation, wenn auch mit politischem Antlitz. Dinge wie Gleichheit oder Liberalität sind keine hohen Werte, sondern manipulierbare Parameter um die Fokusgruppen zu besänftigen. Geld, Loyalität und politisches Kapital sind die wahren Ressourcen. Die ökonomische Mechanik von Democracy 3 belohnt Mehrheiten. Eure Handlungen müssen sich einzig danach richten, nicht abgewählt oder weggeputscht zu werden. Werte und Programme zählen nicht. Ideologien sind nur Werkzeuge. Als Kandidat einer religiösen Kapitalistenpartei einen sozialistischen Polizeistaat aufzubauen, ist theoretisch möglich (und eine schöne Herausforderung).

Betrachtet man den Modellstaat in Democracy 3, dann ist das Spiel am einfachsten mit der Ethik von House of Cards zu gewinnen: Die Simulation belohnt nicht vorranging Wertetreuheit (obwohl das sicher ein Parameter ist) sondern Opportunismus und Zynismus. Wie ihr euer Land gestaltet, hängt ansonsten nur von eurer eigene Wertetreuheit und euren eigenen Vorstellungen ab. Aber das schließt Idealismus immerhin nicht aus. Er muss nur von euch kommen, nicht vom Spiel.

In dieser Hinsicht ist Democracy 3 vielleicht wirklich sehr realistisch. Auch Frank Underwood könnte schließlich anders handeln.

Halo: Spartan Assault könnte gut sein, aber …

Halo: Spartan Assault
Halo: Spartan Assault wird auch für die Xbox One aufgewärmt. Inklusive kurzer Coop-Kampagne gegen die Flood.

Kürzlich haben wir unsere heiligen Redaktionshallen mit einer Xbox One ausstatten können. Hooray! Das erste Spielefutter, das bei uns dafür eingetroffen ist, war dann der Download-Titel Halo: Spartan Assault. Das wurde ursprünglich für mobile Windows-Plattformen entwickelt erschien auch für Windows 8. Nun nutzt Microsoft das Spin-off seiner Flagship-Marke natürlich auch auf seiner neuen Konsole. Weiterlesen

Broken Age im Test: Hoffnungen erfüllt?

Broken Age
Broken Age – Wunderschönes, fantasievolles Adventure mit liebenswerten Charakteren

Ich fühle mich wieder einmal bestätigt. Als vor einigen Monaten klar wurde, dass Double Fine mit dem Kickstarter-Geld nicht auskommen und Broken Age auf zwei Releases verteilen würde, war in vielen Foren Feuer am Dach. Zeter und Mordio wurde geschrien, gespottet, ein Flop ausgerufen. Ich konnte die Hysterie nicht nachvollziehen, denn als Backer hatte ich die Entwicklung des Spiels über die hervorragende Dokumentation von 2 Player Productions verfolgt und war mir sicher: Hier streckt sich ein sehr talentiertes Team nach der Decke und tut sein Bestes. Jetzt ist der erste Akt von Broken Age (offiziell als Beta) da. Und der gibt allen vollkommen recht, die gelassen geblieben sind: also mir.

Broken Age ist ein ganz großartiges Adventure geworden. Allein dieses unvorhersehbare Storyskript! Es lässt uns in gut bemessenen Abständen in neue Gefilde vordringen, die völlig anders als die davorliegenden sind und sich doch bruchfrei in eine logische Linie fügen, nur um dann mit einem Knall zu enden, der Kinnladen nach unten fallen lässt. Und das ist nicht schnell dahin gesagt, das ist mir am Ende so ziemlich zum ersten Mal in meinem Leben tatsächlich spontan passiert.

Die herrlichen Areale werden bevölkert von originellen Charakteren, die man gerade lang genug kennenlernt um zu bemerken, dass die meisten von ihnen vielleicht auch eine eigenständige Geschichte tragen würden. Etwa der Hipster-Holzfäller, der sich mit den Bäumen seines Waldes angelegt hat. Oder der von (Jack Black vertonte) Sektenführer, der seine Anhänger in ein Leben in den Wolken führt. (Ich wäre gespannt, wie und ob der Gag mit dem in Hinsicht Erleichterung/Erleuchtung doppeldeutigen Wort “Enlightenment” ins Deutsche gerettet wurde – vielleicht mag ja jemand das posten, der es mit deutschen Untertiteln gespielt hat.) Diese Umgebungen sind allesamt gut voneinander abgetrennt. Dass man noch einmal zurück muss, um vorwärts zu kommen, kommt eigentlich kaum vor.

Liebenswerte Protagonisten

Broken Age ist aber nicht einfach nur abgedreht und schräg, womit sich andere schon oft zufrieden geben. Das liegt an seinen Protagonisten, die der erkundeten Welt einen Sinn verleihen. Der Junge Shay (von Herr der Ringe-Star Elijah Wood gesprochen), der sich auf einer einsamen Raumstation von seinen allzu fürsorglichen “Eltern” zu emanzipieren versucht, die ihn vor der “echten” Welt abschotten, um ihn zu behüten. Dementsprechend ist sein Part im Spiel auch wesentlich isolierter. Das kecke Mädchen Vella hingegen hat den Road Trip-Teil bekommen, in dem man ständig neue Gegenden erkundet, während sie gegen unhinterfragte Traditionen rebelliert, um vielleicht eine andere Welt zu ermöglichen, die ihr besser gefällt. Ich erwarte von Double Fine ja eh schon nur die schönsten Charaktere, aber besonders Vella hat mich trotzdem noch positiv überrascht.

Was für die Charaktere natürlich von großer Bedeutung ist, ist ihre Animation. Ihr ausdrucksstarkes, vielfältiges Mienenspiel macht die Dialoge emotionaler als die oft immergleichen Blicke anderer Adventures. Dezente Kamerafahrten und -schnitte tun das übrige für die Dynamik der unterhaltsamen Gespräche. Der von Nathan “Bagel” Stapley geprägte Art Style ist unverwechselbar und einzigartig. Dass die 2D-Figuren dynamisch auf Beleuchtungsquellen reagieren ist gerade angesichts des doch aufwändig texturierten Grafikstils auffällig gut gelungen. Kein Wunder ist dabei, dass Broken Age nicht wie einst gedacht binnen weniger Monate fertiggestellt werden konnte: Schöner sah bisher kein Adventure aus. Mit dieser Perfektion und dem damit verbundenen hohen Aufwand dauert es nunmal lange, Content auszuarbeiten.

Broken Age
Shay sitzt auf einem Raumschiff fest

Kein Frust und keine Routine beim Knobeln

Broken Age ist kein Puzzle-lastiges Adventure. Dass jemand frustriert an einer Stelle hängenbleiben wird, halte ich für unwahrscheinlich. Aber der Rätsel-Part gefällt mir trotzdem sehr gut. Erkundungs-, Kombinations-, Dialog- und Manipulationspuzzles werden erfrischend miteinander kombiniert. Dabei wurde ich nie daran erinnert, dass man so ziemlich alles, was es an Knobeleien in einem grafischen 2D-Adventure geben kann, in den bisherigen drei Jahrzehnten der Genregeschichte wohl schon einmal gesehen hat. Sich routiniert durch eine Passage klicken zu müssen, das tut Double Fine uns nicht an. Stattdessen setzte man ein paar etwas schwierigere und komplexere Schwerpunkte mit richtig gut durchdachten Rätseln und unterhält uns mit dem Rest kurzweilig, der sich eher im Vorbeigehen lösen lässt.

Der Preis dieser Vorgehensweise ist, dass Broken Age eher kurz geraten ist. Den ersten Akt hatte ich nach etwa dreieinhalb Stunden durch – also etwas schneller als den von Baphomets Fluch 5, aber etwas länger als eine normale Episode eines Telltale-Games wie The Walking Dead. Wer kein Backer ist und das Spiel nun vor seinem öffentlichen Release am 28. Jänner kauft, zahlt aber auf Steam auch nicht mehr als 20,7€ dafür. Akt 2 ist im Preis selbstverständlich inkludiert.

Broken Age

Erwartungen erfüllt

Broken Age hatte die Last zu tragen, das Posterchild von Kickstarter zu sein und gleichzeitig all der romantischen Verklärung gerecht zu werden, die der Gedanke an frühere Tim-Schafer-Adventures automatisch bei jedem Genrefan auslöst. Umso imposanter ist, dass es selbst die höchsten Erwartungen noch voll erfüllt. Hier wird durchwegs unterhaltsame Kost von herausragend guter Qualität angeboten. Wer das nicht genießen kann, sollte sich ein anderes Hobby suchen. Falls ihr es nicht schon in der Entwicklung unterstützt habt, ist mein Rat deshalb logischerweise: Zieht los und kauft es.

Broken Age erscheint für Windows, MacOS und Linux am 28. Jänner, der zweite Akt kommt als freies Update im März oder April. Offiziell ist das Spiel bis dahin im Beta-Status, erwartet also den ein oder anderen Bug. (In unserem Test kam allerdings keiner vor.) Versionen für Android und iOS folgen.

Baphomets Fluch 5 im Test: Einfach aber charmant

Baphomets Fluch 5

Baphomets Fluch 5 (engl. Titel: Broken Sword 5) wurde über kickstarter mit dem Versprechen finanziert, ein 2D-Point-&-Click-Adventure wie seine ersten Teile zu werden. Insofern ist es nicht überraschend, dass es auch ganz genau das geworden ist. Revolution Software hat seinen Klassiker ganz klassisch weitergeführt, nachdem das britische Unternehmen seine Erfolgsserie für den zweiten und dritten Teil in eine umstrittene und wenig geliebte 3D-Umgebung verpflanzt hatte. Weiterlesen

Playstation 4 im Test: Warten oder jeden Preis zahlen?

Playstation 4
Die Playstation 4 gibt sich hübsch neben eurem TV-Gerät

Seit wenigen Wochen sind die neuen Konsolen im Handel. Auf Ebay & Co machen Spekulanten derzeit Vorweihnachts-Gewinne, denn die Hersteller rühmen sich damit, dass Spätentschlossene wegen der hohen Nachfrage im regulären Handel kaum an ein Gerät kommen. Aber wie sehr müssen sie sich darüber grämen? Wir hatten die Playstation 4 für einen einwöchigen Testlauf im Haus. Alles, was ihr darüber wissen müsst. Weiterlesen

Review: The Shivah stellt euch eine große Frage

The Shiva
Rabbi Russell Stone gerät vom Regen in die Traufe

Im Krimi-Genre gibt es eine Unterkategorie des “Hard-Boiled”-Detektivs. Das ist einer, der am Weg zur Wahrheit ordentlich Schläge einsteckt. Russell Stone, der Hauptcharakter von The Shivah, ist ein solcher Kerl. Nur dass er eigentlich kein Detektiv ist, sondern ein Rabbi in einer herabgewirtschafteten New Yorker Synagoge. Das Leben hat Stone hart gemacht. Er ist ein grantiger Mann, der – gerade als er den Deckel auf das Rabbi-Dasein hauen will – in einen Mordfall eines ehemaligen Gemeindeangehörigen verwickelt wird. Die Polizei hat ihn im Verdacht, etwas damit zu tun zu haben, denn das Opfer hat Stones Gemeinde unerwartet eine Menge Geld hinterlassen. Er sieht keinen anderen Weg, als die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen.

Die Geschichte von The Shivah glänzt an zwei Ecken: Erstens spielt sie durch den jüdischen Touch in einem recht unverbrauchten Szenario. Zweitens wird der rauhe Tone schön durch das Spiel gezogen. Atmosphärisch ist das Erstlingswerk von Dave Gilbert (wie jedes seiner folgenden Spiele mit Wadjet Eye Games) erstklassig. Mehr Politur hätte er aber auf erzählerischer Ebene brauchen können. Man huscht etwas flott durch die grundsätzlich so spannende Geschiche. Mehrere Charaktere kommen nur enorm kurz vor, manche reden gar nicht mit euch und die meisten Locations laden nur zum mehrmaligen Besuchen ein, wenn ihr beim ersten Mal einen Hinweis übersehen habt. The Shivah hätte mit den vorhandenen Art-Assetts viel länger gestreckt werden können (und dabei zuerst mal an Qualität gewinnen können).

Wollt ihr Gegenstände oder Rätsel?

The Shivah setzt kaum auf die Gameplay-Elemente, die ihm mitgegeben werden: Das System, mit dem man erhaltene Hinweise zu einem neuen Gedankengang kombinieren soll, wäre zum Beispiel eine spannende Sache. Es findet über die rund 2-4 Stunden Spielzeit aber keine fünf Mal Verwendung. Noch spärlicher wird das Inventar eingesetzt. Gerade einmal ein Gegenstand kommt im Spielverlauf hinzu. Das kann man aber auch als interessante Abwechslung begreifen: Pixelhunting und Trial & Error-Kombinationen bleiben außen vor.

Um die vorhandenen Rätsel zu lösen, müsst ihr euren Gesprächspartnern zuhören und logisch und sinnvoll agieren. Das Dialogsystem gibt euch dabei kontextabhängig in entscheidenden Szenen keine fertigen Sätze zur Auswahl, sondern eine Gemütshaltung. Soll Stone aggressiv, verständnisvoll, ablehnend oder entschuldigend auftreten? Oder soll ganz der Rabbi durchscheinen, der Fragen nur mit Fragen beantwortet? An einigen Stellen könnt ihr auch Story-beeinflussende Entscheidungen treffen und es gibt folglich verschiedenste Arten, wie das Spiel enden kann. Die Geschichte kann zum Beispiel sehr schnell vorbei sein, wenn ihr einer trauernden Witwe falsch gegenübertretet und diese die Polizei ruft.

Was hab ich übersehen?

Anders als andere Adventure-Helden, zählt der Rabbi nicht selbst die Hinweise zusammen, die er findet. Das bleibt euch und eurer eigenen Kombinationsgabe überlassen. Wenn ihr nicht die richtigen Worte für die Suchmaschine auf Stones Computer findet, kommt ihr an einigen Stellen nicht weiter. Diese völlig selbstständige Art zu spielen ist ungewohnt und deshalb nicht ganz einfach. Es ist beinahe frustrierend, aber eben nur beinahe. Denn im Endeffekt ist es schaffbar und erinnert daran, dass es auch Spaß machen kann, nicht alles vorgekaut zu bekommen. Dass Spiele auch anders sein können, als vorgefertigte, offensichtliche Optionen durchzuklicken.

Das macht The Shivah heute vielleicht aktueller als es bei seinem Originalrelase 2006 noch gewesen ist. Während es sich inhaltlich zu wenig mit den angedeuteten, großen philosophischen Fragen auseinandersetzt, ist es selbst auf einer Meta-Ebene eine Auseinandersetzung mit einer Frage, die ihr euch selbst stellen müsst. The Shivah ist an sich ein kurzes, nettes Spiel, das als kleines Indie-Projekt viel gößeres Potential verschenkt. Aber abhängig von eurer Antwort auf die Frage könntet ihr es wie ich auch sehr liebgewinnen: Wollt ihr beim Spielen Lösungen suchen oder Lösungen finden? Da besteht ein Unterschied, nicht wahr?

The Shivah ist in einer Kosher Edition mit überarbeiteter Optik und neuem Sound kürzlich erschienen. Ihr könnt diese auf iOS oder Windows-PC (Humble Store, Steam, offizielle Webseite) spielen, sie kostet ungefähr 3,5€. Integriert ist auch ein Developer’s Cut mit begleitendem Audiokommentar.

The Stanley Parable: Nur noch 5 Minuten, bitte!

The Stanley Parable
The Stanley Parable ist anders

Heute geht der Trend ja eher zu Spielen mit kurzer und knackiger Story, dafür aber mit hohem Wiederspielwert. The Stanley Parable entspricht hierbei genau dem Zeitgeist, allerdings auf eine sehr groteske, schon fast lächerliche Art und Weise: der Haupthandlungsstrang hat grade mal 5 Minuten Spielzeit, dann ist das Spiel vorbei. Neugierig?

Das Spiel startet in einem Büro, Stanley drückt Tag für Tag nur Knöpfe wie ihm befohlen wird – an diesem Tag hören die Befehle aber plötzlich auf, das Büro ist leer, alle seine Mitarbeiter sind verschwunden. Neben Stanley gibt es nur noch einen Erzähler dessen Aufgabe es ist, die Geschichte von Stanley zu erzählen. Das Spiel selbst ist aber nicht diese Geschichte, es ist die Geschichte über diese Geschichte.

Im Prinzip ist das Spiel sehr einfach, der Spieler folgt den Anweisungen des Erzählers: wenn er Erzähler sagt, dass Stanley das Büro verlässt, verlässt der Spieler das Büro. Wenn er sagt, dass Stanley durch die leeren Büroräume geht, geht er durch die leeren Büroräume. Wenn er sagt, Stanley geht durch die Linke von zwei Türen, dann … ja, dann stellt sich heraus, dass der Spieler nicht Stanley ist, es keimt ein kleiner Hauch von freiem Willen auf, ein kleiner Gedanke an Rebellion … Stanley ist so schlecht darin, Anweisungen zu befolgen, es ist ein Wunder, dass er nicht schon vor Jahren gefeuert wurde.

Welche Wahl der Spieler auch immer trifft, die Handlung verzweigt sich, führt zurück zum Anfang, verzweigt sich erneut, endet abrupt und unerwartet – der Erzähler kann seiner Aufgabe nicht nachkommen, er ist ein Gefangener der Handlungen des Spielers. Im Verlauf des Spiels fühlt sich der Erzähler an wie eine bizarre Mischung aus GLaDOS und einem Ariadne-Faden, er ist Antagonist und Getreuer zugleich. Der Spieler ist dem Erzähler gleichermaßen augeliefert wie er ihm. The Stanley Parable ist frustrierend und unterhaltsam, es ist ein Spiel mit der Illusion von Freiheit, es ist ein Spiel über das Ende, aber ein Ende gibt es nicht – selbst wenn man meint bereits alles gesehen hat, kennt das Spiel kein Ende.

PS: Spielt die Android-Version! ;)