Assassin’s Creed Chronicles: China im Review: Ist weniger mehr?

Falls jemand vergessen hat, dass es eine Serie namens Assassin’s Creed gibt (immerhin erscheint nur gefühlt jede zweite Woche eine neues Spiel) hat sich Ubisoft etwas einfallen lassen: Die Chronicles-Serie. Ursprünglich als Teil des Season Pass von Unity gedacht ist deren erster Teil mit dem slicken Namen Assassin’s Creed Chronicles: China kürzlich auch als Standalone-Produkt erschienen. Der Clou der ganzen Angelegenheit: Das Gameplay wird massiv reduziert. Statt offener Welt mit Quadrillionen Möglichkeiten wird AC zum 2,5D-Stealth-Sidescroller.

China versetzt euch in die Rolle von Shao Jun, kurz nachdem diese von ihrer Ausbildung bei Ezio Auditore (Assassin’s Creed 2) in Italien zurückgekehrt ist, die bereits in diesem Kurzfilm einmal thematisiert wurde.

Shao ist eine weibliche Assassine im fernöstlichen 16. Jahrhundert, die Rache an den Templern nehmen will. Die Story von Assassin’s Creed Chronicles: China wird zwischen den Missionen in gezeichneten Sequenzen erzählt. Mangels wirklich interessanter Charaktere ist sie kaum relevant und nur dazu da, um eine Rechtfertigung für die Reise durch die Settings zu liefern.

Diese sind recht vielfältig und führen euch zum Beispiel an die Große Mauer, durch die Verbotene Stadt, einen Hafen und Festungen. Im Prinzip sind die meisten Levels eine fließende, ziemlich lineare Aneinanderreihung von Rätselpassagen, die man mit stets wachsenden Fähigkeiten auf drei verschiedene Arten meistern soll: Entweder gewaltlos schleichend, als unsichtbarer Attentäter oder als wild kämpfender Krieger (wobei ein Stealth-Vorgehen sicher die beste Spielerfahrung bietet). Es fühlt sich ein wenig, wie eine saloppe Mischung aus Mark of the Ninja und klassischen Prince of Persia-Teilen an.

Für etwas Auflockerung zwischendurch sorgen Speedrun-Levels, die man möglichst schnell absolvieren muss, etwa weil die ganze verdammte Welt ein paar Meter hinter euch in Flammen aufgeht. Das ist spektakulär und ein willkommener Tempowechsel, würde für sich allein gesehen das Spiel aber mangels Herausforderung eher nicht tragen.

Je nach Geschick gibt es Punkte für euer gewähltes Vorgehen, die automatisch in kleinere Upgrades (wie mehr Lebensenergie oder ein größeres Waffenarsenal) umgewandelt werden. Durch dieses System wird ein beliebiger Ansatz durchaus bestraft. Loszuschleichen, dann in einen Kampf verwickelt zu werden und schlussendlich noch einen Gegner aus dem Schatten heraus zu töten, bringt eher nicht die Höchstpunktezahl und dementsprechend weniger spielerische Möglichkeiten für spätere Missionen. Trotzdem kann die schiere Möglichkeit, schiefgegange Versuche einfach ohne konsequente Eleganz durchzudrücken, ein Gefühl für etwas spielerische Beliebigkeit aufkommen lassen. Ihr müsst euch da also ein bisserl selbst disziplinieren.

Fazit

Abgesehen von kleineren Gameplay-Längen ist Assassin’s Creed Chronicles: China erzählerisch nicht gut genug, um die Begeisterung mancher kleinerer Indie-Games wie Mark of the Ninja zu wecken, mit denen es von Umfang und Preis schlussendlich um eure Gunst konkurriert. Diese kann es mit seiner etwas verwaschenen Optik auch grafisch dann nicht der Serie gebührend in den Schatten stellen. Aber auch wenn es nicht zum Primus seiner Art wird: Den Zehner, den Ubisoft von euch dafür erlangt, ist das etwa 6-7 Stunden lange Spiel sicher wert. Das gilt auch dann, wenn man sich an den großen AC-Spielen mittlerweile dezent sattgesehen hat. Im Prinzip tut die Chronicles-Serie (deren nächsten zwei Teile nach Indien und Russland führen) etwas, was AC insgesamt gut tun würde: Es reduziert viel Blingbling und konzentriert sein Gameplay auf ein paar Gameplay-Elemente, die es dann interessant auszugestalten trachtet – was großteils ganz gut gelingt.

Assassin’s Creed Chronicles: China ist für Windows, Xbox One und PS4 erschienen.