Schlagwort-Archiv: Adventure

Always Sometimes Monsters

Always Sometimes Monsters: Ganz unten gelandet?

“Es wäre gefährlich hier und so hungrig schlafen zu gehen. Du könntest sterben.” – Puh! Always Sometimes Monsters zeigt mir gleich einmal drastisch, was es bedeutet, obdachlos zu sein. Mein Vermieter hat die Geduld mit mir marodem Schreiberling verloren, weil ich notorisch zu spät zahle. Mein Buch wird einfach nicht fertig, die Karriere schwimmt dahin. Und dann kam heute auch noch dieser Brief von der Ex-Partnerin, die nur ein paar Monate nach unserer Trennung heiratet?! Irgendwie müssen wir nicht nur die nächsten 30 Tage überleben, sondern auch den Trip zur Hochzeit schaffen. Vielleicht lässt sie sich verhindern und die alte Flamme wieder entfachen. Vielleicht will ich am Ende auch einfach nur ein guter Freund zu sein, der seiner Ex beim Heiraten zusieht. Das wird sich erst weisen. Weiterlesen

Last Life: Ein Detektiv-Adventure mit Double Fine-Backing

Last Life
Last Life

Zwei Dinge gibt es in Spielen viel zu wenig. Tanzende Polygone in düsteren Bars und Erzählerstimmen aus dme Off. Ach ja, und Detektivgeschichten. Sagen wir Erzählerstimmen aus dem Off und Detektivgeschichten und lassen wir die tanzenden Polygone mal außen vor, denn ich habe keine Ahnung mehr, warum ich die vor acht Sekunden in die Aufzählung genommen habe. Jedenfalls: Last Life von Sam Farmer hat all diese Dinge, auch die tanzenden Polygone in der Bar.

Die Menschheit hat die Erde zerstört und lebt nun auf dem Mars. Ihr übernehmt die Rolle eines toten Privatdetektivs namens Jack Parker, der für ein paar Stunden wiederbelebt wird, um einen Mord aufzuklären – schätzomativ seinen eigenen. Und diese Schätzung basiert auch nichts geringerem als meinem Gefühl und einer Angabe auf der kickstarter-Page. Statt danach wie vorgesehen wieder zurück in die Kiste zu hüpfen, will der hartgekochte Jack allerdings nicht nur eine fetzige Riesenverschwörung aufdecken, sondern auch weiterleben.

Das Adventure, bzw. sein Entwickler Sam farmer bittet für die erste Episode mit einem stimmungsvollen Block-Grafikstil derzeit auf Kickstarter um 75.000 Dollar. Mit dem Backing der ungekürten Crowdfunding-Könige Double Fine und Tim Schafer (die sich um die Distribution kümmern und wohl auch so ein paar Tipps einwerfen) kann man auch guter Dinge sein, dass dieses Ziel erreicht wird. Im Mai 2015 soll der erste Teil dann auf allen drei PC-Plattformen (für die Langsamen, das sind Windows, Mac, Linux) erscheinen.

LAST LIFE – Vapor Lounge Gameplay from LAST LIFE on Vimeo.

Düster-blutiges Adventure Dead Synchronicity kommt

Dead Synchronicty: Tomorrow Comes Today
Dead Synchronicty: Tomorrow Comes Today

Die Reihe der Projekte, die es auf Kickstarter geschafft haben, ist in wenigen Minuten um ein interessantes Projekt länger. Dead Synchornicity ist eine der neuesten Ergänzungen. Das in Madrid von Fictorama Studios entwickelte 2D-Adventure hat die Crowd und mich mit dem Versprechen einer erwachsenen, blutgetränkten SciFi-Geschichte inmitten einer dystopischen Gesellschaft überzeugt. Weiterlesen

Grim Fandango ist nun mit der Maus steuerbar

Grim Fandango
Ein neuer Grund um Grim Fandango zu spielen. Yay!

Wenn ihr ein bisschen so wie ich seid, dann sucht ihr zu jedem Moment nach einem guten Grund, wieder einmal Grim Fandango zu spielen. Also einen Grund, den auch eure Oma verstehen würde. Nicht einfach nur “Ich hatte wieder einmal Lust drauf” oder “Ich hab das Spiel noch nicht voll verstanden, beim 23. Mal wird mir sicher noch etwas neues auffallen”. Nein, einen vernünftigen wie: “Man kann Grim Fandango jetzt mit der Maus spielen”. Seid glücklich! Diesen Grund können wir euch jetzt liefern.

Ein findiger Modder namens Tobias Pfaff hat nämlich geschafft, was LucasArts – die Vergangenheit hab es selig – einst nicht zustande gebracht hat: Eine Point & Click-Steuerung für das vielleicht letzte große Meisterwerk der einstigen Kult-Adventure-Schmiede zu schaffen.

Eine detaillierte Beschreibung, wie man das Ganze (auch auf einem modernen PC) zum Laufen bekommt, hat PC Gamer UK für euch. Wer es lieber Freestyle und ohne Anleitung versucht, findet die Modifikation hier zum Download. Es ist eure Lebenszeit!

PS: Disney, hörst du mich? Im Ernst jetzt, ich will ein HD-Remake! Und danach ein Sequel! Wenn ihr das nicht liefern wollt, lasst es Double Fine machen.

Broken Age im Test: Hoffnungen erfüllt?

Broken Age
Broken Age – Wunderschönes, fantasievolles Adventure mit liebenswerten Charakteren

Ich fühle mich wieder einmal bestätigt. Als vor einigen Monaten klar wurde, dass Double Fine mit dem Kickstarter-Geld nicht auskommen und Broken Age auf zwei Releases verteilen würde, war in vielen Foren Feuer am Dach. Zeter und Mordio wurde geschrien, gespottet, ein Flop ausgerufen. Ich konnte die Hysterie nicht nachvollziehen, denn als Backer hatte ich die Entwicklung des Spiels über die hervorragende Dokumentation von 2 Player Productions verfolgt und war mir sicher: Hier streckt sich ein sehr talentiertes Team nach der Decke und tut sein Bestes. Jetzt ist der erste Akt von Broken Age (offiziell als Beta) da. Und der gibt allen vollkommen recht, die gelassen geblieben sind: also mir.

Broken Age ist ein ganz großartiges Adventure geworden. Allein dieses unvorhersehbare Storyskript! Es lässt uns in gut bemessenen Abständen in neue Gefilde vordringen, die völlig anders als die davorliegenden sind und sich doch bruchfrei in eine logische Linie fügen, nur um dann mit einem Knall zu enden, der Kinnladen nach unten fallen lässt. Und das ist nicht schnell dahin gesagt, das ist mir am Ende so ziemlich zum ersten Mal in meinem Leben tatsächlich spontan passiert.

Die herrlichen Areale werden bevölkert von originellen Charakteren, die man gerade lang genug kennenlernt um zu bemerken, dass die meisten von ihnen vielleicht auch eine eigenständige Geschichte tragen würden. Etwa der Hipster-Holzfäller, der sich mit den Bäumen seines Waldes angelegt hat. Oder der von (Jack Black vertonte) Sektenführer, der seine Anhänger in ein Leben in den Wolken führt. (Ich wäre gespannt, wie und ob der Gag mit dem in Hinsicht Erleichterung/Erleuchtung doppeldeutigen Wort “Enlightenment” ins Deutsche gerettet wurde – vielleicht mag ja jemand das posten, der es mit deutschen Untertiteln gespielt hat.) Diese Umgebungen sind allesamt gut voneinander abgetrennt. Dass man noch einmal zurück muss, um vorwärts zu kommen, kommt eigentlich kaum vor.

Liebenswerte Protagonisten

Broken Age ist aber nicht einfach nur abgedreht und schräg, womit sich andere schon oft zufrieden geben. Das liegt an seinen Protagonisten, die der erkundeten Welt einen Sinn verleihen. Der Junge Shay (von Herr der Ringe-Star Elijah Wood gesprochen), der sich auf einer einsamen Raumstation von seinen allzu fürsorglichen “Eltern” zu emanzipieren versucht, die ihn vor der “echten” Welt abschotten, um ihn zu behüten. Dementsprechend ist sein Part im Spiel auch wesentlich isolierter. Das kecke Mädchen Vella hingegen hat den Road Trip-Teil bekommen, in dem man ständig neue Gegenden erkundet, während sie gegen unhinterfragte Traditionen rebelliert, um vielleicht eine andere Welt zu ermöglichen, die ihr besser gefällt. Ich erwarte von Double Fine ja eh schon nur die schönsten Charaktere, aber besonders Vella hat mich trotzdem noch positiv überrascht.

Was für die Charaktere natürlich von großer Bedeutung ist, ist ihre Animation. Ihr ausdrucksstarkes, vielfältiges Mienenspiel macht die Dialoge emotionaler als die oft immergleichen Blicke anderer Adventures. Dezente Kamerafahrten und -schnitte tun das übrige für die Dynamik der unterhaltsamen Gespräche. Der von Nathan “Bagel” Stapley geprägte Art Style ist unverwechselbar und einzigartig. Dass die 2D-Figuren dynamisch auf Beleuchtungsquellen reagieren ist gerade angesichts des doch aufwändig texturierten Grafikstils auffällig gut gelungen. Kein Wunder ist dabei, dass Broken Age nicht wie einst gedacht binnen weniger Monate fertiggestellt werden konnte: Schöner sah bisher kein Adventure aus. Mit dieser Perfektion und dem damit verbundenen hohen Aufwand dauert es nunmal lange, Content auszuarbeiten.

Broken Age
Shay sitzt auf einem Raumschiff fest

Kein Frust und keine Routine beim Knobeln

Broken Age ist kein Puzzle-lastiges Adventure. Dass jemand frustriert an einer Stelle hängenbleiben wird, halte ich für unwahrscheinlich. Aber der Rätsel-Part gefällt mir trotzdem sehr gut. Erkundungs-, Kombinations-, Dialog- und Manipulationspuzzles werden erfrischend miteinander kombiniert. Dabei wurde ich nie daran erinnert, dass man so ziemlich alles, was es an Knobeleien in einem grafischen 2D-Adventure geben kann, in den bisherigen drei Jahrzehnten der Genregeschichte wohl schon einmal gesehen hat. Sich routiniert durch eine Passage klicken zu müssen, das tut Double Fine uns nicht an. Stattdessen setzte man ein paar etwas schwierigere und komplexere Schwerpunkte mit richtig gut durchdachten Rätseln und unterhält uns mit dem Rest kurzweilig, der sich eher im Vorbeigehen lösen lässt.

Der Preis dieser Vorgehensweise ist, dass Broken Age eher kurz geraten ist. Den ersten Akt hatte ich nach etwa dreieinhalb Stunden durch – also etwas schneller als den von Baphomets Fluch 5, aber etwas länger als eine normale Episode eines Telltale-Games wie The Walking Dead. Wer kein Backer ist und das Spiel nun vor seinem öffentlichen Release am 28. Jänner kauft, zahlt aber auf Steam auch nicht mehr als 20,7€ dafür. Akt 2 ist im Preis selbstverständlich inkludiert.

Broken Age

Erwartungen erfüllt

Broken Age hatte die Last zu tragen, das Posterchild von Kickstarter zu sein und gleichzeitig all der romantischen Verklärung gerecht zu werden, die der Gedanke an frühere Tim-Schafer-Adventures automatisch bei jedem Genrefan auslöst. Umso imposanter ist, dass es selbst die höchsten Erwartungen noch voll erfüllt. Hier wird durchwegs unterhaltsame Kost von herausragend guter Qualität angeboten. Wer das nicht genießen kann, sollte sich ein anderes Hobby suchen. Falls ihr es nicht schon in der Entwicklung unterstützt habt, ist mein Rat deshalb logischerweise: Zieht los und kauft es.

Broken Age erscheint für Windows, MacOS und Linux am 28. Jänner, der zweite Akt kommt als freies Update im März oder April. Offiziell ist das Spiel bis dahin im Beta-Status, erwartet also den ein oder anderen Bug. (In unserem Test kam allerdings keiner vor.) Versionen für Android und iOS folgen.

Baphomets Fluch 5 im Test: Einfach aber charmant

Baphomets Fluch 5

Baphomets Fluch 5 (engl. Titel: Broken Sword 5) wurde über kickstarter mit dem Versprechen finanziert, ein 2D-Point-&-Click-Adventure wie seine ersten Teile zu werden. Insofern ist es nicht überraschend, dass es auch ganz genau das geworden ist. Revolution Software hat seinen Klassiker ganz klassisch weitergeführt, nachdem das britische Unternehmen seine Erfolgsserie für den zweiten und dritten Teil in eine umstrittene und wenig geliebte 3D-Umgebung verpflanzt hatte. Weiterlesen

Slaves of Rema: Lesen, Würfeln, Freuen, Verzweifeln

Die wichtigsten Dinge werden in "Slaves of Rema" üblicherweise mit Würfeln geklärt.
Die wichtigsten Dinge werden in “Slaves of Rema” üblicherweise mit physikalisch korrekt fallenden Würfeln geklärt.

Als ich irgendwann einmal eines der mittlerweile fast unzähligen Pay-What-You-Want-Bundles erworben habe, gelangte auch das Spiel Slaves of Rema in meinen Besitz. Damals nur kurz geöffnet und nach einem kurzen “What the fuck?” ad acta gelegt, habe ich das Game an einem lauen Feiertagsabend doch tatsächlich wiederentdeckt. Weiterlesen

“The Novelist”: Ein Familienschicksal in eurer Hand

The Novelist
Ein Autor, seine Frau und sein Kind versuchen in The Novelist zusammen zu finden

Dan Kaplan ist Autor. Und Ehemann. Und Vater. Und an allen drei “Fronten” seines Lebens kriselt es gewaltig, als er sich mit seiner Familie für drei Monate in ein abgelegenes Ferienhaus zurückzieht. Dort soll er alles auf die Reihe kriegen: Die Ehe mit Linda retten, endlich an diesem Buch weiterkommen und die Beziehung zu seinem Sohn Tommy pflegen. Das sind viele Pläne für einen vollgestopften Tag, und nicht alles geht sich aus. Und da betretet in The Novelist ihr als Spieler die Bühne.

Entwickler Kent Hudson lässt euch in seinem experimentellen Adventure die Rolle eines Poltergeistes schlüpfen. In der Ego-Perspektive der reduzierten 3D-Cel-Shading-Grafik flüstert ihr dem entscheidungsschwachen Dan im Schlaf die Handlungen ein, die er tätigen soll. Um welchen Teil seines Lebens soll er sich kümmern? Je mehr Hinweise ihr tagsüber sammelt – durch das Lesen von Briefen, Notizen oder das Durchstöbern von Erinnerungen im Kopf der Figuren – desto mehr Entscheidungen stehen euch offen. Der Clou dabei: Ihr dürft von den Spielfiguren beim Herumschnüffeln nicht entdeckt werden, sonst schwinden die Handlungsotionen. Mit Fortdauer des Spiels gibt es immer weniger Verstecke. Wer mag, kann auch einen Modus spielen, in dem man immer unentdeckt bleibt.

Ein modernes Spiel

The Novelist ist ein Versuch sogenanntes player-driven Storytelling weiterzubringen. Freilich bleibt auch in diesem Spiel im Endeffekt die Geschichte eigentlich vorgegeben, aber durch die bedeutenden Entscheidungen des Spielers beeinflusst man sie merkbar. Die Story ist dabei wie eingangs geschildert alltäglich, aber nicht banal. Denn die gestellte Frage ist eine unserer Zeit: Wie soll man nur all diese Dinge unter einen Hut bringen? Dieses eigene Leben als Individuum, dieses berufliche Leben und dieses familiäre Leben?

Während man sich die Strategie überlegt, um Dan durch den Tag zu bringen, gibt man auch etwas von sich selbst preis. Nämlich die eigene Antwort auf diese Frage der Lebenskunst: Wie kann es funktionieren? Indem man zuerst sich selbst beglückt und daraus Kraft für andere schöpft? Oder in dem man sich vor allem um andere kümmert und daraus selbst Glück zieht? Oder hilft überhaupt nur der Versuch, es immer allen recht ein bisschen und niemandem ganz zu machen?

Ich liebe Spiele, die meine Entscheidung in den Mittelpunkt rücken. The Novelist tut das auf eine sehr ruhige, unaufgeregte Art ohne Effektheischerei. Deshalb ist es ein spannendes Spiel. Wie das in der Praxis so aussieht, haben wir für euch in einem Let’s Play-Video zusammengefasst. Es ist unser erstes Video dieser Art, deshalb entschuldigt bitte die technischen Fehler und die zu niedrige Auflösung.

The Novelist ist seit kurzem auf Windows und Mac erhältlich. Derzeit bekommt ihr es auf der offiziellen Webseite (mit Steam-Key) für 15$ (~11€), regulär kostet es 20$ (~15€).

Test: “Stick It To The Man!” ist ein schräges Comedy-Abenteuer

Stick It To The Man!
Stick It To The Man!” erinnert an eine Mischung aus Psychonauts und The Cave.

Wenn man schon als Helmtester arbeitet, sollte man eigentlich darauf vorbereitet sein, dass einem früher oder später etwas auf den Kopf knallt. Ray wird allerdings davon überrascht, dass es ein intergalaktischer Gedankenlese-Greifarm ist, der sich in seiner Birne einnistet. Dass ein intergalaktischer Bösewicht dieses Dinge gerne wiederhaben würde, klingt da fast logisch. Davon überzeugt, dass er einfach nur einen gewissen Knall hat, rutscht Ray in ein besonders schräges Abenteuer, das die Entwickler von Zoink! Stick It To The Man! genannt haben.

Das ist ein hübscher und einzigartig gestylter 2D/3D-Hybride, der auch spielerisch eine Kombination aus Jump & Run und Adventure ist. Der Name des Spiels ist ein Wortspiel, das irgendwas zwischen “Kleb es an den Mann!” und “Zeig es dem Establishment!” bedeuten kann. Als solches ist es auch ein Hinweis darauf, dass man einigermaßen fortgeschrittenes Englisch verstehen sollte, um die Gags zu verstehen, die Ray in seiner komplett abgedrehten Welt zwischen Irrenhaus, Draumlevels und Raumstationen am laufenden Band spricht und zu hören bekommt. Eine Vor- und Zurückspulfunktion für die stets vertonten Aussagen der verrückten Charaktere hilft beim besseren Verstehen oder Überspringen von Passagen. Musikalisch ist das Spiel unauffällig untermalt. Den Trailersong (“I Just Dropped In (To See What Condition My Condition Was In)” – siehe unten) bekommt ihr nur im Startmenü zu hören.

Die Rätsel sind (meist) in ihrer eigenen abgedrehten Art logisch. Sie haben damit zu tun, dass die Gedanken von Menschen als Sticker visualisiert werden und dann an eine passende andere Stelle geklebt werden müssen. Das bleibt in einem überschaubaren Rahmen. Mehr als vier bis fünf Gegenstände hat man selten im Inventar. Wer nicht immer genau zuhört, verpasst vielleicht den ein oder anderen Hinweis. Dann kann es schon einmal passieren, dass man in den mit Fortdauer des Spiels zunehmend großen Level-Abschnitten kurz etwas ratlos umher irrt. Jeder Level auch eine Art Labyrinth ist. Vage Maps helfen zwar, die Übersicht zu wahren, zeigen aber bewusst nicht jeden Weg präzise an. Die Welt muss also erst au eigene Faust erkundet werden.

Gags, Gags, Gags

Für Abwechslung sorgen einige Actionsequenzen, in denen Ray von Agenten des Bösewichts gejagt wird. Auch das erfordert meist ein wenig logische Denkarbeit. Mit seiner Mischung aus Rätseln, Temposequenzen und Humor hält Stick It To The Man! während seiner 4-5 Stunden Spielzeit durchaus bei Laune. Jede Menge Sarkasmus und absurder Humor warten auf Unterhaltungssüchtige. Das Spiel nimmt sich selbst, Spiele im Allgemeinen und andere Themen auf die Schaufel. Die Inspiration bei Double Fine und insbesondere Psychonauts wird Zoink! wohl weder leugnen können noch wollen. Ein viel schöneres Kompliment kann man einem komödiantischen Spiel ja kaum machen.

Zwischendurch hätte Autor Ryan North (der das Comic-Buch zur TV-Serie Adventure Time geschrieben hat) aber ruhig etwas auf die Bremse steigen können. Gerade in der zweiten Spielhälfte ufern die Monologe aus und hätten oft auch ein, zwei Späße und Absurditäten weniger vertragen. Die Klasse der besten Produktionen von Tim Schafer erreicht Stick It To The Man! deshalb nur an wenigen Stellen. Zum Kulthit fehlt der letzte Touch im Skript – da geht das Amusement zu selten über einen anerkennenden Grinser hinaus. Aber es ist ein ziemlich gutes Spiel und hat Momente, in denen man eine inhaltliche Kooperation mit dem Großmeister nicht mit voller Überzeugung ausschließen könnte. Es ist sogar der bessere Rätsel-Plattformer als The Cave – Ron Gilbert verzeih.

Stick It To The Man! ist auf Windows-PC, PlayStation 3 und PS Vita erhältlich. Auf Steam kostet es in den nächsten 40 Stunden 8,4€ – ansonsten 14€.

“The Walking Dead”-Entwickler Telltale macht Spiel zu “Game of Thrones”

Game of Thrones

Die Masterminds des episodischen Adventures Telltale haben am Wochenende am VGX-Event die Entwicklung zweier neuer Serien bekanntgegeben. Tales from the Borderlands soll Fans des schrägen und beliebten RPG-Shooters Borderlands von Gearbox mit einer ausgeweiteten Storyline versorgen. Unterdessen haben sich auch die Gerüchte der letzten Wochen bestätigt, dass Telltale mit Game of Thrones nach The Walking Dead eine weitere Mega-Lizenz betreuen werden.

Beide Spiele werden dem Prinzip episodisch erscheinender Adventures mit harten moralischen Entscheidungen folgen, dass das Entwicklerstudio mittlerweile auf beeindruckende Weise zu seinem Erkennungsmerkmal gemacht hat. Gerade bei Game of Thrones ist das interessant, weil die Geschichte durch die HBO-Fernsehserie und die Originalbücherserie Das Lied von Eis und Feuer ja durchaus bereits gewisse klare Rahmenbedingungen hat.

Während es zu Tales from the Borderlands bereits einen etwas aussagekärftigeren Trailer gibt, soll die Entwicklung von Game of Thrones noch in einem frühen Stadium stecken. Trotzdem soll die Spielestaffel wohl noch 2014 erscheinen.

Damit hat Telltale neben dem neuen The Wolf Among Us (Episode zwei erscheint Anfang 2014, unser Review zur ersten ist in der Mache) und der zweiten Staffel von The Walking Dead (Episode 1 erscheint noch vor Weihnachten) derzeit mindestens vier Spieleserien in Arbeit. Ob das Studio auch die PC-Gaming-Klassiker Monkey Island (siehe Tales of Monkey Island) und Sam & Max irgendwann fortsetzt, ist zumindest mir derzeit unbekannt.

Entwickler von “1979 Revolution” in Heimat zu feindlichen Spionen erklärt

1979 Revolution: Ein Spiel über die Geschichte des Iran wird dort als feindliche Propaganda denunziert
1979 Revolution: Ein Spiel über die Geschichte des Iran wird dort als feindliche Propaganda denunziert

Kürzlich haben wir von 1979 Revolution – Black Friday berichtet. Das Action-Adventure (PC, Android und iOS) über die iranische Revolution tut sich bei kickstarter bisher recht schwer, die angestrebten 395.000 US-Dollar zu sammeln. Interessant ist eine Information im Pitch.

iNK Stories-Gründer Navid Khonsari behauptet da, dass er wegen dieses Spiels von Zeitungen im Iran (und dementsprechend wohl auch vom Regime) zum feindlichen Spion erklärt wurde. “Die Anschuldigung bedeutet, dass ich nicht mehr in den Iran kann”, schreibt Khonsari. Gegenüber Kotaku erklärt er: “Als etwas über das Spiel bekannt wurde, hat eine konservative iranische Zeitung davon Wind bekommen und mich zum Spion erklärt.” Man werfe ihm vor, Propaganda zu machen. “Das ist wirklich scheisse, weil ich noch Familie im Iran habe.” Als Ergebnis des Spiels hätte auch der Künstler, der die meisten Konzeptgrafiken gezeichnet habe, aus dem Iran flüchten müssen. “Wir haben noch nicht einmal irgendwas veröffentlicht, aber jeder der mit dem Spiel verbunden ist gilt als schuldig.”

Im Kotaku-Interview findet ihr auch eine Menge Infos darüber, wie sich 1979 Revolution spielen soll. Eine spannende Information ist außerdem, dass es nur der Start einer Serie an Games sein soll, die politische Realitäten und Kämpfe rund um den Globus in den Fokus rücken sollen, von denen Gamer normalerweise nie zu hören bekommen. 1982 El Salvador, 1988 Panama, 1992 Liberia und 1995 Bosnien könnten dabei Themen sein. Geschrieben sollten die Geschichten aber wie 1979 Revolution aber jeweils von Leuten mit persönlichen Bezug werden. Die Software wird mehr als Plattform dargestellt, auf der sich Autoren aus diesen Ländern verwirklichen können.

Wäre schade, wenn dieses ambitionierte Projekt bei den Crowdfundern durchfallen würde.