Honor 6 Plus im Test: Das Smartphone mit Doppel-Kamera

Mit dem Honor 6 Plus hat die Huwaei-Tocher Honor vor einigen Monaten in Europa ihr Portfolio erweitert. Wir haben uns das Smartphone einmal etwas genauer angesehen.

Das Honor 6 Plus hat ein gestochen scharfes Full HD-Display (1080×1920, LED) – das ist zwar technologisch kein absolutes Top-Disolay, aber es überzeugt durch seine Helligkeit, Farbkraft sowie gute Schwarzwerte. Auch der nicht wechselbare Akku (3600mAh) gehört zwecks seiner Leistungskraft zu den Pro-Argumenten für das Honor 6 Plus. Bei genügsamerer Nutzung kann man damit schonmal 2 Tage überstehen.

Das schön verarbeitete Gerät verfügt über einen Metallrahmen, der ebenso wie die verglaste Vorderseite zum wertig wirkenden Verbau beiträgt. Die Kunststoff-Rückseite mit Maserung unter der Oberfläche widerspricht diesem Eindruck ein wenig, sie war bei unserem (nicht fabriksfrischen) Testgerät allerdings auch schon etwas zerkratzt und scheint dafür anfällig zu sein. Robust bleibt das Gerät allerdings trotzdem.

Honor 6 Plus

Das Smartphone läuft seit einem Update Ende 2015 mit Android 5.1.1, das hinter einer eigenen grafischen Benutzeroberfläche (EMUI 3.1) schlummert. Das bedeutet eine gewisse Umgewöhnung, zum Beispiel gibt es keinen App-Drawer. Wie unter iOS werden alle installierten Apps auf den Homescreens abgelegt. Von derartigen Geschmacksfragen abgesehen geht die Bedienung insgesamt problemlos von der Hand.

Gute Performance

Das Honor 6 Plus ist ein eher schweres und großes Gerät (5,5 Zoll). Mit einer einzelnen (insbesondere kleineren) Hand ist es eigentlich kaum bedienbar. Wenn man wie ich kleinere Geräte gewohnt ist, rutscht man beim Telefonieren zudem schonmal vom Lautsprecher. Patscherte persönliche Problemchen beiseite gelassen ist die Gesprächsqualität ansonsten in beide Richtungen als gut zu bezeichnen.

Zwei kombinierte 4-Kern-Prozessoren (“Kirin 925”) und ein durchschnittlicher Grafikchip (Mali-T628) und dazu 3GB RAM sorgen im Alltag für eine sehr reibungslose Performance. Wer schon länger kein Top-Handy mehr besessen hat, wird von der Grafikleistung beeindruckt sein, auch wenn man bei Games mit dem Honor 6 Plus gar nicht mehr in die Top-Regionen kommt. Im plattformübergreidenden Benchmark von 3DMark ist der irrwitzig schöne High-End-Test “Sling Shot” eine Ruckelorgie (389 Punkte)), der auf OpenGL ES 2.0 ausgelegte “Ice Storm Extreme” läuft dafür konstant gut und erreich 9264 Punkte (zum Vergleich: mein iPhone 4S unter iOS 9 performt mit 1312 Punkten).

Honor 6 Plus enttäuscht bei Fotos

Die Kamera gehört zu den größer angepriesenen und einzigartigeren Features des Honor 6 Plus. Sie besteht aus zwei Linsen mit je 8 Megapixel-Auflösung, die je nach Aufnahmeart kombinierte Aufnahmen von bis zu 13 Megapixeln schaffen und zusätzliche Effekte ermöglichen. Mit dem Modus “Weite Blende” lässt sich der Fokus und die Tiefenschärfe nachträglich verändern. Zudem sind durch die zwei gleichzeitig aufgenommenen Bilder geringfügige 3D-Effekte möglich, wobei diese aufgrund der Anordnung der Linsen im Breitformat horizontal verlaufen. Mit dem Nachtaufnahme-Modus steht eine Langzeitbelichtung zur Verfügung, die man ohne Stativ oder andere Fixierung allerdings nicht brauchen kann. Allgemein kann man Einstellungen für ISO und Weißabgleich selbst vornehmen.

All das klingt gut, umso bedauerlicher ist es, dass die Ergebnisse ziemlich durchschnittlich ausfallen. Bilder sehen am eigenen Handy-Display, auf anderen mobilen Sceens und in klein aufgelösten Streams w(z.B. Instagram) zwar gut aus, beim Reinzoomen oder auf größeren Screens erkennt man aber die Probleme: Rauschen auch schon bei Sonnenlicht, Farben waschen an den Rändern aus, auch wenn sich dieses Problem bei schlechter werdenden Lichtverhältnissen nicht drastisch verschlechtert. Bei schlechtem Licht kommt man aber allgemein zu keinen über Erinnerungsstücke hinaus brauchbaren Schnappschüssen. Selfies mit 8 Megapixeln dank der hoch aufgelösten Frontkamera können über die durchwachsene Gesamtperformance beim Fotografieren (und einer ähnlichen bei Videos) nicht hinwegtäuschen.

Praktisch ist die Schnellschuss-Funktion: Im Standby-Modus zweimal schnell auf die “Leiser”-Taste gedrückt, fährt das Handy innerhalb von 1 bis 1,5 Sekunden hoch und macht einen Schnappschuss.

Zu den 32 GB internen Speicher unseres Modells kommen bis zu 128 GB über eine austauschbare Micro-SD-Karte. Wer darauf zurückgreift verzichtet allerdings auf die Dual-SIM-Funktionalität. Im ersten Slot ist Platz für eine micro-SIM mit bis zu 4G-Empfang, im zweiten entweder für die Speicherkarte oder eine nano-SIM mit 2G. Das Honor 6 Plus beherrscht LTE, allerdings mit einer ärgerlichen Einschränkungen: Der in Österreich (von A1 und T-Mobile, nicht von drei) und in Deutschland im ländlichen Raum benutzte 800 MHz-Standard wird nicht unterstützt. 4G dürfte also vor allem in Ballungszentren zur Verfügung stehen. Weitere Konnektivität wird durch Blutooth und NFC geliefert.

Das Honor 6 Plus kostet derzeit rund 340€ (Partnerlink). Damit ist es nicht viel teurer als das etwas ältere, aber in technischen Belangen weitgehend vergleichbare Honor 6 (280€, das etwas kleiner ist, keinen Dual-SIM mitbringt und dafür beim Display sogar noch etwas besser abschneidet) und kaum billiger als das mittlerweile erschiene Honor 7 (PL) (350€, ebenfalls etwas kleiner, performanter, dafür mit weniger Speicher), die wir aber beide noch nicht testen konnten.

Fazit

Ein guter Akku, das schöne Display, der wertige Verbau, der ansprechende Preis und die Dual-SIM-Funktionalität sprechen für das Honor 6 Plus. Performancetechnisch landet Honor im guten oberen Mittelfeld und das eigene GUI dürfte höchstens harte Android-Puristen ärgern, während es iOS-Umsteigern sogar gefallen könnte. Die größte Enttäuschung liefert das Zwei-Linsen-System beim Fotografieren, das sich als eher sinnloses Gimmick entpuppt und die beschränkte LTE-Konnektivität. Wer in diesen beiden Bereichen höhere Ansprüche stellt, sollte sich nach Alternativen umsehen.