LCS-Portrait #2: Splyce

In unserer Serie zum Saisonstart der LCS stellen wir alle Teams vor – und gehen dabei von oben nach unten in der Tabelle vom letzten Jahr. Heute stellen wir das zweitplatzierte Team vor: Splyce.

Splyce ist das dänische Team, das letztes Jahr alle überrascht hat. Im Frühling trotz teils sehr ansprechenden Vorstellungen unter den Abstiegskandidaten, hat sich der Aufsteiger von 2015 in nur einer Saison vom Außenseiter zum WM-Team gesteigert. Das Team, das in insgesamt neun eSports vertreten ist, wird generell dafür geliebt, sich immer schneller und weiter zu steigern und dabei nicht die Sympathie zu verlieren.

Das mag daran liegen, dass Splyce ein fast rein dänisches Team ist. 2016 kamen sie in die LCS, nachdem sie den Platz von Dignitas.EU gekauft hatten. Mit dabei: Fünf Dänen aus einem dänischen Team. Im eSports-Bereich, wo Teams generell „europäisch“ sind, internationale Spieler haben und Englisch sprechen, ist es selten, einen lokalen oder nationalen Bezug zu einem Team zu haben. Zudem waren die Spieler zuerst keine Stars, sondern Außenseiter – Sympathiebonus, natürlich.

Zur Weltmeisterschaft qualifizierte sich Splyce nach dem Auswechseln der Support-Position und extremer Steigerung in der zweiten Hälfte des Sommer-Splits. In der regionalen Ausscheidung waren sie als Tabellenzweiter in der letzten Runde gesetzt und konnten sich gegen starke Unicorns of Love durchsetzen.

Bei der WM selbst hieß es in der „Killergruppe“ Ende – mit dem koreanischen Team Samsung Galaxy, dem chinesischen Starteam Royal Never Give Up und dem amerikanischen Meister Team SoloMid waren die Dänen auch bei der Weltmeisterschaft in der Rolle des sympathischen Außenseiters. Hier riskierten sie viel und spielten offensiv, zum Beispiel mit einem Kled-Pick kurz nach der Veröffentlichung des Champions oder mit Kobbe auf dem Hyper Carry Jinx. Trotzdem konnten sie nur ein Spiel gegen RNG gewinnen und schieden als Gruppenletzter aus.

 Spieler:

  • Top: Wunder
  • Jungle: Trashy
  • Mid: Sencux
  • Adc: Kobbe
  • Support: Mikyx

Es ist schwer, den Starspieler in einem Team auszumachen, das durch Teamwork und intelligente Strategie erfolgreich wurde, darum ein paar Worte zu jedem. Top Laner Wunder galt gegen Ende der letzten Saison als einer der besten Top Laner des Westens, der vor allem mit Lane Bully-Champions wie Gnar oder Kennen auftrumpfen kann. Jungler Trashy ist beliebt für seinen unterstützenden Spielstil, der es anderen in seinem Team ermöglicht, das Spiel zu übernehmen. Am besten kann das Mid Laner Sencux – mit offensiven Picks wie der alten LeBlanc kann er ein Spiel alleine entscheiden.

AD Carry Kobbe ist kein Star-Carry wie Forg1ven oder Zven, der für großartige Auftritte bekannt ist. Er ist eher ein Spieler, der da ist, wenn man ihn braucht. Er liefert immer – egal ob auf Hyper-Carries wie Jinx, mobilen Champions wie Ezreal oder Utility-Champions wie Sivir. Sein Support Mikyx wiederum ist vor allem für seinen aggressiven Spielstil beliebt – und dafür, den Tank Sion als Support-Champ zu etablieren. (Wobei manche ihn dafür auch hassen)

Was für sie spricht: Splyce ist eingespielt. Seit dem wundersamen Aufstieg zum Eliteteam haben alle Spieler ihren Vertrag verlängert – und der Slowene Mikyx dürfte mittlerweile auch Dänisch gelernt haben. Wenn sie es schaffen, weiter so taktisch klug zu spielen wie Ende 2016, dann wird es schwer, an ihnen vorbeizukommen. Ihr Coach YamatoCannon dürfte jedenfalls wieder einige Trümpfe im Ärmel haben.

Was gegen sie spricht: Wie im Beitrag zu G2 Esports schon das Hauptargument: Die stärkere Konkurrenz. Letzte Saison hatten sie gegen G2 das Nachsehen im Finale, dieses Jahr kommen mit dem neuen Fnatic und Misfits zwei stark einzuschätzende Unbekannte dazu. Auch die Gruppengegner Unicorns of Love, Team Vitality, Giants Gaming und H2k-Gaming sind auf dem Papier auf vergleichbarem Niveau. Es wird also nicht leicht für die Dänen, dieses Jahr zur Weltmeisterschaft zu kommen. Aber das hat man letztes Jahr auch gesagt.